Proteste in Italien Massen-Demonstration gegen Berlusconi

Hunderttausende demonstrierten in Rom gegen den Ministerpräsidenten. Zusammengebracht hatte sie nicht die Opposition, sondern das Internet.

Es war die erste fast ausschließlich über das Internet organisierte Massenkundgebung in Italien: In Rom demonstrierten nach Angaben der Veranstalter mehr als 350.000 Menschen gegen die rechtsgerichtete Regierung von Silvio Berlusconi. Veranstalter waren weder Parteien noch Gewerkschaften, sondern Blogger, die Anfang Oktober über Facebook und später über eine Website den Appell lanciert hatten, den umstrittenen 73-Jährigen zum Rücktritt aufzufordern. Innerhalb weniger Tage zählte die Gruppe Tausende von Mitgliedern.

Gewerkschaften, Mitglieder der kommunistischen Partei sowie die kleine Anti-Korruptionspartei Italien der Werte von Antonio Di Pietro schlossen sich der Initiative an. Die größte italienische Oppositionspartei, die Demokratische Partei, hatte dagegen nicht zu der Demonstration aufgerufen. Dennoch kamen viele ihrer Mitglieder, wie die frühere Ministerin Rosy Bindi. Die Veranstalter grenzen sich jedoch bewusst von den etablierten Parteien ab, denen sie allesamt Versagen vorwerfen.

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Letzte Auslöser für den Massenprotest waren die neuen Korruptionsprozesse gegen Berlusconi und sein gescheiterter Versuch, sich dagegen mit einem Immunitätsgesetz zu schützen. Auf ihrer Website äußerten zahlreiche Bürger ihren Zorn und ihre tiefe Verbitterung über die Zustände in Italien unter der langjährigen Herrschaft des Multimillionärs, Medienmoguls und skandalerprobten Regierungschefs. In dem Aufruf hieß es dort: "Wir können nicht mehr mit anschauen, wie er unser Land seit über 15 Jahren in Schach hält, wie seine Ideen vom `persönlichen Staat` ihn gegen jede Form von freier Meinungsäußerung aufhetzt, was durch die letzten Angriffe auf die freie Presse, der Satire und dem Internet eindeutig zum Ausdruck kommt. Wir können seine unglaubliche Arroganz nicht mehr ignorieren, und seine blutigen Verwicklungen mit der Mafia auch nicht... Er muss zurücktreten und sich, wie jeder normale Bürger, vor Gericht verteidigen."

Berlusconi hat immer wieder durch seine Probleme mit der Justiz, aber auch mit Sexskandalen für Aufruhr gesorgt. Erst vor einem Monat scheiterte sein Versuch, sich durch das umstrittenes Immunitätsgesetz gleich mehrerer Prozesse zu entledigen. Das oberste italienische Gericht erklärte die Norm für nicht verfassungskonform.

Auch in Berlin, Paris, London oder Sydney gingen zahlreiche Menschen gegen Berlusconi auf die Straße.

 
Leser-Kommentare
  1. ein berusconi hier, ein schröder dort. so eine partei macht das einmal. und dann einfach nie wieder.

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    Berlusconi=Schröder? Sind sie von allen guten geistern verlassen!?
    Wenn es ein deutsches Äquivalent zu Berlusconi gibt, dann ist das der CDU-Mann Ronald Koch mit seinem ZDF Imperium.

    Berlusconi=Schröder? Sind sie von allen guten geistern verlassen!?
    Wenn es ein deutsches Äquivalent zu Berlusconi gibt, dann ist das der CDU-Mann Ronald Koch mit seinem ZDF Imperium.

    • t_t_h
    • 05.12.2009 um 22:07 Uhr

    Der Begriff "Flashmob" bezeichnet ausschließlich spontane Massenaufläufe mit dem Spaß der Teilnehmer im Vordergrund.
    Wenn die Aktion einen tieferen (politischen) Sinn hat, spricht man gemeinhin von einem "Smartmob".
    Trotzdem war die oben beschriebene Veranstaltung keines von beidem, sondern tatsächlich eine normale Demonstration, die bloß über das Internet organisiert wurde. Also aufpassen, nicht alles, was die Internetgemeinde auf die Straße bringt, ist ein Flashmob.

    Jetzt Genug der Klugscheißerei, schön, dass die Italiener mal was gegen Berlusconi tun. Es hat mich schon gewundert, warum er überhaupt wiedergewählt wurde...

  2. @Online-Redaktion

    Die ZEIT-ONLINE Community ist nicht erreichbar? (Leserartikel)

    Schließung?
    Technischer Defekt?
    Wird derzeit der "Relaunch" rückgängig gemacht? :-)
    Werden dringende "Reparaturarbeiten" vorgenommen?

    Blogger

  3. Und schon funktioniert es wieder, saß da jemand auf "der Leitung"?

    Gruß
    Blogger

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    Dachte auch schon, jetzt wär's soweit.
    Aber Sie haben DEN Moment des Einschaltens getroffen, als Sie sich einloggen konnten.
    Ob die in der Nacht die Islamismuskommentare vom Faschismus befreit haben?

    Gruß Ihnen und den anderen
    Klearchos

    Dachte auch schon, jetzt wär's soweit.
    Aber Sie haben DEN Moment des Einschaltens getroffen, als Sie sich einloggen konnten.
    Ob die in der Nacht die Islamismuskommentare vom Faschismus befreit haben?

    Gruß Ihnen und den anderen
    Klearchos

  4. Dachte auch schon, jetzt wär's soweit.
    Aber Sie haben DEN Moment des Einschaltens getroffen, als Sie sich einloggen konnten.
    Ob die in der Nacht die Islamismuskommentare vom Faschismus befreit haben?

    Gruß Ihnen und den anderen
    Klearchos

    Antwort auf "# 3 @Redaktion"
  5. 6.

    Weg mit dem. So jemand sollte in einer Demokratie nicht möglich sein.

  6. wie lange und wie ungetraft Senior B. sein Unwesen treiben kann. Am besten wäre wohl, wenn der Souverän, das Volk, mal über B. abstimmen würde.

    • Jamiro
    • 06.12.2009 um 12:09 Uhr

    Leiden wir wieder unter dem Verwechslungswahn? nicht Berlusconi und Schroeder gehoeren in einen Topf sondern noch MP Koch und Berlusconi sollte man in einem Atemzug nennen, wobei Kochs aktivitäten ( fall Brender vom ZDF ) nicht nur unter billigung Merkels laufen. Frau Merkel (...) wie zb. in Neues aus der Anstalt werden deswegen trotzdem weiter im ZDF laufen und das absolut zu recht.

    [Gekuerzt, bitte achten Sie auf Ihre Ausdrucksweise. Danke. /Die Redaktion sk.]

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