Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg rechtfertigte sich am Freitag vor Soldaten für die Neubewertung des Tanklaster-Bombardements. Er verteidigte erneut das Handeln von Oberst Klein © Bundeswehr/Rott/dpa

Was treibt diesen Minister bloß? Bei seiner Blitzreise nach Afghanistan stellte sich Karl-Theodor zu Guttenberg heute vor seine Truppe und verbat sich die Diskreditierung der Soldaten. Und er verteidigt einmal mehr den Offizier, der die Bombardierung zweier Tanklaster bei Kundus befahl: "Oberst Georg Klein ist ein Mensch, der in dieser Nacht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat und seine Soldaten schützen wollte."

Nicht zum ersten Mal trifft der Verteidigungsminister eine derart absolute Aussage über ein höchst umstrittenes Ereignis. Schon bei seiner "Neubewertung" der Bombennacht im Bundestag am 3. Dezember, als er den Angriff als "militärisch unangemessen" bezeichnete, sagte er gleichzeitig über Oberst Klein: "Ich zweifele nicht im geringsten daran, dass er gehandelt hat, um seine Soldaten zu schützen." Dieser Satz lässt sich nun, wenige Stunden nach Guttenbergs Auftritt in Afghanistan, kaum noch halten. Denn neue Einzelheiten sind aufgetaucht.

Bisher wurde als Begründung für denn Angriff auf die Tanklaster stets die Bedrohung genannt, die die entführten Treibstofftransporter für das sieben Kilometer entfernte deutsche Lager darstellten. Doch jetzt legt ein Bericht der Süddeutschen Zeitung nahe, dass es Oberst Klein um etwas anderes ging, als er den Befehl zur Bombardierung gab, nämlich den Angriff auf eine große Gruppe Taliban und einige ihrer wichtigsten Anführer im Norden Afghanistan. Der Oberst habe die Taliban "vernichten" wollen und dies später auch schriftlich bestätigt.

Dazu passen auch amerikanische Berichte: Die US-Bomberpiloten hatten nach dem Luftschlag zu Protokoll gegeben, Klein habe sie zum Angriff gedrängt. Der deutsche Offizier habe einen Scheinangriff (show of force) abgelehnt, um die Talibangruppe zu zerstreuen, und er habe den Abwurf von sechs Bomben gefordert. Die Piloten  hätten ihn schließlich überzeugt, dass zwei Bomben ausreichend seien. Alle bekannten Fakten deuten darauf hin, dass Oberst Klein den Taliban ein Signal der Stärke senden wollte. Und dass er den heftigen Widerstand der Extremisten gegen die Bundeswehr in Raum Kundus auf einen Schlag berechen wollte.

Was hatte diesen Sinneswandel ausgelöst? Bis dato hatte die Bundeswehr in Afghanistan fast immer sehr defensiv agiert. Ja, sie hatte es abgelehnt, einzelne Taliban-Führer zu erschießen und sich dafür den Ärger der Amerikaner eingehandelt.

Wurde Druck auf Klein ausgeübt, endlich einmal zuzuschlagen? Immer wieder machten zuletzt Gerüchte die Runde, der Oberst sei vor der Bombardierung von Afghanen und Alliierten dazu gedrängt worden, endlich härter gegen die Taliban vorzugehen.