Klimagipfel in Kopenhagen Der Mann, dem man vertraut
John Pershing leitet die US-Delegation auf dem Klimagipfel. Der Ex-Umweltschützer steht für einen neuen Ton - doch er muss Rücksicht auf die Innenpolitik zu Hause nehmen.
Es gibt mal wieder irgendein Problem mit den Entwicklungsländern. Jonathan Pershing steht vor einem Verhandlungsraum im Kopenhagener Bella-Center, in dem seit Montag der UN-Klimagipfel tagt, und hört sich gerade Vorschläge seiner engsten Mitarbeiter an. Da kommt Etienne Massard Kabinda Makaga den Gang entlang, der stellvertretende Verhandlungsführer der Delegation aus Gabun. Pershing streckt die Hand aus, damit der afrikanische Kollege sie schütteln - und natürlich stehen bleiben - muss. "Kannst du mir das mal erklären?", fragt der amtierende US-Chefunterhändler. "Gern", sagt der Afrikaner und notiert seine Telefonnummer.
"Ich mag den Kerl", sagt Massard später, nachdem er das Problem mit seinen afrikanischen Kollegen hinter verschlossenen Türen beraten hat. "Pershing steht nicht nur für die neue Hoffnung, die wir alle seit dem Amtsantritt von Präsident Obama für den Klimaschutz haben. Pershing ist auch ausgesprochen verbindlich. Dem kann man trauen."
Jonathan Pershing ist seit März dieses Jahres Chefunterhändler der USA für die weltweiten Klimaverhandlungen. Mit 198 Delegierten ist seine Truppe eines der größten Verhandlungsteams auf dem Weltklimagipfel überhaupt. Zum Vergleich: Für Deutschland sind 109 Experten, Politiker und Beamte in Kopenhagen angemeldet. Die Delegation aus Gabun umfasst bloße sieben Personen.
"Die USA sind bereit", sagt Pershing. "Wir stehen zu unserer historischen Verantwortung." Und: "Wir brauchen ein starkes Abkommen." Das ist Welten entfernt von dem Ton, den Weltklimakonferenzen während der Bush-Präsidentschaft aus dem Mund von US-Delegierten zu hören bekam.Pershing ist stellvertretender Sondergesandter von Barack Obama in Sachen Klimaschutz. In diesem Amt führt er - neben Todd Stern, dem Klima-Beauftragten von Außenministerin Hillary Clinton - die US-Delegation in Kopenhagen an.
Zuvor war Pershing jahrelang beim World Resources Institute (WRI) in Washington, einer überparteilichen Denkfabrik für Umweltfragen, leitete das Umweltprogramm der Internationalen Energieagentur in Paris, arbeitete als Universitätsprofessor in Minneapolis und Washington. Unter der Clinton-Regierung war Pershing schon einmal Klima-Beamter und 1997 beim UN-Gipfel von Kyoto dabei.
"John ist einer der smartesten Männer der Welt", heißt es bewundernd bei seinen Kollegen im Delegationsbüro. Pershing, verheiratet und Vater von drei Töchtern, sei "sehr beliebt und sehr geehrt im Team". Aber in Kopenhagen kann er halt auch nicht mehr anbieten, als sein Präsident in Washington gegen den heftigen Widerstand der oppositionellen Republikaner oder von Wirtschaftslobbyisten durchsetzen kann. Und das ist - bislang - lediglich eine Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes bis 2020 um magere 17 Prozent im Vergleich zu 2005.
In Kopenhagen sagt Pershing auch Sätze wie: "Ich bin nicht sicher, ob das bisherige Konzept bei den globalen Verhandlungen wirklich das nützlichste ist." Oder: "Jedes Land muss einen Teil der globalen Bemühungen übernehmen." Und: "Wir verlangen von China, sich als Teil des Kopenhagen-Abkommens zur Kohlendioxid-Reduktion zu verpflichten."
Das lässt die Alarmglocken der Entwicklungsländer schellen. Die wollen überhaupt erst über bindende Reduktionsverpflichtungen reden, wenn die USA vorangegangen sind. Schließlich sind die Amerikaner neben den anderen Industrieländern für 80 Prozent der menschengemachten Treibhausgase verantwortlich, die sich bisher in der Erdatmosphäre befinden - und damit auch für den allergrößten Teil des bisherigen Klimawandels.
Aber Pershing hat ja nun die Telefonnummer von Etienne Massard Kabinda Makaga aus Gabun. Da kann er sich das noch einmal erklären lassen.
- Datum 10.12.2009 - 13:27 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...ob man das so stehen lassen kann:
"als sein Präsident in Washington gegen den heftigen Widerstand der oppositionellen Republikaner oder von Wirtschaftslobbyisten durchsetzen kann".
Bezahlen muss es schließlich der Mann auf der Strasse und er wählt die Senatoren. Da er aber zB auch die internationale Sicherheit zahlt und sieht, dass Länder wie China oder Deutschland dies nicht tun, will er vielleicht auch weniger ausgeben für das Klimaziel. Warum sollte er auch?
Ob die Leistungen der USA für die Sicherheit der Weltgemeinschaft wirklich geeignet sein können, um gegen die "Klimaschutzverbindlichkeiten" aufzurechnen, darf bezweifelt werden.
Zum einen steht in Frage, ob die Terrorismusgefahr durch die Engagements im Irak und in Afghanistan wirklich verringert worden ist. Zumindest ideell hat der radikalisierte Islam in der arabischen Welt sicherlich Sympathien gewonnen, was nicht hilfreich für die Stabilität der Region sein dürfte.
Außerdem hat sich die "Klimaschuld" der USA (gemeinschaftlich mit der der anderen Industrienationen) über einen Zeitraum angehäuft, gegenüber dem die sicherheitspolitischen Bemühungen der USA - selbst wenn man sie positiver wertet - allein dem zeitlichen Horizont geschuldet zu vernachlässigen sein dürften.
...wenn der letzte Mensch auf der Kugel merkt, dass es ihm an die Existenz geht, wird er vielleicht umdenken, ansonsten machen wir so weiter...
...da es um Macht, Geld und ums egoistische Überleben geht, das geistige Handeln die Vernunft nicht kennt bleibt jede Aktivität nur Verschlimmbesserung..., leider...
...und es sind noch lange nicht alle Skandale aufgedeckt... TE
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