EU-China-Gipfel Angst vor dem Drachen

Beim Gipfel der EU mit Chinas Führung zeigt sich vor allem eins: Die Ratlosigkeit der Europäer, wie sie der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Herr werden können.

Gipfeltreffen ohne Ergebnisse: Chinas Präsident Hu Jintao im Gespräch mit dem amtierenden EU-Ratspräsidenten, Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt

Gipfeltreffen ohne Ergebnisse: Chinas Präsident Hu Jintao im Gespräch mit dem amtierenden EU-Ratspräsidenten, Schwedens Premier Fredrik Reinfeldt

Kaum einen Punkt konnten die Europäer bei der zweitägigen Begegnung mit der chinesischen Spitze in Nanjing durchsetzen. Immerhin gaben sich beide Seite zum Abschluss überzeugt, dass sie die internationalen Finanzmärkte stärker regulieren wollen, die von den Amerikanern dominiert werden.

Erstaunlich: Erstmals, seitdem sich Chinesen und Europäer regelmäßig zu Konsultationen treffen, gibt es in einer weltpolitischen Frage so starke gemeinsame Interessen – gegen die USA. Schon früher bei Themen wie dem Umgang mit Iran und dessen Atomprogramm oder der Haltung zum Irakkrieg fanden sich große Schnittmengen mit den Chinesen. Aber in beiden Fällen waren die Europäer untereinander so zerstritten, dass sie aus Pekinger Sicht als Partner ausfielen.

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Das war diesmal anders. Dennoch waren beide Seiten sehr vorsichtig, diese Übereinstimmung, was die Regulierung der Finanzmärkte betrifft, in konkrete Schritte zu packen. Denn weder die Chinesen noch die Europäer wollen soweit gehen, etwa disziplinierende Maßnahmen gegen die USA zu beschließen. Der zwar geschwächten, aber noch lange amtierenden Weltmacht treten beide nicht ohne Not auf die Füße. Zumal nicht mit einem jeweiligen Partner, mit dem man ansonsten viel mehr Differenzen als Gemeinsamkeiten hat.

So war es nicht verwunderlich, dass die USA in dem butterweichen Abschlusskommunique der Gipfeltreffens nicht einmal erwähnt wurden: Die Chinesen haben kein Interesse daran, das angespannte Konkurrenzverhältnis zu Amerika noch zu verschärfen. Die Europäer wiederum waren erst vor wenigen Wochen beim G20-Treffen der Finanzminister mit den USA aneinander geraten. Die Amerikaner lehnten die Vorschläge der Europäer, die Banken stärker zu kontrollieren, rundweg ab. Nun wollten auch sie den Streit von China aus nicht noch einmal anheizen.

Auch sonst gab es kaum konkrete Beschlüsse. Vor allem in der für die europäische Exportindustrie zentralen Frage, der geforderten Aufwertung des chinesischen Yuan, wurde die EU-Delegation von den Chinesen kühl abgewiesen.

Den skurrilsten Versuch, der Ratlosigkeit Herr zu werden, unternahm ausgerechnet einer der klügsten europäischen Spitzenpolitiker, der Luxemburger Ministerpräsident Jean-Claude Junker. Er war als Vorsitzender der Euro-Gruppe der Finanzminister angereist. Er argumentierte doch tatsächlich gegenüber seinen chinesischen Gesprächspartnern, wie schwierig es sei, “der eigenen Öffentlichkeit zu erklären, dass China, das am schnellsten wachsende Land der Welt, (seine Währung) abwertet.”

Nun, abgesehen davon, dass China gar nicht abwertet, sondern der US-Dollar schwächelt (an den China seine Währung gekoppelt hat), kann man die chinesische Position sehr leicht erklären. Vor allem, wenn man im Blick behält, dass die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr aufgrund der Weltfinanzkrise einen Exporteinbruch von 15 bis 20 Prozent erlitten hat – und das, nachdem China in den Jahren zuvor seine Währung um 20 Prozent aufgewertet hatte. Entsprechend sind die chinesischen Exportprodukte teurer geworden. 

China hat deshalb kein Interesse, seine Güter auf den Weltmärkten durch eine weitere Aufwertung noch teurer zu machen. Auch Juncker blieb daher am Ende nichts anderes übrig, als vieldeutig zu sagen: “Ich bin nicht viel optimistischer aus dem Gespräch gekommen, als ich rein gegangen bin.”

Im Abschussdokument des Gipfels wurde dieser wichtigste Streitpunkt nicht einmal mehr erwähnt. Stattdessen einigte man sich, “mit anderen Ländern” darauf hinzuwirken, ein “faires, gerechtes” und “stabiles”, internationales Finanzsystem aufzubauen, und das “nachhaltiges Wachstum in ihren jeweiligen Regionen zu fördern.“ Besser hätte man eine Nichteinigung kaum in Worte fassen können.

 
Leser-Kommentare
  1. Der schwache Yuan kommt den vielen europäischen Produktionsstandorten in China sehr zugute. Alles hat eben eine Kehrseite.

  2. China wird in den naechsten Jahren mit absoluter Sicherheit die Wirtschaftsmacht Nr. 1 der Welt. Das wissen die Herrschenden in China ganz genau. Warum dann irgendwelche Konzessionen eingehen. Man muss sich eingestehen , dass die westliche Dominanz nach 500 Jahren ' endlich ' ein Ende findet und der Reichtum sich in den Osten verlagert , shit happens.....

  3. 3. USA:

    Der kranke Mann zwischen den Ozeanen.

  4. Interessanter Aspekt.
    Aber trifft nicht so ganz genau.
    Erst im 19. Jhdt. setzten die Briten in den Opiumkriegen ihre Eroberungen an der Küste und im Inneren Chinas durch, um China zu plündern.
    Der Handel zwischen China und Europa war vor dem 19.Jhdt. durch Holland, Portugal und Spanien außer Porzellan nicht so hoch - dieses war aber an den Fürstenhöfen als Luxusgut im 18. Jhdt. wohl geschätzt -
    Jetzt ist China in den letzten 30 Jahren die Werkbank der Welt und wird auch als Absatzmarkt immer wichtiger.
    Es ist mir unverständlich, dass die EU-Lissabon keinen Mut findet, mit China ehrlich und vertrauensvoll auch gegen die USA zu verhandeln, wenn die Interessenslage so sein sollte.
    Die haben doch so mit Lissabon auf "dicke Hose gemacht"!

    • JUKOS
    • 02.12.2009 um 4:01 Uhr

    Na wenn China etwas tut um europaeische Importe zu verteuer, dann koennte die EU das gleiche mit den chinesischen tun. Billiglohnlaender in denen billige Arbeitskraefte vorhanden sind gibt es doch selbst an den Grenzen der EU genuegend. Wozu dann in China produzieren, wenn man dort nichts absetzen kann und auch noch seiner Technologie beraubt wird. Ausserdem kann man sich mit denen verbinden die auch von China 'bedroht' werden. Noch sind sie nicht so stark, dass sich die ganze Welt fuerchten muss. Ich erinnere da nur an den Zwischenfall, als ein Schiff der russischen Küstenwache einen chinesischen Frachter versenkt hat. Also wer nicht hören will, muss eben fühlen. Man darf sich doch nichts von irgendjemandem bieten lassen und sich so kriecherisch verhalten wie es schon viel zu oft geschehen ist. Wenn ich dieses Untrtan-Getue unserer europäischer Politiker sehe fühle ich mich meiner Mündigkeit beraubt. Wieso man die chinesische Studenten hier umsonst studieren laesst, ist mir auch nicht klar und Produkte made in china versuche ich, wenn es möglich ist zu vermeiden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • leer1
    • 02.12.2009 um 9:58 Uhr

    ...diese ihre Haltung gespeist aus Unwissen, Furcht und Zorn verursacht Übertreibung und grobe Fehleinschätzungen.
    Handlungen und Worte aus Feindseligkeit, Neid, eingebildete Überlegenheit, das Bedürfnis anderen etwas aufzuzwingen sind Irrwege und verursachen Trennung und Kampf. Einen Feind zu machen ist einfach, Ignoranz und Anmassung genügen. Einen Freund zu gewinnen, ist um einiges schwieriger... und das hierbei die Gefahr besteht zu übertreiben und durch Liebedienern einen Herren anstelle eines Freundes zu erlangen kennen wir all zu gut...sogar unsere Redensarten sprechen davon.
    Freundlichkeit und Objektivität sind schwierig, weil sie eines ruhigen und stabilen Selbstbewusstseins, welches viel mit dem "Gewissen" zu tun hat, bedürfen.
    ... aber es ist nie zu spät und jeder kann an sich, an eigenen Gedanken, Taten und Worten und damit an den persönlichen Beziehungen in Nah und Fern arbeiten.
    In diesem Sinne uns allen viel Erfolg.

    • leer1
    • 02.12.2009 um 9:58 Uhr

    ...diese ihre Haltung gespeist aus Unwissen, Furcht und Zorn verursacht Übertreibung und grobe Fehleinschätzungen.
    Handlungen und Worte aus Feindseligkeit, Neid, eingebildete Überlegenheit, das Bedürfnis anderen etwas aufzuzwingen sind Irrwege und verursachen Trennung und Kampf. Einen Feind zu machen ist einfach, Ignoranz und Anmassung genügen. Einen Freund zu gewinnen, ist um einiges schwieriger... und das hierbei die Gefahr besteht zu übertreiben und durch Liebedienern einen Herren anstelle eines Freundes zu erlangen kennen wir all zu gut...sogar unsere Redensarten sprechen davon.
    Freundlichkeit und Objektivität sind schwierig, weil sie eines ruhigen und stabilen Selbstbewusstseins, welches viel mit dem "Gewissen" zu tun hat, bedürfen.
    ... aber es ist nie zu spät und jeder kann an sich, an eigenen Gedanken, Taten und Worten und damit an den persönlichen Beziehungen in Nah und Fern arbeiten.
    In diesem Sinne uns allen viel Erfolg.

  5. "Nun, abgesehen davon, dass China gar nicht abwertet, sondern der US-Dollar schwächelt (an den China seine Währung gekoppelt hat)"

    Sehr geehter Herr Sieren, machen Sie sich doch bitte mal mit dem Thema vertraut.
    Der RMB war lange Jahre fest an den US$ gekoppelt, Wechselkurs lag bei US$1= RMB 8.3.
    Danach wurde eine Bandbreite festgelegt, woraufhin der RMB
    auf 6.8 fiel.
    Letztes Jahr wurde der RMB zum Kurs von 6.8 wieder fest an den US$ gekoppelt.

    • CM
    • 02.12.2009 um 6:55 Uhr

    Zu einer Wirtschaftsgroßmacht gehören auch Pflichten: der Schutz geistigen Eigentums, Rechtssicherheit, halbwegs demokratische Entscheidungsfindung und eine frei konvertierbare Währung. Solange China sich nicht wandelt ist das Land keine Wirtschaftsgroßmacht, sondern eine auf Unterdrückung, Produktpiraterie und Umweltzerstörung aufgebaute Diktatur, die derzeit lieber ökonomische Feldzüge führt - noch.

    Appeasement-Politik beginnt heutzutage bei den Handelsabkommen. Heute hört China weg, wenn Europa Forderungen stellt. Morgen wird es weghören, wenn Europa Bitten äußert. Übermorgen wird es selber einseitig Forderungen stellen, und wenn diese nicht erfüllt werden, wird China seine wahre Natur als Diktatur zeigen. Bis dahin sind die europäische und amerikanische Wirtschaft aus wichtigen Märkten verdrängt, und China ist nicht mehr auf uns angewiesen. Es verhandelt sich nicht mehr so schön, wenn man nur noch als Absatzmarkt gebraucht wird.

  6. Das Reich der Mitte lädt zum Gipfel in die alte Hauptstadt Nanking - besser könnten die Verhältnisse nicht beschrieben werden. Doch der steife Hals der Europäer ist wohl der Rest einer nachträglichen Versteifung angesichts des Kotaus, den die europäischen "Juncker" erst kürzlich vor den USA hinsichtlich der Freigabe sämtlicher Transaktionsdaten im Bankenverkehr vollführten. Sollte man also die Absicht gehabt haben, vor den Chinesen, die bisher auf die Einlassungen Europäischer Politiker stets mit lächelnder höflichlichkeit reagierten, wieder seine Würde zu finden, traf man diesmal auf einen Verhandlungspartner, dem der mangelnde Selbstrespekt seines Gegenüber nur eine unverbindliche Abschlusserklärung wert war. Die Delegation sollte also froh sein, sich nicht schon wieder so weit gebückt zu haben, so dass ihr die schmachvolle Aufforderung des "open wide!" erspart blieb.

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