Afghanistankrieg Obamas halbherzige Anti-Guerilla-Strategie
30.000 zusätzliche Soldaten, Abzug ab 2011: Obama setzt auf eine Offensive gegen die Taliban. Doch eigentlich werden in Afghanistan mehr Truppen gebraucht.
© Win McNamee/Getty Images

US-Präsident Obama hat seine Rede zur US-Strategie für Afghanistan in der Militärakademie Westpoint gehalten
Obamas neue Afghanistan-Politik sei weder hin noch her, murren die Kritiker, aber das stimmt nicht. Die 30.000 Zusatz-Soldaten, die er am Dienstag bekannt gegeben hat, sind mehr "hin" als "zurück". Doch eine dezidierte Strategie lässt sich (noch) nicht erkennen.
Das Problem ist Kriegsführung per Gremium. Monatelang tobte ein Kampf unter Obamas Beratern. Er war so brutal, dass die Antagonisten im Verteidigungs- und Außenministerium einander vorwerfen, den "Schneiderhan" gemacht, also dem Präsidenten wichtige Dokumente vorenthalten zu haben.
Herausgekommen ist ein typisches Gremien-Produkt: weder eine groß angelegte Counterinsurgency-Strategie, COIN genannt (Anti-Guerilla), noch eine bescheidene Anti-Terror-Strategie. Der Unterschied? COIN heißt sehr viele Truppen, die wie ein Besen durchs Land marschieren und die Taliban nicht nur vertreiben, sondern vor allem der örtlichen Bevölkerung Sicherheit garantieren. Anti-Terror heißt: Mit wenigen Truppen die Taliban hauptsächlich aus der Luft – mit Dronen – angreifen, sie nie zur Ruhe kommen lassen, ihre Führung und Logistik dezimieren.
30.000 Mann mehr (die Alliierten haben zusätzlich 5000 versprochen) würde die US-Truppe auf 100.000 aufstocken; zusammen mit den Verbündeten wären das etwa 130.000 – soviel wie im Irak nach dem Surge. Dort hat die COIN-Strategie ab Sommer 2007 vorzüglich funktioniert: aus dem Bezirk X, sagen wir Anbar, werden die Al-Qaida- und Sunni-Bewaffneten vertrieben; die Amerikaner und Iraker bleiben da und gewährleisten die Sicherheit. Merke: Im Krieg gegen Irreguläre geht es immer darum, die Loyalität der Zivilisten zu gewinnen und zu behalten.
Die Hoffnung ist nun, das gleiche Wunder in Afghanistan zu verwirklichen, aber es fehlt mindestens ein Erfolgsfaktor: eine halbwegs legitime Regierung, die im Irak durch eine Serie ziemlich freier und fairer Wahlen legitimiert worden ist. Karsai, der Wahlfälscher und Korruptionsmeister, ist kein Maliki, lautet die Kurzdiagnose. Hinzu kommt das Problem Pakistan, wohin die Taliban stets zurückweichen und von wo sie wieder zuschlagen können. Denn: Die pakistanische Armee, der eigentliche Machthaber, glaubt noch immer, dass der wahre Feind des Landes die verhassten Inder seien.
Für eine richtige COIN werden in Afghanistan, anderthalb mal größer und zehnfach unwegsamer als der Irak, mehr Truppen gebraucht, sie müssten tatsächlich das Nation-Building schaffen, das im Irak aufgrund intakter Staatsstrukturen viel einfacher war, und sie müssten bleiben, ohne Abzugsfristen im Nacken zu haben. Auf einen solchen Blankoscheck aber will sich Obama nicht einlassen; in Wahrheit will er raus oder zumindest bis zum Wahltermin 2012 kräftig reduzieren. Das wissen die Taliban. Also werden sie auf Zeit spielen nach der Devise: "Wir bleiben immer hier, ihr nicht." Das wissen auch Karsai und die Bevölkerung.
- Datum 02.12.2009 - 10:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Krieg ist das Armutszeugnis der Beteiligten. Krieg zerstört-Krieg vernichtet-Krieg führt in die Hoffnungslosigkeit- die Unversöhnlichkeit wird stärker und nachhaltiger. Krieg kennt keine Menschenwürde! Amerika erhöht die Truppenstärke-die Zahl der Toten wird auch steigen. Krieg ein Zeichen von der Ohnmacht der Mächtigen!
Walter Wasilewski
macht man es falsch. mr. joffe wie wäre es wenn sie mal ein konstuktiven vorschlag bringen würden? egal was obama macht es wird nur gekrittelt.
30.000 sind mehr als die hälfte von dem was mccrystal gefordert hat und wenn dieser ein kluger kopf hat er mehr verlangt als er braucht, um die anzahl zubekommen die er wirklich benötigt. denn jeder weis, das militärische befehlshaber, bei einer demokratischen regierung nie das volle kontingent bekommen welches sie angeben zu brauchen.
...immer kritisiert wird. Eher steht der Ami in der Kritik. Jeder weiss immer was er falsch oder gar verbrecherisch tat. Und es ist nicht Joffe, der das so sieht, sondern der Hauptkörper deutscher Medien. Das erwartet das Volk geradezu und will damit gefüttert sein.
Diesen Appetit füttern aber auch die Politiker. Oben ist ein Artikel, der erinnert, wie Dr Merkel bspw erbost die Vorverurteilung McCristals zurückwies. Die Anfeindungen sieht in letzter Zeit man bei Opel, der Beschreibung der Finanzkrise, der Besprechung der Währungskurs uvm. Dieses Thema durchzieht die Informationskette der Republik.
Da kann Herr Joffe nichts dafür. Er könnte aber eine Ausnahem machen und darauf verweisen, dass der Bundesrepublikanische Beitrag mit 4.500 Soldaten lächerlich ist, gemessen an der Größe Deutschlands und des Nutzen, den Deutschland aus der internationalen Sicherheit zieht. Entspräche die deutsche Kontingente der Verantwortung des Landes für internationale Sicherheit, so müsste man über 20.000 Truppen dort haben. Daher ist es billiger zu kritisieren. Echte Verantwortung ist einem zu teuer.
...immer kritisiert wird. Eher steht der Ami in der Kritik. Jeder weiss immer was er falsch oder gar verbrecherisch tat. Und es ist nicht Joffe, der das so sieht, sondern der Hauptkörper deutscher Medien. Das erwartet das Volk geradezu und will damit gefüttert sein.
Diesen Appetit füttern aber auch die Politiker. Oben ist ein Artikel, der erinnert, wie Dr Merkel bspw erbost die Vorverurteilung McCristals zurückwies. Die Anfeindungen sieht in letzter Zeit man bei Opel, der Beschreibung der Finanzkrise, der Besprechung der Währungskurs uvm. Dieses Thema durchzieht die Informationskette der Republik.
Da kann Herr Joffe nichts dafür. Er könnte aber eine Ausnahem machen und darauf verweisen, dass der Bundesrepublikanische Beitrag mit 4.500 Soldaten lächerlich ist, gemessen an der Größe Deutschlands und des Nutzen, den Deutschland aus der internationalen Sicherheit zieht. Entspräche die deutsche Kontingente der Verantwortung des Landes für internationale Sicherheit, so müsste man über 20.000 Truppen dort haben. Daher ist es billiger zu kritisieren. Echte Verantwortung ist einem zu teuer.
Vielleicht sollte man die Option der nachträglichen Aberkennung einführen...
Wie man nach den leidvollen Erfahrungen von Vietnam
http://de.wikipedia.org/w...
zu dem Ergebnis kommen kann, der Einsatz von mehr Truppen werde die Entwicklung in Afghanistan im Sinne der Amerikaner beeinflussen, ist mehr als rätselhaft.
Die Sicherheitslage hat sich mit zunehmender Truppenaufstockung verschlechtert.
http://www.uni-kassel.de/...
Habe ich etwas überlesen oder hat Herr Joffe versehentlich vergessen zu erwähnen, dass es massive wirtschaftliche (die Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Pipeline (Abk. TAP)) Interessen in der Region gibt?
Das die USA Bankrott sind und die Milliarden irgendwo her kommen müssen, weiß natürlich auch Herr Joffe. Warum er sich offensichtlich nicht traut, darüber zu schreiben, dass dieser Krieg von den gleichen Familien und Banken finanziert wird, wie schon etliche andere, eingeschlossen der Finanzierung der Nazis und der Alliierten im 2. Wk, birgt große Gefahren.
Vermutlich würde Herr Joffe aber auch einen augenzwinkernden Kommentar zu dem Thema nach Ausbruch des 3. WK auf Lager haben?
Herr Joffe? Sie haben doch schon geschrieben, dass Afghanistan zehnmal unwegsamer als der Irak ist? Und das der "Surge" sich dort hauptsächlich auf die Anbar-Provinz konzentrieren konnte? Warum plädieren Sie dann nicht konsequent für eine Mobilmachung und stimmen die Bevölkerung auf eine jahrzehntlange Besatzung zum Preis hoher Verluste ein und dutzender Millarden an Kriegskosten ein?
Denn ein erfolgreiches "nation-building" ist für weniger nicht zu haben, da Sie dann ja -richtigerweise- eben auch die ländlichen Regionen besetzen müssten, wo nunmal 80% der Afghanen leben und aus die unter aktuellen Strategie der US-Truppen gerade geräumt werden, weil eben 40.000 Soldaten mehr diese nicht besetzen könnten?
Und sagen Sie den Deutschen dann bitte auch, dass es für all diesen enormen Aufwand möglicherweise überhaupt keinen konkreten Nutzen gibt, denn der Terrorismus hat genug Regionen auf der Welt, in die er sich zurückziehen kann.
Und glauben Sie ernsthaft, ein Amerika, dass einen Großteil seiner militärischen und wirtschaftlichen Ressourcen auf jahrzehnte in Afghanistan bindet (wenn die Bevölkerung so einen Irrsinn überhaupt mitmachen sollte), könnte noch irgendeiner zusätzlichen machtpolitischen Herausforderung, sei es in Asien, in Osteuropa oder Afrika, auch nur halbwegs glaubwürdig begegnen?
Sie vertreten in meinen Augen den sicheren Weg zum Ende der Supermacht Amerika, ironischerweise wäre Afghanistan dann das Land, dass nach der SU beide Supermächte stürzte.
Glänzender Kommentar von Joffe zu einer grad für die USA keineswegs glänzenden Ausgangslage!
Fehlt nur der Hinweis, dass Obama hier - trotz der Truppenvermehrung - den Ausstieg aus Afghanistan vorbereitet hat.
Einmal noch mit aller (vermutlich zu geringer militärischer Macht - das unmögliche versuchen, dann aber
raus!
Mit all den von Joffe beschrieben möglichen Folgen...
Jawohl, dies wird - wenn nicht ein Wunder geschieht - der Austieg sein.
Durchhalteparolen nur ein einziges Mal dargelegt bekommen, wie gegen jede historische Erfahrung mit militärischen Mitteln ein "Nation-building " funktionieren soll und wie dieser irrwitzige Aufwand an Mitteln und Menschenleben sich zu eine realistischerweise erreichbaren Ergebnis rechtfertigen soll?
Aus Vietanm zog man sich letztlich auch ergebnislos zurück und die Folgen für die westliche Welt blieben weitgehend irrelevant.
Durchhalteparolen nur ein einziges Mal dargelegt bekommen, wie gegen jede historische Erfahrung mit militärischen Mitteln ein "Nation-building " funktionieren soll und wie dieser irrwitzige Aufwand an Mitteln und Menschenleben sich zu eine realistischerweise erreichbaren Ergebnis rechtfertigen soll?
Aus Vietanm zog man sich letztlich auch ergebnislos zurück und die Folgen für die westliche Welt blieben weitgehend irrelevant.
Durchhalteparolen nur ein einziges Mal dargelegt bekommen, wie gegen jede historische Erfahrung mit militärischen Mitteln ein "Nation-building " funktionieren soll und wie dieser irrwitzige Aufwand an Mitteln und Menschenleben sich zu eine realistischerweise erreichbaren Ergebnis rechtfertigen soll?
Aus Vietanm zog man sich letztlich auch ergebnislos zurück und die Folgen für die westliche Welt blieben weitgehend irrelevant.
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