Afghanistan Obama geht mit Karsai ins Gericht

Barack Obama hat Hamid Karsai als wiedergewählten Präsidenten Afghanistans anerkannt. In einem Telefonat jedoch setzte der US-Präsident sein Gegenüber unter Druck.

Barack Obama hat Afghanistans Präsidenten Hamid Karsai zu dessen Verbleib im Amt beglückwünscht. Gleichzeitig ging der US-Präsident in einem Telefongespräch mit seinem Gesprächspartner hart ins Gericht. Er forderte Karsai auf, die Korruption stärker zu bekämpfen. Zudem habe er Karsai aufgerufen, die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu beschleunigen, erklärte Obama.

Während eines Treffens mit dem schwedischen Ministerpräsidenten und derzeitigen EU-Ratspräsidenten Fredrik Reinfeldt kritisierte Obama den afghanischen Präsidenten indirekt: Für die notwendigen Veränderungen in Afghanistan seien "Taten und nicht Worte erforderlich".

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Karsai beeilte sich unterdessen zu erklären, dass er sich in seiner zweiten Amtszeit vor allem für die Bekämpfung der Korruption in Regierung und Verwaltung einsetzen wolle. Er kündigte außerdem die Bildung einer Regierung der "nationalen Einheit" an. Sein neues Kabinett werde
Vertreter aller ethnischen Gruppen und politischen Lager des Landes umfassen, sagte Karsai am Dienstag in der Hauptstadt Kabul. Ob der Regierung auch sein politischer Rivale, Ex-Außenminister Abdullah Abdullah, angehören wird, ließ Karsai allerdings offen.

Obama erklärte, die USA erkennen die Wahl Karsais als rechtmäßig an. Die umstrittene Wahlkommission IEC hatte Karsai am Montag nach wochenlangem Chaos zum Sieger der Wahl im August erklärt, nachdem sein Konkurrent Abdullah Abdullah seinen Rückzug von der geplanten Stichwahl am 7. November angekündigt hatte.

Die Entscheidung der afghanischen Wahlkommission entspreche den Gesetzen des Landes, sagte der Sprecher des Weißen Hauses Robert Gibbs. Die US-Regierung betrachte Karsai als "legitimen Führer" Afghanistans. In Kabul habe es nach dem Rückzug von Karsais Gegenkandidaten für den zweiten Wahlgang einen "schwierigen Prozess" gegeben. Es gebe jedoch keinen Anlass zu glauben, dass das afghanische Volk Karsai nun nicht als seinen legitimen Präsidenten anerkennen werde.

Glückwünsche kamen unter anderem auch von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, dem britischen Premierminister Gordon Brown, Bundesaußenminister Guido Westerwelle und dessen französischem Amtskollegen Bernard Kouchner. 

Die internationale Gemeinschaft war strikt gegen eine Stichwahl mit Karsai als einzigem Kandidaten. Es wäre "lächerlich", für eine Wahl mit klarem Ausgang Geld auszugeben und Leben zu riskieren, sagte ein westlicher Diplomat.

Die Nato sagte weitere Unterstützung bei der Stabilisierung des Landes zu. Über die Entsendung zusätzlicher US-Soldaten nach Afghanistan werde Obama in den kommenden Wochen entscheiden, sagte der Sprecher des US-Präsidenten.  

Abdullah hatte von Karsai gefordert, IEC-Chef Ludin wegen des massiven Betrugs in der ersten Runde der Wahl zu entlassen. Als Karsai dies verweigerte, hatte Abdullah am Sonntag unter Verweis auf erneut drohende Manipulationen bei der zweiten Runde seine Teilnahme an der Präsidentenwahl abgesagt. Da Karsai keine absolute Mehrheit hatte, war nach der Verfassung eine Stichwahl notwendig geworden. Der Rückzug eines Kandidaten aus der Stichwahl ist in dem Gesetzestext allerdings nicht vorgesehen. Ludin verwies darauf, dass die Verfassung zwei Kandidaten bei der Stichwahl vorschreibe. Er führte außerdem Sicherheits- und finanzielle Gründe für die Absage der Wahl an.

Die Taliban hatten bereits die erste Wahlrunde massiv mit Anschlägen und Angriffen gestört. Am vergangenen Mittwoch waren bei einem Angriff der Taliban auf ein UN-Gästehaus in Kabul fünf ausländische Mitarbeiter der Vereinten Nationen getötet worden. Die Taliban hatten den Angriff als den Beginn ihrer Operation gegen die Stichwahl bezeichnet.

 
Leser-Kommentare
  1. Dem angelsächsischen Westen ungenehme Regierungschefs werden normalerweise schon für die kleinsten angeblichen Unregelmäßigkeiten Diktatoren genannt. Und hier? Vielleicht sollte man sich notfalls bei der Zeit über die US-Sprachreglung hinwegsetzen und einfach die Realität anerkennen.

  2. Hören wir doch mal auf, uns was vorzumachen.

    Völkerrechtlich ist Afghanistan ein besetztes Land. Die Besatzungsmacht, im Wesentlichen eben die von den UN mandatierte Nato, hat die zukünftigen Geschicke des Landes zu bestimmen. Jede afghanische Regierung handelt in eingeschränkter Souveränität.

    Ähnlich wie bei der Erfolgsgeschichte Deutschland nach 1945 ist es natürlich sinnvoll, ein Volk innerhalb vorgegebener Grenzen selbst über seine Zukunft entscheiden zu lassen. Aber auch die Bundesrepublik Deutschland unterlag von 1949 bis 1990 alliierter Kontrolle und eingeschränkter Souveränität. Die Alliierten hielten sich weitgehend zurück, was klug ist, wenn es funktioniert, aber das Besatzungsstatut war klar und eindeutig. U.a. unterlag z.B. jede Grundgesetzänderung dem Zustimmungsvorbehalt der West-Alliierten.
    Es ist ein Glücksfall der Geschichte, dass sich in Deutschland recht zügig genug Demokraten fanden, um eine Demokratie aufzubauen.

    In Afghanistan fehlt es offenbar noch an ausreichend demokratischer Kultur. Also muss die zivile Regierung an die kurze Leine gelegt werden. Der Drahtseilakt besteht darin, soviel äußere Einmischung wie nötig, trotzdem aber so wenig Einschränkung nationaler Souveränität wie möglich zu betreiben.

    Nationbuilding ist eben komplizierter, als manch einer denkt, aber alternativlos.

  3. 3.

    Die "Zeit" macht sich lächerlich,eine Marionette Amerikas als Staatspräsidenten zu bezeichnen.Im Krieg gibt es keine Demokratie

  4. ...zu Afghanistan und der heren Zielen des Westens noch Worte zu verlieren.

    - Der "Demokratisch gewählte Präsident" ist ein Witz
    - Ein Bevölkerung, die mal grundsätzlich nur Mitglieger der eigene Ethnie wählt und sich daher immer gegenseitig zerfleischen wird
    - eine deutsche Regierung die fröhlich Krieg zur linken Hand führt, gegen den erklärten Willen der eigene Bevölkerung
    - ein Amerikanischer Reformpräsident, der Afghanistan benutzt, um den Kriegshetzern im eigenen Land zu zeigen, das er kein Weichei ist

    und zu guter letzt ein Krieg, bei dem jeder, der was von Miltär versteht, weiss, das man da 750000 Mann brauch um auch nur Aussicht auf Erfolg zu haben.

    Ich habs satt...

  5. Nationbuilding ist nie eine gute Sache. Die USA werden der Sache in einem Gebiet mit vollkommen unterschiedlicher Religion, Ethnie und Kultur überhaupt nicht gerecht. Sie unterstützen die Kräfte die ihnen am meisten ähneln bzw. es ihnen suggerieren. Dabei zerstören sie alle gewachsenen und stabilisierenden Strukturen.

    Afghanistan ist Nachfolgestaat eines alten multiethnischen Königtums. Aus vor nationalstaatlichen Zeiten. Solche Staaten zerfallen für gewöhnlich (was fast die gesamte Welt schon hinter sich hat) nur den verschiedenen Ethnien Afghanistans gewährt man dies nicht, so daß abwechselnd jede der Ethnien mal an die Macht kommt um die anderen zu unterdrücken. Nein, man muss es zerfallen lassen und jeder Ethnie die Freiheit geben.

    Deutschland ist ein ganz anderer Fall. Der erste von den aliierten auferzwungene Demokratisierungsversuch (nach WW1)endete mit einer Nichtannahme der Bürger und der Machtergreifung der Nazis. Was ist den wenn man einen Staat besiegt/erobert und den Menschen ein Regime vor die Nase setzt und sie überhaupt keine Demokratie wollen. Wer ist da verantwortlich, wenn da ein Irrer über einen vom Volk nicht legitimierten aber von außen oktruierten Weg an die Macht kommt.

    Es heißt immer DIE DEUTSCHEN hätten Hitler gewählt. Aber tatsächlich wurde er bei einer Wahlbeteiligung von unter 50% von unter 50% der Wahlteilnehmer gewählt (<25% der Deutschen).

    Wenn Karsai durchdreht und Kriege und Genozide anzettelt, sind dann die Afghanen die Bösen oder wer?!

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