Klimagipfel Wandeln durch Handeln

Kopenhagen ist die letzte Chance, eine Lösung für das Klimaproblem zu finden. Doch die Verhandlungen werden eigenartig unernst geführt.

Diese Bank ist größer als die Hypo Real Estate, größer als der amerikanische Versicherungskonzern AIG. Beide Finanzinstitutionen sind im vergangenen Jahr von der deutschen beziehungsweise der amerikanischen Regierung gerettet worden, weil sie als "systemisch" für die jeweiligen Ökonomien eingeschätzt wurden. Von diesem Montag an geht es beim Weltklimagipfel in Kopenhagen um die Basisbank, aus der sich alle Wirtschaften der Welt bisher weitgehend kostenlos bedienen: das Weltklimasystem als Fundament für sämtliche Naturdienstleistungen von der Wasserversorgung bis zur Bereitstellung von Nahrung, Energie oder Metallen. Die Folgen eines Zusammenbruchs dieser Bank wären unabsehbar. Es steht also viel auf dem Spiel in Kopenhagen.

Doch obwohl es für kleine Inselstaaten schlicht ums Überleben geht, und obwohl bis 2050 mit bis zu 200 Millionen Klimaflüchtlingen gerechnet werden muss, wenn die globale Erwärmung nicht aufgehalten werden kann, sind die Verhandlungen darüber eigenartig unernst. Zwar argumentieren beispielsweise die Verhandler aus China, dass ein Abschmelzen der Gletscher im Himalaya-Gebirge die Trinkwasserversorgung einer Vielzahl von Millionenstädten in Asien gefährdet.

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Dennoch will China als seit 2007 größter Emittent von Treibhausgasen lediglich die Kohlenstoffintensität seiner Wirtschaft bis 2020 um 40 bis 45 Prozent im Vergleich zu 2005 senken, also das Wachstum seines Treibhausgasausstoßes verlangsamen, nicht begrenzen. Zwar hat das amerikanische Militär noch in der Regierungszeit des früheren Präsidenten George W. Bush vor den Sicherheitsrisiken eines ungebremsten Klimawandels gewarnt: scheiternde Staaten, Ressourcenkonflikte, Massenflucht. Dennoch schafft es auch die neue amerikanische Regierung unter Barack Obama nicht, der Welt mehr anzubieten als eine Treibhausgasreduktion von etwa vier Prozent bis 2020 im Vergleich zu 1990. Ein Amerikaner verursacht derzeit rund 20 Tonnen Kohlendioxid im Jahr, ein Chinese knapp vier Tonnen. Und die Europäische Union ist so sehr damit beschäftigt, ihre letzte Karte im Spiel – das Geld – geheim zu halten, dass ihr unterdessen ihre Verbündeten in Entwicklungsländern in Scharen von der Fahne gehen. 

Wenn die Weltregierungen so über die Folgen der Finanzkrise verhandelt hätten, wären sie vermutlich reihenweise gestürzt worden. Doch bei der ungleich folgenreicheren Verhandlungsrunde über das Weltklima meinen viele Regierungsvertreter offenbar immer noch, sie würden ungeschoren davonkommen, wenn sie nur den kurzfristigen wirtschaftlichen Vorteil im Auge behalten und keinen Gedanken an ihre Kinder und Enkel verschwenden. Dabei hat die Klimadebatte schon Wahlen entschieden, wie beispielsweise in Australien 2007.

Kopenhagen ist so ziemlich die letzte Chance, noch eine Lösung für das Klimaproblem auszuhandeln. Denn wenn es nicht gelingt, den Höchststand der Treibhausgasemissionen 2015 zu erreichen, wird es spätestens nach 2020 nahezu unmöglich, den Trend noch umzukehren. Das Klimasystem ist langsam, es kann nicht wie ein Auto in einer steilen Kurve herumgerissen werden. Es ist eher ein Tanker, der für eine Wende mehrere Kilometer braucht. Deshalb müssen die Industrieländer in Kopenhagen den überfälligen Weg in eine nahezu kohlenstofffreie Wirtschaft antreten. Die Schwellenländer müssen ihr Wendemanöver starten. Sonst wird es schlicht zu heiß.

Erschienen in Der Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Die Annahme, die Staaten würden zielführend in Richtung Klima handeln, ist irrig. Die Entscheidungsträger wissen sehr wohl,dass sie 2050 vermutlich schon tot sind - auf natürlichem Weg. Es besteht keine hinreichende Motivation, die Verhältnisse zu ändern. Und wie sollte das auch geschehen? Von Europa oder den USA aus? Wir konsumieren massenhaft Artikel, die unter widrigsten Umständen in Asien hergestellt wurden, um möglichst billig versorgt zu werden - unsere Unternehmer leben von den sich aus unserer Kaufkraft und den Niedriglohngebieten ergebenden Maximalmargen. Weder Asien noch die Investoren werden darauf verzichten wollen. Vermutlich wird man versuchen, die auch umwelttechnisch entwickelten Staaten dazu zu zwingen, einen monetären Ausgleich an die Schwellenländer zu zahlen - letztendlich, um eben der global entstaatlichten Finanz- und Konzernwelt ihre Gewinne zu sichern. Vernünftig ist das nicht. Interessanter - auch wettbewerbstechnisch - wäre es, Produkte, die klimafeindlich hergestellt wurden weltweit mit Ausgleichszöllen zu belegen - um das Verursacherprinzip zu wahren. Allerdings befürchte ich, dass dies nicht passieren wird und die, die jetzt schon Klimaschutz betreiben, dafür zahlen werden, dass klimafeindliche Produktionen "weltmarktfähig" bleiben und nur minimal klimaneutraler gestaltet werden. Zumindest sind die Investoren dann beruhigt - der Rest kann über die Klinge springen. Aber man hat es dann ja versucht - wird man später sagen.

  2. Das wäre Augenwischerei. Das Co2-Problem ist nicht mehr beeinflussbar, die Erwärmung kommt. So renommierte Forscher. Aber man kann wahnsinnig bühnenwirksam Engagement zeigen. Mit allen Mitteln Schutz der Erde! Das geht durch die Haushalte, Kinderzimmer, schafft Zuversicht... http://viereggtext.blogsp...

  3. Seit der ersten UN-Klimakonferenz ist das Ziel immer wieder das selbe:
    AB MORGEN, AB MORGEN,
    AB MORGEN TUN WIR WAS WIR KÖNN'.
    AB MORGEN, FANG' WIR MIT DEM AUFHÖREN AN.
    ja UND WENN NICHT MORGEN, DANN BISTIMMT MAL IRGENWANN.

    ...oder so aehnlich :D

    • Hugo_P
    • 07.12.2009 um 11:57 Uhr
    4. Zitat:

    "Deshalb müssen die Industrieländer in Kopenhagen den überfälligen Weg in eine nahezu KOHLENSTOFFFREIE Wirtschaft antreten."

    Mit Verlaub, aber das ist Blödsinn!

    Es soll ja wohl eher um einen schonenden Umgang mit Ressourcen gehen, also den Umweltver- und zumeist -mißbrauch einzuschränken!

    • ERM
    • 07.12.2009 um 13:24 Uhr

    führen wir einfach wieder die Wehrpflicht ein dann können uns die Klimaflüchtlinge mal

    [Anmerkung: Bitte bemühen Sie sich um eine sachliche Diskussion. Vielen Dank. / Die Redaktion as]

  4. Heisst übersetzt:
    Starten durch Warten.
    Aber Hauptsache schicke Konfi, mit lecker Schnittchen am Buffet und lustigen Smalltalk mit Bilderberg und Co.

  5. So lange man den Rauchern mit der Beschreibung der Gefahren
    des Rauchens gekommen ist,Lungenkrebs und viele andere
    Krebsarten,Herzinfarkt etc,so hat das die Raucher
    eigentlich nicht wesentlich tangiert.
    Vielleicht haben sie sogar noch mehr aus Angst geraucht.
    Jetzt ist man dazu übergegangen den Rauchern klar zu
    machen wieviel Lebensqualität sie sich durch das
    Rauchen nehmen: Die Raucher nehmen sich viele
    Eindrücke beim Schmecken beim Riechen und letztlich beim
    Sex.
    Was hat das mit dem Klima zu tun: Wenn die Artikel so
    moralisierend und beschwörend kommen,so fördert das
    nur den Widerstand.
    Wenn man aber erlebt,wie viel angenehmer es ist,mit dem
    Fahrrad zu fahren oder zu Fuß zu gehen,ein gut isoliertes Haus zu haben,das trotzdem keine Klimananlage braucht,wenn man den schönen
    Wald spüren kann,so sind das doch alles großartige Dinge.
    Auch wäre es ja für jeden angenehmer wenn er nicht so
    weit zur Arbeit und zum Einkaufen fahren müßte .
    Und letztlich ist es für jeden schmerzhaft,wenn sein
    Arbeitsplatz in Europa durch Billigstproduktion in Asien
    verloren geht.Dort in Asien werden Menschenrechte und
    Natur mit den Füßen getreten.
    Ja eine CO2 ärmere Welt mit ökologischer Landwirtschaft
    wo die Düngerzubereitung auch mithilft die Treibhausgase
    zu verringern wäre letztlich für alle angenehmer.
    Eine Welt mit kleineren Autos und weniger Brummern auf
    der Autobahn wäre weniger gefährlich,leiser und
    verbessert die Lebenqualität ! Bewegung und Sonne
    fördert Gesundheit Lebensqualität !

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 07.12.2009 um 18:02 Uhr

    Insbesondere den Wald mit seiner Morgenstimmung. Die einzigen die das bedrohen sind die hysterischen unter den Klima- und Naturschützern und der Staat
    mit seiner Abgabenpolitik. Dazu die Verdreher und Verbieger, die nur erreichen, dass die ganze Problematik die Welt polarisiert.

    Das sind für mich dann so ne Art Kriegsgewinnler, die Spass dran haben, die Menschen zu belehren und zu unterdrücken. Davon haben wir schon genug. Brauchen wir die auch im Klima-und Naturschutz. Wenn man manchmal die Zeitung liest? So belehrend und ermahnend wie der Religionslehrer in den 1950igern gepaart mit Angstmache wie im gleichen Zeitraum vor den Russen. Die Tauglichkeit der Demokratie wird ja schon hinterfragt.

    • TDU
    • 07.12.2009 um 18:02 Uhr

    Insbesondere den Wald mit seiner Morgenstimmung. Die einzigen die das bedrohen sind die hysterischen unter den Klima- und Naturschützern und der Staat
    mit seiner Abgabenpolitik. Dazu die Verdreher und Verbieger, die nur erreichen, dass die ganze Problematik die Welt polarisiert.

    Das sind für mich dann so ne Art Kriegsgewinnler, die Spass dran haben, die Menschen zu belehren und zu unterdrücken. Davon haben wir schon genug. Brauchen wir die auch im Klima-und Naturschutz. Wenn man manchmal die Zeitung liest? So belehrend und ermahnend wie der Religionslehrer in den 1950igern gepaart mit Angstmache wie im gleichen Zeitraum vor den Russen. Die Tauglichkeit der Demokratie wird ja schon hinterfragt.

  6. Die Begrenzung auf 2 Prozent Temperaturanstieg, könnte die Einigung schaffen. Das hätte sogar George W. Busch unterschrieben. Den genialen Schachzug stimmen auch die zu, die nicht von einer globalen Erwärmung ausgehen. Ob ein Temperaturanstieg dann massgeblich vom Menschen beinflusst ist bleibt damit auch unerheblich.
    Das wirkliche Problem taucht dann auf wenn die Klimawende der Industrie anläuft. Stellen wir uns vor die Offshore Windparks kommen, oder in der Kernfusion gibt es plötzlich billigere Energie, die Wirtschaftskrise senkt den Erdölverbrauch, und die OPEC Staaten kommen Ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nach. Plötzlich will niemand dass Öl mehr, und die Einahmen schwinden selbst bei höheren Förderquoten. Damit drückt die plötzlich Finanzkrise die Preise. Damit werden alle Renditeberechnungen obsolet die sich auf den Vergleich mit Ölpreisen stützen.
    Ein weiteres Szenario kann die Entwicklung beeinflussen. Die Inflation springt an, die Löhne und Gehälter und die Preise steigen an. Damit sind die garantierten Einspeisungspreise von Solarmodulen plötzlich geringer als der aktuelle Strompreis. Dafür suchen die Investoren reale Projekte für den Werterhalt. Dieser liegt dann nicht mehr in Finanzprodukte sondern es gibt einen Run auf reelle dezentralen Projekte.
    Es bleibt auf jeden Fall spannend.

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    Es hat immer Temperaturschwankungen gegeben,
    seien wir froh das es wärmer und nicht kälter
    wird.

    Kälte = Hunger
    Wärme Wasser = Wachstum

    http://www.geophysik.uni-...

    Das mit dem wem wärmer werden ist nur ein Problem
    für den modernen Mensch und nicht für die Natur an sich,
    die hat schon andere Kriesen überwunden

    Es hat immer Temperaturschwankungen gegeben,
    seien wir froh das es wärmer und nicht kälter
    wird.

    Kälte = Hunger
    Wärme Wasser = Wachstum

    http://www.geophysik.uni-...

    Das mit dem wem wärmer werden ist nur ein Problem
    für den modernen Mensch und nicht für die Natur an sich,
    die hat schon andere Kriesen überwunden

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