Afghanistan Damit der Schlafmohn nicht mehr blüht
Aus Schlafmohn wird erst Opium, dann Heroin. Damit finanzieren die Taliban ihren Krieg. Wie zwei Tüftler aus Niedersachsen das verhindern wollen.
© Humayoun Shiab/ epa

Reiche Ernte: Afghanische Bauern in einem Mohnfeld bei Kandahar.
Die Idee kam Dirk Reinecke eines Tages ganz unvermittelt, wie eine Eingebung. Die Idee, mit der Afghanistans größtes Problem gelöst werden könnte. Das Land am Hindukusch leidet unter vielen Plagen, dem Bürgerkrieg, den Terroranschlägen, den Warlords, der Korruption und der Kriminalität. Und all das hat mit einer Blume zu tun, deren Kapseln einen milchigen Saft abgeben, aus denen Afghanistans größte Geißel gewonnen werden kann: Opium. Der Grundstoff für Heroin. Noch immer kommen 90 Prozent des weltweiten Rohopiums von dort.
Reinecke ist ein Mann, den Unrecht aufregt. Ungerecht sei es, wenn deutsche Junkies mit ihrer elenden Sucht den Kampf der Taliban finanzieren. Mit seiner Idee solle dies ein Ende haben. Um das größte Problem Afghanistans zu lösen, brauche es nur einige umgebaute Transportflugzeuge, sehr viel Saatgut und einige Millionen Euro.
Die Politiker wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie unsere Idee nicht umsetzen.
Dirk Reinecke
Was Reinecke sich in der niedersächsischen Kleinstadt Bad Münder erdachte, beschäftigte bald die Bundesregierung im fernen Berlin, Entwicklungshelfer bei Frankfurt, Drogenexperten in Wien und Diplomaten in London.
Bad Münder liegt 30 Kilometer von Hannover entfernt, umgeben von Wäldern, Wiesen und Äckern. Städter fahren dort zur Erholung hin, Kranke zur Kur. Mit den sauber geharkten Wegen, Unkraut-freien Beeten, gestutzten Hecken und den Fachwerkhäusern aus dem 19. Jahrhundert strahlt Bad Münder tiefe Ruhe aus. Der Hindukusch scheint so weit weg wie eine ferne Galaxie. Die Lösung des afghanischen Drogenproblems soll hierher kommen?
"Die Alternative fällt vom Himmel", heißt Reineckes Ansatz. Und so lautete auch der Titel eines Artikels, den er gemeinsam mit seinem Freund Helmut Burdorf in dem Fachmagazin politische ökologie veröffentlicht hat. Sie schlagen darin vor, morphinarmen Schlafmohn mit Flugzeugen über Afghanistan abzuwerfen.
Die Mohnsorte wurde in Europa gezüchtet, sie erzeugt kaum Opiate. Die Bauern können daraus kein Opium gewinnen. Reinecke und Burdorf sagen, dass der Bauer erst bei der Ernte erkennt, dass die Pflanze keinen opiumhaltigen Milchsaft abgibt. Sein Erlös sinke umso stärker, desto mehr morphinarmer Mohn auf seinem Acker wachse.
Langfristig würden sich der morphinarme und der afghanische Schlafmohn vermischen und die Opium-Ernte falle immer niedriger aus. Irgendwann sei der Anbau von Opium im Vergleich zu anderen Pflanzen einfach zu unrentabel, selbst wenn die Anbaufläche vergrößert würde. Dann gäben die Bauern dieses schmutzige Geschäft freiwillig auf – lautet zumindest die Theorie aus Bad Münder.
Burdorf ist Lehrer, promovierter Chemiker, jemand, der die Dinge tief durchdenkt. Reinecke, der Versicherungsmakler und Diplom-Volkswirt, gibt gern den Macher. Er sitzt auf seinem Sofa im Wintergarten in Bad Münder und redet weltgewandt. Die zwei Millionen Euro, die sein Plan kosten würden, seien doch "peanuts", sagt er immer wieder und spricht vom "Abenteuer Afghanistan".
Die Idee wurde vom Auswärtigen Amt bereits 2008 mit UNODC diskutiert und letztlich verworfen, da wichtige Aspekte nicht berücksichtigt werden.
Auswärtiges Amt
Warum sich zwei Niedersachsen für die Probleme am Hindukusch so interessieren, dass sie in ihrer Freizeit unzählige Briefe und E-Mails schreiben und immer wieder zum Telefon greifen, kann Reinecke nicht genau erklären. Er hatte von den morphinarmen Mohnsorten gelesen, die in Österreich angebaut werden. Dann hörte er davon, dass Flugzeuge auch kleinste Teilchen abwerfen können. Die Idee begann zu gedeihen.
Reinecke schrieb zahlreiche Politiker an und weckte das Interesse von Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags. Der CDU-Politiker fand die Idee ganz plausibel, auch wenn er sie sich nur gemeinsam mit mehreren Maßnahmen vorstellen kann. Polenz schickte Briefe an den damaligen Außenminister und an dessen Kabinettskollegen für Entwicklung, Verteidigung und Inneres und leitete Reineckes Material weiter.
In dem Antwortschreiben der Regierung heißt es: "Die von Herrn Reinecke vorgestellte Idee der Vermischung von morphinarmen Sorten mit afghanischen Mohnpflanzen wurde vom Auswärtigen Amt bereits 2008 mit UNODC diskutiert und letztlich verworfen, da wichtige Aspekte nicht berücksichtigt werden." Unterschrieben hat Frank-Walter Steinmeier. Der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland beschäftigte sich mit Herrn Reinecke aus Bad Münder.
Eigentlich könnte Reinecke sich über diesen Erfolg freuen. Doch er will recht behalten. Er will, dass sein Plan ausgeführt wird. "Wir haben die Idee zu weit getrieben, um nun aufzuhören", sagt er. "Die Politiker wären doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie unsere Idee nicht umsetzen."
Beide sprachen in Wien beim Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) vor. An das Meeting, das keinen offiziellen Charakter gehabt habe, erinnern sich die internationalen Drogenexperten ungern. Wie Reinecke und Burdorf es geschafft hätten, eingeladen zu werden, wüsste er auch nur zu gerne, sagt ein UN-Mitarbeiter. Ihm sei das ein Rätsel. Es sei schnell offensichtlich gewesen, dass beide sich überhaupt nicht auskennen in Afghanistan. Die Idee wurde bei der UNOCD kurz diskutiert und verworfen.
Natürlich sei die Idee am Schreibtisch entstanden, sagt Reinecke und flüchtet in Ironie: "Eine Reise nach Afghanistan ist mir zu gefährlich." Doch die Sache hat noch einen Haken: Reinecke und Burdorf haben keinen Feldversuch unternommen, keinen Beleg, dass ihre Idee wirklich funktioniert. Sie haben mit keinem Mohnbauern gesprochen, sie wissen nicht genau, wie die afghanischen Landwirte arbeiten.
Im hessischen Eschborn bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) sitzt Thomas Hartmanshenn in seinem Büro und wertet das Material seiner gerade zu Ende gegangenen Afghanistan-Reise aus. Neben seinem Schreibtisch steht noch der Pilotenkoffer voller Unterlagen. Er und eine Kollegin haben Dutzende afghanische Bauern getroffen. Drei Wochen reiste Hartmanshenn von Dorf zu Dorf, um den Schlafmohnanbau besser zu verstehen.
Die Entwicklungshelfer, die im deutschen und internationalen Auftrag in Afghanistan zahlreiche Projekte umsetzen, kennen Reineckes Ansatz. "Das ist eine Idee, die nicht mit unseren Erfahrungen vor Ort übereinstimmt", sagt Hartmanshenn. Er und seine Kollegen haben eine nachhaltige Gegenstrategie entwickelt.
"Den Bauern, die Schlafmohn anbauen, geht es nicht nur um eine Gewinnmaximierung. Die Einnahmen aus dem Opiumgeschäft scheinen zum Teil die einzige Möglichkeit zu sein, die Existenz, das Überleben der Familie zu sichern", sagt Hartmanshenn. Er hat so manche Tasse Tee mit den Bauern getrunken. Er kennt ihre Sorgen.
Die Landwirte brauchen eine solide Einnahmequelle im Winter, weil die Getreideernte im Sommer oft schlecht ausfalle. Der Winterweizen reiche aber alleine nicht aus, um Menschen und Vieh am Leben zu erhalten. Das Geld, dass sich mit dem Opiumverkauf einnehmen lässt, hingegen langt, um den Hunger fernzuhalten. "Deshalb setzen wir alles daran, dass die Sommerernte sicher eingefahren werden kann – unter anderem durch eine bessere Bewässerung der Felder. Das hat dazu beigetragen, dass die Provinzen Badakshan und Nangarhar heute nahezu drogenfrei sind", sagt Hartmanshenn.
In Bad Münder wittert Reinecke eine Verschwörung gegen seine Idee. Die GTZ sei nicht neutral, die wolle doch nur ihre Pfründe sichern, schimpft er. Reinecke sitzt mit seinem Freund Burdorf im Wintergarten. Vor ihnen stehen ihre Laptops. Reinecke und Burdorf schreiben nun amerikanische Thinktanks an. An den britischen Außenminister haben sie sich bereits gewandt. Vor Kurzem kam eine freundliche Antwort: Sehr höflich bezweifeln die Briten Reineckes Methode an.
Immerhin weckte Reinecke das Interesse einer kanadischen Zeitung. Zufrieden ist Reinecke mit dem Artikel nicht. Der Journalist habe seine Idee nicht verstanden – das Gleiche sagt er auch über Außenminister Steinmeier.
Reinecke schrieb an den Minister: "Die Stellungnahme entspringt allerdings nachweislich nicht ihrer persönlichen Beurteilung, sondern der Institutionen, die ihnen zuarbeiten. (…). Wenn allerdings am Anfang der Argumentationskette Fehlbeurteilungen Ihre spätere Entscheidungen beeinflussen, ist das nicht hinnehmbar." Auf diesen Brief erhielt Reinecke keine Antwort mehr. Aufgeben will er deswegen nicht. Jetzt hofft Dirk Reinecke auf die neue Bundesregierung.
- Datum 11.11.2009 - 11:37 Uhr
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Es wundert immer wieder, woher eingie Gestalten die Dreistigkeit hernehmen, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, wie diese ihre Freizeit verbringen.
Wenn von Drogen gesprochen wird, ist immer nur von den wenigen Junkie-Opfern die rede, die ansonsten vermutlich an der Flasche hängen würden.
Ein Großteil der Drogenkonsumenten (oder solche wie ich, die es noch werden wollen) sind normale Menschen, die einfach nur ein wenig Spaß und Highsein haben wollen. Ab einem gewissen Alter ist das in Ordnung.
Und nun stellen sich einige abartige Moralapostel hin und versuchen das zu verhindern. Diese Gestalten sollten sich einfach einen richtigen Job suchen und nicht unnützen Müll erfinden.
Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.
.. wenn ihre Enkel oder Kinder sich die Spritze setzen, ist es Ihnen dann auch so egal? Wenn die iranische Bevölkerung mittlerweile die
höchste Abhängigenquote, durch den Opiumhandel, weltweit aufweist,
ist Ihnen das pimpe ?
vor dem kommentieren text lesen erhöht die wahrscheinlichkeit, daß der kommenatar inhaltlich zum artikel paßt. ;-)
es geht nicht darum, ob / daß jemand drogen nimmt.
Es mag auf viele ebenfalls verbotene Drogen zutreffen, dass diese aus Spaß an der Freude konsumiert werden, aber doch sicher nicht auf Heroin. Diese Droge hat unzählige Leben zerstört und die Freude dabei war eventuell einmal am Anfang der Drogenkarriere gegeben, sicher ist aber für die meisten Konsumenten "der Spaß am High sein" nicht der Grund, weshalb sie die Droge konsumieren.
Wenn man sich auch einmal nach 24 Uhr vor seine Haustür wagt,werden einem z.B. in FFM eine Menge zombieähnlicher Gestalten über den Weg laufen (welche unbedingt 2 oder 3 Euro für ein Busticket brauchen, um zu ihrer/m Freundin/Freund zu fahren). Keiner von ihnen macht auf mich den Eindruck, als käme er gerade von der Clownsschule.
Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.
.. wenn ihre Enkel oder Kinder sich die Spritze setzen, ist es Ihnen dann auch so egal? Wenn die iranische Bevölkerung mittlerweile die
höchste Abhängigenquote, durch den Opiumhandel, weltweit aufweist,
ist Ihnen das pimpe ?
vor dem kommentieren text lesen erhöht die wahrscheinlichkeit, daß der kommenatar inhaltlich zum artikel paßt. ;-)
es geht nicht darum, ob / daß jemand drogen nimmt.
Es mag auf viele ebenfalls verbotene Drogen zutreffen, dass diese aus Spaß an der Freude konsumiert werden, aber doch sicher nicht auf Heroin. Diese Droge hat unzählige Leben zerstört und die Freude dabei war eventuell einmal am Anfang der Drogenkarriere gegeben, sicher ist aber für die meisten Konsumenten "der Spaß am High sein" nicht der Grund, weshalb sie die Droge konsumieren.
Wenn man sich auch einmal nach 24 Uhr vor seine Haustür wagt,werden einem z.B. in FFM eine Menge zombieähnlicher Gestalten über den Weg laufen (welche unbedingt 2 oder 3 Euro für ein Busticket brauchen, um zu ihrer/m Freundin/Freund zu fahren). Keiner von ihnen macht auf mich den Eindruck, als käme er gerade von der Clownsschule.
...auf bild.de? "Reinecke ist ein Mann, den Unrecht aufregt. Ungerecht sei es, wenn deutsche Junkies mit ihrer elenden Sucht den Kampf der Taliban finanzieren." kann man noch mehr tunnelblick, scheuklappen, denkverweigerung und äußerst fragwürdiges unrechtsbewußtsein in einem gedanken unterbringen? die lebensgrundlage von ohnehin schon bettelarmen bauern mittels "bioterrorismus" (oder wie soll man derart perverse ideen sonst nennen?) komplett zu zerstören ist natürlich in keinster weise unrecht und die elenden lebensbedingungen heroinabhängiger haben überhaupt nichts mit einer vollkommmen verfehlten drogenpolitik zu tun. kein wunder, daß sich ausgerechnet in der cdu unterstützer für derart krankes gedankengut finden.
von dt. Junkies ist nicht die Rede, -die sind wohlbehütet -
im Gegensatz zu den russ., afg., iran., etc.
Dummerweise entwickeln Experten teilweise einen Tunnelblick.
Entwicklungshelfer laufen mit einem Heiligenschein herum, die
Militärs mit Unverständnis für lokale Gebräuche und Sitten.
von dt. Junkies ist nicht die Rede, -die sind wohlbehütet -
im Gegensatz zu den russ., afg., iran., etc.
Dummerweise entwickeln Experten teilweise einen Tunnelblick.
Entwicklungshelfer laufen mit einem Heiligenschein herum, die
Militärs mit Unverständnis für lokale Gebräuche und Sitten.
Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.
... hier so eindeutig aufallen. Ich muss den Vorgängern ebenfalls beipflichten, dass in diesem Falle niedersächsische Weltverbesserungsmaßnahmen nicht im Sinne der afghanischen Opiumbauern gedacht, sondern eher aus persönlichem Geltungsbedürfniss heraus vorgebracht werden. Ich finde, die beiden Herren sollten ihr Potenzial nicht an eine Idee verschwenden, welche anscheinend nur dazu taugt zu verwundern. Ich frage mich, wie kommt man auf sowas? Das erinnert schwer an DDT, Hunger, Armut, Illeglität. Manchmal sollte man entwicklungspolitisches Denken Experten überlassen (zu denen ich nicht zähle, die Absurdität dieser Idee mir trotzdem direkt ins Auge springt.) Danke an die Zeit für einen Artikel, dessen Hintergrund ich an dieser Stelle gern verstehen würde.
an eine meiner wichtigsten Einnahmequellen - und ich muss schon sagen, dass die Idee dieser Plagegeister so dumm gar nicht ist: eine ähnliche Strategie hat man vor Jahren in Argentinien angewandt. Dort gab es die Schraubwurmfliege, die jedes Frühjahr ihre Eier in die Wunden von Rindern legte (Dass sie davor auf engem Raum im Stall gehalten werden führt oft zu Verletzungen). Die Larven fraßen sich durch den Wirt, dieser starb und sein Leder und Fleisch waren ruiniert. Schließlich kam man auf die Idee, sterile Larven zu züchten und freizulassen. Dies paarten sich dann mit den fruchtbaren Exemplaren. Ergebnis: die Schraubwurmfliege wurde nahezu ausgerottet.
Zum Glück gibt es für mich in dieser Sache Grund, nicht ganz so pessimistisch zu sein. Erstmal vertraue ich auf den Erfindungsreichtum der afghanischen Bauern, für die der Mohnanbau die Lebensgrundlage darstellt. So, wie das Business meiner kolumbianischen Freunde Herbizidbombardements überstanden hat, so werden auch die Afghanen ihre Augen gen Himmel richten und ihre Anbaugewohnheiten entsprechend anpassen. Sollte die Methode am Anfang dagegen Erfolg haben, kommt eine weitere Triebfeder der Kreativität hinzu: der geschlossene Volkszorn. Vielleicht wurde die Idee ja deshalb gleich von der UNOCD verworfen, weil sich das Volk dann weiter mit der Taliban solidarisieren würde. Und sollte dies wider Erwarten
doch nicht geschehen, kann ich immer noch Leute wie Ahmet Wali Karzai anhauen. Dieser steht ja nicht nur auf der Gehaltsliste der CIA und ist einer der mächtigsten Drogenbarone Afghanistans...nein er ist nebenbei auch noch der Bruder des mustergültig wiedergewählten Präsidenten des Landes. Ich sags ja immer: Vitamin B tut niemals weh!
Ansonsten an den Autor des Kommentars N° 1: vielen Dank für Ihre beherzte verbale Unterstützung!
...aber verstehe ich es richtig, dass die Mehrzahl der Kommentatoren ernsthaft die Tatsache legalisieren will und als legitimen Standpunkt vertritt, dass in Afghanistan in großem Stil Rauschgift produziert und in Umlauf gebracht wird? oder geht mir nur der Sinn für die feine Ironie ab? Das kann es ja bei allem Verständnis für die Nöte der dortigen Bauern nicht sein! Und die Vorstellung, dass Heroin harmlos sein soll, finde ich vorsichtig ausgedrückt obskur!
Erstens ist die Drogenpolitik, die hier eine weitere Repressionsstufe erhalten soll, seit langem unübersehbar gescheitert, denn es finden sich stets andere Wege und Mittel für die kriminellen Produzenten, nur die Zahl der Leichen steigt noch schneller und höher.
Zweitens sollte genau aus diesem Grund die Drogenproduktion endlich durch eine Angebotsverschiebung aus den Händen besagter krimineller Produzenten genommen und in kontrollierte (besser kontrollierbare!) Bahnen gelenkt werden, denn es wird immer genug Menschen geben, die Drogen nehmen, egal ob legal oder illegal und egal wer sie produziert. Ihr Bedarf muß und wird gedeckt werden, die Frage ist nur von wem und wer den Profit einstreift.
Drittens hat im Laufe der Zeit schon so Manches per definitionem als Rausch"gift" gegolten und anderes nicht - ich mag mich nicht entscheiden müssen, ob ich nun Alkohol oder Heroin schlimmer finde. Alkohol hat definitiv schlimmere Auswirkungen auf Abhängige als qualitativ hochwertige Opiate, wie Generationen von wohlintegrierten, angesehenen und morphinsüchtigen Apothekern beweisen... es ist eher die Illegalität und die Stigmatisierung, welche die Horrorgestalten in unseren Unterführungen erzeugt.
Erstens ist die Drogenpolitik, die hier eine weitere Repressionsstufe erhalten soll, seit langem unübersehbar gescheitert, denn es finden sich stets andere Wege und Mittel für die kriminellen Produzenten, nur die Zahl der Leichen steigt noch schneller und höher.
Zweitens sollte genau aus diesem Grund die Drogenproduktion endlich durch eine Angebotsverschiebung aus den Händen besagter krimineller Produzenten genommen und in kontrollierte (besser kontrollierbare!) Bahnen gelenkt werden, denn es wird immer genug Menschen geben, die Drogen nehmen, egal ob legal oder illegal und egal wer sie produziert. Ihr Bedarf muß und wird gedeckt werden, die Frage ist nur von wem und wer den Profit einstreift.
Drittens hat im Laufe der Zeit schon so Manches per definitionem als Rausch"gift" gegolten und anderes nicht - ich mag mich nicht entscheiden müssen, ob ich nun Alkohol oder Heroin schlimmer finde. Alkohol hat definitiv schlimmere Auswirkungen auf Abhängige als qualitativ hochwertige Opiate, wie Generationen von wohlintegrierten, angesehenen und morphinsüchtigen Apothekern beweisen... es ist eher die Illegalität und die Stigmatisierung, welche die Horrorgestalten in unseren Unterführungen erzeugt.
Ich möchte mich den Vorrednern anschließen:
Diese Idee derart vehement, wider bessere Erfahrung und ohne Hintergrundwissen der politischen Situation vor Ort (welches man sich zB auch aus umfassenden Berichten der Wissenschaft beziehen kann)an den Mann bringen zu wollen, zeugt von gewisser Unbelehrbarkeit und Geltungsdrang.
Es ist wichtig, klar zwischen den Zielen der Drogenbekämpfung in Afghanistan zu unterscheiden:
Gegen den Drogenkonsum in Westeuropa kann man auch auf anderem Wege (Prävention, Strafverfolgung etc... ) effektiver vorgehen, dazu muss man nicht auf moralisch zweifelhafte Weise fremde Biosphären manipulieren oder ausrotten.
Was die Bekämpfung des Opiumanbaus, der Veredelung und der Ausfuhr angeht, gibt es ebenfalls zahlreiche andere Möglichkeiten: Vor allem durch das Angebot alternativen Saatgutes in Verbindung mit einem gewissen, etablierten Maß militärischer Sicherheit, sowie eine unabhängigen und weitreichenden Strafverfolgung kann hier Vielversprechendes geleistet werden. Interessant ist hier auch, dass das Opiumhandel nur eine von mehreren Finanzierungsquellen für die Taliban ist, der Opiumanbau aber zu oft die einzige Einkommensquelle für die dortigen Bauern.
Afghanistan war früher für seine Granatäpfel weithin bekannt. Und eines zeigt der funktionierende Opiumanbau und -Handel ja auch: Es gibt gewisse spärliche Anzeichen eines funktionieren Wirtschafts-, Vertriebssystem. Wann man hier irgendwann einmal wieder mit Granatäpfel handeln könnte...
Ich kann mich den kritischen Kommentaren nur anschließen - es ist erschreckend, dass die 'Zeit' über solche Affen und ihr Stammtischgewäsch überhaupt berichtet. Ich werde mir die Mühe machen, in meinem Browser endlich mal die Startseite auf eine andere als zeit.de zu stellen.
Mittels Strafverfolgung kann der Konsum von Heroin nicht eingeschränkt werden. Die Nachfrage von Abhängigen nach ihrem Suchtmittel würde sich auch bei Androhung der Todesstrafe (der Tod droht ihnen bei langjährigem Straßenkonsum ja ohnehin) nicht verändern, denn dies setzt Handlungsalternativen und ein rationale Vorgehensweise voraus. Der Effekt wäre eine Verteuerung des Stoffes, da die Händler bei gestiegenem Risiko ihrer Tätigkeit einen höheren "Risikoaufschlag" berechnen und beim Handel mehr Verlust (Zoll, Razzien) einkalkuliert werden muss.
Einzig die dann höheren Preise für Heroin hätten eventuell einen kleinen präventiven Effekt. Allerdings sind die Preise jetzt schon, (zumindest aus Sicht des "Normalbürgers")bezogen auf einen Dauerkonsum derart hoch, dass sie eigentlich abschrecken sollten.
Mit gestiegenem Preis steigt auch die notwendige Beschaffungskriminalität.
Ich kann mich den kritischen Kommentaren nur anschließen - es ist erschreckend, dass die 'Zeit' über solche Affen und ihr Stammtischgewäsch überhaupt berichtet. Ich werde mir die Mühe machen, in meinem Browser endlich mal die Startseite auf eine andere als zeit.de zu stellen.
Mittels Strafverfolgung kann der Konsum von Heroin nicht eingeschränkt werden. Die Nachfrage von Abhängigen nach ihrem Suchtmittel würde sich auch bei Androhung der Todesstrafe (der Tod droht ihnen bei langjährigem Straßenkonsum ja ohnehin) nicht verändern, denn dies setzt Handlungsalternativen und ein rationale Vorgehensweise voraus. Der Effekt wäre eine Verteuerung des Stoffes, da die Händler bei gestiegenem Risiko ihrer Tätigkeit einen höheren "Risikoaufschlag" berechnen und beim Handel mehr Verlust (Zoll, Razzien) einkalkuliert werden muss.
Einzig die dann höheren Preise für Heroin hätten eventuell einen kleinen präventiven Effekt. Allerdings sind die Preise jetzt schon, (zumindest aus Sicht des "Normalbürgers")bezogen auf einen Dauerkonsum derart hoch, dass sie eigentlich abschrecken sollten.
Mit gestiegenem Preis steigt auch die notwendige Beschaffungskriminalität.
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