Klimaschutz Klatsche für Sarkozy

Überraschung in Paris: Der Verfassungsrat erklärt die neue Klimasteuer, auf die Frankreichs Präsident so stolz war, für ungültig. Ein Kommentar von Gero von Randow

Böses Jahresende für Nicolas Sarkozy: Unmittelbar vor seinem Silvesterauftritt im Fernsehen erklärte der Verfassungsrat des Landes ausgerechnet jenes Reformgesetz für ungültig, auf das Frankreichs Präsident besonders stolz war und mit dem er in Kopenhagen angegeben hatte: die CO2-Steuer. Sarkozy, der gerade in Marokko Urlaub macht, soll geradezu einen Wutausbruch gehabt haben - was verständlich ist, denn aus dem Umkreis des Verfassungsrates hätte sehr wohl während des Gesetzgebungsverfahrens eine Vorwarnung kommen können; der Conseil constitutionnel ist schließlich kein Gericht.

Jetzt ist die Schadenfreude aller Anti-Sarkozysten von rechts bis links groß. Sie delektieren sich daran, dass ihrem Lieblingsgegner seit der "rentrée" im Herbst, also dem Ende der Sommerferien, ziemlich viel daneben gegangen ist, von der Personalpolitik über die Vertretung ökonomischer Interessen im Ausland bis zur fragwürdigen, aus dem Ruder laufenden Debatte über die "nationale Identität.

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Frankreichs Opposition reagiert geradezu reflexhaft darauf, dass der Präsident den Spontispruch von der "Politik in der ersten Person" auf seine Weise umsetzt und das ohnehin zum Wahlkönigtum tendierende Präsidentialsystem des Landes egomanisch an seine Grenzen treibt: Die Gegner des Präsidenten sehen in jeder Sachfrage erst recht nur eine Sarkozy-Frage. Sie jubeln, sobald er sich ärgert.

Der Fall der "Kohlenstoffsteuer", wie sie in Frankreich genannt wird, ist ein bedauerliches Beispiel dafür. Denn die ist eigentlich sehr klug.

Das europäische System des Handels mit Emissionsrechten erreicht nämlich nur die großen punktuellen Quellen, insgesamt etwa 11.000 industrielle Großanlagen, nicht aber die vielen hundert Millionen verstreuten, kleinen Quellen, insbesondere die Haushalte und Fahrzeuge. Die Bürger mittels einer Verbrauchssteuer zum Umlenken ihres Energiekonsums zu bewegen, ist genau der richtige Ansatz. Dass er sich auf Kohlendioxid und nicht generell auf den Stromverbrauch bezieht, ist in einem Land wie Frankreich, dessen Strom überwiegend nuklear und daher klimaneutral erzeugt wird, nur konsequent (dass der günstige Atomstrom zum sorglosen Umgang mit Energie jedweder Art anreizt, steht auf einem anderen Blatt).

Die Idee umzusetzen fiel der Regierung indes aus mehreren Gründen schwer. Erstens: Nur die Kleinbetriebe und Privathaushalte zu besteuern, das geht schlecht in einem Land, dessen Bevölkerung dichotomisch denkt und allenthalben den Betrug der Reichen an den Armen wittert - oft zu Recht. Zweitens: Ausgerechnet jene wirtschaftlich minderbemittelte Mehrheit der Wähler, die in Stadtnähe auf dem Lande wohnt und pendelt ("la France pavillonaire"), mit Abgaben zu belasten, war unmittelbar vor den Regionalwahlen im kommenden März inopportun. Drittens: Der Wirtschaft mitten in der Krise neue Lasten aufzubürden, auch das ging nicht. Viertens: Landwirte und Fischer sind zwar eine kleine, aber sehr sichtbare Minderheit, getragen von der Sympathie des Volkes, und ihre Proteste mussten unter allen Umständen vermieden werden.

Also erblickte ein Gesetzestext das Licht der Welt, der allerhand Kompensationen enthielt. Er unterscheidet zwischen Stadt- und Landbewohnern und hätte zwar auf Öl, Gas und Kohle Anwendung gefunden, nicht aber auf Strom. Die Kompensationen gefährdeten zwar nicht den Steuerungszweck des Gesetzes als solches, allerdings nagten sie, weil sie mit der Einkommenssteuer wuchsen, ein weiteres Mal am Prinzip der Steuerprogression.

Leser-Kommentare
  1. 1. ?

    "Dass der günstige Atomstrom zum sorglosen Umgang mit Energie jedweder Art anreizt, steht auf einem anderen Blatt."

    Wo ist denn hier der Zusammenhang?

  2. von Hypothese gehört?
    Denken, bevor schreiben bitte. danke.

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    Der fragliche Satz über den Zusammenhang zwischen günstigem Strompreis und dem "sorglosen Verbrauch sonstiger Energie" kann durchaus als Hypothese betrachtet werden.

    Und?

    Worauf begründet sich diese Annahme; wo ist hier der Zusammenhang?

    Der fragliche Satz über den Zusammenhang zwischen günstigem Strompreis und dem "sorglosen Verbrauch sonstiger Energie" kann durchaus als Hypothese betrachtet werden.

    Und?

    Worauf begründet sich diese Annahme; wo ist hier der Zusammenhang?

    • peter2
    • 30.12.2009 um 17:48 Uhr

    für was gut? z.B.,um die Staatsfinanzen zu sanieren. in heutigen Berichten anderer Medien wurde nun schon vorgeschlagen, jedes Lebensmittel mit einem CO2-Pass auszustatten.
    Wann wird diese Klima- und CO2-Hysterie endlich gestoppt? Es wird allmählich unerträglich!

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    • joG
    • 31.12.2009 um 9:54 Uhr

    ...durchaus ein effizientes Instrument, wenn man den CO2 Ausstoß reduzieren will. Da gibt es keine Frage. Das ist Basiswissen. Dass eine solche Steuer transparent sein muss und allgemein ist allerdings auch klar. Auch darin gibt es keine offene Frage. Gegen dieses Prinzip hatte offenbar das dortige Gesetz verstoßen.

    • joG
    • 31.12.2009 um 9:54 Uhr

    ...durchaus ein effizientes Instrument, wenn man den CO2 Ausstoß reduzieren will. Da gibt es keine Frage. Das ist Basiswissen. Dass eine solche Steuer transparent sein muss und allgemein ist allerdings auch klar. Auch darin gibt es keine offene Frage. Gegen dieses Prinzip hatte offenbar das dortige Gesetz verstoßen.

    • xpol
    • 30.12.2009 um 17:50 Uhr

    ... kommen auch in Frankreich nicht an.

    Energie jeder Form ist bereits mit Steuern belastet und niemand verbrennt teure Energieträger zum Spass.
    Die Bemessung nach CO2-Emission benachteiligt den Normalbürger gegenüber der Industrie, der ja (in Frankreich) Atomstrom zu Verfügung steht.

    Aber Doppelbesteuerung scheint in Mode zu kommen:
    Bei uns ist es immer wieder die Vermögenssteuer, bei der versteuertes Geld noch einmal besteuert werden soll, nur weil es nicht ausgegeben wurde.

    Vorschlag:
    Keine Begründungen und Vorwände mehr, sonder der Einheitsbegriff "Sondersteuer" und durchnummerieren.

  3. 5.

    Die Besteuerung von heißer Luft ist für's erste verboten. Immerhin düfte das dazu führen, daß die Bundesregierung Sarkos Beispiel etwas vorsichtiger folgen dürfte. Heute muß man mit Kleinigkeiten zufrieden sein.

    • vikvik
    • 30.12.2009 um 22:09 Uhr

    ...das er die Steuer noch mal auf den Weg bringt, aber diesmal ohne Ausnahmen. Für alle umweltverpestende Energie, soll dann natürlich auch für Atomstrom gelten. Damit endlich mal passiert im Punkto Umweltschutz!

    .....warum wird eigendlich Kerosin nicht besteuert? Wenn schon die ganzen Vielflieger nichts verstehen, dann soll deren Portemaine es zu spüren kriegen!!!

  4. Der fragliche Satz über den Zusammenhang zwischen günstigem Strompreis und dem "sorglosen Verbrauch sonstiger Energie" kann durchaus als Hypothese betrachtet werden.

    Und?

    Worauf begründet sich diese Annahme; wo ist hier der Zusammenhang?

    Antwort auf "Schon mal etwas"
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    Wir wohnen beispielsweise in einer typischen Pariser Altbauwohnung: ungedämmt, im Sommer per elektrischer Klimaanlage gekühlt, im Winter mit derselben geheizt. Kostet wenig, schadet der Umwelt nicht. So wohnen viele, und sie gehen mit Energie infolgedessen sorglos um. Glaubt jemand, in ihrem fossil beheizten Ferienhaus auf dem Lande oder eventuell in einer anderen, fossil geheizten Wohnung geht diese Gewohnheit verloren? Wohl kaum. Es kommt hinzu, dass in den peak load Situationen auf importierten Fossilstrom zurückgegriffen werden muss.

    Wir wohnen beispielsweise in einer typischen Pariser Altbauwohnung: ungedämmt, im Sommer per elektrischer Klimaanlage gekühlt, im Winter mit derselben geheizt. Kostet wenig, schadet der Umwelt nicht. So wohnen viele, und sie gehen mit Energie infolgedessen sorglos um. Glaubt jemand, in ihrem fossil beheizten Ferienhaus auf dem Lande oder eventuell in einer anderen, fossil geheizten Wohnung geht diese Gewohnheit verloren? Wohl kaum. Es kommt hinzu, dass in den peak load Situationen auf importierten Fossilstrom zurückgegriffen werden muss.

  5. Die katholische Kirche hat damals Ablässe verkauft, um Sündern die finanzielle Abkürzung zum Himmelreich, und sich selbst die finanzielle Konsolidierung zu bringen. Dieses Konzept ist gescheitert und hat die Reformation ausgelöst.
    Bin gespannt wie stark die bürgerlichen Beharrungskräfte diesmal sind.

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