Guido Westerwelle
Schwieriger Antrittsbesuch in Israel
Vorsichtige Zurückhaltung gilt voraussichtlich als Devise beim Antrittsbesuch des neuen Außenministers in Israel. Westerwelles letzter Besuch 2002 war heikel gewesen.
© Natalia Kolesnikova/AFP/Getty Images

Gudio Westerwelle reist zum ersten Mal als Außenminister nach Israel
Mit seiner Reise nach Israel steht Außenminister Guido Westerwelle (FDP) am Montag ein besonders wichtiger Antrittsbesuch bevor – und ein nicht ganz einfacher. Auf dem Programm steht zunächst ein Aufenthalt in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem. Dann folgen unter anderem Gespräche mit Staatspräsident Schimon Peres und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
Die Reise dient auch der Vorbereitung einer gemeinsamen Kabinettssitzung von deutscher und israelischer Regierung Ende November in Berlin. Es wird erwartet, dass Westerwelle die herausragende Bedeutung des deutsch-israelischen Verhältnisses bekräftigen wird. Im Koalitionsvertrag bekennt sich die schwarz-gelbe Regierung zu einer besonderen Verantwortung "gegenüber Israel als jüdischem Staat".
Weitere Themen dürften der Stillstand in der Suche nach einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten sowie das iranische Atomprogramm sein. Am Dienstag macht Westerwelle auch einen Abstecher zur Palästinenser-Führung nach Ramallah.
Für den FDP-Vorsitzenden ist dies der erste Israel-Besuch nach siebeneinhalb Jahren. Während seines Aufenthalts im Mai 2002 hatte sich Westerwelle für eine anti-israelische Kampagne seines damaligen Stellvertreters Jürgen Möllemann öffentlich maßregeln lassen müssen. Der damalige israelische Ministerpräsident Ariel Scharon äußerte Besorgnis über ansteigenden Antisemitismus in Deutschland.
Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, hofft, dass Westerwelle in Israel Akzente der Versöhnung setzt. "Die Reaktionen der israelischen Regierung auf die Ernennung des neuen deutschen Außenministers Guido Westerwelle waren sehr zurückhaltend", sagte Kramer der Passauer Neuen Presse am Montag. Unter anderem sei dies auch so, weil sich die Liberalen in der Debatte über mögliche Sanktionen gegen Iran bisher sehr bedeckt gehalten hätten. "Die FDP muss sich hier entscheiden zwischen den Interessen der deutschen Wirtschaft und dem Existenzrecht und den Sicherheitsbedürfnissen Israels."
Kramer sagte: "Die jüngste Vergangenheit von Herrn Westerwelle hat sich nicht gerade dadurch ausgezeichnet, dass er in der Nahostpolitik und den Beziehungen zu Israel besonders engagiert gewesen wäre." Westerwelle habe sich 2002 viel zu spät von Möllemann distanziert und zunächst sogar auf den Erfolg dieser Kampagne gebaut. "Da bleibt ein bitterer Beigeschmack. Mit der Möllemann-Affäre gibt es eine erhebliche Hypothek. Das schwebt immer noch wie ein Damoklesschwert über Guido Westerwelle und den Liberalen." Allerdings gebe es jetzt die Möglichkeit, einen Klimawechsel in den Beziehungen zu Israel zu erreichen.
Der Minister solle sich nun "davor hüten, als Nahost-Vermittler auftreten zu wollen. Dafür hat er zu wenig Erfahrung", sagte Kramer. Kritik an der israelischen Regierungspolitik sei zwar kein Sakrileg, auch nicht für einen deutschen Außenminister. "Allerdings sollte er sich wohl überlegen, welche Kritik er zu welchem Zeitpunkt anbringt."
- Datum 23.11.2009 - 07:19 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 21
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Ich denke Deutschland sollte in Israel genauso selbstbewußt auftreten, wie in allen anderen Ländern auch. Was Möllemann 2002 gesagt hat, kann keine Auswirkung auf deutsche Außenpolitik 2009 haben. Herr Westerwelle vertritt schließlich in seinem Amt nicht die FDP, sondern ganz Deutschland...
"herausragende Bedeutung des deutsch-israelischen Verhältnisses"
Fragt sich nur, in welche Richtung dieses "Herausragen" geht.
Und außerdem: Waren Möllemanns Worte inhaltlich denn so falsch!?
"Deutsches Selbstbewusstsein" muss u.a. durch deutliche Kritik an der Lebensraumpolitik der Zionisten zum Ausdruck kommen können bzw. durch verbale und tatkräftige Unterstützung der betroffenen Palästinenser.
Im umgekehrten Fall hätte das Umgekehrte zu gelten. Aber so ist es eben nicht!
Westerwelle für die Araber ? Man darf gespannt sein, ob Westerwelle eine neutrale Politik vorbereitet, die sowohl den Interessen der Araber, wie auch denen der Israeli Rechnung trägt.
Eines ist klar: Die BRD kommt am Selbstbestimmungsrecht der Israeli nicht vorbei. Alle Lösungen oder alle Desaster sind letztlich vom israelischen Volk zu verantworten.
Einem Exodus der Israeli in Richtung Europa bzw. in Richtung Deutschland - so wie das der Iran fordert - muss eine klare Absage erteilt werden.
... Richtung Deutschland - so wie das der Iran fordert - muss eine klare Absage erteilt werden."
Hätte man die Juden nach WWII mit bspw Bayern entschädigt, so wäre das Problem mit den Arabern heute nicht so virulent. ;)
Hier rächt sich die Aufteilung der Ministerien nach Parteiproporz. Als Oppositionsführer lernt man eben nicht die diplomatische Schule, daher sieht Herr Westerwelle in der Welt jetzt immer wie der kleine dumme Junge neben den erfahrenen Außenpolitikern der Welt aus. Für den Nahostkonflikt ist er bereits verbraucht, bevor er überhaupt handeln kann. Auch in der FDP hätte es bessere Alternativen gegeben.
wir uns nicht auf den Rest der Welt konzentrieren und die Nahost Aussenpolitik gleich ganz dem Zentralrat der Deutschen Juden überlassen?
So etwa verstehe ich Sie !
Das beste das Westerwelle für Deutschland tun kann ist: möglichst wenig einmischen und das Scheckbuch gleich zuhause lassen! Das traue ich ihm durchaus zu.
Denn egal was Israel an Detschland zu kritisieren hat - es laeuft eigentlich immer auf das gleiche hinaus ....
... Richtung Deutschland - so wie das der Iran fordert - muss eine klare Absage erteilt werden."
Hätte man die Juden nach WWII mit bspw Bayern entschädigt, so wäre das Problem mit den Arabern heute nicht so virulent. ;)
kann ja noch werden.
wir uns nicht auf den Rest der Welt konzentrieren und die Nahost Aussenpolitik gleich ganz dem Zentralrat der Deutschen Juden überlassen?
So etwa verstehe ich Sie !
Das beste das Westerwelle für Deutschland tun kann ist: möglichst wenig einmischen und das Scheckbuch gleich zuhause lassen! Das traue ich ihm durchaus zu.
Denn egal was Israel an Detschland zu kritisieren hat - es laeuft eigentlich immer auf das gleiche hinaus ....
kann ja noch werden.
"Die FDP muss sich hier entscheiden zwischen den Interessen der deutschen Wirtschaft und dem Existenzrecht und den Sicherheitsbedürfnissen Israels."
Soviel Unverschämtheit macht mich sprachlos!
Westerwelles Gestümpere in deutsch-polnischen Angelegenheiten vor Augen, bekommt man unwillkürlich das Gruseln, ihn jetzt auch in Israel herumtapsen zu sehen.
Ich vermute, Sie sind Vertriebenen-Funktionär in der 3. Generation oder ?
Dass Westerwelle zuerst nach Polen fährt und jetzt mit den Russen eine strategische Partnerschaft neubelebt, ist den Interessen der Deutschen Wirtschaft geschuldet.
In dem Maße wie sich die USA nach Asien ausrichten, in dem Maße müssen wir uns -allein schon aus Recourcengründen - nach Osten ausrichten.
Westerwelle macht bis jetzt alles richtig. Auf sein Auftreten in Israel bin ich gespannt. Er muss den ehrlichen Makler machen. Ganz klar. Er muss sich von Frau Merkel klar absetzen.
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