Iranische Revolution "Einschüchterung funktioniert nicht mehr"
In Iran herrscht ein sterbendes Regime. Dies sagt Abbas Milani, einer der profiliertesten Iran-Forscher der USA, im Interview mit Josef Joffe.

Eine Demonstrantin vor einem brennenden Müllcontainer am 9. Juli 2009 in Teheran. Die Proteste fanden in Erinnerung an die blutigen Studentenunruhen von 1999 statt.
ZEIT ONLINE: Der Chef der Revolutionsgarden hat geschworen die Revolution zu liquidieren, diese "Kette der Konspiration" zu zerbrechen. Seit dem Sommer sind über hundert Menschen auf den Straßen umgebracht, sechs zum Tode verurteilt worden. Aber der Aufruhr geht weiter. Ist das Regime heute, wo der Schah im Sommer 1978 war – ein halbes Jahr vor dem Sturz?
Abbas Milani: Es gibt viele Ähnlichkeiten. Wirtschaftskrise damals und heute, verschärft durch den Ölpreisverfall. Das Regime war gespalten, die Armee wollte nicht auf die Demonstranten schießen.
ZEIT ONLINE: Heute genauso?

Abbas Milani, damals ein 24 Jahre alter Politik-Professor an der Teheran-Universität, wurde 1977 ein Jahr lang im berüchtigten Evin-Gefängnis eingekerkert – zusammen mit den Größen der chomeinistischen Revolution wie Ajatollah Montazeri und den künftigen Präsidenten Rafsandschi. Heute leitet er das Iran-Programm und das "Iranische Demokratie-Projekt" an der Stanford Universität.
Milani: Das Regime kann sich die Subventionen von Zucker bis Benzin nicht mehr leisten und beginnt zu kürzen. Wenn sie fallen, wird der Aufruhr auch den "kleinen Mann" erfassen. Das Regime ist unsicher geworden; es wird unberechenbar, ja bizarr. Beispiel Atomverhandlungen in Genf – von einem Extrem ins andere. Erst anscheinend Konzessionen, dann wird geleugnet, dass man sich überhaupt mit den Amerikanern getroffen hätte. Tatsächlich gab es mehrere, lang andauernde Gespräche. Das Regime verliert seine Zähne. Die wichtigste Parallele: Das Volk ist wütend und fühlt sich ermutigt. Der Auslöser unter dem Schah war der Kinobrand in Abbadan im August 1978. Heute ist es die Wahlfälschung.
ZEIT ONLINE: Der Schah hat die Nerven verloren auch weil er an Krebs litt. Hat dieses Regime auch Krebs?
Milani: Noch nicht, aber viele in der Führung halten den Status quo für tot; er kann nicht wieder belebt werden.
ZEIT ONLINE: Wieso nicht?
Milani: Erstens: Jüngst ist Imam Amoli als Protest zurückgetreten, gefolgt von Ajatollah Makaram, und beide waren bislang zuverlässige Stützen des Regimes. Zweitens kann man nicht dauerhaft den Willen von 14 Millionen Menschen unterdrücken, die selbst nach offiziellen Angaben für Mussawi als Präsident gestimmt haben. Schließlich die neueste Einlassung von Rafsandschani, dem Vorsitzenden des Wächterrates...
ZEIT ONLINE: ...diesem ewigen Manövrierer...
Milani: ...und Opportunisten, der stets den Finger in den Wind hält. Doch just der hat in Meshad verkündet: Wenn die Leute uns nicht wollen, müssen wir packen und gehen.
ZEIT ONLINE: Was ist daran so bedeutsam?
Milani: Weil es diametral dem Konzept des Welajat-e Faqui, dem Staatsprinzip, widerspricht. Wörtlich übersetzt heißt das "Vormundschaft durch die Höchsten Rechtsgelehrten", wie bei einem unmündigen Kind. Legitimität komme aus göttlicher Quelle, nicht vom Volk. Da sagt also eine Größe des Regimes: Die Quelle ist das Volk.
ZEIT ONLINE: Rafsandschani glaubt, dass nun alles vorbei ist?
Milani: Nicht unbedingt. Dieser schlaue Fuchs will sagen, dass der Widerstand nicht gebrochen werden kann. Das Regime werde stürzen, wenn es sich nicht mit dem Volk arrangiert.
ZEIT ONLINE: So einfach? Das Regime hat die Revolutionsgarden (IRGC) hinter sich, einen riesigen und mächtigen militär-industriellen Komplex mit 150.000 hoch gerüsteten Kämpfern. Die haben alle ein ausgeprägtes Interesse am Bestehenden.
Milani: Der Schah hatte eine Armee mit 500.000 Mann. Hinterher sagte ein General: "Die ist weg geschmolzen wie Schnee an der Sonne." Wenn das IRGC nicht mehr vom Status quo zu profitieren glaubt, wird es nicht für ihn kämpfen. Es geht den Garden um die Besitzstandswahrung.
ZEIT ONLINE: Die Revolutionsgarden werden sich doch nicht auf die Seite der Revolution schlagen?
- Datum 16.12.2009 - 12:10 Uhr
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Entweder hat die Zeit falsch überstetzt oder Milani weiß nicht wie die iranischen Institutionen heißen. Rafsandschani ist nicht Vorsitzender des Wächterrates, sondern des Expertenrates. Vorsitzender des Wächterrates ist Ahmad Dschannati. Wäre er Vorsitzender des Wächterrates wäre Khamenei schon längst einem "Unfall" zum Opfer gefallen.
Man sollte langsam an einen Bürgerkrieg denken....
Bürgerkreig wir nicht passieren, weil Ahmadinnedjads Unterstützer so wenige sind
Bürgerkreig wir nicht passieren, weil Ahmadinnedjads Unterstützer so wenige sind
Nicht nur inhaltlich falsch übersetzt, sondern insgesamt schludrig. Man findet z.B. noch das englische Wort "from" im Text und auch der Satzbau ist an mehreren Stellen merkwürdig.
Interessantes Interview, das belegt, dass der Iran durchaus das Zeug hat aus eigener Kraft seinen demokratischen Weg zu finden. Ich denke diesen Prozess sollte der Westen sowohl rhetorisch als auch militärisch auf keinen Fall "unterstützen".
@kleinempfänger, kommentar nr. 3
doch, ich finde, das sollten so viele wie möglich rhethorisch unterstützen. denn geistige unterstützung produziert schwingungen, die als verstärker dienen!
jeder schmetterlingsflügelschlag hat auswirkungen auf das universum!!!
@kleinempfänger, kommentar nr. 3
doch, ich finde, das sollten so viele wie möglich rhethorisch unterstützen. denn geistige unterstützung produziert schwingungen, die als verstärker dienen!
jeder schmetterlingsflügelschlag hat auswirkungen auf das universum!!!
Das zeigt vorallem, das es im iran zeit für die Aufklärung ist. Religion als Staatsprinzip ist gefährlich. Im Iran sieht man ganz deutlich wie wichtig die Trennung von Staat und Kirche als auch Religionsfreiheit ist. Alles im Sinne des Volkes, und nich tim Sinne von gott. Wzeiteres sit zu leich tzu manipulieren, zu verfälschen zu instrumentalisieren.
Der Iran zeigt auch deutlich wie wichtig es ist, das Ausland mit seinen Ausländern nich tzu verteufeln. Es sit wichtig, dass wir auf einander zugehen, und offen sind für andere.
Dinge die durch die Konservative Eu und unsere neue Regierung in vergessenheit geraten: Wir können also auch etwas lernen von den Ereignissne im iran.
So ein tolles Interview wird mehr als halbiert! Wird es noch mal einer Rechtschreibkorrektur unterzogen oder hat die Zeit beschlossen, selbst zu zensieren. Nach einer Stunde ist mehr als die Hälfte weg!
Die Zeit ist jetzt anscheinend geeignet die Bevölkerung Irans zu befreien. Amerikanischen und Nato-Soldaten würden mit Sicherheit mit Blumen in Teheran begrüsst werden. Mit der tödlichen Bedrohung der ganzen Welt durch iranische Atombomben wäre es dann auch endlich vorbei. Zeit für eine neue Ära der Freundschaft zwischen dem Westen und Iran. Eine demokratische Regierung würde sicherlich auch von der Nabucco Pipeline profitieren. Übrigens, der Sohn vom Schah hat sich ganz gut entwickelt.
Gut, dass Iran wie weiland Irak mit Chalabi, mit Leuten wie Abbas Milani unvoreingenommene, intime Kenner der politischen Situation vor Ort im Ausland hat. Ich sehe schon den Stolz in den Augen der Mütter wenn die deutschen Soldaten hoffentlich schon bald von Verteidigungsminister Guttenberg auf ihre Befreiungsmission geschickt werden.
mir ist nicht klar, ob ihr artikel ernst oder ironisch gemeint ist!
bitte um ehrlichgemeinte aufklärung!
mir ist nicht klar, ob ihr artikel ernst oder ironisch gemeint ist!
bitte um ehrlichgemeinte aufklärung!
Ich fürchte, daß das Regime in Teheran noch mehr um sich schlägt, wenn es in die Enge getrieben wird. Und dann stellt sich verschärft die Frage, wie lange die Israelis die Füße still halten.
Bürgerkreig wir nicht passieren, weil Ahmadinnedjads Unterstützer so wenige sind
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