Wenige Tage nach dem vereitelten Anschlag auf eine Passagiermaschine der US-Airline Delta hat sich das Terrornetzwerk al-Qaida zu der Aktion bekannt, bei der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab nach einer Fehlzündung seines Sprengsatzes im Flugzeug überwältigt wurde. In einer Internet-Botschaft teilt al-Qaida mit, die Drahtzieher hätten mit dem Bombenanschlag auf "ungerechte amerikanische Aggression auf der arabischen Halbinsel" reagieren wollen. Bei den Organisatoren des Attentats handelt es sich dem Bekennerschreiben zufolge um einen im Jemen ansässigen Regionalzweig der "al-Qaida auf der arabischen Halbinsel". Dies teilte das auf Terrorismus spezialisierte IntelCenter in Alexandria bei Washington mit.

 Das "amerikanische Volk" müsse sich auf neue Attentate einstellen, heißt es in der vom IntelCenter übersetzten Botschaft, der ein Foto des nigerianischen Detroit-Attentäters beigefügt war. "Ihr werdet bekommen, was ihr fürchtet", lautet der Text weiter. Selbstmordattentäter stünden bereit. "Wir werden Euch mit Dingen treffen, von denen ihr nichts wisst, weil ihr tötet und deshalb getötet werdet. Unsere Rache ist nahe."

Abdulmutallab selbst ist am Montag aus einem Krankenhaus in Detroit in eine Haftanstalt in Milan, Bundesstaat Michigan, gebracht worden. Bei einem Verhör gab er nach Informationen des Nachrichtensenders ABC an, er sei einer von vielen Selbstmordattentätern, die von der Qaida im Jemen herangezogen worden seien, um amerikanische Passagierflugzeuge zu zerstören. 

 Nach Angaben der jemenitischen Regierung hielt sich Abdulmutallab seit August in dem arabischen Land auf. Bis Anfang dieses Monats habe er dort Sprachstudien betrieben. US-Medien zufolge wurde der Sprengsatz von einem Top-Bombenbauer von al-Qaida im Jemen gebaut.

US-Präsident Obama versprach unterdessen eine umfassende Aufklärung des versuchten Attentats und drohte zugleich internationalen Terrorgruppen. Seine Regierung werde nicht ruhen, bis alle an den Plänen Beteiligten zur Verantwortung gezogen sind, sagte Obama am Montag. Die USA würden "jedes Element unserer Macht als Nation" nutzen, um Extremisten zurückzuschlagen, die die USA bedrohen – "ob sie aus Afghanistan oder Pakistan, dem Jemen oder Somalia sind, oder von wo auch immer sie Attacken auf US-Boden planen".

Abdulmutallab soll am 8. Januar im US-Staat Michigan vor Gericht erscheinen. Der Attentäter hatte am ersten Weihnachtstag Sprengstoff an Bord eines mit fast 300 Menschen besetzten Airbus der US-Gesellschaft Delta geschmuggelt und vor der Landung in Detroit zünden wollen. Eine Katastrophe wurde vor allem durch das Eingreifen von Passagieren verhindert, aber auch, weil der Zünder versagte.

Bei dem Sprengstoff soll es sich um 80 Gramm des hochexplosiven PETN handeln, das laut US-Medien in die Unterwäsche des Nigerianers eingenäht gewesen sein soll. Abdulmutallabs Name stand zwar auf einer allgemeinen Beobachtungsliste, nicht aber in einem enger gefassten Verzeichnis terrorverdächtiger Personen.

Der US-Präsident ordnete an, sowohl die bisherige Handhabung von Listen mit verdächtigen Personen wie auch die allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr grundlegend zu überprüfen. US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano hatte eingeräumt, dass das Sicherheitssystem im Luftverkehr versagt habe. "Unser System hat in diesem Fall nicht funktioniert." 

In dem al-Qaida-Schreiben vom 26. Dezember wird Abdulmutallab als "Bruder" und "Märtyrer" gelobt, der "mutig alle modernen und ausgeklügelten Technologien in Flughäfen in der ganzen Welt passiert" habe. Die Gruppe wirft den US-Streitkräften vor, von Schiffen im Golf von Aden aus Raketen auf den Jemen geschossen zu haben.

Die New York Times berichtete am Montag, die USA hätten im Jemen bereits seit Längerem eine neue Front im Anti-Terrorkampf eröffnet. In aller Stille hätten die USA eine verdeckte Operation gegen die dortige al-Qaida begonnen. Unter anderem seien schon seit etwa einem Jahr einige der besten im Anti-Terrorkampf geschulten CIA-Agenten in dem arabischen Land, zum anderen hätten Spezialkommandos mit der Schulung jemenitischer Sicherheitskräfte begonnen.

Der versuchte Anschlag hatte zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen auf Flügen in die USA und im Land selbst geführt. Ein Lufthansa-Sprecher rief US-Reisende auf, früher als sonst zum Einchecken zu kommen und möglichst wenig Handgepäck mitzunehmen. Einzelheiten der verschärften Kontrollen nannte er nicht. Bei British Airways und Air Canada müssen Reisende in der letzten Stunde vor der Landung sitzen bleiben und dürfen nicht ans Handgepäck.