Hilferuf aus Tuvalu Grundlage der richtigen Entscheidungen

Die erste Verhandlungswoche in Kopenhagen: Nach einem Hilferuf Tuvalus haben die UN einen vielversprechenden Klimavertrag entworfen. Die Chancen einer Einigung sind damit deutlich gestiegen.

Während im Kopenhagener Parlament der Gipfel tagt, versammeln sich Tausende Demonstranten vor dem Gebäude

Während im Kopenhagener Parlament der Gipfel tagt, versammeln sich Tausende Demonstranten vor dem Gebäude

Tuvalu ist ein winziger Inselstaat, gut 12.000 Menschen leben auf den im Pazifik verstreuten Atollen nördlich Neuseelands. Dank der UN-Statuten hat Tuvalu auf dem Klimagipfel von Kopenhagen genauso viel zu sagen wie die USA oder China. Erstmal jedenfalls. Und so konnte Ian William Fry, der Delegationsleiter Tuvalus, am Donnerstag die Versammlung nachhaltig beeindrucken: Mit einer einzigen Intervention verdeutlichte er dem Rest der Welt, dass die Erderwärmung einem Teil der Menschheit die Grundlage zum Überleben raubt – und brachte die Konferenz womöglich auf den Weg zu einem guten Ergebnis.

Bis dahin war der Kopenhagen-Gipfel ziemlich ritualisiert verlaufen. Die großen Treibhausgas-Verursacher blockierten sich gegenseitig. Die USA forderte von China verbindliche Reduktionsziele. China wiederum verlangte von den USA Reparationszahlungen für den Klimawandel, der ja zu großem Teil auf die ungebremsten Emissionen der Amerikaner im vergangenen Jahrhundert zurückgeht. Peking will nur ein Abkommen akzeptieren, das auf dem Kyoto-Protokoll von 1997 aufbaut – die USA hingegen lehnen das kategorisch ab.

Anzeige

Präsident Obama versuchte den Gipfel mit einer Ankündigung seiner Umweltbehörde EPA zu beeindrucken und notfalls auch gegen den Widerstand der oppositionellen Republikaner per Behördenverordnung für Klimaschutz zu sorgen. Die EU mahnte von allen Seiten zu mehr Bewegung und winkte schon mal mit dem Scheckbuch. Einen ungeschickten Entwurf der dänischen Gastgeber für ein Kopenhagen-Abkommen nutzten die Entwicklungs- und Schwellenländer für empörte Pressekonferenzen.

Beim Gerangel der Mächtigen drohen die kleinen Staaten regelmäßig unter die Räder zu kommen. Und so zog Ian William Fry aus Tuvalu am Donnerstag im großen Plenarsaal des Tagungszentrums, wo die Tische und Stühle der Delegationen in langen, langen Reihen stehen, eine Art Notbremse. Der höchste Punkt seines Landes ragt nur fünf Meter aus dem Ozean, Tuvalu wird als einer der ersten Staaten versinken, sollte der Meeresspiegel weiter steigen.

Unter Berufung auf einen fast vergessenen Passus des Vertrages beantragte Fry einfach eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls – dies ist mit Drei-Viertel-Mehrheit der Unterzeichner möglich. Und drei Viertel der Unterzeichner sind Entwicklungsländer. Die Verblüffung war groß, auch die Tagungsleiterin Connie Hedegaard zeigte sich erstaunt. Der Vertreter Togos pflichtete Tuvalu bei, Haiti ebenso, auch Ecuador stimmte zu. Hedegaard versucht das Ansinnen abzublocken, aber Ian William Fry blieb hart. "Entschuldigung, Frau Präsidentin, aber für uns ist die Frage zentral." 

Laut Gipfelstatuten musste der Antrag in einer eigenen Arbeitsgruppe (Contact Group) beraten werden, die Plenarsitzung war zu unterbrechen. Sie blieb es auch die ganze folgende Nacht. Am Morgen legten Tuvalu und eine Reihe anderer Inselstaaten einen eigenen Vertragsentwurf vor und verlangten, das Ziel eines neuen Abkommens müsse die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius sein. Die Industriestaaten wollen bislang höchstens zwei Grad versuchen – und schon dafür reichen die bisher von ihnen angebotenen Emissionsminderungen nicht aus.

Rajendra Pachauri, der Chef des Weltklimarates IPCC, pflichtete den Inselstaaten am Samstag auf einer Pressekonferenz implizit bei – die 100.000 Protestierenden, die zur selben Zeit auf den Straßen Kopenhagens für mehr Klimaschutz demonstrierten, sowieso. Pachauri verwies auf neue Forschungsberichte, die die ohnehin schon düsteren Prognosen des IPCC-Reports von 2007 noch übertreffen. Er sagte, schon ein Temperaturanstieg von etwa zwei Grad Celsius werde "für viele Länder eine echte Überlebensfrage".

Leser-Kommentare
  1. ... kann das z.B. hier machen:

    http://www.wwf.de/themen/...

  2. Beim Fall des eisernen Vorhanges 1989,wären großartige
    Dinge möglich gewesen.Der Transport der Ostblockländer
    erfolgte nämlich zu über 90 % auf der Schiene,nur wenig
    wurde mit LKWs transportiert.Es wäre daher durchaus realistisch gewesen den Transit auf die Schiene zu legen.
    Ein österreichischer Professor,namens Knoflacher,
    verglich den Bau der Ost-Autobahn mit einen ähnlichen Plan Hitlers.
    Es ist klar,dass der Gütertransit auf der Schiene wesentlich weniger Treibhausprobleme schafft,aber auch weniger Lärm und Staubemissionen,wie auf der Strasse.Länder wo das NS Regime
    weniger Schaden angerichtet hat,wie z.B Skandinavien
    und die Benelux Staaten,haben ein weit besseres Verhältnis
    z.B zum Fahrrad,und sind weniger mit d.Auto verheiratet.
    Nun die Lobbies haben es anders gewollt,der angesehne Professor
    bekam eine Ministerschelte und die Ostautobahn wurde gebaut.
    Die unbefristet angestellten Professoren sind rar geworden,
    die Universitäten sind sehr abhängig von Forschungsaufträgen
    geworden.
    Jetzt wäre es durchaus wichtig,jetzt Versäumnisse nachzuholen
    und auch den Radverkehr in Europa deutlich zu stärken.
    Wie Professor Storch hier in der Zeit richtig sagt:
    Wir wissen nicht wie hoch der CO2 Ausstoß in China später sein
    wird.Doch wenn wir nicht deutliche Weichenstellungen machen,
    so wird der CO2 Ausstoß in Indien deutlich höher ausfallen:
    http://www.welt.de/vermis...
    Dabei ist Radfahren wirklich schön!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wenn wir,das Vorbild ständig mit dem Auto fahren,so
    wollen andere z.B Inder Chinesen etc das auch.Uns tut es nicht
    gut und den anderen auch nicht.Wenn es noch Fragen zu
    bestimmten Gesinnungen und der Entwicklung des Verkehrs
    gibt,so könnte ich das sehr detailliert darstellen.
    Doch freuen wir uns,dass wir vielleicht doch erstmals nach
    Jahren eine Einigung in der seit Jahren brennenden
    Frage des Klimas in Greifweite haben !

    Wenn wir,das Vorbild ständig mit dem Auto fahren,so
    wollen andere z.B Inder Chinesen etc das auch.Uns tut es nicht
    gut und den anderen auch nicht.Wenn es noch Fragen zu
    bestimmten Gesinnungen und der Entwicklung des Verkehrs
    gibt,so könnte ich das sehr detailliert darstellen.
    Doch freuen wir uns,dass wir vielleicht doch erstmals nach
    Jahren eine Einigung in der seit Jahren brennenden
    Frage des Klimas in Greifweite haben !

  3. Wenn wir,das Vorbild ständig mit dem Auto fahren,so
    wollen andere z.B Inder Chinesen etc das auch.Uns tut es nicht
    gut und den anderen auch nicht.Wenn es noch Fragen zu
    bestimmten Gesinnungen und der Entwicklung des Verkehrs
    gibt,so könnte ich das sehr detailliert darstellen.
    Doch freuen wir uns,dass wir vielleicht doch erstmals nach
    Jahren eine Einigung in der seit Jahren brennenden
    Frage des Klimas in Greifweite haben !

  4. Wer nach einer 'Grundlage der richtigen Entscheidungen' in Sachen CO2-Limitierung sucht, wird angesichts der Vermachtung der Weltgesellschaft und der Komplexität der Weltsysemkrise nur mit einer operationalen Evolutionsprozess-Theorie die durchsetzungsfähige finden. Ohne umfassende Gesamtprozess-Theorie keine Exoduslösung aus dem globalen Fehlentwicklungs-Pfad. Das ist einfachste Wissenschaft. Die evolutionsprozess-logische Exoduslösung allein ist selbstverstärkend und übermachtig - eine Naturgewalt. Es geht um das Aushebeln von globalen Über-Machtinteressen. Nur bei der evolutionsprozess-logischen Exoduslosung paßt alles: CO2-/Klimaergebnis wie globale Lebensstil- und Produktionssystem-Revolution.

    Das wissen alle Macht- und Systemdenker. Wer die Einfachheit der Exoduslösung vemeiden will, muß verwirren und theorielose Machtspiele mitmachen.

  5. Seit 1990 sind auf mehreren Südseeinseln, darunter Tuvalu Gezeitenmessgeräte stationiert, und diese zeigen keinerlei Anstieg des Meeresspiegels an.
    http://www.solidaritaet.c...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • BISI
    • 14.12.2009 um 5:29 Uhr

    Neue Solidarität = Fake!

    • BISI
    • 14.12.2009 um 5:29 Uhr

    Neue Solidarität = Fake!

    • BISI
    • 14.12.2009 um 5:29 Uhr

    Neue Solidarität = Fake!

  6. Hopenhagen:There is hope !
    http://www.badische-zeitu...
    und http://www.nachhaltigkeit...
    die effektivste Möglichkeit,damit das nicht passiert:
    http://www.welt.de/vermis...
    Interessant,während die Innenstadt Kopenhagen autofrei ist,sollen gerade die Rikschas in der Altstadt Neu-Delhis verboten werden.

  7. Der Vorschlag aus Tuvalu hoert sich ja charmant an, aber was bringt eine Fortfuehrung des Kyotoprotokolls, wenn die groessten Klimasuender, die USA und China weiterhin von allen Reduktionszielen ausgeschlossen sind?

    Effektiver Klimaschutz wird nur durch ein neues Abkommen mit Reduktionszielen fuer ALLE Staaten, auch die Entwicklungslaender und hier insbesonders China zu erreichen sein. Hierbei muessen jedoch echte Massnahmen beschlossen werden und keine Scheinkompromisse, bei denen die CHinesen ihren Ausstoss am Ende gar nicht senken werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 14.12.2009 um 9:24 Uhr

    ...der den Erfolg demonstriert, so ist China eine der grössten Profiteure der jetzigen Weltwirtschaftsordnung. Sie haben nämlich ca 2 Billionen auf die Seite geschafft, also fast ein gesamtes deutsches BIP.

    Da könnte man auf den Gedanken kommen, dass sie auch zur Kasse zu bitten sind.

    • joG
    • 14.12.2009 um 9:24 Uhr

    ...der den Erfolg demonstriert, so ist China eine der grössten Profiteure der jetzigen Weltwirtschaftsordnung. Sie haben nämlich ca 2 Billionen auf die Seite geschafft, also fast ein gesamtes deutsches BIP.

    Da könnte man auf den Gedanken kommen, dass sie auch zur Kasse zu bitten sind.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service