Al-Qaida im Jemen Die Waffen des neuen Terrors

Im Jemen hat sich die zweite Generation des Terrornetzwerks al-Qaida etabliert. Von dort will es den Kampf noch skrupelloser führen als Osama bin Laden.

Der Jemen ist zwanzig Jahre nach seiner Wiedervereinigung ein zerrissenes Land. Im Norden tobt ein blutiger Bürgerkrieg. Der Süden rebelliert und will raus aus dem Staat. Im ganzen Land operiert die zweite Generation des Terrornetzwerks al-Qaida praktisch ungehindert. Dem Land an der Südspitze der arabischen Halbinsel drohen Chaos und Zerfall – und damit ein Schicksal wie Afghanistan oder Somalia.

Von dem Niedergang des Jemen, aus dem Osama bin Ladens Vater stammt, profitiert vor allem al-Qaida. Ihre junge Führung ist skrupelloser und ehrgeiziger als die Vorbilder – das jahrelange Stillhalteabkommen mit der Regierung in der Hauptstadt Sanaa haben sie ad acta gelegt.

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Auch die Kommandozentrale der im Januar neu gegründeten „al-Qaida der Arabischen Halbinsel“ hat sich in den zerklüfteten Bergregionen des Landes etabliert. Nach amerikanischer Schätzung sollen ihr zwischen 100 und 200 Kämpfer unterstehen, die offenbar an ganz neuen Attentatsmethoden tüfteln.

In ihrer Erklärung „Das Bataillon des Schreckens” jedenfalls machten sie vor einigen Monaten keinen Hehl daraus, wie die Zukunft des Terrors bald aussehen könnte. Man werde die „Seelen der Sicherheitskräfte niedermähen“, hieß es in dem Text. Denn künftig werde man Sprengstoffgürtel, verminte Autos und Bomben einsetzen, die durch konventionelle Sprengstoffdetektoren nicht mehr aufzuspüren seien.

Nach dem vereitelten Flugzeugattentat von Detroit, aber auch seit dem kaltschnäuzigen Selbstmordanschlag auf den saudischen Vizeinnenminister Muhammad bin Nayif im August wissen die Sicherheitsdienste weltweit, dass diese Drohung sehr ernst zu nehmen ist.

Der Attentäter in der Hafenstadt Dschidda stand ganz oben auf der Fahndungsliste von Saudi-Arabien. Bis zu seinem Einsatz hielt er sich im Jemen versteckt, bevor er in einem Telefonat mit dem Minister vorgab, er wolle sich ergeben und von al-Qaida lossagen. Den 500 Gramm schweren Sprengsatz hatte er sich offenbar durch den After in den Enddarm schieben lassen, überwand so alle Sicherheitskontrollen und löste im Palast des Prinzen per Handy die Explosion aus. Die Detonation riss ein Loch in den Fußboden, sein Opfer wurde nur leicht an der Hand verletzt.

Seitdem fordern die westlichen Hauptstädte immer entschiedener von der bedrängten Zentralregierung in Sanaa, gegen al-Qaida vorzugehen. Zumindest offiziell häufen sich seit Mitte Dezember die Erfolgsmeldungen. Nach eigenen Angaben vereitelten jemenitische Sicherheitskräfte kürzlich einen geplanten Anschlag auf die britische Botschaft in Sanaa mit acht Selbstmordattentätern und zwei Autobomben.

In den letzten zehn Tagen flogen jemenitische Kampfflugzeuge zwei Angriffe auf angebliche al-Qaida-Treffen in den Südprovinzen Abyan und Shabwah. Drei Dutzend Terroristen und „mehrere Führungsmitglieder“ wurden dabei getötet, ließ das Verteidigungsministerium erklären. Lokale Stammesführer dagegen behaupteten, bei dem Bombardement seien 49 Zivilisten ums Leben gekommen, darunter 23 Frauen und 17 Kinder.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. frage:

    [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als Zöllner wohl für Letzteres.

    Als Zöllner wohl für Letzteres.

  2. 2. frage:

    frage 1:
    [ entfernt: Bitte äußern Sie Ihre Kritik an anderen Usern sachlich. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

    frage 2:
    wie wollen sie denn moslems erkennen, um dann ein flugverbot auszusprechen.

  3. 3.

    Als Zöllner wohl für Letzteres.

    Antwort auf "frage:"
  4. 4. wenn

    sich die Rechtgläubigen Bomben in den Hintern schieben, hilft ja ein Einlauf vor dem Abflug.

  5. FORMIERT SICH SOEBEN AN DER wALL sTREET...

  6. Diese Kommentare scheinen sehr unreflektiert. Dieser Vorgang der Reflexion, welcher das Denken vor dem Schreiben beinhaltet, verhindert für gewöhnlich solche Kommentare. Ein Flugverbot für Anhänger einer Religion?
    Auch wenn es wie eine Apostel klingt, sollte das Problem nicht nur durch kurtzeitig wirksame Mittel gegen die Symptome gelöst werden, sondern präventiv!
    Terroristen entwickeln immer neue Methoden, Bomben unsichtbar und effektiv zu bauen, ein Wettlauf gegen diese Maschinerie ist ein Wettlauf, der nicht gerade auf Sicherheit und Prävention beruht.
    Und genau deshalb, liebe Vorkommentatoren, appelliere ich an Ihren Verstand: Ein Flugverbot für Muslime ist Irrsinn und erweckt bei mir persönlich den Eindruck, Sie seinen auch ohne den aktuellen Vorfall in einem amerikanischen Flugzeug nicht mit großer religiöser Toleranz ausgestattet. Danke.

  7. angehörige einer vestimmten religion das fliegen verbieten? ja, klar!

    israel nimmt mich grundsätzlich immer besonders genau "unter die lupe". warum? weil ich alleine reise. allein reisende dreht man in israel immer durch die mangel, und ehrlich gesagt, ist das auch gut so.

    es sollen sich schon angeblich schwangere frauen (oder als schwanger verkleidete frauen) an check points im irak in die luft gejagt haben. die familienattentäter sind offenbar aber noch nicht erfunden. daher würde ich zunächst besondere kontrollen bei alleinreisende personen vorschlagen. die zeit, die dabei verloren geht, kann man wieder reinholen, indem man familien mit kindern durchwinkt.

    • david.
    • 28.12.2009 um 12:39 Uhr
    8.

    naja also dazu würde ich mal sagen dass es hunderte millionen friedliebende, zivilisierte muslime gibt gegenüber den 0.01% radikalen. da finde ich eine gesamtverurteilung schon recht interessant, alleine weil gerade solche maßnahmen den radikalen die anhänger und sympathisanten zutreiben. und auch allgemein widerspricht das den zentralen werten unserer westlichen demokratien wie religions- und meinungsfreiheit. wenn wir die aufgeben haben wir schon verloren weil wir dann genau so werden wie die radikalen islamisten uns jetzt schon sehen.
    und naja, umfassendere kontrollen für bestimmte personengruppen wie alleinreisende ja, aber alle familien unkontrolliert durchwinken? also ich als terrorist würde zwei wochen später mit einer - vielleicht sympathisierenden - familie die nichts vom wirklichen plan weiß im flugzeug sitzen. und dieser plan würde den taliban-planern wohl auch gerade noch einfallen.
    aber ansonsten auch wieder großartige kommentare. mr. capslock hatte ja auch grad n ganz hellen moment mit seinem argumentativ brillianten statement. ganz stark!

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