Korea Scharmützel vor der Obama-ReiseSeite 2/2
Die Frage ist jedoch, warum es so wenig Fortschritte in den Beziehungen Nordkoreas zur internationalen Staatengemeinschaft gegeben hat. Der entscheidende Punkt ist hier, dass die Nordkoreaner eine Garantie der Amerikaner haben wollen, dass – wenn sie sich wirtschaftlich öffnen – die USA ihnen nicht in den Rücken fallen. So etwas ähnliches hat es schon mal gegeben, als Anfang der siebziger Jahre der damalige amerikanische Präsident Richard Nixon seinerzeit Mao Tse-tung und später US-Präsident Jimmy Carter Maos Nachfolger Deng Xiaoping die Garantie gegeben hatten, dass bei einer wirtschaftlichen Öffnung Chinas Amerika die Volksrepublik unterstützen und die anfängliche Schwäche nicht ausnutzen werde.
Solange er eine solche Garantie nicht bekommt, wird es Nordkoreas Herrscher Kim Jong Il nicht riskieren, sein international isoliertes Land zu öffnen, obwohl er schon mehrfach flammende Reden für den chinesischen Entwicklungsweg gehalten hat. Die Chancen, dass sich etwas bewegt, sind indes mit der neuen US-Regierung gewachsen, wie der angekündigte Besuch des Gesandten Bosworth zeigt. Auch wenn die Nordkorea-Frage für Barack Obama angesichts der zahlreichen Brennpunkte wie Afghanistan oder Irak derzeit nicht ganz oben auf seiner Agenda steht.
Das zeigt wiederum auch, dass die Lage in Nordostasien nicht ganz so gefährlich ist, wie man auf den ersten Blick befürchten muss. Die Anrainerstaaten und auch die Amerikaner gehen offenbar davon aus, dass in Nordkorea politisch einigermaßen stabile Verhältnisse herrschen, solange Kim Jong Il an der Macht ist. Und keiner der Nachbarn ist an einem unkontrollierten Zusammenbruch Nordkoreas interessiert; höchstwahrscheinlich sind es auch die Amerikaner nicht.
Südkorea will im besten Fall eine Konföderation, aber keine abrupte Wiedervereinigung mit dem wirtschaftlich unterentwickelten Norden. Japan wiederum will kein starkes wiedervereinigtes Korea neben sich, die Russen wollen in ihrem Hinterhof keine schwer kontrollierbare Situation; sie schauen mehr nach Europa und haben im Kaukasus genug Probleme. Und China hat allein deshalb schon kein Interesse an einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten, weil damit die amerikanische Einflusszone direkt an die Volksrepublik grenzen würde.
Die Grundsituation rund um den Krisenstaat Nordkorea ist also im Moment durchaus stabil, auch wenn die Raketentests oder das Scharmützel im Gelben Meer einen anderen Eindruck erwecken.
- Datum 10.11.2009 - 14:55 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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"Im Osten nichts Neues" also, um es kurz zu sagen.
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