Israels Siedlungsbau Obamas Nahostpolitik ist dilettantisch
In Israel ist das Ansehen Obamas auf dem Tiefpunkt. In der Siedlungspolitik mangelt es ihm an Grundwissen amerikanischer Nahostdiplomatie. Ein Kommentar von Malte Lehming
© Kevin Lamarque/Reuters

US-Präsident Obama: Der Friedensprozess in Nahost bleibt mit das schwierigste Thema seiner Amtszeit
Im Prinzip ist der Nahostkonflikt leicht zu lösen. Israelis und Palästinenser haben sich in Hunderten von Verhandlungsrunden sehr weit angenähert. Sie wissen, was sie realistischerweise erwarten können.
Was also ist klar? Erstens: Es wird zwei Staaten geben. Auch Israels Premier Benjamin Netanjahu hat sich dazu bekannt. Zweitens: Die Grenze wird ungefähr entlang der grünen Linie verlaufen, die bis 1967 Israel von der Westbank getrennt hat. Drittens: Die Palästinenser bekommen nicht exakt das Territorium der Westbank zurück, sondern Israel behält einige große Siedlungsblöcke und kompensiert dafür die Palästinenser mit einem Gebietstausch. Viertens: Das Gros der in der Westbank verbleibenden Siedlungen wird geräumt. Fünftens: Jerusalem wird die Hauptstadt von beiden Staaten. Das heißt nicht, dass die Stadt erneut geteilt wird. Sechstens: Die palästinensischen Flüchtlinge erhalten ein Rückkehrrecht, das allerdings eher symbolischen Charakter hat und die jüdische Identität des Staates Israel nicht gefährdet. Siebtens: Die Palästinenser werden finanziell für enteigneten Grundbesitz entschädigt. Achtens: Ein Staat Palästina wird nur eingeschränkt über den Aufbau einer eigenen Armee befinden dürfen.
Vor diesem Hintergrund ist die Nahostdiplomatie von Barack Obama erstaunlich dilettantisch. Dabei begann alles ganz gut. Mit George Mitchell ernannte der US-Präsident einen erfahrenen Gesandten, in seiner Rede in Kairo präsentierte er sich als ehrlicher Vermittler, und er rang Netanjahu das Bekenntnis zur Zweistaatenlösung ab.
Dann aber verließ ihn sein politischer Instinkt. Ohne jede Differenzierung sendete er das Signal aus, dass ein vollkommener Siedlungsbaustopp eine Bedingung sei für die Rückkehr an den Verhandlungstisch. Dabei ließ er die Frage offen, ob das für Ostjerusalem ebenso gilt wie für den Rest der Westbank. Damit wiederum ermunterte er die israelische Seite, einen vollkommenen Siedlungsbaustopp abzulehnen – unter anderem mit dem Hinweis auf die besondere Bedeutung Jerusalems. Dem schließlich fügte sich der US-Präsident zähneknirschend.
Prompt gab Palästinenserpräsident Mahmud Abbas entnervt auf, während sich Netanjahu zu Hause als Held feiern lässt, der den mächtigen, drängenden Bruder an der Nase herumgeführt hat. Nicht nur das britische Magazin Economist fragt folglich besorgt: "Ist Israel zu stark für Barack Obama?" In der Tat steht der US-Präsident vor einem Scherbenhaufen, der noch größer ist, als er zu Beginn seiner Amtszeit war. In Israel ist sein Ansehen auf einem Tiefpunkt, auch in der arabischen Welt hat seine Popularität gelitten.

60 Jahre Kampf: Ein Überblick über die historischen Ursachen des Nahostkonflikts
Die zentrale Kritik: Obama hätte bedenken müssen, dass Siedlung nicht gleich Siedlung ist. Wenn ohnehin der Verbleib einiger Siedlungen bei Israel faktisch feststeht, hätte sich seine Forderung nach einem Baustopp auf die vergleichsweise unumstritten illegalen Siedlungen in der Westbank beschränken müssen. Das klingt nur wie Haarspalterei. In der Praxis gehört es zum Grundwissen amerikanischer Nahostdiplomatie.
Doch damit nicht genug. Am zweiten Pulverfass in der Region brennt nun die Lunte. Der Iran hat das Kompromissangebot der UN-Vetomächte und Deutschlands im Atomstreit brüsk abgelehnt. Teheran wird sein schwach angereichertes Uran nicht ins Ausland senden, um es dort weiter anreichern zu lassen. Hat Obama einen Plan B im Umgang mit den Mullahs? Vor zwei Wochen erst flog eine gigantische Waffenlieferung des Irans an die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon auf. Auch das veranlasste Washington zu keiner Kurskorrektur.
Die Zeichen mehren sich: In Nahost steht Obamas Politik der ausgestreckten Hand vor einem Debakel.
Erschienen im Tagesspiegel.
- Datum 20.11.2009 - 11:03 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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...und jeder ist bisher daran gescheitert, wenn sein Ziel endgültiger Friede war. Das war bei sehr erfahrenen Politikern so. Warum sollte das bei einem Presidenten anders sein, den man trotz sehr begrenzter Erfahrung wählte? Auch haben die Amerikaner andere und für sie legitimer Weise dringlichere Probleme. So ist deren Hauptfokus aO.
Wenn man damit hier nicht einverstanden ist, könnte man ja selbst einen realen Vorschlag machen, was zu tun ist und Verantwortung übernehmen für die Durchführung. Das hätte man in Paliland schon lange tun können, aber man jammert lieber über das Versagen der Anderen. Im Iran zeigte man, was man drauf hat mit "Alternativlosen Verhandlungen", als Bush einem eine Führungsrolle überlies. Viel naiv/dilettantisch konnte man nicht vorgehen und die Resultate sind so.
Es gibt durchaus Dinge, die man tun könnte, um das Problem Paliland endgültig zu lösen. Die sind aber teuer und die Amerikaner werden den Teufel tun sich das aufzuladen. Warum sollten sie auch, wenn alle anderen Länder nichts tun?
Der Nahost-Konflikt hat eine strategische Bedeutung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Die Verhandlungen sind mindestens genauso wichtig wie der Krieg in Afghanistan.
H. Clinton und Obama haben falsche Signale an Israel gesendet. Die arabische Welt registriert das sehr wohl.
Netanjahu muss wieder an die amerikanische Leine um der im ersten Abschnitt aufgeführten Zielen näher zu kommen.
...da einmischen sollen, bleibt mir unklar. Das können die Europäer doch besser. Sie sind in der Nähe und haben die Chose ursprünglich verursacht. Die Amerikaner sollten die Europäer dabei helfen, aber warum sollten sie mehr?
Der Nahost-Konflikt hat eine strategische Bedeutung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Die Verhandlungen sind mindestens genauso wichtig wie der Krieg in Afghanistan.
H. Clinton und Obama haben falsche Signale an Israel gesendet. Die arabische Welt registriert das sehr wohl.
Netanjahu muss wieder an die amerikanische Leine um der im ersten Abschnitt aufgeführten Zielen näher zu kommen.
...da einmischen sollen, bleibt mir unklar. Das können die Europäer doch besser. Sie sind in der Nähe und haben die Chose ursprünglich verursacht. Die Amerikaner sollten die Europäer dabei helfen, aber warum sollten sie mehr?
"Im Prinzip ist der Nahostkonflikt leicht zu lösen."
Aber ja doch, und zwar am besten von Teheran aus!
Der Nahost-Konflikt hat eine strategische Bedeutung im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Die Verhandlungen sind mindestens genauso wichtig wie der Krieg in Afghanistan.
H. Clinton und Obama haben falsche Signale an Israel gesendet. Die arabische Welt registriert das sehr wohl.
Netanjahu muss wieder an die amerikanische Leine um der im ersten Abschnitt aufgeführten Zielen näher zu kommen.
siedlung ist nicht gleich siedlung.
ich habe schon einige siedlungen besucht und haette meine eindruecke, die ich dort gewonnen habe, zu gerne mit dem amerikanischen praesidenten geteilt, um ihm zu einer realistischen Anschauung dieses Streitpunktes zu verhelfen.
Es ist so simpel, wie es malte lehmin sagt. wenn arie'el oder ma'ale adumim oder gilo ohnehin bei israel bleiben werden, muss dort kein baustopp verhaengt werden.
exemplarische eindruecke aus der siedlung ma'ale adumim:
http://www.derpartisan.co...
Wenn der Konflikt in Nahost so leicht zu lösen ist und sich ja eigentlich alle einig sind, warum hat es dann in 60 Jahren dort keinen stabilen Frieden gegeben?
...zu tun, was notwendig wäre?
...zu tun, was notwendig wäre?
@schlechtmensch: ich glaube kaum, dass die israelische Regierung »einen Stopp des Siedlungsausbaus inklusive Jerusalem erklären« wird, da sie Jerusalem und gerade Gilo nicht als »Siedlung« begreift. Im Gegenteil, es sind bereits 5.000 weitere neue Wohnungen geplant, gegen die sich aber kaum internationaler Protest regen wird: http://oppositeeditorial....
auch auf palästinensischer seite werden sich übrigens nicht wenige den protest verkneifen, da der lebensunterhalt tausender familien in der westbank am israelischen siedlungsbau hängt.
[ Verlinkung entfernt: Bitte beachten Sie, dass die Verkehrssprache dieses Forums deutsch ist. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
eigentlich nur einer der vielen kleinen absurditäten im no-konflikt, illustriert dieser umstand doch recht augenfällig den eigentlichen grund der palästinensischen misere: die unfähigkeit bzw. den unwillen der palästinensischen führung, durch wirtschaftlichen aufbau die voraussetzungen für einen eigenen staat und damit für eine friedliche koexistenz mit israel zu schaffen. trotz weltweit höchster pro-kopf-hilfsleistungen liegt die wirtschaft im westjordanland am boden, und es ist kaum zu übersehen, dass das der hype um das angebliche siedlungs-'problem' im grunde nur der ablenkung von den eigentlichen problemen dient: von misswirtschaft und korruption und der tatsache, dass jahrzehntelang allein antiisraelische/antijüdische, aber keine propalästinensische politik betrieben wurde.
das tragikomische an der organisierten empörung der obsessiven palästinenserfreunde im westen über den siedlungsbau ist, dass sie damit letztlich an der verhinderung von wohlstand, frieden und eigenstaatlichkeit für die palästinenser mitstricken.
auch auf palästinensischer seite werden sich übrigens nicht wenige den protest verkneifen, da der lebensunterhalt tausender familien in der westbank am israelischen siedlungsbau hängt.
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eigentlich nur einer der vielen kleinen absurditäten im no-konflikt, illustriert dieser umstand doch recht augenfällig den eigentlichen grund der palästinensischen misere: die unfähigkeit bzw. den unwillen der palästinensischen führung, durch wirtschaftlichen aufbau die voraussetzungen für einen eigenen staat und damit für eine friedliche koexistenz mit israel zu schaffen. trotz weltweit höchster pro-kopf-hilfsleistungen liegt die wirtschaft im westjordanland am boden, und es ist kaum zu übersehen, dass das der hype um das angebliche siedlungs-'problem' im grunde nur der ablenkung von den eigentlichen problemen dient: von misswirtschaft und korruption und der tatsache, dass jahrzehntelang allein antiisraelische/antijüdische, aber keine propalästinensische politik betrieben wurde.
das tragikomische an der organisierten empörung der obsessiven palästinenserfreunde im westen über den siedlungsbau ist, dass sie damit letztlich an der verhinderung von wohlstand, frieden und eigenstaatlichkeit für die palästinenser mitstricken.
@schlechtmensch: ich meinte nicht das ursprüngliche Bauprojekt, sondern ein weiteres, neues.
auch auf palästinensischer seite werden sich übrigens nicht wenige den protest verkneifen, da der lebensunterhalt tausender familien in der westbank am israelischen siedlungsbau hängt.
[ Verlinkung entfernt: Bitte beachten Sie, dass die Verkehrssprache dieses Forums deutsch ist. Danke. Die Redaktion/m.e. ]
eigentlich nur einer der vielen kleinen absurditäten im no-konflikt, illustriert dieser umstand doch recht augenfällig den eigentlichen grund der palästinensischen misere: die unfähigkeit bzw. den unwillen der palästinensischen führung, durch wirtschaftlichen aufbau die voraussetzungen für einen eigenen staat und damit für eine friedliche koexistenz mit israel zu schaffen. trotz weltweit höchster pro-kopf-hilfsleistungen liegt die wirtschaft im westjordanland am boden, und es ist kaum zu übersehen, dass das der hype um das angebliche siedlungs-'problem' im grunde nur der ablenkung von den eigentlichen problemen dient: von misswirtschaft und korruption und der tatsache, dass jahrzehntelang allein antiisraelische/antijüdische, aber keine propalästinensische politik betrieben wurde.
das tragikomische an der organisierten empörung der obsessiven palästinenserfreunde im westen über den siedlungsbau ist, dass sie damit letztlich an der verhinderung von wohlstand, frieden und eigenstaatlichkeit für die palästinenser mitstricken.
der Siedlungsbau selbst, sondern das Beharren auf dem "Recht zur Landnahme", welches von den Palästinensern schlicht als Recht auf Kolonisierung angesehen wird. Oder wollen Sie behaupten, dass die "Siedler" sich als "palästinensische Bürger jüdischen Glaubens" oder als "Ausländer mit Daueraufenthalt auf palästinensichem Boden" betrachten?
Es geht also darum, dass der israelische Staat ein Recht auf Ausdehnung auf Kosten seiner Nachbarn beansprucht.
Warum sollen die Plästinenser einen solchen Staat als Vorleistung für Frieden anerkennen?
der Siedlungsbau selbst, sondern das Beharren auf dem "Recht zur Landnahme", welches von den Palästinensern schlicht als Recht auf Kolonisierung angesehen wird. Oder wollen Sie behaupten, dass die "Siedler" sich als "palästinensische Bürger jüdischen Glaubens" oder als "Ausländer mit Daueraufenthalt auf palästinensichem Boden" betrachten?
Es geht also darum, dass der israelische Staat ein Recht auf Ausdehnung auf Kosten seiner Nachbarn beansprucht.
Warum sollen die Plästinenser einen solchen Staat als Vorleistung für Frieden anerkennen?
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