Afghanistan Damit der Schlafmohn nicht mehr blühtSeite 3/3

Im hessischen Eschborn bei der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) sitzt Thomas Hartmanshenn in seinem Büro und wertet das Material seiner gerade zu Ende gegangenen Afghanistan-Reise aus. Neben seinem Schreibtisch steht noch der Pilotenkoffer voller Unterlagen. Er und eine Kollegin haben Dutzende afghanische Bauern getroffen. Drei Wochen reiste Hartmanshenn von Dorf zu Dorf, um den Schlafmohnanbau besser zu verstehen.

Die Entwicklungshelfer, die im deutschen und internationalen Auftrag in Afghanistan zahlreiche Projekte umsetzen, kennen Reineckes Ansatz. "Das ist eine Idee, die nicht mit unseren Erfahrungen vor Ort übereinstimmt", sagt Hartmanshenn. Er und seine Kollegen haben eine nachhaltige Gegenstrategie entwickelt.

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"Den Bauern, die Schlafmohn anbauen, geht es nicht nur um eine Gewinnmaximierung. Die Einnahmen aus dem Opiumgeschäft scheinen zum Teil die einzige Möglichkeit zu sein, die Existenz, das Überleben der Familie zu sichern", sagt Hartmanshenn. Er hat so manche Tasse Tee mit den Bauern getrunken. Er kennt ihre Sorgen.

Die Landwirte brauchen eine solide Einnahmequelle im Winter, weil die Getreideernte im Sommer oft schlecht ausfalle. Der Winterweizen reiche aber alleine nicht aus, um Menschen und Vieh am Leben zu erhalten. Das Geld, dass sich mit dem Opiumverkauf einnehmen lässt, hingegen langt, um den Hunger fernzuhalten. "Deshalb setzen wir alles daran, dass die Sommerernte sicher eingefahren werden kann – unter anderem durch eine bessere Bewässerung der Felder. Das hat dazu beigetragen, dass die Provinzen Badakshan und Nangarhar heute nahezu drogenfrei sind", sagt Hartmanshenn.

In Bad Münder wittert Reinecke eine Verschwörung gegen seine Idee. Die GTZ sei nicht neutral, die wolle doch nur ihre Pfründe sichern, schimpft er. Reinecke sitzt mit seinem Freund Burdorf im Wintergarten. Vor ihnen stehen ihre Laptops. Reinecke und Burdorf schreiben nun amerikanische Thinktanks an. An den britischen Außenminister haben sie sich bereits gewandt. Vor Kurzem kam eine freundliche Antwort: Sehr höflich bezweifeln die Briten Reineckes Methode an.

Immerhin weckte Reinecke das Interesse einer kanadischen Zeitung. Zufrieden ist Reinecke mit dem Artikel nicht. Der Journalist habe seine Idee nicht verstanden – das Gleiche sagt er auch über Außenminister Steinmeier.

Reinecke schrieb an den Minister: "Die Stellungnahme entspringt allerdings nachweislich nicht ihrer persönlichen Beurteilung, sondern der Institutionen, die ihnen zuarbeiten. (…). Wenn allerdings am Anfang der Argumentationskette Fehlbeurteilungen Ihre spätere Entscheidungen beeinflussen, ist das nicht hinnehmbar." Auf diesen Brief erhielt Reinecke keine Antwort mehr. Aufgeben will er deswegen nicht. Jetzt hofft Dirk Reinecke auf die neue Bundesregierung.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Es wundert immer wieder, woher eingie Gestalten die Dreistigkeit hernehmen, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, wie diese ihre Freizeit verbringen.
    Wenn von Drogen gesprochen wird, ist immer nur von den wenigen Junkie-Opfern die rede, die ansonsten vermutlich an der Flasche hängen würden.
    Ein Großteil der Drogenkonsumenten (oder solche wie ich, die es noch werden wollen) sind normale Menschen, die einfach nur ein wenig Spaß und Highsein haben wollen. Ab einem gewissen Alter ist das in Ordnung.
    Und nun stellen sich einige abartige Moralapostel hin und versuchen das zu verhindern. Diese Gestalten sollten sich einfach einen richtigen Job suchen und nicht unnützen Müll erfinden.

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    Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
    Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.

    .. wenn ihre Enkel oder Kinder sich die Spritze setzen, ist es Ihnen dann auch so egal? Wenn die iranische Bevölkerung mittlerweile die
    höchste Abhängigenquote, durch den Opiumhandel, weltweit aufweist,
    ist Ihnen das pimpe ?

    vor dem kommentieren text lesen erhöht die wahrscheinlichkeit, daß der kommenatar inhaltlich zum artikel paßt. ;-)
    es geht nicht darum, ob / daß jemand drogen nimmt.

    Es mag auf viele ebenfalls verbotene Drogen zutreffen, dass diese aus Spaß an der Freude konsumiert werden, aber doch sicher nicht auf Heroin. Diese Droge hat unzählige Leben zerstört und die Freude dabei war eventuell einmal am Anfang der Drogenkarriere gegeben, sicher ist aber für die meisten Konsumenten "der Spaß am High sein" nicht der Grund, weshalb sie die Droge konsumieren.
    Wenn man sich auch einmal nach 24 Uhr vor seine Haustür wagt,werden einem z.B. in FFM eine Menge zombieähnlicher Gestalten über den Weg laufen (welche unbedingt 2 oder 3 Euro für ein Busticket brauchen, um zu ihrer/m Freundin/Freund zu fahren). Keiner von ihnen macht auf mich den Eindruck, als käme er gerade von der Clownsschule.

    Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
    Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.

    .. wenn ihre Enkel oder Kinder sich die Spritze setzen, ist es Ihnen dann auch so egal? Wenn die iranische Bevölkerung mittlerweile die
    höchste Abhängigenquote, durch den Opiumhandel, weltweit aufweist,
    ist Ihnen das pimpe ?

    vor dem kommentieren text lesen erhöht die wahrscheinlichkeit, daß der kommenatar inhaltlich zum artikel paßt. ;-)
    es geht nicht darum, ob / daß jemand drogen nimmt.

    Es mag auf viele ebenfalls verbotene Drogen zutreffen, dass diese aus Spaß an der Freude konsumiert werden, aber doch sicher nicht auf Heroin. Diese Droge hat unzählige Leben zerstört und die Freude dabei war eventuell einmal am Anfang der Drogenkarriere gegeben, sicher ist aber für die meisten Konsumenten "der Spaß am High sein" nicht der Grund, weshalb sie die Droge konsumieren.
    Wenn man sich auch einmal nach 24 Uhr vor seine Haustür wagt,werden einem z.B. in FFM eine Menge zombieähnlicher Gestalten über den Weg laufen (welche unbedingt 2 oder 3 Euro für ein Busticket brauchen, um zu ihrer/m Freundin/Freund zu fahren). Keiner von ihnen macht auf mich den Eindruck, als käme er gerade von der Clownsschule.

  2. ...auf bild.de? "Reinecke ist ein Mann, den Unrecht aufregt. Ungerecht sei es, wenn deutsche Junkies mit ihrer elenden Sucht den Kampf der Taliban finanzieren." kann man noch mehr tunnelblick, scheuklappen, denkverweigerung und äußerst fragwürdiges unrechtsbewußtsein in einem gedanken unterbringen? die lebensgrundlage von ohnehin schon bettelarmen bauern mittels "bioterrorismus" (oder wie soll man derart perverse ideen sonst nennen?) komplett zu zerstören ist natürlich in keinster weise unrecht und die elenden lebensbedingungen heroinabhängiger haben überhaupt nichts mit einer vollkommmen verfehlten drogenpolitik zu tun. kein wunder, daß sich ausgerechnet in der cdu unterstützer für derart krankes gedankengut finden.

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    von dt. Junkies ist nicht die Rede, -die sind wohlbehütet -
    im Gegensatz zu den russ., afg., iran., etc.
    Dummerweise entwickeln Experten teilweise einen Tunnelblick.
    Entwicklungshelfer laufen mit einem Heiligenschein herum, die
    Militärs mit Unverständnis für lokale Gebräuche und Sitten.

    von dt. Junkies ist nicht die Rede, -die sind wohlbehütet -
    im Gegensatz zu den russ., afg., iran., etc.
    Dummerweise entwickeln Experten teilweise einen Tunnelblick.
    Entwicklungshelfer laufen mit einem Heiligenschein herum, die
    Militärs mit Unverständnis für lokale Gebräuche und Sitten.

  3. Es ist erfreulich, daß hier jemand so klare Worte findet. Erstens geht es tatsächlich keinen Herrn Reinecke und auch sonst niemanden etwas an, was ich in meiner Freizeit treibe, und zweitens wird hier das Pferd offensichtlich beim Schwanz aufgezäumt. Die Gewinne, welche Verbrecherbanden wie die Taliban mit dem Drogenanbau einfahren, sind einzig und allein das Ergebnis der Prohibition. Würde letztere aufgegeben, so würden nicht nur die Taliban, sondern auch einige andere unsympathische Gestalten ein ziemlich dummes Gesicht machen. So aber werden Drogenkonsumenten gezwungen, Verbrecher zu unterstützen, und die Gegenstrategien werden auf dem Rücken der Bauern ausgetragen.
    Die Idee, gezielt per Samenabwurf die Vegetation eines fremden Landes zu verändern, zeugt zudem von einer Arroganz, von der ich mir nicht sicher bin, ob sie diejenige der Taliban nicht sogar noch übersteigt.

    Antwort auf "Frechheit"
  4. 6. ...

    doch nicht geschehen, kann ich immer noch Leute wie Ahmet Wali Karzai anhauen. Dieser steht ja nicht nur auf der Gehaltsliste der CIA und ist einer der mächtigsten Drogenbarone Afghanistans...nein er ist nebenbei auch noch der Bruder des mustergültig wiedergewählten Präsidenten des Landes. Ich sags ja immer: Vitamin B tut niemals weh!

    Ansonsten an den Autor des Kommentars N° 1: vielen Dank für Ihre beherzte verbale Unterstützung!

  5. ...aber verstehe ich es richtig, dass die Mehrzahl der Kommentatoren ernsthaft die Tatsache legalisieren will und als legitimen Standpunkt vertritt, dass in Afghanistan in großem Stil Rauschgift produziert und in Umlauf gebracht wird? oder geht mir nur der Sinn für die feine Ironie ab? Das kann es ja bei allem Verständnis für die Nöte der dortigen Bauern nicht sein! Und die Vorstellung, dass Heroin harmlos sein soll, finde ich vorsichtig ausgedrückt obskur!

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    Erstens ist die Drogenpolitik, die hier eine weitere Repressionsstufe erhalten soll, seit langem unübersehbar gescheitert, denn es finden sich stets andere Wege und Mittel für die kriminellen Produzenten, nur die Zahl der Leichen steigt noch schneller und höher.
    Zweitens sollte genau aus diesem Grund die Drogenproduktion endlich durch eine Angebotsverschiebung aus den Händen besagter krimineller Produzenten genommen und in kontrollierte (besser kontrollierbare!) Bahnen gelenkt werden, denn es wird immer genug Menschen geben, die Drogen nehmen, egal ob legal oder illegal und egal wer sie produziert. Ihr Bedarf muß und wird gedeckt werden, die Frage ist nur von wem und wer den Profit einstreift.
    Drittens hat im Laufe der Zeit schon so Manches per definitionem als Rausch"gift" gegolten und anderes nicht - ich mag mich nicht entscheiden müssen, ob ich nun Alkohol oder Heroin schlimmer finde. Alkohol hat definitiv schlimmere Auswirkungen auf Abhängige als qualitativ hochwertige Opiate, wie Generationen von wohlintegrierten, angesehenen und morphinsüchtigen Apothekern beweisen... es ist eher die Illegalität und die Stigmatisierung, welche die Horrorgestalten in unseren Unterführungen erzeugt.

    Erstens ist die Drogenpolitik, die hier eine weitere Repressionsstufe erhalten soll, seit langem unübersehbar gescheitert, denn es finden sich stets andere Wege und Mittel für die kriminellen Produzenten, nur die Zahl der Leichen steigt noch schneller und höher.
    Zweitens sollte genau aus diesem Grund die Drogenproduktion endlich durch eine Angebotsverschiebung aus den Händen besagter krimineller Produzenten genommen und in kontrollierte (besser kontrollierbare!) Bahnen gelenkt werden, denn es wird immer genug Menschen geben, die Drogen nehmen, egal ob legal oder illegal und egal wer sie produziert. Ihr Bedarf muß und wird gedeckt werden, die Frage ist nur von wem und wer den Profit einstreift.
    Drittens hat im Laufe der Zeit schon so Manches per definitionem als Rausch"gift" gegolten und anderes nicht - ich mag mich nicht entscheiden müssen, ob ich nun Alkohol oder Heroin schlimmer finde. Alkohol hat definitiv schlimmere Auswirkungen auf Abhängige als qualitativ hochwertige Opiate, wie Generationen von wohlintegrierten, angesehenen und morphinsüchtigen Apothekern beweisen... es ist eher die Illegalität und die Stigmatisierung, welche die Horrorgestalten in unseren Unterführungen erzeugt.

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