Afghanistan "Die Bundeswehr muss offensiver vorgehen"Seite 2/2

ZEIT ONLINE: Die Abzugsdebatte wird in Deutschland ja schon geführt.

Schmidt: Das ist auch richtig. Nur wird diese Debatte viel zu verkürzt geführt, wie übrigens in Kanada auch. Man muss erklären, dass das nichts mit blinder Amerikatreue oder Nibelungentreue gegenüber den Afghanen zu tun hat, wenn man seine Soldaten dort lässt, sondern dass das harte Sicherheitspolitik ist und unserem eigenen Interesse dient. Das ist eine geopolitische Debatte. Da geht es um die Stabilisierung einer Region, da geht es um die möglichen Konsequenzen einer erneuten Taliban-Herrschaft, nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Pakistan, in Usbekistan. Das hätte eine dramatische Ausstrahlung.

ZEIT ONLINE: Nun steht die Bundesregierung wegen ihrer Informationspolitik nach dem Angriff auf zwei Tanklastzüge bei Kundus massiv in der Kritik. Ganz offensichtlich wurde die Öffentlichkeit über das Ausmaß der zivilen Opfer getäuscht. Ist das nicht das exakte Gegenteil der ehrlichen und offenen Debatte, die Sie fordern? 

Schmidt: Ja, das wäre eine Chance gewesen, um zumindest auf die Schwierigkeiten hinzuweisen, in Afghanistan zwischen Kämpfern und Zivilisten zu unterscheiden. Das wurde verpasst. Und außerdem: Warum hat man nicht einfach eingeräumt, dass widersprüchliche Meldungen vorliegen?

ZEIT ONLINE: Noch nennt die Bundesregierung keinen Abzugstermin, sondern spricht vom Ziel einer selbsttragenden Stabilität in Afghanistan. Ist es überhaupt absehbar, dass dieses Ziel irgendwann erreicht wird?

Schmidt: Das ist eine Frage der politischen Definition eines solchen Zustands. Aber jetzt einen festen Zeitpunkt zu benennen, wäre wenig vernünftig. Wenn sich allerdings die innenpolitische Debatte so verschärft, dass absehbar ist, dass eine Mandatsverlängerung nicht mehr möglich ist, dann könnte eine kanadische Lösung in den Blick kommen, damit zumindest der laufende Einsatz stabilisiert werden kann. Das sollte aber nur eine Notfall-Lösung sein.

Das Gespräch führte Christian Salewski
 

 
Leser-Kommentare
  1. "Humanistische Union fordert Abzug von 1.000 Bundeswehr-Soldaten in 2010 und schrittweise Beendigung des Militäreinsatzes innerhalb von vier Jahren. Ziviler Aufbau und Entwicklungsarbeit müssen oberste Priorität erhalten

    Pressemitteilung vom 24. November 2009"

    Quelle:
    http://www.humanistische-...

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    Was machen wohl die Taliban mit westlichen Aufbauhelfern? Köpfen? Verbrennen? Aufhängen? Unter der Herrschaft eines radikalen und repressiven Systems ist kein ziviler Aufbau möglich. Als ob sich die Nato darum reißt, sich dort militärisch zu engagieren...

    Alles, was in Afghanistan auch nur im geringsten in die richtige Richtung läuft, läuft nur durch militärischen Schutz! Ziehen wir ab, geben wir das Land auf und riskieren zugleich einen enormen Schub für radikale Kräfte. Kräfte, die die letzten 10 Jahre zig-tausende Opfer auf der ganzen Welt zu verantworten haben. Das ist die Realität.

    Was machen wohl die Taliban mit westlichen Aufbauhelfern? Köpfen? Verbrennen? Aufhängen? Unter der Herrschaft eines radikalen und repressiven Systems ist kein ziviler Aufbau möglich. Als ob sich die Nato darum reißt, sich dort militärisch zu engagieren...

    Alles, was in Afghanistan auch nur im geringsten in die richtige Richtung läuft, läuft nur durch militärischen Schutz! Ziehen wir ab, geben wir das Land auf und riskieren zugleich einen enormen Schub für radikale Kräfte. Kräfte, die die letzten 10 Jahre zig-tausende Opfer auf der ganzen Welt zu verantworten haben. Das ist die Realität.

  2. http://www.sueddeutsche.d...
    Hat Deutschland überhaupt einen Friedensvertrag für
    den 2.Weltkrieg?
    Ich nenne mich hier Petit Prince.
    Der kleine Prinz wurde von einem französischen
    Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
    geschrieben.
    Hier frage ich mich trotzdem,ob es Sinn macht,
    ohne einen klaren Gegner in einen nicht enden
    wollenden Krieg zu ziehen,und auf der anderen
    Seite noch für einen Krieg zu bezahlen der mit
    einem Unrecht begonnen hat,das viele andere
    Staaten für Recht hielten.Der Beginn des
    ersten Weltkrieges war eine Reaktion auf ein
    Attentat.Der Beginn des jetzigen Afghanistankrieges
    war von Anfang an unklar und unlogisch.
    Daher gibt es auch zahlreiche Fragen bezüglich
    diesem Beginn:http://www.911komplott.de/index.php?option=com_content&task=section&id=4&Itemid=27
    Ich habe diese Seiten zwar nicht gelesen,eigentlich interessiert
    mich das auch nicht wirklich.Es hat damals die weltweit durchaus
    vorhandene Ablehnung der USA unter der Bush Administration,
    in eine große Solidarität gegenüber der USA verwandelt
    und hat den Sicherheitskräften Überwachungsrechte über
    den Bürger gegeben,die auf anderem Wege wesentlich
    schwieriger gewesen wären.
    Ich weiß nicht,warum die Fragen um den
    Afghanistan Krieg derzeit wichtiger sind,wie
    eine gute Vorbereitung auf den Klimagipfel in Kopenhagen.
    Es könnte sein,dass unsere Kinder uns dann nämlich
    sagen,ja Ihr Verrückten,was habt Ihr denn nur mit unserer Erde gemacht?

  3. Den gibt es bereits.

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    03.12.2009 um 14.40 Uhr
    —Erich Gengerke
    Kommentar bedenklich 1. Strategiewechsel in Afghanistan "Humanistische Union fordert Abzug von 1.000 Bundeswehr-Soldaten in 2010 und schrittweise Beendigung des Militäreinsatzes innerhalb von vier Jahren. Ziviler Aufbau und Entwicklungsarbeit müssen oberste Priorität erhalten

    Pressemitteilung vom 24. November 2009"

    Quelle:
    http://www.humanistische-...

  4. Was machen wohl die Taliban mit westlichen Aufbauhelfern? Köpfen? Verbrennen? Aufhängen? Unter der Herrschaft eines radikalen und repressiven Systems ist kein ziviler Aufbau möglich. Als ob sich die Nato darum reißt, sich dort militärisch zu engagieren...

    Alles, was in Afghanistan auch nur im geringsten in die richtige Richtung läuft, läuft nur durch militärischen Schutz! Ziehen wir ab, geben wir das Land auf und riskieren zugleich einen enormen Schub für radikale Kräfte. Kräfte, die die letzten 10 Jahre zig-tausende Opfer auf der ganzen Welt zu verantworten haben. Das ist die Realität.

    • joG
    • 03.12.2009 um 16:20 Uhr

    ...einer Region, da geht es um die möglichen Konsequenzen einer erneuten Taliban-Herrschaft, nicht nur in Afghanistan, sondern auch in Pakistan, in Usbekistan. Das hätte eine dramatische Ausstrahlung."

    Da geht es darum, dass andere gefährliche Gruppen weltweit sehen, ob man noch bereit ist internationale Sicherheit durchzusetzen. Sehen diese Gruppen, dass niemand die Amerikaner effektiv unterstützt und die Amerikaner weniger bereit sind die Aufgabe alleine zu übernehmen, so werden sie entsprechend aggressiver werden. Das ist wie in jedem Gebiet, wenn das Machtmonopol sich auflöst.

    Das Problem ist halt hier, dass die Politik dem Volk Jahrzehnte lang vormachte internationale Sicherheit koste nichts und Friede wäre etwas, das einfach geschieht. Es war kein gutes Thema, weil man ein offensichtlicher Free Rider war und das ist schäbig. Es war aber billig und ging gut, solange die USA Willens waren alleine die Sicherheit herzustellen und das konnten.

    Das ändert sich nun. Die Grösse unseres Beitrag solls, so wir auch nur annähernd die Sicherheit wollen, die wir hatten, ersieht man an den militärkosten und Gefallenenzahlen Anderer. England gibt zB 2.75% des BIP dafür aus (D: 0.8%).

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    "... wenn das Machtmonopol sich auflöst." So ist es. Leider. Warum löst sich aber das Machtmonopol auf? Neben anderen gibt es zwei wichtige Gründe: Afghanistan und Irak. Dort hat sich die Supermacht verrannt und ist mit Zielen angetreten, die unerfüllbar waren. Dadurch hat sie die eigene Glaubwürdigkeit verloren und auch die militärische Handlungsfähigkeit. Wenn Sie Namen wollen, dann würde mir sofort Bush einfallen. Er hat die Sicherheitsarchitektur selbst ausgehebelt, die dafür verantwortlich war, dass es seit Jahrzehnten keine nennenswerten Kriege gab. Stichwort "Koalition der Willigen". So schafft man keine internationale Sicherheit.
    Etwas weiter oben schreibt gerade ein Petit Prince. Der Planet mit dem König ist besonders schön in diesem Büchlein. Dieser sagt in etwa, dass er nur das befiehlt, was seine Untertanen eh machen würden, ansonsten würde er seine Macht verlieren. So ist es. Es ist an der Zeit sich darauf zu besinnen, dass in Afghanistan gerade das Gegenteil passiert.

    ...basiert leider oftmals auf kursichtigen Beobachtungen und Empfindungen und selten auf langfristigen Überlegungen. Natürlich erscheint es uns Deutschen müßig oder gar überflüssig, in Afghanistan Geld und das Leben unserer Soldaten einzusetzen, wo wir doch nach wie vor behütet und verhätschelt im Schoße Europas geschaukelt werden.

    Das wird nicht ewig so bleiben. Wir bilden mit den USA ein Wertesystem, welches in Konfrontation mit Ansichten radikaler Glaubensanhänger steht. Damit steht es auch in unserem ureigensten Interesse, Regionen wie Afghanistan zu stabilisieren. Natürlich nicht durch Militäreinsätze. Aber sie sind oftmals erforderlich, um überhaupt die grundlegende Sicherheit zu schaffen, um zivilen und gesellschaftlichen Wiederaufbau überhaupt erst zu ermöglichen.

    Wegschauen hilft nicht. Leider begreift das nicht einmal die Regierung. Sonst würde sie diesen Alibi-Einsatz nicht so fortführen, sondern zum einen der BW ausreichende Mittel zur Verfügung stellen und zum anderen eine, wie im Artikel auch geforderte aggressivere Vorgehensweise fahren. Das dauerhafte militärische Engagement ist keine Dauerlösung, es muss ein Ziel erreicht werden und das heißt m.E. Sicherheit. Gegen einen Gegner wie Taliban fährt zögerliches Agieren lediglich zu einer Stärkung solcher Kräfte. Clean Sweep heißt das Zauberwort - und das fordert in einem Land wie Afghanistan mehr Truppen und militärische Mittel, als wir derzeit bereit sind einzusetzen. Halbherzig wird nichts gewonnen werden.

    "... wenn das Machtmonopol sich auflöst." So ist es. Leider. Warum löst sich aber das Machtmonopol auf? Neben anderen gibt es zwei wichtige Gründe: Afghanistan und Irak. Dort hat sich die Supermacht verrannt und ist mit Zielen angetreten, die unerfüllbar waren. Dadurch hat sie die eigene Glaubwürdigkeit verloren und auch die militärische Handlungsfähigkeit. Wenn Sie Namen wollen, dann würde mir sofort Bush einfallen. Er hat die Sicherheitsarchitektur selbst ausgehebelt, die dafür verantwortlich war, dass es seit Jahrzehnten keine nennenswerten Kriege gab. Stichwort "Koalition der Willigen". So schafft man keine internationale Sicherheit.
    Etwas weiter oben schreibt gerade ein Petit Prince. Der Planet mit dem König ist besonders schön in diesem Büchlein. Dieser sagt in etwa, dass er nur das befiehlt, was seine Untertanen eh machen würden, ansonsten würde er seine Macht verlieren. So ist es. Es ist an der Zeit sich darauf zu besinnen, dass in Afghanistan gerade das Gegenteil passiert.

    ...basiert leider oftmals auf kursichtigen Beobachtungen und Empfindungen und selten auf langfristigen Überlegungen. Natürlich erscheint es uns Deutschen müßig oder gar überflüssig, in Afghanistan Geld und das Leben unserer Soldaten einzusetzen, wo wir doch nach wie vor behütet und verhätschelt im Schoße Europas geschaukelt werden.

    Das wird nicht ewig so bleiben. Wir bilden mit den USA ein Wertesystem, welches in Konfrontation mit Ansichten radikaler Glaubensanhänger steht. Damit steht es auch in unserem ureigensten Interesse, Regionen wie Afghanistan zu stabilisieren. Natürlich nicht durch Militäreinsätze. Aber sie sind oftmals erforderlich, um überhaupt die grundlegende Sicherheit zu schaffen, um zivilen und gesellschaftlichen Wiederaufbau überhaupt erst zu ermöglichen.

    Wegschauen hilft nicht. Leider begreift das nicht einmal die Regierung. Sonst würde sie diesen Alibi-Einsatz nicht so fortführen, sondern zum einen der BW ausreichende Mittel zur Verfügung stellen und zum anderen eine, wie im Artikel auch geforderte aggressivere Vorgehensweise fahren. Das dauerhafte militärische Engagement ist keine Dauerlösung, es muss ein Ziel erreicht werden und das heißt m.E. Sicherheit. Gegen einen Gegner wie Taliban fährt zögerliches Agieren lediglich zu einer Stärkung solcher Kräfte. Clean Sweep heißt das Zauberwort - und das fordert in einem Land wie Afghanistan mehr Truppen und militärische Mittel, als wir derzeit bereit sind einzusetzen. Halbherzig wird nichts gewonnen werden.

  5. ... auf die Twin-Towers mit das Schlimmste, was der frömmelden, erzkonservativen Bush-Regierung von den Religionskriegern angetan werden konnte. Inzwischen nähern sich die Opferzahlen unter der zivilen afghanischen Bevölkerung den 50 000, und selbst wenn man die israelische Aufrechnungsmethode "zehn für einen" anwendet, sollten die Amerikaner so langsam satisfaktioniert sein.

    Es wird Zeit, den Afghanen ihr Land wieder selbst zu überlassen. Alles was wir in fast zehn Jahren in Afghanistan an nicht vorhandenen Plänen nicht erfüllt haben, werden wir in den nächsten zehn Jahren auch nicht erfüllen.

    Wenn die Weltgemeinschaft gegen die Ausbreitung des wahabitischen Islams wirklich vorgehen möchte, wäre die Deeskalation in Afghanistan durch die Extinktion der militärischen Frontlinie ein erster wirksamer Schritt. Die Kampflinie könnte an der humanitären Front übergangslos aufgenommen werden, indem den Religionsschulen Schulen westlicher Prägung entgegengesetzt werden.

    Derzeit macht sich die westlich fortschrittliche Welt in Afghanistan nur zum Affen, der zu blöde ist, nicht zu verstehen, dass man Hass nicht aus den Köpfen bomben kann.

  6. "Die allerschlimmste Lüge lautet, dass wir dabei sind, gar keine Kriege mehr zu führen, sondern im orwellschen Neusprech nur noch humanitäre friedensstiftende Maßnahmen ergreifen. Eindeutig ist das Töten von Menschen, nicht das Retten von Menschen. Eindeutig ist Kriegsvorbereitung, nicht Abrüstung. Eindeutig ist Krieg, nicht Frieden und Lüge, nicht Wahrheit und Menschlichkeit, nicht Grausamkeit."

    Quelle:
    http://www.uni-kassel.de/...

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