Afghanistan

Damit der Schlafmohn nicht mehr blüht

Aus Schlafmohn wird erst Opium, dann Heroin. Damit finanzieren die Taliban ihren Krieg. Wie zwei Tüftler aus Niedersachsen das verhindern wollen.

Reiche Ernte: Afghanische Bauern in einem Mohnfeld bei Kandahar.

Reiche Ernte: Afghanische Bauern in einem Mohnfeld bei Kandahar.

Die Idee kam Dirk Reinecke eines Tages ganz unvermittelt, wie eine Eingebung. Die Idee, mit der Afghanistans größtes Problem gelöst werden könnte. Das Land am Hindukusch leidet unter vielen Plagen, dem Bürgerkrieg, den Terroranschlägen, den Warlords, der Korruption und der Kriminalität. Und all das hat mit einer Blume zu tun, deren Kapseln einen milchigen Saft abgeben, aus denen Afghanistans größte Geißel gewonnen werden kann: Opium. Der Grundstoff für Heroin. Noch immer kommen 90 Prozent des weltweiten Rohopiums von dort.

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Reinecke ist ein Mann, den Unrecht aufregt. Ungerecht sei es, wenn deutsche Junkies mit ihrer elenden Sucht den Kampf der Taliban finanzieren. Mit seiner Idee solle dies ein Ende haben. Um das größte Problem Afghanistans zu lösen, brauche es nur einige umgebaute Transportflugzeuge, sehr viel Saatgut und einige Millionen Euro.

Die Politiker wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie unsere Idee nicht umsetzen.

Dirk Reinecke

Was Reinecke sich in der niedersächsischen Kleinstadt Bad Münder erdachte, beschäftigte bald die Bundesregierung im fernen Berlin, Entwicklungshelfer bei Frankfurt, Drogenexperten in Wien und Diplomaten in London.

Bad Münder liegt 30 Kilometer von Hannover entfernt, umgeben von Wäldern, Wiesen und Äckern. Städter fahren dort zur Erholung hin, Kranke zur Kur. Mit den sauber geharkten Wegen, Unkraut-freien Beeten, gestutzten Hecken und den Fachwerkhäusern aus dem 19. Jahrhundert strahlt Bad Münder tiefe Ruhe aus. Der Hindukusch scheint so weit weg wie eine ferne Galaxie. Die Lösung des afghanischen Drogenproblems soll hierher kommen?

"Die Alternative fällt vom Himmel", heißt Reineckes Ansatz. Und so lautete auch der Titel eines Artikels, den er gemeinsam mit seinem Freund Helmut Burdorf in dem Fachmagazin politische ökologie veröffentlicht hat. Sie schlagen darin vor, morphinarmen Schlafmohn mit Flugzeugen über Afghanistan abzuwerfen.

Die Mohnsorte wurde in Europa gezüchtet, sie erzeugt kaum Opiate. Die Bauern können daraus kein Opium gewinnen. Reinecke und Burdorf sagen, dass der Bauer erst bei der Ernte erkennt, dass die Pflanze keinen opiumhaltigen Milchsaft abgibt. Sein Erlös sinke umso stärker, desto mehr morphinarmer Mohn auf seinem Acker wachse.

Langfristig würden sich der morphinarme und der afghanische Schlafmohn vermischen und die Opium-Ernte falle immer niedriger aus. Irgendwann sei der Anbau von Opium im Vergleich zu anderen Pflanzen einfach zu unrentabel, selbst wenn die Anbaufläche vergrößert würde. Dann gäben die Bauern dieses schmutzige Geschäft freiwillig auf – lautet zumindest die Theorie aus Bad Münder.

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Leser-Kommentare

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  1. Es wundert immer wieder, woher eingie Gestalten die Dreistigkeit hernehmen, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, wie diese ihre Freizeit verbringen.
    Wenn von Drogen gesprochen wird, ist immer nur von den wenigen Junkie-Opfern die rede, die ansonsten vermutlich an der Flasche hängen würden.
    Ein Großteil der Drogenkonsumenten (oder solche wie ich, die es noch werden wollen) sind normale Menschen, die einfach nur ein wenig Spaß und Highsein haben wollen. Ab einem gewissen Alter ist das in Ordnung.
    Und nun stellen sich einige abartige Moralapostel hin und versuchen das zu verhindern. Diese Gestalten sollten sich einfach einen richtigen Job suchen und nicht unnützen Müll erfinden.

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    So ist es   Kopflos

    Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
    Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.

    .. wenn ihre Enkel oder Kinder sich die Spritze setzen, ist es Ihnen dann auch so egal? Wenn die iranische Bevölkerung mittlerweile die
    höchste Abhängigenquote, durch den Opiumhandel, weltweit aufweist,
    ist Ihnen das pimpe ?

      mcharlie

    vor dem kommentieren text lesen erhöht die wahrscheinlichkeit, daß der kommenatar inhaltlich zum artikel paßt. ;-)
    es geht nicht darum, ob / daß jemand drogen nimmt.

    Es mag auf viele ebenfalls verbotene Drogen zutreffen, dass diese aus Spaß an der Freude konsumiert werden, aber doch sicher nicht auf Heroin. Diese Droge hat unzählige Leben zerstört und die Freude dabei war eventuell einmal am Anfang der Drogenkarriere gegeben, sicher ist aber für die meisten Konsumenten "der Spaß am High sein" nicht der Grund, weshalb sie die Droge konsumieren.
    Wenn man sich auch einmal nach 24 Uhr vor seine Haustür wagt,werden einem z.B. in FFM eine Menge zombieähnlicher Gestalten über den Weg laufen (welche unbedingt 2 oder 3 Euro für ein Busticket brauchen, um zu ihrer/m Freundin/Freund zu fahren). Keiner von ihnen macht auf mich den Eindruck, als käme er gerade von der Clownsschule.

  2. ...auf bild.de? "Reinecke ist ein Mann, den Unrecht aufregt. Ungerecht sei es, wenn deutsche Junkies mit ihrer elenden Sucht den Kampf der Taliban finanzieren." kann man noch mehr tunnelblick, scheuklappen, denkverweigerung und äußerst fragwürdiges unrechtsbewußtsein in einem gedanken unterbringen? die lebensgrundlage von ohnehin schon bettelarmen bauern mittels "bioterrorismus" (oder wie soll man derart perverse ideen sonst nennen?) komplett zu zerstören ist natürlich in keinster weise unrecht und die elenden lebensbedingungen heroinabhängiger haben überhaupt nichts mit einer vollkommmen verfehlten drogenpolitik zu tun. kein wunder, daß sich ausgerechnet in der cdu unterstützer für derart krankes gedankengut finden.

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    von dt. Junkies ist nicht die Rede, -die sind wohlbehütet -
    im Gegensatz zu den russ., afg., iran., etc.
    Dummerweise entwickeln Experten teilweise einen Tunnelblick.
    Entwicklungshelfer laufen mit einem Heiligenschein herum, die
    Militärs mit Unverständnis für lokale Gebräuche und Sitten.

  3. Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
    Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.

    Antwort auf "Frechheit"
  4. 6. ...

    doch nicht geschehen, kann ich immer noch Leute wie Ahmet Wali Karzai anhauen. Dieser steht ja nicht nur auf der Gehaltsliste der CIA und ist einer der mächtigsten Drogenbarone Afghanistans...nein er ist nebenbei auch noch der Bruder des mustergültig wiedergewählten Präsidenten des Landes. Ich sags ja immer: Vitamin B tut niemals weh!

    Ansonsten an den Autor des Kommentars N° 1: vielen Dank für Ihre beherzte verbale Unterstützung!

  5. ...aber verstehe ich es richtig, dass die Mehrzahl der Kommentatoren ernsthaft die Tatsache legalisieren will und als legitimen Standpunkt vertritt, dass in Afghanistan in großem Stil Rauschgift produziert und in Umlauf gebracht wird? oder geht mir nur der Sinn für die feine Ironie ab? Das kann es ja bei allem Verständnis für die Nöte der dortigen Bauern nicht sein! Und die Vorstellung, dass Heroin harmlos sein soll, finde ich vorsichtig ausgedrückt obskur!

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    Erstens ist die Drogenpolitik, die hier eine weitere Repressionsstufe erhalten soll, seit langem unübersehbar gescheitert, denn es finden sich stets andere Wege und Mittel für die kriminellen Produzenten, nur die Zahl der Leichen steigt noch schneller und höher.
    Zweitens sollte genau aus diesem Grund die Drogenproduktion endlich durch eine Angebotsverschiebung aus den Händen besagter krimineller Produzenten genommen und in kontrollierte (besser kontrollierbare!) Bahnen gelenkt werden, denn es wird immer genug Menschen geben, die Drogen nehmen, egal ob legal oder illegal und egal wer sie produziert. Ihr Bedarf muß und wird gedeckt werden, die Frage ist nur von wem und wer den Profit einstreift.
    Drittens hat im Laufe der Zeit schon so Manches per definitionem als Rausch"gift" gegolten und anderes nicht - ich mag mich nicht entscheiden müssen, ob ich nun Alkohol oder Heroin schlimmer finde. Alkohol hat definitiv schlimmere Auswirkungen auf Abhängige als qualitativ hochwertige Opiate, wie Generationen von wohlintegrierten, angesehenen und morphinsüchtigen Apothekern beweisen... es ist eher die Illegalität und die Stigmatisierung, welche die Horrorgestalten in unseren Unterführungen erzeugt.

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