FAO-Treffen in Rom Welthungergipfel liefert nur "leere Versprechen"

Der Wille ist da, konkrete Zusagen aber wollte die Staatengemeinschaft beim Welthungergipfel nicht machen. Der Papst hatte die teilnehmenden Staaten zur Räson gerufen.

Proteste in Rom: Die FAO diskutiert auf ihrem Gipfel über Strategien gegen den weltweiten Hunger

Proteste in Rom: Die FAO diskutiert auf ihrem Gipfel über Strategien gegen den weltweiten Hunger

Angesichts einer Milliarde hungernder Menschen weltweit hat der UN-Welternährungsgipfel in Rom Wege aus der globalen Nahrungskrise vorgezeichnet – allerdings ohne konkrete Beschlüsse zu verabschieden. Die 192 FAO-Mitgliedsstaaten einigten sich zwar schon am ersten der drei Gipfeltage auf eine Erklärung mit einem Fünf-Punkte-Plan gegen den Ernährungsnotstand. Dieser blieb aber unverbindlich und betonte lediglich den generellen Willen der internationalen Staatengemeinschaft zur Bekämpfung des Hungers – in Anlehnung an die im Jahr 2000 formulierten Millenniumsziele, den Hunger bis 2015 zu halbieren.

Zudem stimmten die Teilnehmer des Gipfels im Ziel überein, die Nahrungsmittelhilfen für die armen Länder zu erhöhen. Ihre Abschlusserklärung enthielt jedoch keine konkreten Zahlen und bezog auch nicht Stellung zu dem Vorschlag der Welternährungsorganisation FAO, diese Hilfen auf jährlich 44 Milliarden Dollar zu steigern.

Anzeige

Auch ein Zeitplan für Schritte gegen den Hunger wurde nicht vereinbart. So soll die Unterernährung "so schnell wie möglich" beseitigt werden, nachdem es ursprüngliches Ziel des Treffens gewesen war, den Hunger bis 2025 zu überwinden.

Nichtregierungsorganisationen (NGO) kritisierten die Vereinbarung. "Der Gipfel hält zwar daran fest, den Hunger bis 2015 zu halbieren, und unterstützt geschlossen die Förderung von armen Bauern, sagte Marita Wiggerthale von der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland. "Jedoch ohne konkret die Finanzierung, die Umsetzung und die Überprüfung der Ziele festzulegen." Leere Versprechen machten die Hungernden aber nicht satt.

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hingegen zog eine positive Bilanz. Die Konferenz habe sich klar zu der Globalen Partnerschaft für Landwirtschaft und Ernährungssicherheit bekannt, und alle hätten das Recht auf Nahrung erstmals bestätigt, sagte die CSU-Politikerin in Rom. "Damit geben wir den Startschuss für eine neue Struktur der Zusammenarbeit in der Welternährung", so die Leiterin der deutschen Delegation.

Am Morgen hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den Gipfel mit dramatischen Zahlen eröffnet: "Allein am heutigen Tag werden mehr als 17.000 Kinder an Hunger sterben, ein Kind alle fünf Sekunden, sechs Millionen pro Jahr." Dies erfordere sofortiges Handeln. Außerdem nannte der UN-Chef die Weltklimakonferenz im Dezember in Kopenhagen entscheidend. Ohne effektiven Klimaschutz gebe es keine Lebensmittelsicherheit, sagte Ban Ki Moon. Nach Berechnungen seiner Organisation droht Afrika, Asien und Lateinamerika ein Rückgang der landwirtschaftlichen Produktivität zwischen 20 und 40 Prozent, wenn die weltweite Temperatur um zwei Grad zunehmen sollte.

Nach Ban Ki Moon ergriff Papst Benedikt XVI. das Wort. "Hunger ist das grausamste und konkreteste Zeichen von Armut", mahnte er bei seinem ersten Auftritt vor der FAO. Das Oberhaupt der katholischen Kirche nutzte das Treffen, um die Weltgemeinschaft zur Verantwortung im Kampf gegen die sich verschärfende Hungerkrise aufzurufen. Außerdem forderte er Solidarität mit den ärmsten Ländern der Erde.

Benedikt wandte sich dabei scharf gegen Agrarsubventionen, die den Markt zulasten der armen Länder verzerrten, und verurteilte den "Egoismus", mit Getreide so wie mit anderen Waren zu spekulieren. "Die internationale Gemeinschaft hat die Pflicht, mit den Werkzeugen der Zusammenarbeit zu antworten." Der Überfluss und die Verschwendung seien angesichts des Hunger-Dramas nicht mehr akzeptabel, so der Pontifex, Gleiches gelte für Spekulantentum und Profitdenken.

Nach FAO-Schätzungen hungern derzeit eine Milliarde Menschen. FAO-Chef Jacques Diouf hatte das Ziel abgesteckt, dass die Regierungen jährlich 44 Milliarden Dollar (30 Milliarden Euro) bereitstellen, um die Agrarproduktion vor allem in armen Ländern anzukurbeln und den Millionen Kleinbauern zu helfen.

 
Leser-Kommentare
  1. Benedikt XVI hat wie immer mit allem, was er sagt, vollkommen recht (im Gegensatz zu Ban Ki Moon).

    Wie all zu oft wird nur leider die wichtigste Komponente vergessen: Good Governance!

    Ein Land wie Zimbabwe wäre die Kornkammer Afrikas, würde es nicht so inkompetent und korrupt regiert.

  2. Na da kann ja der Weltbetroffenheitstag ja voll durchstarten. Erst geisselt mal die Kirche diesen unhaltbaren Zustand. Im nächsten Atemzug wird aber sicher auch das Verbot von Kondomen einfliessen, damit in den Afrikanischen Ländern auch weiterhin Millionen Kinder die Chance bekommen zu verhungern. Dann wird die EU ganz betroffen anhand soviel Leids und wird im nächsten Atemzug die Agrarsubventionen weiter pushen und den Verkauf von Biosprit anheizen. Anstatt den Willen zu echten Veränderungen, nur hohle Phrasen um den Medien hübsche Bildchen zu besorgen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Genau meine Argumente, leider war ich nicht schnell genug ;-))

    Diese süffisante Kritik an der katholischen Moraltheologie finde ich immer wieder niedlich. Als ob ein päpstliches Kondomverbot (was real etwas anderes ist) auch nur ansatzweise der Grund für Überbevölkerung wäre.

    Zuerst sind viele Menschen gerade in Afrika zu arm und über Verhütung zu unaufgeklärt, um Kondome zu verwenden. Dann gilt es gerade unter afrikanischen Männern als "uncool" und "unmännlich" Kondome zu verwenden. Das sind die größten Einflussgrößen.

    Nicht zuletzt wird die kath. Kirche hier falsch zitiert.

    Sie sagt, salopp zusammen gefasst:
    1. Kein Sex vor der Ehe.
    2. Enthaltsamkeit
    3. Keine Verhütungsmittel

    Es ist absolut unglaubwürdig, dass jemand, der sich an 1) und 2) nicht hält, plötzlich bei 3) seinen Glauben entdeckt und dies unbedingt beachten will.

    Aber man drischt ja so gern auf den Papst ein. Ist ja auch billig, man hat ja nichts zu befürchten, wie eine Fatwa o.ä. .

    ... dass an dieser Stelle wieder reflexartig das sog. "Kondomverbot" der Kath. Kirche ins Spiel gebracht werden wird. Darüber kann man - auch als Katholikin - aus verschiedensten Gründen wahrlich geteilter Meinung sein, aber mit der grundsätzlichen Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Ressourcen hat es nun wirklich nur am Rande zu tun. Aber dann müsste man sich ja eingestehen, dass das Problem vielleicht nicht wirklich darin besteht, dass es dank der kath. Kirche so furchtbar viele Afrikaner gibt (Achtung, Polemik), sondern komplexere Ursachen hat, die eventuell den eigenen, westlich-liberalen Lebensstil in Frage stellen könnten. Aber es ist ja so viel einfacher, mal wieder auf den Papst einzudreschen.

    Genau meine Argumente, leider war ich nicht schnell genug ;-))

    Diese süffisante Kritik an der katholischen Moraltheologie finde ich immer wieder niedlich. Als ob ein päpstliches Kondomverbot (was real etwas anderes ist) auch nur ansatzweise der Grund für Überbevölkerung wäre.

    Zuerst sind viele Menschen gerade in Afrika zu arm und über Verhütung zu unaufgeklärt, um Kondome zu verwenden. Dann gilt es gerade unter afrikanischen Männern als "uncool" und "unmännlich" Kondome zu verwenden. Das sind die größten Einflussgrößen.

    Nicht zuletzt wird die kath. Kirche hier falsch zitiert.

    Sie sagt, salopp zusammen gefasst:
    1. Kein Sex vor der Ehe.
    2. Enthaltsamkeit
    3. Keine Verhütungsmittel

    Es ist absolut unglaubwürdig, dass jemand, der sich an 1) und 2) nicht hält, plötzlich bei 3) seinen Glauben entdeckt und dies unbedingt beachten will.

    Aber man drischt ja so gern auf den Papst ein. Ist ja auch billig, man hat ja nichts zu befürchten, wie eine Fatwa o.ä. .

    ... dass an dieser Stelle wieder reflexartig das sog. "Kondomverbot" der Kath. Kirche ins Spiel gebracht werden wird. Darüber kann man - auch als Katholikin - aus verschiedensten Gründen wahrlich geteilter Meinung sein, aber mit der grundsätzlichen Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Ressourcen hat es nun wirklich nur am Rande zu tun. Aber dann müsste man sich ja eingestehen, dass das Problem vielleicht nicht wirklich darin besteht, dass es dank der kath. Kirche so furchtbar viele Afrikaner gibt (Achtung, Polemik), sondern komplexere Ursachen hat, die eventuell den eigenen, westlich-liberalen Lebensstil in Frage stellen könnten. Aber es ist ja so viel einfacher, mal wieder auf den Papst einzudreschen.

    • mixa
    • 16.11.2009 um 13:53 Uhr

    Das so mächtige Menschen es zu lassen und zu sehen wie die Menschen dort sterben, qualvoll sterben ist eine Schande.Sie nehmen den Armen ihr Land, damit man hier Pflanzenfett ins Auto kippt! Die schicken Armeen in den Krieg anstatt das Geld anderweitig zu nutzen.
    Was glaubt ihr wer ihr seid? Ist euch das Geld, das man ohne Ende drucken könnte, so viel wert? Es sind am Ende ein paar lächerliche Stücke Papier.
    Viele geschmackvolle Grüße. talkletts

  3. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie ein Mensch, der über ein Vermögen von geschätzen 3,5 Billionen Euro bestimmt und in dessen Organisation sich ein Großteil der Hungernden befindet, überhaupt solche öffentlichen Reden schwingen darf.
    Wenn die RKK so viel Wert auf eine gerechte Verteilung der Weltlebensmittelvorräte legt, sollte Sie zu allererst dafür sorgen, dass endlich das leidige Thema Verhütung vorangetrieben wird und nicht jeglicher Erfolg sofort durch dümmliche Dogmen zunichte gemacht wird.
    Ferner sollte die RKK endlich christlich agieren und das Vermögen der Gläubigen zur Lebensmittelversorgung und Entwicklung der armen Länder einsetzen als sich damit an z.B. Kriegen über Ihre Bankgeschäfte zu bereichern.
    Mit dieser Aktion hat sich die gesamte Veranstaltung in meinen Augen vollständig diskreditiert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich hab neulich gelesen, dass in den kath. Ländern Afrikas weniger Leute an Aids erkranken, als in den anderen. Weil die sich wohl an die Ideen eher halten mit Monogam/Treue etc.

    Für mein Gefühl tut die kath. Kirche eine Menge gute Sachen, das Betreiben von Schulen, Krankenhäusern* (für alle Menschen, egal welcher relig. Zugehörigkeit) und natürlich Verbreitung der Ideen von Jesus.

    *
    http://www.kinderhilfe-be...

    Ich hab neulich gelesen, dass in den kath. Ländern Afrikas weniger Leute an Aids erkranken, als in den anderen. Weil die sich wohl an die Ideen eher halten mit Monogam/Treue etc.

    Für mein Gefühl tut die kath. Kirche eine Menge gute Sachen, das Betreiben von Schulen, Krankenhäusern* (für alle Menschen, egal welcher relig. Zugehörigkeit) und natürlich Verbreitung der Ideen von Jesus.

    *
    http://www.kinderhilfe-be...

  4. 5.

    Genau meine Argumente, leider war ich nicht schnell genug ;-))

    Antwort auf "Sehr Schön"
  5. Diese süffisante Kritik an der katholischen Moraltheologie finde ich immer wieder niedlich. Als ob ein päpstliches Kondomverbot (was real etwas anderes ist) auch nur ansatzweise der Grund für Überbevölkerung wäre.

    Zuerst sind viele Menschen gerade in Afrika zu arm und über Verhütung zu unaufgeklärt, um Kondome zu verwenden. Dann gilt es gerade unter afrikanischen Männern als "uncool" und "unmännlich" Kondome zu verwenden. Das sind die größten Einflussgrößen.

    Nicht zuletzt wird die kath. Kirche hier falsch zitiert.

    Sie sagt, salopp zusammen gefasst:
    1. Kein Sex vor der Ehe.
    2. Enthaltsamkeit
    3. Keine Verhütungsmittel

    Es ist absolut unglaubwürdig, dass jemand, der sich an 1) und 2) nicht hält, plötzlich bei 3) seinen Glauben entdeckt und dies unbedingt beachten will.

    Aber man drischt ja so gern auf den Papst ein. Ist ja auch billig, man hat ja nichts zu befürchten, wie eine Fatwa o.ä. .

    Antwort auf "Sehr Schön"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • kfiz
    • 16.11.2009 um 16:35 Uhr

    So, so, da scheint ja jemand sehr genau zu wissen was unter afrikanischen Männern Usus und guter Ton ist. Ich denke man sollte hin und wieder vorsichtig mit dem sein, was man der männlichen Bevölkerung eines gesamten Kontinents unterstellt. Die Ursachen für den Hunger sind in der Tat komplex, aber kategorisch auszuschließen, daß ein wie auch immer geartetes Verhütungsverbot einen Einfluß auf die Gesamtsituation hat, ist schlicht und ergreifend naiv.
    Und zu den 3 aufgezählten Punkten: Für die meisten Menschen ist es nicht schwer sich Situationen vorzustellen, in denen man freiwillig oder unfreiwillig von einer moralischen Grundhaltung abweicht, deren man sich aber ansonsten verpflichtet fühlt. Unter Menschen nennt man dies manchmal Schwäche.

    • Kometa
    • 16.11.2009 um 19:41 Uhr

    Statt "Fatwa" wird ja die Hölle den Ungläubigen und Kritikern avisiert! - Das fluppt noch immer, auch wenn es nicht jeweils angedroht wird oder als Strafe realisiert wird - jedenfalls bei Gläubigen, die streng-beherrscht-betend-kommunizierend andere verhungern lassen; weil (oder obowohl) sie - das unterstelle ich mal (sonst entschuldige ich mich!) - sonntags den "Herr-Gott an sich" im Brotersatz (weil sie sich sonst satt genug halten können!) verspeisen - und andere verhungern lassen (, die nicht am Altar gesichtet werden in dem isolierten Glaubenszirkel).

    • kfiz
    • 16.11.2009 um 16:35 Uhr

    So, so, da scheint ja jemand sehr genau zu wissen was unter afrikanischen Männern Usus und guter Ton ist. Ich denke man sollte hin und wieder vorsichtig mit dem sein, was man der männlichen Bevölkerung eines gesamten Kontinents unterstellt. Die Ursachen für den Hunger sind in der Tat komplex, aber kategorisch auszuschließen, daß ein wie auch immer geartetes Verhütungsverbot einen Einfluß auf die Gesamtsituation hat, ist schlicht und ergreifend naiv.
    Und zu den 3 aufgezählten Punkten: Für die meisten Menschen ist es nicht schwer sich Situationen vorzustellen, in denen man freiwillig oder unfreiwillig von einer moralischen Grundhaltung abweicht, deren man sich aber ansonsten verpflichtet fühlt. Unter Menschen nennt man dies manchmal Schwäche.

    • Kometa
    • 16.11.2009 um 19:41 Uhr

    Statt "Fatwa" wird ja die Hölle den Ungläubigen und Kritikern avisiert! - Das fluppt noch immer, auch wenn es nicht jeweils angedroht wird oder als Strafe realisiert wird - jedenfalls bei Gläubigen, die streng-beherrscht-betend-kommunizierend andere verhungern lassen; weil (oder obowohl) sie - das unterstelle ich mal (sonst entschuldige ich mich!) - sonntags den "Herr-Gott an sich" im Brotersatz (weil sie sich sonst satt genug halten können!) verspeisen - und andere verhungern lassen (, die nicht am Altar gesichtet werden in dem isolierten Glaubenszirkel).

    • peppie
    • 16.11.2009 um 14:27 Uhr

    Würde ich mal gerne wissen - wer ist ihr wohl näher? Die armen Kinder in Afrika, oder der nette Landwirt in Oberammergau? Deutschland und die CSU setzten sich in Brüssel doch immer für mehr Agrarsubventionen ein - wie geht das mit dem "C" zusammen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 16.11.2009 um 17:42 Uhr

    Es gilt nach wie vor:

    Nichts ist so kalt wie die christliche Nächstenliebe

    • keox
    • 16.11.2009 um 17:42 Uhr

    Es gilt nach wie vor:

    Nichts ist so kalt wie die christliche Nächstenliebe

  6. Ich hab neulich gelesen, dass in den kath. Ländern Afrikas weniger Leute an Aids erkranken, als in den anderen. Weil die sich wohl an die Ideen eher halten mit Monogam/Treue etc.

    Für mein Gefühl tut die kath. Kirche eine Menge gute Sachen, das Betreiben von Schulen, Krankenhäusern* (für alle Menschen, egal welcher relig. Zugehörigkeit) und natürlich Verbreitung der Ideen von Jesus.

    *
    http://www.kinderhilfe-be...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service