Afghanistan "Die Bundeswehr muss offensiver vorgehen"
Kanada will seine Soldaten bis 2011 wegen der hohen Opferzahl aus Afghanistan abziehen. Kann Deutschland davon lernen? Fragen an den Sicherheitsexperten Peter Schmidt
© Chris Hondros/Getty Images

Afghanische, kanadische und amerikanische Soldaten tragen einen schwer verletzten Kameraden zu einem wartenden Militärhubschrauber. In Afghanistan starben bislang 134 kanadische Soldaten
ZEIT ONLINE: Die kanadische Regierung hat beschlossen, ihre Truppen bis 2011 aus Afghanistan abzuziehen. Fallen die Kanadier damit US-Präsident Obama und den Verbündeten in den Rücken?
Peter Schmidt: Nein, Kanada hat in Afghanistan einen hohen Preis bezahlt. 134 eigene Soldaten sind dort bislang ums Leben gekommen. Die Fahne ist quasi durchgehend auf Halbmast. Die Kanadier haben einen riesigen Schritt getan, indem sie ihre gesamte Verteidigungskultur geändert haben: von einer Nation, die – wie Deutschland – den Frieden bewahren wollte zu einer Nation, die bereit ist, Krieg zu führen. Ich denke, dass die Kanadier einen heiklen Punkt der Allianz getroffen haben, als sie die Verbündeten zu mehr Solidarität aufgerufen haben.
ZEIT ONLINE: Die Kanadier kritisieren also zu Recht die Lastenverteilung innerhalb der Nato?
Schmidt: Ja, und das gilt gerade auch mit Blick auf die Deutschen. Es sind ja nicht die kleinen Staaten wie die Niederlande oder Dänemark, sondern die großen europäischen Staaten, die sich eher die Sonnenseite in Afghanistan angeeignet haben und nicht die Schattenseiten.
ZEIT ONLINE: Die Bundesregierung will die Zahl der deutschen Soldaten in Afghanistan vorerst nicht erhöhen und sie auch nicht in den umkämpften Süden des Landes schicken. Aber was passiert, wenn die Kanadier 2011 abziehen: Wer füllt dann die Lücke im Süden?
Der Politikwissenschaftler war bis zum vergangenen Jahr Senior Fellow der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Bis 2002 leitete er dort die Forschungsgruppe Sicherheitspolitik. Er hat sich intensiv mit der Lage in Afghanistan und den Auslandseinsätzen der Bundeswehr beschäftigt. Derzeit lehrt und forscht er am Queen‘s Centre for International Relations in Kingston, Kanada.
Schmidt: Im Prinzip kommen dafür nur die Amerikaner in Frage. Die Franzosen haben Skepsis gezeigt, die Deutschen haben gerade wieder bewiesen, dass sie in dieser Hinsicht wenig flexibel sind. Aber genau diese Debatte um die Lastenverteilung im Bündnis wird nächstes Jahr anlaufen, und der Druck der Verbündeten auf die Bundesregierung wird zunehmen. Es gibt noch ein wenig Luft beim Mandat des Bundestags. Ich denke, wenn sich die Lage in Afghanistan nicht dramatisch verschlechtert, dann könnte die Bundesregierung einer Erhöhung um einige Hundert Soldaten zustimmen. Aber eine Ausweitung des deutschen Einsatzes auf den Süden wird sich politisch kaum vermitteln lassen.
ZEIT ONLINE: Auch im bisher ruhigeren Norden eskaliert die Lage zusehends. Gibt es etwas, das die Bundeswehr von den Kanadiern lernen kann?
Schmidt: Deutschland muss seine bisherige, überwiegend defensive Haltung ändern. Es reicht nicht mehr, den zivilen Aufbau in den Vordergrund zu stellen. Denn das hat den Taliban erlaubt, ihre Machtbasis auch im Norden zu stärken. Jetzt ist die Bundeswehr gezwungen, in der Fläche stärker offensiv vorzugehen. Wie weit sie da geht und gehen kann, ist die offene Frage.
ZEIT ONLINE: Steht den Deutschen das bevor, was die Kanadier schon erlebt haben: Dass sie immer häufiger gegen die Taliban kämpfen müssen, was fast zwangsläufig die Zahl der zivilen und eigenen Opfer steigen lässt, bis schließlich der innenpolitische Druck so groß ist, dass die Regierung einen Abzugstermin festgelegt muss?
Schmidt: Ja, diese Entwicklung ist nicht auszuschließen. Die militärische Auseinandersetzung mit den Taliban könnte sehr schnell stärker werden, und dementsprechend könnten auch die eigenen Opferzahlen steigen. Das kann man politisch nur überleben, wenn man eine öffentliche Debatte führt und den Leuten den großen politischen Rahmen erklärt. Denn der Preis eines schnellen Abzugs wäre einfach zu hoch.
- Datum 03.12.2009 - 09:20 Uhr
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"Humanistische Union fordert Abzug von 1.000 Bundeswehr-Soldaten in 2010 und schrittweise Beendigung des Militäreinsatzes innerhalb von vier Jahren. Ziviler Aufbau und Entwicklungsarbeit müssen oberste Priorität erhalten
Pressemitteilung vom 24. November 2009"
Quelle:
http://www.humanistische-...
Was machen wohl die Taliban mit westlichen Aufbauhelfern? Köpfen? Verbrennen? Aufhängen? Unter der Herrschaft eines radikalen und repressiven Systems ist kein ziviler Aufbau möglich. Als ob sich die Nato darum reißt, sich dort militärisch zu engagieren...
Alles, was in Afghanistan auch nur im geringsten in die richtige Richtung läuft, läuft nur durch militärischen Schutz! Ziehen wir ab, geben wir das Land auf und riskieren zugleich einen enormen Schub für radikale Kräfte. Kräfte, die die letzten 10 Jahre zig-tausende Opfer auf der ganzen Welt zu verantworten haben. Das ist die Realität.
Was machen wohl die Taliban mit westlichen Aufbauhelfern? Köpfen? Verbrennen? Aufhängen? Unter der Herrschaft eines radikalen und repressiven Systems ist kein ziviler Aufbau möglich. Als ob sich die Nato darum reißt, sich dort militärisch zu engagieren...
Alles, was in Afghanistan auch nur im geringsten in die richtige Richtung läuft, läuft nur durch militärischen Schutz! Ziehen wir ab, geben wir das Land auf und riskieren zugleich einen enormen Schub für radikale Kräfte. Kräfte, die die letzten 10 Jahre zig-tausende Opfer auf der ganzen Welt zu verantworten haben. Das ist die Realität.
http://www.sueddeutsche.d...
Hat Deutschland überhaupt einen Friedensvertrag für
den 2.Weltkrieg?
Ich nenne mich hier Petit Prince.
Der kleine Prinz wurde von einem französischen
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
geschrieben.
Hier frage ich mich trotzdem,ob es Sinn macht,
ohne einen klaren Gegner in einen nicht enden
wollenden Krieg zu ziehen,und auf der anderen
Seite noch für einen Krieg zu bezahlen der mit
einem Unrecht begonnen hat,das viele andere
Staaten für Recht hielten.Der Beginn des
ersten Weltkrieges war eine Reaktion auf ein
Attentat.Der Beginn des jetzigen Afghanistankrieges
war von Anfang an unklar und unlogisch.
Daher gibt es auch zahlreiche Fragen bezüglich
diesem Beginn:http://www.911komplott.de/index.php?option=com_content&task=section&id=4&Itemid=27
Ich habe diese Seiten zwar nicht gelesen,eigentlich interessiert
mich das auch nicht wirklich.Es hat damals die weltweit durchaus
vorhandene Ablehnung der USA unter der Bush Administration,
in eine große Solidarität gegenüber der USA verwandelt
und hat den Sicherheitskräften Überwachungsrechte über
den Bürger gegeben,die auf anderem Wege wesentlich
schwieriger gewesen wären.
Ich weiß nicht,warum die Fragen um den
Afghanistan Krieg derzeit wichtiger sind,wie
eine gute Vorbereitung auf den Klimagipfel in Kopenhagen.
Es könnte sein,dass unsere Kinder uns dann nämlich
sagen,ja Ihr Verrückten,was habt Ihr denn nur mit unserer Erde gemacht?
Den gibt es bereits.
Leser-Kommentare
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03.12.2009 um 14.40 Uhr
—Erich Gengerke
Kommentar bedenklich 1. Strategiewechsel in Afghanistan "Humanistische Union fordert Abzug von 1.000 Bundeswehr-Soldaten in 2010 und schrittweise Beendigung des Militäreinsatzes innerhalb von vier Jahren. Ziviler Aufbau und Entwicklungsarbeit müssen oberste Priorität erhalten
Pressemitteilung vom 24. November 2009"
Quelle:
http://www.humanistische-...
Was machen wohl die Taliban mit westlichen Aufbauhelfern? Köpfen? Verbrennen? Aufhängen? Unter der Herrschaft eines radikalen und repressiven Systems ist kein ziviler Aufbau möglich. Als ob sich die Nato darum reißt, sich dort militärisch zu engagieren...
Alles, was in Afghanistan auch nur im geringsten in die richtige Richtung läuft, läuft nur durch militärischen Schutz! Ziehen wir ab, geben wir das Land auf und riskieren zugleich einen enormen Schub für radikale Kräfte. Kräfte, die die letzten 10 Jahre zig-tausende Opfer auf der ganzen Welt zu verantworten haben. Das ist die Realität.
http://www.nachdenkseiten...
...einer Region, da geht es um die möglichen Konsequenzen einer erneuten Taliban-Herrschaft, nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Pakistan, in Usbekistan. Das hätte eine dramatische Ausstrahlung."
Da geht es darum, dass andere gefährliche Gruppen weltweit sehen, ob man noch bereit ist internationale Sicherheit durchzusetzen. Sehen diese Gruppen, dass niemand die Amerikaner effektiv unterstützt und die Amerikaner weniger bereit sind die Aufgabe alleine zu übernehmen, so werden sie entsprechend aggressiver werden. Das ist wie in jedem Gebiet, wenn das Machtmonopol sich auflöst.
Das Problem ist halt hier, dass die Politik dem Volk Jahrzehnte lang vormachte internationale Sicherheit koste nichts und Friede wäre etwas, das einfach geschieht. Es war kein gutes Thema, weil man ein offensichtlicher Free Rider war und das ist schäbig. Es war aber billig und ging gut, solange die USA Willens waren alleine die Sicherheit herzustellen und das konnten.
Das ändert sich nun. Die Grösse unseres Beitrag solls, so wir auch nur annähernd die Sicherheit wollen, die wir hatten, ersieht man an den militärkosten und Gefallenenzahlen Anderer. England gibt zB 2.75% des BIP dafür aus (D: 0.8%).
"... wenn das Machtmonopol sich auflöst." So ist es. Leider. Warum löst sich aber das Machtmonopol auf? Neben anderen gibt es zwei wichtige Gründe: Afghanistan und Irak. Dort hat sich die Supermacht verrannt und ist mit Zielen angetreten, die unerfüllbar waren. Dadurch hat sie die eigene Glaubwürdigkeit verloren und auch die militärische Handlungsfähigkeit. Wenn Sie Namen wollen, dann würde mir sofort Bush einfallen. Er hat die Sicherheitsarchitektur selbst ausgehebelt, die dafür verantwortlich war, dass es seit Jahrzehnten keine nennenswerten Kriege gab. Stichwort "Koalition der Willigen". So schafft man keine internationale Sicherheit.
Etwas weiter oben schreibt gerade ein Petit Prince. Der Planet mit dem König ist besonders schön in diesem Büchlein. Dieser sagt in etwa, dass er nur das befiehlt, was seine Untertanen eh machen würden, ansonsten würde er seine Macht verlieren. So ist es. Es ist an der Zeit sich darauf zu besinnen, dass in Afghanistan gerade das Gegenteil passiert.
...basiert leider oftmals auf kursichtigen Beobachtungen und Empfindungen und selten auf langfristigen Überlegungen. Natürlich erscheint es uns Deutschen müßig oder gar überflüssig, in Afghanistan Geld und das Leben unserer Soldaten einzusetzen, wo wir doch nach wie vor behütet und verhätschelt im Schoße Europas geschaukelt werden.
Das wird nicht ewig so bleiben. Wir bilden mit den USA ein Wertesystem, welches in Konfrontation mit Ansichten radikaler Glaubensanhänger steht. Damit steht es auch in unserem ureigensten Interesse, Regionen wie Afghanistan zu stabilisieren. Natürlich nicht durch Militäreinsätze. Aber sie sind oftmals erforderlich, um überhaupt die grundlegende Sicherheit zu schaffen, um zivilen und gesellschaftlichen Wiederaufbau überhaupt erst zu ermöglichen.
Wegschauen hilft nicht. Leider begreift das nicht einmal die Regierung. Sonst würde sie diesen Alibi-Einsatz nicht so fortführen, sondern zum einen der BW ausreichende Mittel zur Verfügung stellen und zum anderen eine, wie im Artikel auch geforderte aggressivere Vorgehensweise fahren. Das dauerhafte militärische Engagement ist keine Dauerlösung, es muss ein Ziel erreicht werden und das heißt m.E. Sicherheit. Gegen einen Gegner wie Taliban fährt zögerliches Agieren lediglich zu einer Stärkung solcher Kräfte. Clean Sweep heißt das Zauberwort - und das fordert in einem Land wie Afghanistan mehr Truppen und militärische Mittel, als wir derzeit bereit sind einzusetzen. Halbherzig wird nichts gewonnen werden.
"... wenn das Machtmonopol sich auflöst." So ist es. Leider. Warum löst sich aber das Machtmonopol auf? Neben anderen gibt es zwei wichtige Gründe: Afghanistan und Irak. Dort hat sich die Supermacht verrannt und ist mit Zielen angetreten, die unerfüllbar waren. Dadurch hat sie die eigene Glaubwürdigkeit verloren und auch die militärische Handlungsfähigkeit. Wenn Sie Namen wollen, dann würde mir sofort Bush einfallen. Er hat die Sicherheitsarchitektur selbst ausgehebelt, die dafür verantwortlich war, dass es seit Jahrzehnten keine nennenswerten Kriege gab. Stichwort "Koalition der Willigen". So schafft man keine internationale Sicherheit.
Etwas weiter oben schreibt gerade ein Petit Prince. Der Planet mit dem König ist besonders schön in diesem Büchlein. Dieser sagt in etwa, dass er nur das befiehlt, was seine Untertanen eh machen würden, ansonsten würde er seine Macht verlieren. So ist es. Es ist an der Zeit sich darauf zu besinnen, dass in Afghanistan gerade das Gegenteil passiert.
...basiert leider oftmals auf kursichtigen Beobachtungen und Empfindungen und selten auf langfristigen Überlegungen. Natürlich erscheint es uns Deutschen müßig oder gar überflüssig, in Afghanistan Geld und das Leben unserer Soldaten einzusetzen, wo wir doch nach wie vor behütet und verhätschelt im Schoße Europas geschaukelt werden.
Das wird nicht ewig so bleiben. Wir bilden mit den USA ein Wertesystem, welches in Konfrontation mit Ansichten radikaler Glaubensanhänger steht. Damit steht es auch in unserem ureigensten Interesse, Regionen wie Afghanistan zu stabilisieren. Natürlich nicht durch Militäreinsätze. Aber sie sind oftmals erforderlich, um überhaupt die grundlegende Sicherheit zu schaffen, um zivilen und gesellschaftlichen Wiederaufbau überhaupt erst zu ermöglichen.
Wegschauen hilft nicht. Leider begreift das nicht einmal die Regierung. Sonst würde sie diesen Alibi-Einsatz nicht so fortführen, sondern zum einen der BW ausreichende Mittel zur Verfügung stellen und zum anderen eine, wie im Artikel auch geforderte aggressivere Vorgehensweise fahren. Das dauerhafte militärische Engagement ist keine Dauerlösung, es muss ein Ziel erreicht werden und das heißt m.E. Sicherheit. Gegen einen Gegner wie Taliban fährt zögerliches Agieren lediglich zu einer Stärkung solcher Kräfte. Clean Sweep heißt das Zauberwort - und das fordert in einem Land wie Afghanistan mehr Truppen und militärische Mittel, als wir derzeit bereit sind einzusetzen. Halbherzig wird nichts gewonnen werden.
... auf die Twin-Towers mit das Schlimmste, was der frömmelden, erzkonservativen Bush-Regierung von den Religionskriegern angetan werden konnte. Inzwischen nähern sich die Opferzahlen unter der zivilen afghanischen Bevölkerung den 50 000, und selbst wenn man die israelische Aufrechnungsmethode "zehn für einen" anwendet, sollten die Amerikaner so langsam satisfaktioniert sein.
Es wird Zeit, den Afghanen ihr Land wieder selbst zu überlassen. Alles was wir in fast zehn Jahren in Afghanistan an nicht vorhandenen Plänen nicht erfüllt haben, werden wir in den nächsten zehn Jahren auch nicht erfüllen.
Wenn die Weltgemeinschaft gegen die Ausbreitung des wahabitischen Islams wirklich vorgehen möchte, wäre die Deeskalation in Afghanistan durch die Extinktion der militärischen Frontlinie ein erster wirksamer Schritt. Die Kampflinie könnte an der humanitären Front übergangslos aufgenommen werden, indem den Religionsschulen Schulen westlicher Prägung entgegengesetzt werden.
Derzeit macht sich die westlich fortschrittliche Welt in Afghanistan nur zum Affen, der zu blöde ist, nicht zu verstehen, dass man Hass nicht aus den Köpfen bomben kann.
"Die allerschlimmste Lüge lautet, dass wir dabei sind, gar keine Kriege mehr zu führen, sondern im orwellschen Neusprech nur noch humanitäre friedensstiftende Maßnahmen ergreifen. Eindeutig ist das Töten von Menschen, nicht das Retten von Menschen. Eindeutig ist Kriegsvorbereitung, nicht Abrüstung. Eindeutig ist Krieg, nicht Frieden und Lüge, nicht Wahrheit und Menschlichkeit, nicht Grausamkeit."
Quelle:
http://www.uni-kassel.de/...
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