Angriff auf Tanklaster

Jung verschwieg angeblich zivile Opfer

Der damalige Verteidigungsminister Jung hat wohl schon kurz nach dem Angriff bei Kundus von zivilen Opfern gewusst. Die CDU fordert Konsequenzen.

Nach dem Angriff auf zwei Tanklaster in der Nähe von Kundus hatte der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) tagelang behauptet, es habe keine zivilen Opfer gegeben. Nach Informationen der Bild-Zeitung lag ihm jedoch zu diesem Zeitpunkt ein streng geheimes Video und ein bislang geheim gehaltener Bericht der Bundeswehr vor. Diese würden beweisen, dass das Verteidigungsministerium von Anfang an klare Hinweise auf zivile Opfer sowie auf unzureichende Aufklärung vor dem Bombenabwurf hatte.

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Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung wusste kurz nach dem Luftangriff über zivile Opfer Bescheid

Der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung wusste kurz nach dem Luftangriff über zivile Opfer Bescheid

Der bisher unbekannte Bericht der deutschen Militärpolizei (Feldjäger, 20. Deutsches Einsatzkontingent) wurde nach Bild-Informationen bisher bewusst der zuständigen Staatsanwaltschaft vorenthalten. In 42 Anlagen dokumentiert der Bericht, zu welchem Zeitpunkt unter anderem Informationen über zivile Opfer vom deutschen Regionalkommando in Masar-i-Sharif ans Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam übermittelt wurden.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) forderte im ARD-Morgenmagazin am Donnerstag eine lückenlose Aufklärung. "Die ganz entscheidende Frage ist: War der damalige Verteidigungsminister von den Berichten der Feldjäger informiert? Wenn er dies nicht war, und die Führung der Bundeswehr und der Generalinspekteur hat das bewusst vorenthalten, hat das ganz automatisch personelle Konsequenzen", sagte Kauder.

Sollte die Bundeswehr nicht ausreichend informiert haben, sei das ein "schweres Versäumnis", sagte er weiter. Der Fraktionschef nahm Jung in Schutz. "Ich gehe davon aus, dass er es nicht gewusst hat. Franz Josef Jung ist ein außerordentlich gewissenhafter Mensch. Er hätte nie und nimmer behauptet, es gebe keine zivilen Opfer, wenn er eine andere Information gehabt hätte."

Die Bundeswehr hatte am 4. September von US-Kampfjets Luftunterstützung angefordert, da die Taliban zwei Tanklastzüge in ihre Gewalt gebracht hatten. Man befürchtete, dass die Taliban mit den Tankwagen das nur wenige Kilometer entfernt gelegene deutsche Lager angreifen könnten. 

Minister Jung hatte in Zeitungsinterviews und vor dem Bundestag gesagt, es seien "ausschließlich terroristische Taliban" getroffen worden und der Kommandeur vor Ort habe "eindeutige Hinweise" gehabt, dass es sich bei den Personen bei den Tanklastern ausschließlich um Aufständische handele.

Bereits wenige Stunden nach dem Luftschlag meldete das deutsche Regionalkommando in Masar-i-Sharif aber an das Einsatzführungskommando in Potsdam klare Hinweise auf zivile Opfer. Das geht aus Anlage 23 des Feldjägerberichts hervor. Noch zwei Tage nach dem Luftangriff sagte Jung nach ihm vorliegenden Informationen seien ausschließlich terroristische Taliban getötet worden.

In der Meldung heißt es, dass im Krankenhaus von Kundus "sechs Patienten im Alter von zehn bis zwanzig Jahren", also auch Kinder, im Zusammenhang mit dem Luftschlag behandelt werden. Außerdem berichtete das Regionalkommando unter Berufung auf Nato-Verbündete von "zwei Leichen im Teenager-Alter" im Krankenhaus.

Ein deutscher Oberstarzt im Regionalkommando schrieb in seinem Bericht, der ebenfalls am Abend des Luftangriffs nach Potsdam übersandt wurde, erst von einem Kind, später von zwei Jungen, "etwa 14 Jahre alt", mit "offenem Bruch" und "Schrapnell-Verletzungen".

Zusätzlich war dem Zeitungsbericht zufolge auch bekannt, dass Taliban-Kämpfer vor dem Bombenangriff eine Moschee stürmten und "mehrere Dorfbewohner zwangen, mit Traktoren bei der Bergung des Benzins zu helfen. 14 von ihnen sind seitdem verschwunden." Dies meldete das deutsche Regionalkommando unter Berufung auf Nato-Verbündete.

Dutzende Angehörige von Opfern des Luftangriffs hatten Ende November von der Bundesregierung Entschädigungszahlungen gefordert. Der aus Afghanistan stammende Bremer Rechtsanwalt Karim Popal sagte dem Weser-Kurier, er habe mit drei Kollegen einen entsprechenden Brief an das Verteidigungsministerium geschickt.

Das Verteidigungsministerium verwies am Donnerstagmorgen auf eine Äußerung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, wonach er personelle Konsequenzen für den Fall ankündigt, dass ihm nicht alle relevanten Informationen zu Kundus vorgelegt worden sein.

Am Donnerstag befasste sich der Bundestag mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Das Parlament berät zunächst über die Verlängerung des Afghanistan-Mandats um ein Jahr innerhalb der internationalen Schutztruppe Isaf. Außerdem geht es um den weiteren Einsatz deutscher Soldaten im US-geführten Anti-Terror-Kampf sowie der Beteiligung der deutschen Marine an der Kontrolle der libanesischen Küste. Die Abstimmungen sind für kommende Woche geplant.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kündigte an, dass seine Fraktion der Verlängerung des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan mehrheitlich nicht zustimmen werde. Die Bundesregierung "weiß selber nicht, wie sie das deutsche Engagement in Afghanistan ausgestalten will, und erwartet von uns eine Art Blankoscheck", kritisierte er in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. "So kann man mit einem selbstbewussten Parlament nicht umgehen", sagte er.

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Leser-Kommentare

    • 26.11.2009 um 7:44 Uhr
    • joG

    ...einen Sicherheitseinsatz mit militärischen Mitteln zu verantworten, als den Einsatz Anderer lehrmeisterlich moralisierend zu verurteilen. Es dauert einige Zeit, bis ein Land die Rahmenbedingungen solchen Einsatzes lernt, die Konsequenzen für das eigene Verhalten analysiert und Regel aufstellt.
    Bisher hatte Deutschland in einer Welt gelebt in der Andere die Sicherheit herstellten, die keinen deutschen Beitrag erzwangen. So brauchte man die Expertise nicht und glaubte mit naiver Moral herumkritteln zu müssen, um sich eine vermeintlich hohe ethische Position zuzuschreiben.
    Nun beginnen wir zu lernen, dass wir eine ziemlich epsche Rolle spielten.

  1. Wir, das Volk, haben es doch von vornherein gewußt, gespürt, daß da etwas nicht mit rechten Dingen zuging, daß da gemauschelt wurde und nur der Chef seine Angestellten deckt. Und obwohl wir gegen diesen Krieg sind haben wir wieder die gleichen Geier gewählt, ja, und jetzt wird noch mehr Militär hingeschickt und noch mehr Geld ausgegeben und das Sterben geht weiter - und WOFÜR ?

  2. nicht geschafft hat, schafft jetzt BILD:

    Jung muss gehen!

    Und das sicher nicht ohne Einwilligung der Kanzlerin, die mit BILD und Diekmann so schöne Home- und Ostalgie Storys macht.

    Guttenberg, clear the field!

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    mir war nicht bekannt, daß Kochs Duzfreund Jung auch ein notorischer "Ich weiß von Nichts" ist!

  3. Es hätte mich auch gewundert, wenn das Einsatzführungskommando nicht zeitnah informiert gewesen wäre.- Und es würde mich weiterhin wundern, wenn der damalige Verteidigungsminister nicht gleichermaßen umfassend informiert gewesen wäre! Denn, wie der Bericht der Feldjäger nachdrücklich unter Beweis stellt, für die Bundeswehr selbst gab es keinen Grund etwas zu verschleiern.

    Bei den politisch Verantwortlichen könnte das vor der Bundestagswahl ganz anders ausgesehen haben!?

    Wer immer auch daran mitgewirkt hat den Vorfall in seiner Dimension zu vertuschen oder versucht hat die Hintergründe des Vorfalls gegenüber der Öffentlichkeit zu verschleiern, dem sei empfohlenen sich eine Aufgabe außerhalb der Politik zu suchen, die seinen Talenten entspricht!- Solche Politiker braucht dieses Land nicht mehr!

    Und es bleibt zu hoffen, dass Frau Merkel die Papst-Worte ausreichend verinnerlicht hat: „Die Wahrheit kostet Leiden in einer Welt, in der die Lüge Macht hat!"

  4. mir war nicht bekannt, daß Kochs Duzfreund Jung auch ein notorischer "Ich weiß von Nichts" ist!

    • 26.11.2009 um 8:36 Uhr
    • svoha

    Es herrscht ein unglaublicher ethischer ung geistiger Zerfall
    in der neuen robusten deutschen Republik. Wie kann es angehen,
    dass der ehemaliger Verteidigungsminister, Herr Jung, immer
    noch im selben Kabinett sitzt und sogar noch mit einem neuen
    Posten honoriert wird. Vielleicht ist er ja sogar gerade wegen
    seinen Lügengeschichten geeignet für das Minsterium für Arbeit, denn dort gehört es ja schon lange zum guten Stil mit
    falschen Zahen und statistischen Taschenspielertricks die
    Öffentlichkeit zu täuschen. Hurrah Deutschland wann gehen
    die Menschen endlich auf due Strasse und stürmen die korrupten
    Parlamente. Wir sind das Volk!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Weil es inzwischen in diesem Land völlig normal ist politisches Versagen durch Täuschen, Tricksen und Verschleiern zu verdecken!

    Und die Abhägigkeit zu den Fähigkeiten von Politikern in diesem Land ist doch zunehmend offensichtlich: Je weniger Politiker durch ihre Befähigung geeignet sind politische Aufgaben wahrzunehmen, je stärker sind sie darauf angewiesen die Verantwortung für ihr Handeln einer objektiven öffentlichen Bewertung zu entziehen!

    Solange wir als Bürger bereit sind das so zu akzeptieren, werden wir mit diesen sogennanten "Politikern" auch leben müssen! In der Konsequenz gehört dann politisches Versagen mit dazu!

  5. Weil es inzwischen in diesem Land völlig normal ist politisches Versagen durch Täuschen, Tricksen und Verschleiern zu verdecken!

    Und die Abhägigkeit zu den Fähigkeiten von Politikern in diesem Land ist doch zunehmend offensichtlich: Je weniger Politiker durch ihre Befähigung geeignet sind politische Aufgaben wahrzunehmen, je stärker sind sie darauf angewiesen die Verantwortung für ihr Handeln einer objektiven öffentlichen Bewertung zu entziehen!

    Solange wir als Bürger bereit sind das so zu akzeptieren, werden wir mit diesen sogennanten "Politikern" auch leben müssen! In der Konsequenz gehört dann politisches Versagen mit dazu!

  6. 8. Quelle

    Nicht dass ich es nicht auch für sehr überzeugend halte, dass Jung in dieser Sache gelogen hat, um seine politische Situation nicht zu schwächen, aber hat schon einer bemerkt woher diese Infos stammen ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    war das Erste, was ich registriert habe. Scheint aber irgendwie kaum einen zu interessieren...

    Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie würde es mir nach dem kollektiven Aufschrei in Politik und Medien doch eine diebische Freude bereiten zu erfahren, dass diese Meldung (noch ohne Anführungszeichen...) eine klassische BILD-Ente süß-sauer sei...

    Grüße, FZ

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