Klimagipfel in Kopenhagen Entwicklungsländer sind empört über "dänischen Entwurf"
Wer trägt welche Last im Klimaschutz? Der Streit zwischen Entwicklungs- und Industriestaaten ist in Kopenhagen offen ausgebrochen. Anlass war ein Vorschlag der Gastgeber.
© Attila Kisbenedek/AFP/Getty Images

Nachdenkliche und skeptische Blicke in den Reihen der Entwicklungsländer: Sie befürchten eine Begünstigung der Industriestaaten
Am Dienstag hatte der britische Guardian eine Version des bislang im kleinen Kreis diskutierten "dänischen Texts" im Original veröffentlicht. Das Blatt schrieb, es handle sich um den Entwurf eines möglichen Klimaabkommens, dem zufolge die Industriestaaten pro Kopf im Jahr 2050 doppelt so viel Kohlendioxid emittieren dürften wie die Entwicklungsländer. Das Papier sehe eine schwächere Rolle als bisher für die UN vor, es verlasse den Pfad des Kyoto-Abkommens und spalte die Entwicklungsländer in "besonders betroffene" und andere Staaten. Darüber hinaus sollten die Entwicklungsstaaten sich auf spezifische, absolute Minderungsziele einlassen – eine Verpflichtung, die bisher nicht in der Diskussion war.
Zwar stehen all diese Punkte nicht unmittelbar in dem vom Guardian im Original veröffentlichten Entwurf. Doch der Text sieht vor, dass die weltweiten Emissionen bis 2050 um "mindesten 50 Prozent" gegenüber 1990 sinken sollen und dass die entwickelten Länder ihre Emissionen um "80 Prozent oder mehr" reduzieren sollen. Daraus ergibt sich die ungleiche Pro-Kopf-Verteilung der Emissionen und alles Weitere.
Die Entwicklungsländer reagierten empört. Auch Umweltschützer kritisierten das Papier als einseitige Lenkung der Verhandlungen zugunsten reicher Staaten. Der sudanesische G-77-Sprecher Lumumba Stanislaus Di-Aping warf dem dänischen Regierungschef Lars Løkke Rasmussen vor, mit dem Text-Entwurf "einseitig die Interessen der reichen Länder zu schützen". Die Gipfelgastgeber hätten "unausgewogene Papiere" als Verhandlungsgrundlage vorgelegt. Es sei auch nicht förderlich, dass Dänemarks Ministerpräsident "einseitig die Interessen einer bestimmten Staatengruppe fördert und beschützt". Die reichen Länder würden ihre alten kolonialistischen Ziele nun auch in der Klimapolitik verfolgen.
Konkret kritisierte der G-77-Sprecher, dass die Dänen auf ein neues Klimaabkommen statt der Fortschreibung des bisherigen Kyoto-Abkommens setzen wollen. Damit würden erstmals auch den Entwicklungsländern Verpflichtungen von weniger CO2- und anderen Treibhausgas-Emissionen auferlegt.
"Der Text geht gegen alles, für das wir vor diesem Gipfel eingetreten sind", sagte Di-Aping. "Es entspricht wohl kaum den Pflichten der Gastgeber zu neutraler Verhandlungsführung, wenn mit diesem Text die Entwicklungsländer erneut ausgeplündert und ihrer Rechte beraubt werden sollen." Den von vielen befürchteten Auszug der Entwicklungsländer von der Klimakonferenz schloss der Sudanese aber vorerst aus.
Auch die Umweltstiftung WWF kritisierte den bisher kursierenden Entwurf als "schwach, zu elitär, selektiv und intransparent". WWF-Klimachef Kim Carstensen unterstellte den Dänen, den reichen und mächtigen Staaten der Welt gefallen zu wollen, anstatt der ärmeren Mehrheit zu dienen.
Wesentlich schärfere Worte fand das Netzwerk Climate Justice Action. Sie werfen den Industriestaaten "C02-Rassimus" vor. So sei der sogenannte "Dänische Text" von einer kleinen Gruppe von Diplomaten aus Dänemark, Großbritannien, den USA und einigen wenigen anderen Ländern entworfen worden und zeige, "dass es zentralen Akteuren bei den Verhandlungen nicht darum geht, das Klima zu schützen und damit soziale Katastrophen zu vermeiden", sagte ein Sprecher der Aktivistengruppe. Stattdessen solle ein neues Abkommen die ökonomische Position der Industrieländer verteidigen, indem der Süden härtere Einschnitte vornehmen soll als der Norden.
Die dänische Delegation bemühte sich um eine Entschärfung des Konfliktes. Es zirkulierten viele verschiedene Texte, mit denen man lediglich Verhandlungsspielräume austesten wollte, verlautete aus der Umgebung der Gipfel-Präsidentin Connie Hedegaard. Der Chef des UN-Klimarats, Yvo de Boer, nannte den im Konferenzzentrum zirkulierenden Text einen "informellen Entwurf für einen kleinen Kreis von Kommentatoren".
Abgesehen vom Streit um das dänische Papier dringen die vom Klimawandel besonders betroffenen Inselstaaten grundsätzlich auf ehrgeizigere und konkrete Zusagen der Industriestaaten. Die von den reichen Ländern zugesagten Emissionssenkungen reichten bei Weitem nicht aus, kritisierte die Staatengruppe. Die Inselstaaten fordern bis zum Jahr 2020 Emissionssenkungen von 45 Prozent im Vergleich zu 1990. Deutschland peile aber nur 40 Prozent an, die EU insgesamt und einige Staaten 30 Prozent, kritisierte die Vorsitzende der 43 Länder umfassenden Allianz kleiner Inselstaaten (Aosis), die Grenaderin Dessima Williams. "Nötig sind jetzt aber ehrgeizige Ziele."
Der seit Langem schwelende Streit zwischen China und den USA über die einzelnen Zusagen der beiden größten Klimasünder sorgte für weitere Auseinandersetzungen in Kopenhagen. Die chinesische Delegation verlangte von den US-Amerikanern weitergehende Schritte und warf den Industrieländern generell vor, zu wenig zur Milderung der Folgen des Klimawandels für die Entwicklungsländer zu tun. Dies könne nicht sein, da ja schließlich sie eindeutig die Hauptverantwortlichen für den globalen Temperaturanstieg seien.
- Datum 09.12.2009 - 15:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, ae.
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... worum es geht.
Übrigens ein Links - wie die Copenhagener-Diplomaten auf den Gipfel eingeschworen wurden (unterlegt mit kritischen Kommentaren.)
http://www.youtube.com/wa...
...auf die Basis der des pro Kopf Verbrauchs in nationalen Staaten zu beschränken ist wirtschaftlicher Unsinn und in sich ineffizient. Es handelt bei CO2 um den Externen Effekt, den es hat. Dafür gibt eine wirtschaftstheoretische Lösung. Man besteuert die Verpuffungsmenge. Der höhere Preis für den Verpuffer führt zu verringerter Verwendung und der Substitution hin zu CO2 weniger intensiven Produktionsverfahren.
Länder, die nicht mitmachen produzieren dann mit den alten billigeren Verfahren weiter. Produkte aus diesen Ländern werden besteuert nach der CO2 Intensität ihrer Produktion oder der geschätzten CO2 Intensität des exportierenden Landes bei Einfuhr in Gebiete, die die eigene Produktion besteuern.
...auf die Basis der des pro Kopf Verbrauchs in nationalen Staaten zu beschränken ist wirtschaftlicher Unsinn und in sich ineffizient. Es handelt bei CO2 um den Externen Effekt, den es hat. Dafür gibt eine wirtschaftstheoretische Lösung. Man besteuert die Verpuffungsmenge. Der höhere Preis für den Verpuffer führt zu verringerter Verwendung und der Substitution hin zu CO2 weniger intensiven Produktionsverfahren.
Länder, die nicht mitmachen produzieren dann mit den alten billigeren Verfahren weiter. Produkte aus diesen Ländern werden besteuert nach der CO2 Intensität ihrer Produktion oder der geschätzten CO2 Intensität des exportierenden Landes bei Einfuhr in Gebiete, die die eigene Produktion besteuern.
na wunderbar, da heben sich im vorfeld aber die journalisten wohl komplett verschätzt, in dem sie die dänsiche umweltministerin so lobten, also kommunikationstalent dürfte sie keines sein, wenn jetzt ein offener streit ausgebrochen ist
"Auf Connie Hedegaard kommen stürmische Zeiten zu: Die dänische Umweltministerin ist Gastgeberin der Klimakonferenz, auf der sie ab heute Anspruch und Wirklichkeit versöhnen muss. Die Chancen, dass ihr dieses Kunststück gelingt, stehen gut. Denn die Vollblutpolitikerin ist ein politisches Kommunikationstalent."
Na jetzt werden die Faulen fleißig, aber nur beim beleidigen. Das kenne ich doch irgendwoher.
Der Text ist auch von US-Diplomaten entworfen worden. Heißt das, dass Obama ein Klima-Rassist ist?
Rassismus ist ein Charakteristikum der minderwertigen, der weißen Rasse. Die Angehörigen der höherwertigen, der schwarzen Rasse können schon per Definition keine Rassisten sein.
[Anmerkung: Bitte kennzeichnen Sie Ironie. Vielen Dank. Die Redaktion/ew]
Rassismus ist ein Charakteristikum der minderwertigen, der weißen Rasse. Die Angehörigen der höherwertigen, der schwarzen Rasse können schon per Definition keine Rassisten sein.
[Anmerkung: Bitte kennzeichnen Sie Ironie. Vielen Dank. Die Redaktion/ew]
>Denn die Vollblutpolitikerin ist ein politisches Kommunikationstalent."
Euphemistisch für Labbertasche?
...auf die Basis der des pro Kopf Verbrauchs in nationalen Staaten zu beschränken ist wirtschaftlicher Unsinn und in sich ineffizient. Es handelt bei CO2 um den Externen Effekt, den es hat. Dafür gibt eine wirtschaftstheoretische Lösung. Man besteuert die Verpuffungsmenge. Der höhere Preis für den Verpuffer führt zu verringerter Verwendung und der Substitution hin zu CO2 weniger intensiven Produktionsverfahren.
Länder, die nicht mitmachen produzieren dann mit den alten billigeren Verfahren weiter. Produkte aus diesen Ländern werden besteuert nach der CO2 Intensität ihrer Produktion oder der geschätzten CO2 Intensität des exportierenden Landes bei Einfuhr in Gebiete, die die eigene Produktion besteuern.
Das ist zwar ein weit verbreitetes Konzept nur sollte man beim Klimaschutz den Weg des geringeren Widerstands gehen, wenn sich sowieso alle schon die Köpfe einschlagen.
Die Menschen in Deutschland z.B. reagieren eh schon empfindlich genug auf Steuern - aus gutem Grund.
Vlt solltest du auch Bedenken, was die Auswirkungen wären wenn plötzlich alle Produkte, die mit hohem CO2-Ausstoß hergestellt werden teurer werden.
Dann mal Tschüss zu Dacia, H&M Klamotten, Plastikprodukten usw... diese Produkte sind auch wegen niedriger Umweltauflagen so billig nicht nur wegen der billigeren Arbeitsplätze.
Desweiteren werden Länder wie China, Kanada oder die USA da bestimmt nicht mitspielen.
Politik ist eben nicht so einfach wie Wirtschaftstheorie!
Das klingt meiner Meinung nach einer extrem sinnvollen Lösung. Letztlich dreht sich ja alles darum den klimaschädlichen CO2-Ausstoss zu reduzieren - was also läge näher als genau diesen einfach zu besteuern? Diese wäre die direkteste und fairste Lösung, bei der wegen der Steuer jeder versuchen würde nur soviel CO2 auszustossen wie wirklich nötig.
Das einzige Problem das ich sehe wäre wirklich die Frage was man mit Ländern macht die sich dieser Regelung verweigern. Aber wie Sie bereits angesprochen haben gäbe es da ja durchaus Möglichkeiten.
CO2-pro-Kopf-Regelungen hingegen sind wirklich alles andere als eine optimale Lösung. Das trifft manche Länder völlig anders als andere, nur weil Land A vielleicht mehr XY-Industrie hat als Land B.
Das ist zwar ein weit verbreitetes Konzept nur sollte man beim Klimaschutz den Weg des geringeren Widerstands gehen, wenn sich sowieso alle schon die Köpfe einschlagen.
Die Menschen in Deutschland z.B. reagieren eh schon empfindlich genug auf Steuern - aus gutem Grund.
Vlt solltest du auch Bedenken, was die Auswirkungen wären wenn plötzlich alle Produkte, die mit hohem CO2-Ausstoß hergestellt werden teurer werden.
Dann mal Tschüss zu Dacia, H&M Klamotten, Plastikprodukten usw... diese Produkte sind auch wegen niedriger Umweltauflagen so billig nicht nur wegen der billigeren Arbeitsplätze.
Desweiteren werden Länder wie China, Kanada oder die USA da bestimmt nicht mitspielen.
Politik ist eben nicht so einfach wie Wirtschaftstheorie!
Das klingt meiner Meinung nach einer extrem sinnvollen Lösung. Letztlich dreht sich ja alles darum den klimaschädlichen CO2-Ausstoss zu reduzieren - was also läge näher als genau diesen einfach zu besteuern? Diese wäre die direkteste und fairste Lösung, bei der wegen der Steuer jeder versuchen würde nur soviel CO2 auszustossen wie wirklich nötig.
Das einzige Problem das ich sehe wäre wirklich die Frage was man mit Ländern macht die sich dieser Regelung verweigern. Aber wie Sie bereits angesprochen haben gäbe es da ja durchaus Möglichkeiten.
CO2-pro-Kopf-Regelungen hingegen sind wirklich alles andere als eine optimale Lösung. Das trifft manche Länder völlig anders als andere, nur weil Land A vielleicht mehr XY-Industrie hat als Land B.
Also mit der ungleichen Regelung hätte man diplomatisch nicht tiefer ins Klo greifen können, zumal der einseitige Prozentsatz nicht mal klimatisch sinnvoll ist...
Ein Thema, keiner hat eine Ahnung, aber alle reden mit und fordern ein. Was für ein Affentheater umd vor den eigentlichen Themen wie Arbeitslosigkeit, Bildung und Kriminalität abzulenken.
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