Demonstration in Iran Aus Trauer wird Protest

Die Trauerfeier für den Regimekritiker Montazeri ist in eine Demonstration gegen Präsident Ahmadineschad umgeschlagen. Augenzeugen berichten von Ausschreitungen.

Anhänger der Opposition in Iran geraten während der Trauerfeier für den Regimekritiker Großajatollah Hussein Ali Montazeri in der Stadt Qom mit Sicherheitskräften aneinander

Anhänger der Opposition in Iran geraten während der Trauerfeier für den Regimekritiker Großajatollah Hussein Ali Montazeri in der Stadt Qom mit Sicherheitskräften aneinander

Die Trauerfeier für den Großajatollah Hussein Ali Montazeri ist von Protestkundgebungen gegen Präsident Mahmud Amadineschad begleitet worden. Zehntausende hatten dem Regimekritiker in der heiligen Stadt Qom, etwa 130 Kilometer südlich von Teheran, das letzte Geleit gegeben. Montazeri war am 19. Dezember im Alter von 87 Jahren verstorben. Er galt als einer der einflussreichsten Geistlichen in Iran und war ein scharfer Kritiker Ahmadineschads. Nach der umstrittenen Wiederwahl des Präsidenten im vergangenen Juni hatte Montazeri der Führung vorgeworfen, wie Diktatoren zu herrschen.

Wegen der erwarteten Proteste waren die Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft versetzt worden. Schon auf der Fahrt nach Qom sollen Demonstranten gestoppt worden sein. Oppositionelle berichteten, ein Bus mit Trauergästen sei angehalten worden. Das massive Polizeiaufgebot habe jedoch nicht verhindern können, dass es zu Zusammenstößen zwischen Regimekritikern und Anhängern Ahmadineschads kam, berichteten Augenzeugen. Als Parolen wie "Tod dem Diktator" erklangen, seien Polizisten massiv gegen Demonstranten vorgegangen.

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Augenzeugen und Verfasser regimekritischer Webseiten berichteten, die Miliz habe in Qom eine Moschee gestürmt, während der Sohn Montazeris gesprochen habe. Fensterscheiben im Hause der Familie seien zerbrochen worden. Die Stromversorgung für die Stadt sei teilweise unterbrochen gewesen, die Lage sei weiterhin angespannt. Ob es in Qom auch Festnahmen gab, ist noch unklar. Ausländischen Medien war untersagt worden, an der Zeremonie teilzunehmen.

An der Trauerfeier nahmen auch die Oppositionspolitiker Mir Hussein Mussawi und Mehdi Karrubi teil. Mussawi wirft Präsident Ahmadineschad Wahlbetrug vor und erkennt bis heute dessen Wiederwahl im Juni nicht an. Ob auch die ehemaligen Präsidenten Akbar Haschemi Rafsandschani und Mohammed Chatami unter den Trauergästen waren, blieb unklar.

Reuters and other foreign media are subject to Iranian restrictions on their ability to film or take pictures in Tehran. Iranians follow a truck transporting the coffin of dissident cleric Ayatollah Hossein Ali Mintazeri in the Shi'ite holy city of Qom, 120 km (75 miles) south of Tehran, December 21, 2009. Big crowds of mourners chanted anti-government slogans during the funeral of Iran's leading dissident cleric Montazeri in the holy city of Qom on Monday, websites reported. REUTERS/via Your View (IRAN - Tags: POLITICS CIVIL UNREST OBITUARY RELIGION IMAGES OF THE DAY)

In Montazeris Heimatstadt Nadschafabad im Zentraliran hatten sich ebenfalls zahlreiche Menschen im Gedenken an den Großajatollah versammelt. Größere Zwischenfälle wurden hier nicht gemeldet.

In Teheran wurde unterdessen eine weitere reformorientierte Zeitung verboten. Zugleich warnte das Kulturministerium die Nachrichtenagentur Irna, die der Opposition nahesteht, über Oppositionsgruppen und die "Grüne Bewegung" Mussawis zu berichten.

Die Proteste in Qom werden voraussichtlich nicht die letzten in diesem Jahr sein. Am kommenden Wochenende betrauern die Schiiten in Iran den Tod ihres dritten Imams Hussein. Dabei werden erneut Hunderttausende auf den Straßen Teherans und in den Provinzen erwartet.

 
Leser-Kommentare
  1. "Dabei werden erneut Hunderttausende auf den Straßen Teherans und in den Provinzen erwartet."

    Ist schon klar , dass die westlichen Medien mehr Blut und Tote sehen wollen , nach dem Motto :IM DUTZEND = MEDIENGEILER, gerade wenn es um den Iran geht.
    Die Rechnung wird wieder nicht aufgehen , und man wartet dann erneut auf die naechste Gelegenheit , wozu das Ganze gut sein soll und wem es etwas bringt ,wissen nur die ganz KLUGEN Koepfe.....

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    • TDU
    • 23.12.2009 um 13:40 Uhr

    Dieser demoktrautische Staaat, wie wird er nur verunglimpft. Vermutlich sind wir einfach zu feige, um uns auf Beerdigungen von Staatsmännern oder Theologen in die Haare zu kriegen.

    Oder bei uns ist die Gewalt, Unterdrückung und die Brutalität und überhaupt alles Unrechte so verschleiert, dass wir es gar nicht sehen und erst recht nicht fühlen.

    Insofern ist es immer gut, wenn uns jemand die Augen öffnet. Vielen Dank dafür.

    • TDU
    • 23.12.2009 um 13:40 Uhr

    Dieser demoktrautische Staaat, wie wird er nur verunglimpft. Vermutlich sind wir einfach zu feige, um uns auf Beerdigungen von Staatsmännern oder Theologen in die Haare zu kriegen.

    Oder bei uns ist die Gewalt, Unterdrückung und die Brutalität und überhaupt alles Unrechte so verschleiert, dass wir es gar nicht sehen und erst recht nicht fühlen.

    Insofern ist es immer gut, wenn uns jemand die Augen öffnet. Vielen Dank dafür.

  2. Es wird vom Tag zu Tag deutlicher wie porös und instabil die Strukturen innerhalb dieser Diktatur sind und wie sehr sich das Regime die Proteste des Volkes fürchtet. Es wird gewalttätiger und unberechenbarer. Sogar die Beerdigung eines Geistlichen, einst aus eigenen Reihen wird dazu missbraucht, die friedliche Proteste gewaltsam nieder zuschlagen.

    Nein, diese Diktatur macht die letzten Atemzüge.

  3. für einen Moment dachte ich, Sie schreiben über die EU.

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    Nein , nein es ist nicht die EU , die USA sind gemeint....

    Nein , nein es ist nicht die EU , die USA sind gemeint....

  4. Wo ist die EU gewalttätig?? Bei der Klimakonferenz etwas? Oder bei der Atomverhandlungen mit Iran??

  5. Nein , nein es ist nicht die EU , die USA sind gemeint....

    • TDU
    • 23.12.2009 um 13:40 Uhr

    Dieser demoktrautische Staaat, wie wird er nur verunglimpft. Vermutlich sind wir einfach zu feige, um uns auf Beerdigungen von Staatsmännern oder Theologen in die Haare zu kriegen.

    Oder bei uns ist die Gewalt, Unterdrückung und die Brutalität und überhaupt alles Unrechte so verschleiert, dass wir es gar nicht sehen und erst recht nicht fühlen.

    Insofern ist es immer gut, wenn uns jemand die Augen öffnet. Vielen Dank dafür.

  6. DIE SCHWÄCHE DER IRANISCHEN FÜHRUNG

    Wer untergräbt da eigentlich die Staatsgewalt in Iran?

    Sind es diejenigen, die fordern, das zu realisieren, was die iranische Verfassung ohnehin verspricht?

    Oder ist es die Staatsgewalt, die immer dann wild um sich schlägt, wenn sich unabhängige Stimmen vernehmen lässt?

    Iran ist zwar als moderner Staat.

    Aber in der Politik ist die zunehmend selbstgerechter auftretende Führung genauso ängstlich und schwach wie die Greise Osteuropas, deren Sturz sich in diesen Wochen zum zwanzigsten Mal jährt.

    Aus dieser historischen Erfahrung speist sich aber auch ein Großteil der Paranoia, die die Führer erfasst, wenn das Thema politische Reformen hochkommt.

    Wenn ein Regime versucht, sich zu legitimieren, dabei aber "vergisst", das Stellen der Machtfrage zu erlauben, läuft es Gefahr, überrollt zu werden.

    Also begibt es sich in die Schützengräben der Unterdrückung mit der wahrscheinlichen Folge, dass das Befürchtete umso sicherer eintritt.

    http://www.faz.net/p/RubE...

    Dank an Peter Sturm / pes.

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