Wikileaks-Dokument Die einsame Entscheidung des Oberst KleinSeite 3/3
Die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente machen auch deutlich, wie früh der Bundeswehr eindeutige Beweise für getötete Zivilisten vorlagen. Bereits am 4. September erfahren Soldaten von Afghanen, dass mindestens 14 Zivilisten bei der Bombardierung getötet wurden und erhalten deren Namen. Eine Ermittlungsgruppe fährt vom Feldlager Kundus zu den ausgebrannten Tanklastern und in ein Krankenhaus, wo Überlebende behandelt werden.
Die Ermittlungen der deutschen Soldaten verlaufen allerdings schwierig. "Am Ort des Vorfalls sind nur noch verbrannte / zerstörte materielle Überreste, einige Tierkadaver und Fahrzeugwracks zu sehen, Kollateralschäden sind nirgends wahrzunehmen", schreibt der Autor. "Den FJg- / MP-Kräften bietet sich ein offensichtlich deutlich veränderter Ereignisort, der einen geradezu stark gereinigten Eindruck hinterlässt. Es sind nur noch minimale Spuren von Humanmaterial zu finden, weder Tote noch Verletzte sind vor Ort."
Die Ermittlungen werden aber nicht nur dadurch beeinträchtigt, dass der Tatort verändert wurde. Auch wichtige Gesprächspartner können nicht verhört werden. Auch sei der Aufenthaltsort des Luftraumüberwachers Red Baron zum Zeitpunkt des Vorfalls "nicht bekannt". Der späte Beginn der Untersuchungen "verhinderte in der Folge auch eine frühzeitige und möglichst objektive Information der militärischen und politischen Entscheidungsträger in DEU, aller beteiligten Isaf-Nationen, der Medien und der Öffentlichkeit". Dennoch tragen die Isaf-Soldaten einige brisante Informationen zusammen, die im Nato-Bericht veröffentlicht wurden. Dieser soll Kleins Entscheidung, die Tanklaster zu bombardieren, ebenfalls kritisch sehen.
Aus dem Feldjägerbericht geht allerdings auch hervor, dass der Isaf von afghanischer Seite keine Vorwürfe wegen des Angriffs gemacht werden. Im Gegenteil: Zwei afghanische Bezirkschefs, die einen Tag nach der Bombardierung befragt werden, äußern sich sehr zufrieden über den Luftschlag. "Ich respektiere die Aktion und kann sie nur gutheißen", zitiert der Feldjägerbericht Haji Motashem, den Chef des Bezirks Aliabad südlich von Kundus. Bislang seien die internationalen Kräfte immer zu nachsichtig mit den Taliban umgegangen, jetzt seien sie zum ersten Mal richtig robust vorgegangen. Auch der Bezirkschef von Chahar Darreh, Omar Khel, äußert in der Befragung durch US- und deutsche Soldaten seine Genugtuung: "Das PRT hat leider nicht immer reagiert, wie wir es erwartet hätten. Aber vielleicht beginnt jetzt das richtige Vorgehen gegen die Aufständischen.“
Zu zivilen Opfern machen die beiden widersprüchliche Angaben. Einerseits sagen die Bezirkschefs in der Befragung aus, in der Nähe der Tanklaster hätten sich ausschließlich Aufständische befunden. Andererseits nennt Haji Motashem selbst die Zahl von zehn getöteten Zivilisten. Omar Khel wird in dem Feldjägerbericht mit den Worten zitiert: "Ich möchte auch keine zivilen Opfer, aber warum waren diese Personen dort?“ Welche unbeteiligte Person halte sich mitten in der Nacht vier bis fünf Kilometer von seinem Dorf entfernt auf? Und Haji Motashem ergänzt: "Es ist schwierig, zwischen Taliban und Zivilisten zu unterscheiden. Wie sieht ein Taliban aus?“
Bisher wurde die Öffentlichkeit nur stückweise über die Vorgänge bei Kundus aus der Presse informiert. Wikileaks beginnt nun, entscheidende Dokumente zu veröffentlichen. So könnte das Verteidigungsministerium sich gezwungen sehen, selber mehr Details Preis zu geben.
Wikileaks bietet eine sichere Netz-Plattform für jeden, der ein eigentlich unter Verschluss gehaltenes Dokument anonym an die breite Öffentlichkeit bringen will. Dahinter steht eine Gruppe von Aktivisten, die für mehr Transparenz in der Gesellschaft kämpft. Wikileaks hofft darauf, bald weitere Bericht veröffentlichen zu können. Besonders der immer noch geheime Nato-Bericht dürfte in Deutschland viele interessierte Leser finden.
- Datum 13.12.2009 - 23:04 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich liebe das Internet. Klar verleitet manch einen die Anonnymität zu dummen Aussagen, aber es gibt aktuell keine größere Freiheit als die des Internets. Schade dass konservative Politiker wie Merkel, Koch und Schäuble auch an diese Freiheit ran wollen. Ich jedenfalls bi froh, dass das Internet für jedermann solche Berichte zugänglich macht. Da haben es korrupte und unehrliche Politiker gleich doppelt so schwer Wahrheiten zu verheimlichen.
der beste Satz: "Es ist schwierig zwischen Taliban und Zivilisten zu unterscheiden. Wie sieht ein Taliban aus?“ Also kann man ja auch davon ausgehen, dass es tatsächlich 150 Taliban waren... oder davon auch ein Teil der "berühmten" Terroristen für einen Tag, also Zivilisten die für 50 US-Dollar eine Waffe für einen Tag in die Hand gedrückt bekommen.
...ein Problem an, das gar nicht so trivial ist. Man kann nämlich wirklich nicht schnell unterscheiden zwischen Taliban und Zivilisten.
Was bedeutet das aber? Im Inland würde man einen Verdächtigen vielleicht festsetzen oder -man weiss ja wo er wohnt und untertauchen ist in Deutschland so einfach nicht- beobachten. Was bedeutet das für einen Einsatz wie Afghanistan. Da sind 140 Taliban ähnliche Personen. Macht man nichts, bringen 70 von ihnen unsere Soldaten weiterhin um. Verhaftet man sie, so dauert es Wochen oder Monate sie zu durchleuchten -auch das ist schwieriger als in der Heimat- und muss sie dann vor Gericht stellen, was behindert wird, durch die mangelhafte Beweislage, die ein Schlachtfeld bietet. Man kann sauf Gefangene verzichten.
...ein Problem an, das gar nicht so trivial ist. Man kann nämlich wirklich nicht schnell unterscheiden zwischen Taliban und Zivilisten.
Was bedeutet das aber? Im Inland würde man einen Verdächtigen vielleicht festsetzen oder -man weiss ja wo er wohnt und untertauchen ist in Deutschland so einfach nicht- beobachten. Was bedeutet das für einen Einsatz wie Afghanistan. Da sind 140 Taliban ähnliche Personen. Macht man nichts, bringen 70 von ihnen unsere Soldaten weiterhin um. Verhaftet man sie, so dauert es Wochen oder Monate sie zu durchleuchten -auch das ist schwieriger als in der Heimat- und muss sie dann vor Gericht stellen, was behindert wird, durch die mangelhafte Beweislage, die ein Schlachtfeld bietet. Man kann sauf Gefangene verzichten.
Diejenigen, aus derem Grund wir in Afghanistan sind, hatten erst mal am Vorgehen nichts auszusetzen. vielleicht auch deswegen keine Untersuchung des Tatorts. Hätten alle gewusst, was in Deutschland Monate später noch kommt, hätte es vermutlich Aktenvermerke über jedes in der Nase Bohren gegeben.
...könnte man zumindest so sagen ;) Eigentlich war das einzige, was der Bericht so wirklich neues aussagt, dass die Afghanen den Einsatz begrüßten, die ISAF dafür lobten und mehr deutliches Vorgehen erwünschen um die Aufständischen nicht die Überhand gewinnen zu lassen. Selbst wenn dabei die Gefahr "ziviler" Verluste besteht!
Und wir plagen uns mit moralischen Bedenken... die Afghanen sagen es schon ganz richtig: Wer rennt schon nachts 5km vom nächsten Dorf entfernt in Afghanistan zwischen bewaffneten Aufständischen rum?
Wer sind denn diejenigen die einen Grund bzw. ein Interesse haben das deutsche Soldaten (mit unzureichender Bewaffnung und Ausbildung) in Afghanistan kämpfen?
Nach meiner Meinung ist das u.a. die Bundesregierung und andere einflussreiche Eliten in unserem Land. Sie wollen wieder zu den Großen in dieser Welt gehören und tun so einiges das Deutschland unverzichtbar wird. Dafür werden dt. Soldaten in die ganze Welt geschickt und bei den Ärmsten Ländern dieser Welt will man sich durch großzügige, Geldwerte Unterstützung Stimmen für die Wahl in den Weltsicherheitsrat erkaufen. Dies scheint mir eine traurige Wahrheit zu sein.
...könnte man zumindest so sagen ;) Eigentlich war das einzige, was der Bericht so wirklich neues aussagt, dass die Afghanen den Einsatz begrüßten, die ISAF dafür lobten und mehr deutliches Vorgehen erwünschen um die Aufständischen nicht die Überhand gewinnen zu lassen. Selbst wenn dabei die Gefahr "ziviler" Verluste besteht!
Und wir plagen uns mit moralischen Bedenken... die Afghanen sagen es schon ganz richtig: Wer rennt schon nachts 5km vom nächsten Dorf entfernt in Afghanistan zwischen bewaffneten Aufständischen rum?
Wer sind denn diejenigen die einen Grund bzw. ein Interesse haben das deutsche Soldaten (mit unzureichender Bewaffnung und Ausbildung) in Afghanistan kämpfen?
Nach meiner Meinung ist das u.a. die Bundesregierung und andere einflussreiche Eliten in unserem Land. Sie wollen wieder zu den Großen in dieser Welt gehören und tun so einiges das Deutschland unverzichtbar wird. Dafür werden dt. Soldaten in die ganze Welt geschickt und bei den Ärmsten Ländern dieser Welt will man sich durch großzügige, Geldwerte Unterstützung Stimmen für die Wahl in den Weltsicherheitsrat erkaufen. Dies scheint mir eine traurige Wahrheit zu sein.
Ich finde den zitierten Satz
"Es sind nur noch minimale Spuren von Humanmaterial zu finden, weder Tote noch Verletzte sind vor Ort."
viel bemerkenswerter. Humanmaterial, soso.
Meine Güte, Berufsgruppen, die ständig mit toten Menschen konfrontiert sind, bilden sich eben ihren eigenen Sprachgebrauch. "Nur noch wenige Spuren von abgetrennten Gliedmaßen und sonstige Menschenfleischreste zu finden" - würde dadurch der Bericht für die Experten, für den er verfasst ist, irgendetwas an Informationsgehalt gewinnen? Wohl kaum.
Meine Güte, Berufsgruppen, die ständig mit toten Menschen konfrontiert sind, bilden sich eben ihren eigenen Sprachgebrauch. "Nur noch wenige Spuren von abgetrennten Gliedmaßen und sonstige Menschenfleischreste zu finden" - würde dadurch der Bericht für die Experten, für den er verfasst ist, irgendetwas an Informationsgehalt gewinnen? Wohl kaum.
Meine Güte, Berufsgruppen, die ständig mit toten Menschen konfrontiert sind, bilden sich eben ihren eigenen Sprachgebrauch. "Nur noch wenige Spuren von abgetrennten Gliedmaßen und sonstige Menschenfleischreste zu finden" - würde dadurch der Bericht für die Experten, für den er verfasst ist, irgendetwas an Informationsgehalt gewinnen? Wohl kaum.
Da haben Sie sicherlich Recht. Selbst das THW scheint diesen Terminus zu gebrauchen.
Da haben Sie sicherlich Recht. Selbst das THW scheint diesen Terminus zu gebrauchen.
"Alles wäre wohl unter dem Teppich geblieben, wenn die Amerikaner nicht urplötzlich eine PR-Offensive in Sachen Transparenz gestartet hätten"
Quelle:
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/767/c´est-la-guerre
Nachtrag
http://www.spiegelfechter...
dass zum Zeitpunkt der Bombardierung der Vertrag von Lissabon noch nicht in Kraft war. Denn dann wäre alles legal gewesen, denn laut Erläuterungen des Artikels 2:
„Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels (Jeder Mensch hat das Recht auf Leben) betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um
...
c) einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen“.
Nun erklärt sich einmal mehr der Fanatismus der Politik zum Durchpeitschen dieses "gloreichen" Vertrages.
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