Treffen in Peking Hu Jintao und Obama fordern gemeinsam ein Klimaabkommen
Ist der Klimagipfel in Kopenhagen doch noch zu retten? Die beiden größten Energieverbraucher China und USA wollen sich im Dezember für ein umfassendes Abkommen einsetzen.
Der Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen soll nach Wunsch von US-Präsident Barack Obama ein voller Erfolg werden. "Unser Ziel dort ist kein Teilabkommen oder eine politische Absichtserklärung", sagte Obama am Dienstag nach einem Treffen mit Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao in Peking. Vielmehr müsse der Beschluss "sofortige operative Wirkung" haben. Als die beiden weltgrößten Energieverbraucher müssten die USA und China eine Schlüsselrolle in den Verhandlungen übernehmen, sagte Obama.
Auch Hu Jintao erklärte, beide Seiten hätten sich darauf verständigt, bei der Bekämpfung der globalen Erwärmung enger zusammenzuarbeiten. Er hoffe auf "ein positives Ergebnis" bei den Gesprächen vom 7. bis 18. Dezember.
Die USA und China sind die beiden größten Emittenten des klimaschädlichen CO2. Daher ist ihre Haltung für einen Erfolg der Klimagespräche von maßgeblicher Bedeutung.
Erst am Montag waren in Kopenhagen die Umweltminister aus 40 Ländern zusammengekommen, um sich auf ein gemeinsames Vorgehen im Dezember zu verständigen. Dort sollte eigentlich ein bindendes Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls beschlossen werden. Mittlerweile aber rechnen Klimaexperten und zahlreiche Regierunge damit, dass in Kopenhagen maximal eine politische Absichtserklärung verabschiedet wird. Sollten China und die USA, die bislang als Klimabremser galten, nun tatsächlich an ihrem Plan festhalten, könnte Kopenhagen doch noch ein Erfolg werden.
- Klimapolitik
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1965: In den USA warnen erstmals Berater der Regierung von Lyndon B. Johnson vor Folgen der Erderwärmung.
1988: Das bis dahin wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Das UN-Umweltprogramm ruft den Weltklimarat ins Leben, der seitdem regelmäßig den Wissensstand der Forschung zusammenträgt.
1992: In Rio de Janeiro unterzeichnen fast alle Mitgliedsstaaten, auch die USA, das »UN-Klima-Abkommen«. Es ist die erste völkerrechtlich verbindliche Regelung zum Klimaschutz, setzt jedoch keine Emissionsgrenzen fest.
1997: Mit dem Kyoto-Protokoll verpflichten sich die meisten Industrieländer erstmals zu einer Reduzierung ihrer Treibhausgasemissionen. Die USA unterzeichnen, ratifizieren aber nie.
September 2007: Die Nordwest-Passage vom Atlantik zum Pazifik ist erstmals eisfrei. US-Forscher berechnen, dass es womöglich schon ab 2020 in der Arktis im Sommer kein Meereis mehr geben wird.
Dezember 2007: Bei der UN-Klimakonferenz auf Bali beschließen die Vertragsstaaten den Fahrplan für Kopenhagen 2009, also für einen wirksameren Klimaschutz. Konkrete Reduktionen von Treibhausgasen scheitern an den USA.
Oktober 2009: Die Regierung der Malediven protestiert mit einer Kabinettssitzung unter Wasser gegen die schleppenden Verhandlungen beim Klimaschutz. Die Inselgruppe wäre bei einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels im Jahr 2100 unbewohnbar.
Obama und Hu Jintao stoßen auf Widerstand
Obama hat sich seit Langem für Schritte zur Abwendung eines Klimawandels stark gemacht, stößt aber im eigenen Land auf Widerstand. So erwarten die Demokraten im US-Senat etwa erst für Anfang des kommenden Jahres ein neues Gesetz zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes.
Hu hatte zuletzt auf einem UN-Gipfel Schritte zur Minderung von Treibhausgasen zugesichert. Allerdings gibt es auch Stimmen in China, die sich einer Begrenzung des CO2-Ausstoßes mit dem Argument widersetzen, dass wirtschaftliches Wachstum und Armutsbekämpfung Priorität hätten.
Menschenrechte und Dalai Lama waren ebenfalls Thema
Neben Klima standen auch die Themen Wirtschaftsbeziehungen, Menschenrechte und politische Beziehungen auf der Agenda des Gesprächs zwischen den beiden Staatschefs. Obama mahnte in Gegenwart von Hu Jintao noch einmal die Einhaltung der Menschenrechte an, die universell und für alle religiösen und ethnischen Minderheiten gelten müssten.
Außerdem sprach sich der US-Präsident auch für eine baldige Wiederaufnahme des stockenden Dialogs der chinesischen Führung mit den Vertretern des Dalai Lama aus. Zwar erkenne Washington an, dass Tibet Teil der Volksrepublik China sei – der Dialog mit dem Oberhaupt der Tibeter müsse dennoch wieder geführt werden.
- Datum 17.11.2009 - 13:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 4
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Es wird eine Menge Absichtserklärungen geben aber ohne verbindliche Reduktionsvorgaben für einzelne Länder.
Was auch ganz gut ist.
Denn die Unsicherheiten, was die Wirkung des CO2 betrifft, sind immer noch zu groß, dass man hier die ganze Weltwirtschaft darauf ausrichtet.
Am 29. Oktober haben die Direktoren der drei großen deutschen Geoinstitute, Karin Lochte, Reinhart Hüttl und Volker Moosbrugger, ihre Bedenken über die derzeitige CO2 Politik geäußert.
Wer lesen kann, soll lesen.
http://www.faz.net/s/RubC...
In dem Interview fordern sie die Staaten auf, weiterhin energische Anstrengungen gegen die Erderwärmung vorzunehmen.
Leider wird die Konferenz ausgehen, wie die zu Kontrolle der Banken und Hedge-Fonds der G20:
Ja, die Analyse ist eindeutig! Ja, wir haben die gleichen Ziele!
Ja, jedes Land macht seine eigenen Gesetze, Termine und Fristen.
(Denn die Ausgangs- (Wettbewerbs-)situation ist in jedem Land anders.
Was bleibt? EU - geh Du voran. Die anderen werden (unfreiwillig) folgen.
Hallo Faustus34,
Es ist richtig, dass in der Klimaforschung nach wie vor Unsicherheiten bestehen, auch was die zentralen Thesen anbelangt. Aber Unsicherheiten sind nicht gelich Unsicherheiten.
Die verbleibenden Fehlerwahrscheinlichkeiten werden in der wissenschaftlichen Diskussion um deren Integrität willen stets mit erwähnt. Aber praktisch relevant sind sie nicht. So ist sich die Klimaforschung im Grunde darüber einig, dass anthropogene CO2-Emissionen das Klimasystem der Erde beeinflussen. Die Wahrscheinlichkeit für die richtigkeit dieser these wird mit 99.9% angenommen (IPCC 4th Assessment Report und Vorgängerberichte).
Bei einer derart abgesicherten Theorie macht es sehr wohl Sinn, die Weltpolitik auf eine Begrenzung der CO2-Emissionen auszurichten. Es niht zu tun (und gefährliche Auswirkungen auf das Klimasystem damit billigend in kauf zu nehmen) wäre grob fahrlässig.
Ein Kommentar zu framer56: Einzellösungen auf nationaler oder regionaler (EU?) Ebene sind nicht geeignet, die erforderlichen Reduktionsbegrenzungen zu erreichen. Denn regionale Ansätze führen zu "Carbon Leakage" - emissionsintensive fertigungsprozesse werden dorthin verlagert, wo die Klimaschutzbestimmungen weniger Kosten verursachen. Global steigen die Emissionen, da das Transportaufkommen steigt. Um das zu verhindern, müssten die Klimaschützer CO2-Importzölle erheben und damit hätten wir das Fundament für einen Handelskrieg.
Daran kann niemandem gelegen sein. Auch den "Klimasündern" nicht.
Eridon25
Wenn 500 Millionen Menschen (mit der weltweit größten Wirtschaftsmacht) sich auf Standards festlegen, kann man nicht von einer Regionalen Lösung sprechen.
Die Geschichte hat gezeigt, dass es immer Nationen oder Bündnisse gab,
die zukunftsweisende Maßnahmen als erste Ergriffen. Mal waren es die Amerikaner, mal die skandinavischen Staaten, mal die (EU-) Europäer.
Ich denke hier an Aktionen gegen Kinderarbeit oder für nachhaltige Holzwirtschaft.
Zusammen mit einer transparenten Verbraucherinformation führte dies häufig dazu, dass andere Staaten, die in Wirtschaftsbeziehungen standen, diesen Standards folgten.
Gutes Beispiel macht Schule!
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