Merkel vor dem US-Kongress

Mutig nur beim Klimaschutz

Das lieben die Amerikaner: Die Kanzlerin erzählte vor dem US-Kongress von ihrer Sehnsucht nach Freiheit in der DDR. Ansonsten blieb sie im Ungefähren – außer mit ihrem Appell an die US-Politiker, mehr für den Klimaschutz zu tun.

Keine großartige, aber ein große Rede: Angela Merkel vor dem US-Kongress

Keine großartige, aber ein große Rede: Angela Merkel vor dem US-Kongress

Sie wurde mit warmem Applaus bedacht, mitunter sogar mit Hochrufen, Senatoren und Abgeordnete standen Spalier. Dies war der Tag von Angela Merkel, eine Sternstunde ihres Amtes und ihrer politischen Karriere. Denn diese Ehre, vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses zu sprechen, wird nur wenigen Regierungsoberhäuptern zuteil.

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Angela Merkel wurde ausgezeichnet als Bundeskanzlerin des wiedervereinigten Deutschlands, 20 Jahre nach dem Fall der Mauer. Und wegen ihrer besonderen Biographie. Wie dem schwarzen Obama aus Hawaii, war es auch der Ostdeutschen nicht in die Wiege gelegt, in höchste Staatsämter aufzusteigen. Ihre Karrieren waren eher unwahrscheinlich und Gegenstand der Märchenwelt.

Vierzig Minuten sprach Merkel vor vollem Haus. Es war keine großartige, aber ein große Rede. Wie es die Amerikaner lieben, erzählte sie von sich und ihrem Leben hinter Stacheldraht. Von der Sehnsucht nach Bluejeans und Freiheit – und dem großen, unfassbaren Augenblick, als sie Mauer fiel, sie in den Westen durfte, um ihren eigenen "amerikanischen Traum" leben zu können.

Allgemeiner Applaus war ihr auch sicher, als sie Amerika für die Luftbrücke und die Truppen dankte, als sie sich vor den unzähligen Opfern der Nazizeit verbeugte, energisch für das Existenzrecht Israels eintrat und sagte: "Eine Atombombe in der Hand des iranischen Präsidenten darf es nicht geben!"

 

Freundlich klatschte man auch, als die Kanzlerin sich zu Deutschlands internationalen Verpflichtungen wie der Teilnahme am Afghanistan-Einsatz bekannte. "Partnership in leadership", nannte sie das. Allerdings blieb sie eine Antwort schuldig, was genau sie darunter versteht. Zum Beispiel, ob sie dem Drängen Obamas nachgeben und mehr deutsche Truppen entsenden wird.

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Leser-Kommentare

    • 03.11.2009 um 20:44 Uhr
    • fakten

    Was soll daran kleingeistig sein, sehr geehrter Herr Klingst, wenn Frau Merkel einige derjenigen nennt, die zur Wiedervereinigung beigetragen haben? Ihre Aufzählung nahm nicht in Anspruch, alle genannt zu haben.
    Und, so leid es mir tut, Willy Brandt war persönlich sicherlich für die Wiedervereinigung, seine Parteigenossen im Jahre 1989 aber nicht (mehr). Denken Sie nur an die Toscana-Fraktion (Schröder, Fischer, Lafontaine), denen nach eigenen Aussagen die Toscana näher am Herzen lag als Ostdeutschland. Oder nehmen Sie speziell Oskar Lafontaine, der im Westen Ängste schürte, was das alles kosten würde und den Osten aufforderte, viel, viel mehr zu fordern. Er jedenfalls wollte die Wiedervereinigung nicht und wollte sie durch sein Vorgehen verhindern.
    Dass Brandt, der ja keine Regierungsverantwortung hatte und den Prozess insofern auch nicht veranlasst oder befördert hat, dann ein - persönliches - Wort zur schon geschehenen Vereinigung fand, das ist nun wirklich nichts, was man extra erwähnen muss. Was daran kleingeistig sein soll, bleibt Ihr Geheimnis.

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    Oskar Lafontaine war nicht gegen eine Vereinigung der beiden deutschen Staaten. Er schlug eine Wiedervereinigung im Rahmen einer Art Konföderation vor. Damit wären nicht nur die finanziellen Folgen besser verkraftbar gewesen, auch wirtschaftlich wettbewerbsfähige Betriebe wie ROBOTRON in Dresden und mit ihnen viele tausend Arbeitsplätze hätten erhalten werden können. Als dann aber im Wahlkampf Kohl "blühende Landschaften" versprach, hieß es, wenn die DM nicht zu uns kommt, gehen wir zur DM. Hätte, wäre könnte ....Das ist Schnee von gestern.
    Ärgerlich ist aber, wenn die Kanzlerin einmal wieder mit ihrer DDR-Vergangenheit spielt "...von der großen Sehnsucht nach Bluejeans und Freiheit...als die Mauer fiel, sie in den Westen durfte..." So etwas kommt in den USA gut an. Die Wahrheit ist, Angela Merkel gehörte als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda zu den Priviligierten. Sie durfte in den Westen fahren, hat es oft genug getan, zuletzt bei einer größeren Reise 1987 und die Bluejeans hätte sie ohne weiteres mitbringen können. Auch das mag Schnee von gestern sein, aber sicher nicht für die DDR-Bürger, welche solche Freiheiten nicht hatten.
    Dennoch, wir haben den Amerikanern viel zu verdanken. Nicht nur die Befreiung vom Naziregime, auch die Billigung der Wiedervereinigung trotz der zögerlichen Haltung Frankreichs und Großbritaniens.

  1. Lieber Herr Klingst,

    falls Sie die Rede von Fr. Merkel vollständig angehört haben, haben Sie offenbar etwas anderes herausgehört als ich.

    Fr. Merkel sprach von 3 großen Aufgaben im 21. Jhrd..

    Der Klimaschutz war die dritte Aufgabe.

    Schön, dass Sie das mit den Jeans und das weitere persönliche das Fr. Merkel vorgebracht hat, so beeindruckt hat.

    Aber sorry, Fr. Merkel sprach vom Mauerfall 1989 und nicht vom Kniefall (wieviele Jahre vorher?) von Brandt.

    Ihrer Aufmerksamkeit ist leider auch entgangen, dass Fr. Merkel auch Hrn. Gorbatschow in diesem Zusammenhang des Mauerfalls erwähnt hat.

    Und nun meine Frage: was hätten Sie stattdessen als Kanzlerin von D in die 40 Minuten alles hineingepackt vor beiden Häusern des amerikanischen Kongresses?

    Die Zuhörer in beiden Häusern waren sichtlich mehr angetan als Sie.

    Es gab reichlich und auch lange Befälle und viele standing ovations.

  2. Sehr geehrter Herr Klingst,

    ich muss mich "weißblau" anschließen. Haben Sie die ganze Rede gesehen, bzw. gehört? Frau Merkel ist tatsächlich nicht sehr präzise gewesen. Aber ich ziehe den Hut vor einer Angela Merkel wie ich sie noch nicht erlebt habe. Ihre Rede war großartig, persönlich gestaltet und einfach wohltuend. Das was Schröder auf unserer und Busch auf der anderen Seite beinahe zerstört haben ist nicht leicht zu kitten, aber diesen Weg mit einem Präsidenten Obama zu bestreiten ist weitsichtig und äußerst klug. Die Aufgaben die vor uns liegen sind so gewaltig und bedürfen weit mehr als gut gemeinter Kuschelpolitik. Sie bedarf der Emotionen, des Mitgefühls, des "Etwas-bewegen-wollen"!!

    Diese Bundeskanzlerin hat bewegt und war bewegt. Ich wünschte mir Politik könnte öfters so sein. Neben der Logik und der Nüchternheit bedarf es doch, ab und zu jedenfalls, ein wenig positiver Emotionen.

    Wir können heute stolz sein, auf eine Kanzlerin die nicht nur unser Land, sondern die gesamte EU hervorragend repräsentiert hat.

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    Deutschland hätte die Vorhaben im Irak, wie auch immer unterstützt?

    Das deutsch / amerikanische Verhältnis war nicht zerstört, wie Daten aus der Zeit beweisen. Nur das Verhältnis zwischen dem Kriegstreiber und Verantwortlichen für Folter Bush und Bundeskanzler Schröder. Deutschland hat sich für sein "Nein" zum Irak-Krieg hohes Ansehen in der gesamten Welt erworben. Und die Welt wäre besser dran, wenn Georg W. Bush mit der Unterstützung von Merkel diesen Krieg nie begonnen hätte.

  3. [Einleitung entfernt, bitte bleiben Sie sachlich und höflich/ Redaktion; svb]

    WOFÜR genau dankt Merkel denn den Amerikanern denn hinsichtlich der Wiedervereinigung? Die Amerikaner wurden von den Ereignissen völlig überrascht und haben absolut nichts dazu beigetragen. Achselzuckend haben sie daneben gestanden und sind einfach der entwicklung gefolgt, die sie weder aufhalten, noch gross beeinflussen konnten. Was also ist denn nun die Rolle der Amerikaner, für die sie Dank verdienen? Glaubt denn irgend jemand, die Amerikaner hätten es sich leisten können, die Wiedervereinigung zu verbieten? Sie mit Waffengewalt aufhalten? Nur weil sie - vom Zeitgeschehen vor sich hergetrieben - am ende ein paar Verträge unterzeichneten, die einen Zustand besiegelt haben, denn sie ohnehin weder beeinflussen noch verhindern können, gebührt ihnen doch kein Dank.
    Jetzt von den billigen Plätzen aufzuspringen, den Erfolg für sich zu proklamieren und sich von einem peinlichen Vasallen umschmeicheln zu lassen, ist einfach nur peinlich.

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    ...erstaunliche Wahrnehmung der damaligen Begebenheiten. Am Ende eines 45 Jährigen Systemkrieges (man erinnere sich bspw an Kennedy oder Reagan) war die Zukunft Deutschlands von den Entscheidungen der Grossmächte abhängig. Alleine die Hunderttausende Truppen dieser Länder auf deutschem boden... Russland, GB und Frankreich waren entschieden gegen die Wiedervereinigung und entschloßen sie zu verhindern. Kohl wußte, dass er ein Problem haben würde, wenn er eine Vereinigung wollte. Bush gab grünes Licht.
    Zwar musste Kohl das der EU bezahlen mit dem Ende der DM und letztlich die Deutschen mit einer Decade Stagnation, aber er bakam seinen Deal.

  4. Nicht viel anders verhält es sich mit dem angeblichen "Schutz" Deutschland während des Kalten Krieges. Die US-Truppen haben amerikanische Interessen vertreten und entsprechend Politik mit der Gewaltandrohung durchgesetzt. Von "Schutz" kann da keine Rede sein.
    Die Anwesenheit der US-Soldaten mit ihren Atomwaffen hatte vorallem ein Ziel: Deutschland in Falle eines Krieges mit den Russen zum Kriegsgebiet machen und damit die Tradition amerikanischer Imperialpolitik fortzusetzen, amerikanische Kriege stets auf dem Staatsgebiet und dem Rücken ANDERER Völker auszutragen. Die amerikanischen Truppen haben Deutschland nicht geschützt, sondern zum ZIEL gemacht. HIER wären die ersten Bomben gefallen, die ersten Rakten eingechlagen und die russischen Panzer gerollt, nicht in den USA. Und genau das war das Ziel der Truppenstationierung in Deutschland.
    Die Luftbrücke war da auch nur ein taktisches Manöver, dass Berlin als Prellbock gegen die Russen erhalten sollte. Warum erinnert sich niemand mehr daran, dass die Eskalation, die zur Blockade Berlins führte, von den Amerikanern ausging? Warum erinnert sich niemand daran, dass die Grenzen nach Ostberlin für Westberliner stets - auch während er Blockade - offen waren und jeder Westberliner ohne jedes Problem im Osten hätte Lebensmittel kaufen können?
    Weil die Amerikaner in einer Situation Berlin versorgt haben, die sie selbst verschuldet haben, soll ihnen gedankt werden?

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    Kurze Frage: Was wäre denn gewesen, wenn die Amis nicht da gewesen wären? Sowjetstern bis an den Rhein und Ende aller deutscher Souveränität! Müßig über so etwas nachzudenken!
    Eigennutz hin oder her, in der amerikanisch dominierten BRD war das Leben auch dank Amerika besser als in 98% der Länder dieser Erde. Der amerikanischen Softpower und Finanzstärke, waren die Kommunisten auf Dauer nicht gewachsen. Dafür darf man rühig dankbar sein und zur Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen beitragen.

    Brauchen Sie sowjetische Geschichtsbücher auf? Ansonsten kann ich mir den Kommentar zur angeblichen "Aggression" nicht erklären. Ausgangspunkt der sowjetischen Blockade war zum Einen die Londoner Sechsmächtekonferenz, zum Anderen die Währungsreform. Beides grundsätzlich unerlässliche Schritte, der eine zum Aufbau eines Staatswesens in den westlichen Besatzungszonen, der andere zur Stabilisierung der Währung.

    Die Reaktion der Sowjets, die offensichtlich aus Deutschland lieber eine Quasi-Kolonie gemacht hätten (bzw. diese ja dann in "ihrem" Teil errichteten), war die Totalblockade Berlins, inklusive Abschaltung der Stromversorgung und des Sperrens aller Landverbindungen. Was einer Quasi-Belagerung gleichkommt. Man wollte die Stadt offensichtlich aushungern.

    Ich weiss wirklich nicht, wie sie auf die These von der Aggression der Amerikaner kommen. Erklärung?

    • 03.11.2009 um 23:12 Uhr
    • PhilN

    Kurze Frage: Was wäre denn gewesen, wenn die Amis nicht da gewesen wären? Sowjetstern bis an den Rhein und Ende aller deutscher Souveränität! Müßig über so etwas nachzudenken!
    Eigennutz hin oder her, in der amerikanisch dominierten BRD war das Leben auch dank Amerika besser als in 98% der Länder dieser Erde. Der amerikanischen Softpower und Finanzstärke, waren die Kommunisten auf Dauer nicht gewachsen. Dafür darf man rühig dankbar sein und zur Verbesserung der deutsch-amerikanischen Beziehungen beitragen.

    Antwort auf "Geschichtsverklärung"
  5. Das moecht eich von vorneherein sagen.

    Der Autor hat klar erkannt, dass sie mit den Klimabemerkungen in ein Kongress-Wespennest gelangt hat. Was ich gut finde, dass heisst die Kanzlerin auch kontroverse Themen nicht unter den Tisch schiebt.
    Ganz allgemein, muss ich sagen,, wird diese Rede, wie alle Reden, in denen der Kongress eine Joint Session hat (immer ein grosses Ereignis) total uberbewertet wird. kaum ein Amerikaner weiss, oder schert sich drum , das die Angelika in DC ist. Das hat nichts mit desinteresse in der politik zu tun. Aber in Dc wird heutzutage so viel gequasselt, und auch so viel Bloedsinn geredet, das den gesunden Menschenverstand beleidigt, dass der durchschnittliche Amerikaner schlicht die Nachrichten ausknipst, um seinen gesunden Menschenverstand zu bewahren.

    Ich habe Angelika nicht gehoert (in CSPAN konnte man die ganze Rede verfolgen, aber wer schaut sich das schon an), ich habe einige Snippets gelesen.

    Nach meiner Beurteilung hat die Merkel einen ausgezeichneten Job getan.
    Aber man sollte in Deutschland nicht den Schluss ziehen, dass diese Rede irgendetwas aendern wuerde. Wie gesagt, etwa 99% der Amerikaner haben keine Ahnung, dass sie ueberhaupt in DC ist.

    Gerd

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    kam nicht mal in CNN. Headline war die Flut in Vietnam.

  6. Das war eine konkrete und selbstbewusste Rede. Der Artikel wird Frau Merkels Rede und der Bundeskanzlerin nicht gerecht. Das war weder Lobhudelei noch Anbiederung, eher Angebot und Hinweis an die USA, Europa nicht zu unterschätzen. Eine historische und streckenweise brilliant geschrieben Rede. Der Dank an die Amerikaner war authentisch und setzte Akzente richtig. Mit einer andern (West)Biographie empfinde ich Dankbarkeit aus ähnlichen Gründen, auch das viele Positive an den USA. Der spezifisch deutsche historische Kontext von Holocaust, Faschismus und dem Neuanfang mit Konrad Adenauer, dem anderen deutschen Bundeskanzler, welchem die Ehre zuteil wurde, war angemessen. Die Auswahl der erwähnten amerikanische Präsidenten und Gorbatschow zur Wiedervereingung, und der Bogen von "tear down the wall" der Berliner Mauer und den Problemen des 21 Jahrhunderts überzeugte. Das Angebot der Partnerschaft war selbstbewusst und die europäischen Standpunkte und Wünsche waren konkret und stellenweise unbequem formuliert.
    Gemeinsame Werte: "Einen besseren Partner als Amerika gibt es für Europa nicht" und vice versa. Klimapolitik: „Wir haben keine Zeit zu verlieren". Gefahren des unregulierten angelsächsischen Finanzsystems: "bedrohen die Freiheit". Afghanistan: "Deutschland stellt sich dieser Verantwortung" Iran: "Wer Israel bedroht, bedroht auch uns". Globalisierung: "Wir dürfen nicht der Versuchung des Protektionismus erliegen." Die Bundeskanzlerin hat Deutschland gut vertreten.

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