Klimagipfel Kopenhagen Aufstand der Kleinen

Der Klimagipfel war nicht nur ein Misserfolg: Zum ersten Mal in der Geschichte der UN-Klimakonvention haben sich die ärmsten Länder gegen den Rest der Welt gewehrt.

Delegierte aus fast allen Ländern der Welt waren zu den Klimaverhandlungen in Kopenhagen (in der Mitte Ahmed Abdallah Sambi, Präsident des Inselstaates Komoren)

Delegierte aus fast allen Ländern der Welt waren zu den Klimaverhandlungen in Kopenhagen (in der Mitte Ahmed Abdallah Sambi, Präsident des Inselstaates Komoren)

Schon lange vor dem Showdown der letzten Nacht, hatte die Klimakonferenz von Kopenhagen so manche Absurdität zu bieten. Während die einen draußen vorm Tagungszentrum teils geduldig, teils verzweifelt auf Einlass warteten, drohten andere drinnen mit dem Verlassen der Gespräche. Vor den Toren des Bella Centers im Süden der dänischen Metropole mussten Hunderte Delegierte von Nichtregierungsorganisationen über Stunden in Schnee und Kälte stehen, bevor sie sich registrieren und als Beobachter teilnehmen konnten. Die überforderten Veranstalter konfrontierten die Vertreter der Zivilgesellschaft täglich mit neuen Einschränkungen, bis zuletzt nicht einmal mehr Hundert von ihnen hineingelassen wurden.

Zeitgleich erwogen innerhalb des Centers die Delegationen der ärmsten Entwicklungsländer einen Boykott aus Unmut über den Verlauf der Verhandlungen. Trotz dieser gegensätzlichen räumlichen Ambitionen schien beiden Gruppen bis kurz vor Ende eines gemeinsam: ihr mangelnder Einfluss auf den Ausgang der Gespräche.

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Dass es schließlich anders kam und ausgerechnet die vermeintlich schwächsten Staaten der Kopenhagener Konferenz ihren Stempel aufdrückten, darf man getrost als Beginn einer neuen Ära in den internationalen Klimaverhandlungen werten. Mit ihrem Widerstand gegen einen von Industrieländern sowie führenden Entwicklungsländern abgesegneten Kompromiss brachen die ärmsten Nationen gleich mit zwei ehernen Traditionen in der 17-jährigen Geschichte der UN-Klimakonvention. Zum einen hatte die mittlerweile 130 Mitglieder umfassende Gruppe der Entwicklungsländer in zentralen Fragen bisher stets Einigkeit demonstriert, ungeachtet der beträchtlichen internen Diskrepanzen in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und ihrer Betroffenheit durch den Klimawandel. Zum anderen war es regelmäßig ein kleiner Zirkel mächtiger Staaten gewesen, der in den letzten Stunden einen Durchbruch aushandeln konnte, so geschehen in Kyoto 1997 und in Bali vor zwei Jahren. 

Dieses Konzert der Mächtigen versucht man gerne mit dem Hinweis darauf zu legitimieren, dass es zugleich die stärksten Emittenten von Treibhausgasen an einen Tisch bringt. Doch eine solche Cliquenbildung der Klimawandelverursacher vernachlässigt zwangsläufig die Interessen der Gruppen, die nicht geladen sind: die am wenigsten entwickelten Länder, kleine Inselstaaten und die Koalition der afrikanischen Länder.

Noch bis zum späten Abend des letzten Verhandlungstages schien alles diesen gewohnten Gang zu gehen. Während sich im Vordergrund ein Defilee von nicht weniger als 119 Staats- und Regierungschefs am Rednerpult abwechselte, tagte US-Präsident Obama hinter verschlossenen Türen mal mit den Führern von 24 Industrie- und Schwellenländern, mal bilateral mit Chinas Premier Wen Jiabao. Anschließend ließ er es sich kurz vor seinem Abflug nicht nehmen, als Erster das vermeintliche Last-Minute-Ergebnis zu verkünden. Ganz nebenbei leistete er mit diesem Alleingang einen Beitrag zur weiteren Schwächung der unglücklich agierenden dänischen Verhandlungsführung unter Premier Rasmussen.

Fast täglich hatten entweder die Gastgeber selbst oder die verschiedenen Ländergruppen neue Entwürfe für eine Abschlusserklärung lanciert. Dies steigerte nicht nur die Unübersichtlichkeit der ohnehin an Themen und Zankäpfeln nicht armen Konferenz. Schlimmer noch: die Verwässerung des Kopenhagen Abkommens wurde erst recht befördert – bis zu einem Maße, das für die ärmeren Entwicklungsländer nicht mehr akzeptabel war.

Zu Recht monierten sie das Fehlen eines klaren Zeitplans, der zu einem bindenden Abkommen führen würde, und das bloße Lippenbekenntnis, einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur über 2 Grad Celsius zu vermeiden. Dessen ungeachtet birgt der von vielen armen Ländern abgelehnte Kompromiss einige verwertbare Elemente für ein künftiges Vertragswerk. Dies gilt zum Beispiel für die von Obama mediengerecht betonte Bereitschaft von Schwellenländern zur Emissionsbegrenzung. Ferner kündigten die Industrieländer an, bis 2012 30 Milliarden und ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar für Emissionsminderungen und Anpassungsmaßnahmen von Entwicklungsländern bereitzustellen.

Leser-Kommentare
  1. Das ist ja alles recht schön und gut, aber am Ende sind ja eben diese Kleinen die großen Verlierer.
    Europa, Nordamerika und China können sich einen Klimawandel "leisten".
    Das sich wenns wirklich drauf ankommt jeder der Nächste sollte niemanden überraschen, doch wie wenig der einfache "westliche" Bürger über die Armen dieser Welt nachdenkt sieht man ja in Darfur und an dem Geschrei Afganistan sofort zu verlassen.
    Am Ende werden die Reichen sich abschotten und den Rest der Welt verkommen/verhungern lassen.
    Mit ein paar Milliarden Menschen weniger sollte sich auch die Natur wieder erholen. Brutal und ich hoffe sehr das ich mich irre - oder es nicht mehr erlebe.

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    • keox
    • 21.12.2009 um 19:38 Uhr

    Unter den Verwertungsbedürfnissen des Kapitals ist der größte Teil der Menschheit verzichtbar, selbst als Konsument ein Flop.

    Was also tun? Richtig, man eliminiert die Reibungsverluste. Reibungsverluste entstehen im Kapitalismus oft durch Menschen.

    Sie wollen zu viel, sie wollen von ihrer Arbeit angemessen leben können, wenn sie keine Arbeit haben, muß man sie trotzdem auf Haustierniveau am Leben halten.

    Ja, richtig, sie sind schon sehr nützlich, diese Billigstlöhner. Immerhin zahlt D€utschland mittlerweile die miesesten Reallöhne in €uropa.

    Aber es gibt denn doch weltweit einfach zu viele von ihnen. Jetzt überlegen Sie doch mal, was wäre, es gäbe die Afrikaner nicht mehr. Strange, oder?

    Aber Afrika mit seinen Bodenschätzen bleibt, Heerscharen bestens ausgebildeter Spezialisten der diversen Großmächte würden diesen Kontinent zu ihrem neuen El Dorado erklären,
    mit dem zu erwartenden Ergebnis, daß der Kampf um Afrika nun um so erbitterter weitergeht.

    Und so weiter und so fort...

    Und irgendwann hat sich der Kampf entschieden - zumindest vorerst - die Verteilung der Welt ist geregelt, man hat jetzt verbindliche Regeln für die Bewässerung der Golfplätze, für die Etikette, man weiß einfach, wie man zu sein hat.

    Es läuft ja auch zufriedenstellend. Sehen Sie, wir haben zur Zeit möglicherweise noch eine Anzahl weltweit von 500 Millionen Wertschöpfern.

    Der Rest...

    So weit die Theorie.

    • keox
    • 21.12.2009 um 19:38 Uhr

    Unter den Verwertungsbedürfnissen des Kapitals ist der größte Teil der Menschheit verzichtbar, selbst als Konsument ein Flop.

    Was also tun? Richtig, man eliminiert die Reibungsverluste. Reibungsverluste entstehen im Kapitalismus oft durch Menschen.

    Sie wollen zu viel, sie wollen von ihrer Arbeit angemessen leben können, wenn sie keine Arbeit haben, muß man sie trotzdem auf Haustierniveau am Leben halten.

    Ja, richtig, sie sind schon sehr nützlich, diese Billigstlöhner. Immerhin zahlt D€utschland mittlerweile die miesesten Reallöhne in €uropa.

    Aber es gibt denn doch weltweit einfach zu viele von ihnen. Jetzt überlegen Sie doch mal, was wäre, es gäbe die Afrikaner nicht mehr. Strange, oder?

    Aber Afrika mit seinen Bodenschätzen bleibt, Heerscharen bestens ausgebildeter Spezialisten der diversen Großmächte würden diesen Kontinent zu ihrem neuen El Dorado erklären,
    mit dem zu erwartenden Ergebnis, daß der Kampf um Afrika nun um so erbitterter weitergeht.

    Und so weiter und so fort...

    Und irgendwann hat sich der Kampf entschieden - zumindest vorerst - die Verteilung der Welt ist geregelt, man hat jetzt verbindliche Regeln für die Bewässerung der Golfplätze, für die Etikette, man weiß einfach, wie man zu sein hat.

    Es läuft ja auch zufriedenstellend. Sehen Sie, wir haben zur Zeit möglicherweise noch eine Anzahl weltweit von 500 Millionen Wertschöpfern.

    Der Rest...

    So weit die Theorie.

  2. ...ich meine ja nicht, dass 30 oder auch 100 Milliarden, egal ob $ oder €, wenig sind. Aber wenn unser österreichisches Bundesland Kärnten aktuell für einer Bankenpleite mit 18 Milliarden € haftet, müssen doch 30 Milliarden für dieses Vorhaben eine lächerliche Summe sein.

    Warum sagen die Damen und Herren nicht einfach was sie denken.

    "Wie die Zukunft aussieht ist egal, hauptsache mir geht es gut.".

    Mir ist richtig übel bei dem was hier alles passiert. Ich denke es sollte einen vernünftigen, demokratischen Wechsel geben. Und schon wieder beim alten Thema: "Volksabstimmungen!"

    • kkr
    • 21.12.2009 um 15:36 Uhr

    mit dem Scheitern des Kopenhagener Gipfels haben die "Kleinen" sicherlich ein Coup gelandet, nur ist es fragwürdig wann wieder ein Gipfel und die Bereitschaft da ist, solche weit reichende Vereinbarungen abzuschließen. Denn die Großen haben ganz andere Interessen und werden jetzt erst mal schmollen und sich um ihre eigenen Probleme kümmern.

  3. die kleinen zu schützen.
    Das ist unser Geldbeutel und Zölle.Wenn Produkte eingeführt
    werden,die ohne Menschenrechte und ökologische Auflagen
    produziert worden sind,so sollten die nicht eingeführt
    werden dürfen.Wenn Inseln und Küstenregionen,auf Grund unserer Emissionen untergehen,so gäbe es ein einfaches Mittel:
    Die fossilen Brennstoffe deutlich zu verteuern und
    mit dem Geld die Ärmsten zu unterstützen.
    Diese Vorgangsweise wäre viel effektiver und ist letztlich
    Verursacherorientiert.Wir brauchen dafür keinen Emissionshandel.
    Wir können letztlich damit auch unsere Produktion schützen,
    da Produkte,die sehr weit her transportiert werden müssen
    damit wesentlich teurer als unsere Produkte werden.
    Ausserdem könnten wir unsere Produkte wesentlich langlebiger
    produzieren und mit der Fähigkeit ausstatten diese wieder
    zu reparieren.Wie viel Kleingewerbe durch solche Reparaturfirmen
    entstehen könnte?
    Bei diesem System könnten viele sehr gut leben und einige
    würden viel verlieren.Jetzt leben einige ausserordentlich gut
    und viele leben am Existenzminimum.
    Vielleicht eine weihnachtliche Idee ...

  4. Es ist wenig hilfreich, eine grob vereinfachende Einteilung in Arme und Reiche vorzunehmen. Die Welt sieht schon seit langem nicht mehr so übersichtlich aus. Nachhaltige Entwicklungshilfe hat weniger mit Geldmangel als mit der begrenzten Absorptionsfähigkeit sich entwickelnden Länder zu tun. Es sind diese Länder selbst, die ihre Entwicklungsziele formulieren. Programmansätze zum Erreichen dieser Ziele können dann finanziell unterstützt werden. Wenn aber dann ein offensichtlicher Mangel an politischem Willen und Ernsthaftigkeit bei der Umsetzung wahrzunehmen ist, wie soll dann verfahren werden? Es muss daran erinnert werden, dass Anpassung an Klimawandel im allgemeinen wenig Geld kostet. Verminderte Abholzung von Waldbeständen, sinnvolle und nachhaltige Landnutzungsplanung, Schutz von Grundwassereinzugsgebieten, Verhinderung von Ansiedlung von Subsistenzbauern in semiariden Landstrichen, Begrenzung von Viehbestand in 'fetten Jahren', Verbreitung angepasster Technologien, Einsatz von Trockenheitsresistentem Saatgut etc kosten alle wenig und können bereits jetzt von den meisten Entwicklungsändern aus existierenden Mitteln finanziert werden, wenn sie denn in diesem Sinne Prioritäten setzten. Man tut einem sich entwickelnden Land langfristig keinen Gefallen, wenn man ihm ständig die Rolle eine Opfers zumisst. Retroaktive Schuldenaufrechnung ist ebenfalls kein guter Ausgangspunkt für zukunftsorientierte Entwicklung. Ein Vergleich zwischen z.B Simbabwe und Ruanda illustriert dies.

  5. dass sie für nachhaltige Senkungen der CO2-Emissionen(noch nicht) benötigt werden, weil sie im Vergleich zur entwickelten Welt zu wenig produzieren. So gesehen ist ihre Verhandlungsbasis eher schwach, man braucht sie nur zum Zustimmen. Und ablehnen können sie auch schlecht, sonst gibt's ganz einfach kein Geld.

    Das Problem waren die Großen (China, USA)!

  6. oder hat sich die community seit Einführung des neuen layouts (oder wie das heisst) und den neuen Regeln für das Forum politisch um nahenzu 180% gedreht? Ich verfolge die Beiträge nun seit Jahren und bin sehr sicher, dass ein Schwenk von einer mehrheitlich links- zu einer überwiegend konservativ-liberal- bis deutlich rechtsorientierten community stattgefunden hat-und dies ziemlich abrupt.Seh nur ich das so?Hat jemand dafür eine vernünftige Erklärung?

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    • keox
    • 21.12.2009 um 18:33 Uhr

    Ich vermute - das schrieb ich auch der Redaktion, ohne Antwort - das war der Zweck der neuen 'Gestaltung'.

    Mir war von Anfang an klar, damit wird eine Kommunikation unter Kommentatoren schwerstwiegend behindert. Ich hatte ebenso von Anfang an den naheliegenden Verdacht, genau das sei das Ziel der Übung.

    Daß bei gestörter Kommunikation die Rechten Erfolge verzeichnen ist nix Neues.

    "Du bist nicht allein...la.la.la.."

    • keox
    • 21.12.2009 um 18:33 Uhr

    Ich vermute - das schrieb ich auch der Redaktion, ohne Antwort - das war der Zweck der neuen 'Gestaltung'.

    Mir war von Anfang an klar, damit wird eine Kommunikation unter Kommentatoren schwerstwiegend behindert. Ich hatte ebenso von Anfang an den naheliegenden Verdacht, genau das sei das Ziel der Übung.

    Daß bei gestörter Kommunikation die Rechten Erfolge verzeichnen ist nix Neues.

    "Du bist nicht allein...la.la.la.."

    • keox
    • 21.12.2009 um 18:33 Uhr

    Ich vermute - das schrieb ich auch der Redaktion, ohne Antwort - das war der Zweck der neuen 'Gestaltung'.

    Mir war von Anfang an klar, damit wird eine Kommunikation unter Kommentatoren schwerstwiegend behindert. Ich hatte ebenso von Anfang an den naheliegenden Verdacht, genau das sei das Ziel der Übung.

    Daß bei gestörter Kommunikation die Rechten Erfolge verzeichnen ist nix Neues.

    "Du bist nicht allein...la.la.la.."

    Antwort auf "Täusche ich mich..."

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