Worum geht es bei den neuesten Details zu dem Luftangriff von Kundus?

Die Bild-Zeitung berichtete, dass in der Nacht des von einem deutschen Oberst befohlenen Luftangriffs Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) an der verhängnisvollen Entscheidung beteiligt waren, zwei von Taliban entführte Tanklastwagen bei Kundus zu zerstören. "Mindestens fünf Offiziere und Unteroffiziere berieten den Kommandeur des deutschen Feldlagers in Kundus, Oberst Georg Klein", schreibt das Blatt. Die fünf KSK-Soldaten sollen einer angeblich geheimen Einheit angehören, der Task Force 47.

Welche Aufgabe hat die Task Force 47?

Das Kommando besteht aus KSK-Soldaten und anderen Spezialisten der Bundeswehr. Ob auch amerikanische oder britische Spezialkommandos beteiligt sind, ist unklar. Fest steht: Die Männer suchen nach Taliban-Anführern und jagen diese. Die Task Force 47 hat im Feldlager Kundus eine eigene Kommandozentrale.

Welche Rolle spielten die Elitesoldaten bei der Bombardierung?

Von der Task Force 47 erfuhr der befehlhabende Oberst, dass Taliban-Kämpfer zwei Tanklaster entführt hatten. Ein KSK-Offizier soll mehrfach mit einem afghanischen Informanten telefoniert haben, der sich in der Nähe der geraubten Fahrzeuge aufhielt. Die Laster hatten sich in der Nacht zum 4. September in einem Flussbett festgefahren. Mindestens 150 Menschen, darunter Zivilisten, hielten sich im Umkreis der Tankwagen auf. Der Informant bestätigte aber nach Angaben der Bundeswehr mehrfach, dass keine Zivilisten, aber hochrangige Talibananführer am Ort waren. Ein Flugleitoffizier der Task Force forderte amerikanische Bomber an und später zwei Kampfjets, die das Gebiet in großer Höhe überflogen.

Was war bisher über die Task Force 47 bekannt?

In dem geheimen Nato-Abschlussbericht wird die Task Force 47 an mehreren Stellen erwähnt – der Zusammenhang zur KSK wird aber nicht hergestellt. Der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung soll über den KSK-Einsatz Bescheid gewusst haben, er gab die Information aber nicht an den Verteidigungsausschuss des Bundestages weiter.

Haben die Bundestagsabgeordneten alle relevanten Informationen?

Das Bundesverteidigungsministerium sagt heute: "Alle Informationen, die dem Minister vorliegen, hat der Verteidigungsausschuss bekommen." Das sehen Parlamentarier der Regierungsparteien ähnlich. "Über die Beteiligung des Kommandos Spezialkräfte an dem Luftangriff wurden die Obleute des Verteidigungsausschusses durch das Bundesministerium der Verteidigung informiert. Hier ist kein Informationsmangel zu beklagen", sagt Elke Hoff, Obfrau der FDP im Verteidigungsausschuss. Der Verteidigungsminister habe volle Transparenz und Kooperationsbereitschaft zugesichert.

Abgeordnete der CDU monieren dagegen, dass ihnen durchaus Informationen fehlen.

Die Rolle der KSK in der Task Force 47 sei umstritten, behaupten indes Oppositionspolitiker. "Über das Verhältnis zwischen Task Force 47 und dem KSK wurde nichts gesagt. Da ist einiges im Dunkeln", sagt Paul Schäfer, Obmann der Linkspartei im Verteidigungsausschuss."Was das KSK in der Nacht in Kundus gemacht hat, diese Frage ist dringend erklärungsbedürftig."

Die als geheim eingestuften Berichte dürfen die Parlamentarier ausschließlich in der Geheimschutzstelle des Bundestages einsehen.