Afghanistan Karsai will Große Ratsversammlung einberufen

Afghanistans Präsident Karsai will die Aussöhnung mit den Aufständischen. Während seiner Amtseinführung hat er zudem den verschärften Kampf gegen Korruption angekündigt.

Hamid Karsai sieht die Zukunft Afghanistans positiv

Hamid Karsai sieht die Zukunft Afghanistans positiv

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat sich für eine Große Ratsversammlung zur Versöhnung mit den Aufständischen im Land ausgesprochen. Sie solle dazu dienen, den Frieden in Afghanistan nach 30 Jahren Krieg wiederherzustellen, sagte Karsai am Donnerstag in Kabul bei seiner Vereidigung für eine zweite Amtszeit. Die Loya Dschirga, die Große Ratsversammlung, ist laut Verfassung "die höchste Manifestation des Willens des afghanischen Volkes". Eine Loya Dschirga war bereits nach dem Sturz der Taliban einberufen worden.

Afghanistans Sicherheitskräfte sollen außerdem bald die Verantwortung für bislang instabile Landesteile von den internationalen Truppen übernehmen. Dies solle innerhalb von drei Jahren geschehen, versprach Karsai. Er zeigte sich zuversichtlich, dass der Kampf gegen den Terrorismus gewonnen werde.

Anzeige

Er kündigte außerdem einen verstärkten Kampf gegen die Korruption im Land an. Damit geht er auf die Forderungen ein, die zuletzt Deutschland und die USA geäußert hatten. Unter dem Beifall der 500 Ehrengäste sagte Karsai, er wolle in seine neue Regierung kompetente und professionelle Minister berufen, die dem Land zu dienen bereit seien.

Außenminister Guido Westerwelle sagte während seines Besuchs in Kabul, die Antrittsrede Karsais habe die Erwartungen Deutschlands erfüllt. "Wir werden Präsident Karsai beim Wort nehmen und setzen darauf, dass den richtigen Worten jetzt auch die richtigen Taten folgen."

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen erinnerte Karsai daran, dass die internationalen Soldaten das Land wieder verlassen wollen. "Eine Übergangsphase hat begonnen. Die Afghanen werden zunehmend die Führungsrolle in ihren eigenen Angelegenheiten übernehmen", heißt es in einer Erklärung Rasmussens vom Donnerstag in Brüssel.

"Die NATO wird durch die internationale Schutztruppe ISAF mit der neuen Regierung daran arbeiten, die afghanischen Sicherheitskräfte dazu in die Lage zu versetzen, die Führungsverantwortung für die Sicherheit ihres Landes zu übernehmen", so Rasmussen. Dies werde "Distrikt für Distrikt, Provinz für Provinz, wenn die Umstände es erlauben" geschehen. Die von der NATO geführte ISAF hat derzeit rund 71.000 Soldaten in Afghanistan stationiert.

Rasmussen hatte erst am Montag in Brüssel gesagt, er glaube, dass bereits im kommenden Jahr in einigen Teilen Afghanistans die Verantwortung für die Sicherheit an die Afghanen übertragen werden könne. Zuvor müsse jedoch vor allem die Zahl der Militärausbilder verstärkt werden. Rasmussen erklärte, die NATO unterstütze Karsais Absicht, "eine fähige Regierung zu bilden und diese rechenschaftspflichtig zu machen, eine Regierung, in der die Korruption keinen Platz hat".

 
Leser-Kommentare
  1. sollte zunächst mal den Drogensumpf seines Bruders trockenlegen...und wir sollten endlich raus aus diesem Land, was haben wir dort zu suchen? Kann man die Afghanen sich selbst überlassen? Muss man auf andere Weise helfen?

    Sollen - Können - Müssen. Ein Dreifach-Spagat den schon ganz andere nicht hinbekommen haben.

    Allenorts herrscht Einigkeit: Korruption muss bekämpft werden! Stattdessen werden die Taschen immer praller gefüllt. Warum macht es mich stutzig und lässt mich meist das Gegenteil denken, wenn ich heutzutage Nachrichten lese?

    • eras
    • 19.11.2009 um 14:43 Uhr

    Da kündigt der Bock an, dass er demnächst (eventuell) die Ausbildung zum Gärtner beginnen möchte. Dabei hat er die Kontrolle über den Garten schon seit Jahren verloren...

    Ähnliche Ankündigungen hört man ja des öfteren, wenn sich mal wieder ein General irgendwo in der Welt an die Macht geputscht hat. Die "Ergebnisse" werden wohl auch vergleichbar überschaubar sein. Kommentator 1 hatte ja schon angesprochen, dass Karsais Familie eine der Hauptquellen der Korruption ist.

  2. Allein die Tatsache, dass sich der Gegenkandidat um das Präsidentenamt „freiwillig“ zurückgezogen hat, sagt doch alles.
    Hatte wohl Angst vor der „Stichwahl?“ und mit Sicherheit zu Recht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service