Gipfeltreffen in Brüssel

EU gibt 7,2 Milliarden Euro für Entwicklungsländer

Nach zweitägigen Verhandlungen steht die Summe nun fest, mit der die EU in die Verhandlung auf dem Klimagipfel gehen will. Deutschland übernimmt 1,26 Milliarden Euro.

Einigung in Brüssel: Die europäischen Staats- und Regierungschefs helfen den Entwicklungsländern beim Klimaschutz

Einigung in Brüssel: Die europäischen Staats- und Regierungschefs helfen den Entwicklungsländern beim Klimaschutz

Verschiedene Summen waren in den letzten Tagen im Gespräch, nun ist klar: 7,2 Milliarden Euro wollen die EU-Staaten den Entwicklungsländern für den Klimaschutz als Soforthilfe zur Verfügung stellen. Damit haben die europäischen Länder das bereits zum Wochenbeginn bekannt gewordene Hilfspaket von ursprünglich drei Milliarden Euro noch einmal kräftig aufgestockt.

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Seit Donnerstag verhandelten die Staats- und Regierungschef beim parallel zur Klimakonferenz tagenden EU-Gipfel in Brüssel über die konkrete Summe, mit der sie in Kopenhagen in die Verhandlungen gehen wollen. Am späten Donnerstagabend sprachen Diplomaten bereits von einer 5,4 Milliarden Euro umfassenden Soforthilfe. Wie Gipfelgastgeber und Ratspräsident Fredrik Reinfeldt gehofft hatte, konnten nun aber noch einmal 1,8 Milliarden hinzukommen.

Wir wollen weiter Führung zeigen.

Fredrik Reinfeldt zur Rolle der EU beim Klimagipfel

Reinfeldt will mit dem Angebot der EU-Staaten vor allem auch andere Länder ermutigen, Zugeständnisse zu machen. "Wir wollen weiter Führung zeigen", sagte er nach den Verhandlungen. Insgesamt müssten weltweit 21 Milliarden Euro für die Soforthilfe zusammenkommen. "Wir fordern jetzt andere Länder auf, auch ihren Beitrag zu leisten."

Geld gegen Dürre und Überschwemmung  

Kopenhagen
Der Vorschlag von Investor George Soros: Rund 150 Milliarden Dollar Klimahilfen für die Entwicklungsländer, abgesichert durch IWF-Gold. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren!

Der Vorschlag von Investor George Soros: Rund 150 Milliarden Dollar Klimahilfen für die Entwicklungsländer, abgesichert durch IWF-Gold. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren!

Die geplante Hilfssumme von 7,2 Milliarden ist als Anschubfinanzierung gedacht – bis am 1. Januar 2013 ein neues Weltklimaabkommen in Kraft treten kann. Mit den Geldern sollen die Entwicklungsländer etwa Deiche zum Schutz gegen Überschwemmungen bauen. Es geht sowohl darum, dort die Folgen des Klimawandels zu lindern, als auch die Produktion von Treibhausgasen zu verringern. Geld aus dem Klimatopf könnte so etwa dem dürregeplagten Mali in Afrika oder dem von Unwetter heimgesuchten Bangladesch in Asien zugutekommen.

Der größte Beitrag zu den EU-Hilfen kommt bislang aus Großbritannien, das umgerechnet 1,66 Milliarden Euro bereitstellen will. Frankreichs Nicolas Sarkozy sagte 420 Millionen Euro zu, und zwar jährlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach in Brüssel ebenfalls 420 Millionen Euro im Jahr – eine Gesamtsumme von 1,26 Milliarden über drei Jahre. Schweden möchte 765 Millionen Euro geben. Aus den Niederlanden sollen bis 2012 weitere 100 Millionen Euro kommen, Belgien will laut Ministerpräsident Yves Leterme "mehrere Dutzend Millionen Euro" beitragen. Zuvor war von 150 Millionen Euro aus Belgien die Rede gewesen. Dänemark will 160 Millionen Euro bis 2012 zur Verfügung stellen, wie der dänische Premierminister Lars Løkke Rasmussen ankündigte.

Reinfeldt räumte ein, dass ein Teil des Betrags umgeschichtete Gelder sind. "Man kann sagen, dass es eine Kombination ist aus alten und neuen Ressourcen. Wichtig ist, dass es Geld ist, das wir jetzt für das Klimaproblem bestimmen." Auch die Europäische Kommission habe einen Teil übernommen, sagte Reinfeldt.

Vorbild auch bei Reduktion der Treibhausgase

Auch beim Thema Treibhausgase will die EU mit gutem Beispiel vorangehen. Es gelte weiter das Angebot der EU, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) stärker zu senken, falls andere globale Partner mitziehen. "Sie müssen die gleiche Anstrengung machen", sagte der Reinfeldt. 

Die EU will bis 2020 ihren CO2-Ausstoß um ein Fünftel gegenüber 1990 senken und diese Zahl unter Umständen auf 30 Prozent aufstocken.

 
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Leser-Kommentare

    • 11.12.2009 um 8:45 Uhr
    • joG

    ...entsprechen den unterschiedlichen Interessen der Gruppen, die die jeweiligen Länder führen. Das würde man erwarten. Ein einfaches Beispiel ist Russland. Die Föderation ist ein Exporteur jener Energieträger, die CO2 verpuffen. Das Land ist im Winter kalt und die Heizkosten sind hoch. In Siberien hofft man mit steigenden Temperaturen Getreide besser anbauen zu können. Auch Afrikaner, China oder Indien haben andere Interessen als Europa. Die Länder wollen reicher werden. Wenn sie mehr für Energie zahlen müssen, so reduziert dies die Geschwindigkeit der Entwicklung. Wo Autokratien oder Oligarchien herrschen, wollen diese Zahlungen an die Regierung, weil die Machthaber davon schöpfen können. Saudi Arabien wird zweifellos verlieren, wenn die Verwendung von Öl reduziert wird.
    Europa will nicht auf der Rechnung sitzen. Aber 5 Mrd Euro plus ist irreal wenig. Die Kosten werden eher in der Grössenordnung von weltweit um 1 Billion pA liegen.

  1. Anthropologen würden dieses Happening in Kopenhagen wohl als einen sogenannten "Potlach" bezeichnen. Es handelt sich um die rituelle Verschwendung und Vernichtung von Reichtum, wie sie in primitiven Gesellschaften nicht selten vorkommt. Gesellschaftlicher Druck veranlaßt die Reichen, ihr Vermögen zu verschenken und in großen öffentlichen Festen zu verprassen und wer am Ende am meisten verschwendet hat, hat gewonnen, ist der Vornehmste von allen.

    • 11.12.2009 um 18:56 Uhr
    • ngw16

    denn diesen Wert aus?
    Und sie spenden ihn von ihren Diäten?

  2. müssen auch mal selber hart arbeiten. Europa musste sich auch einst alles bitter hart aufbauen, erarbeiten. Unterstützung sollte zudem gezielt stattfinden, damit das Geld nicht bei irgendwelchen afrikansichen Diktatoren, und somit in Schweizer Banken landet. Dann ist ja das geld wieder in Europa, und nicht dort, wo es gebraucht wird. Oder man könnte statt Geld, Sachgüter spenden. Anlagen, mit denen diese Menschen was machen könnten, was für die Weltwirtschaft. Wäre doch toll, oder nicht?

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