Sieben Thesen Die Macht des Militärs muss begrenzt werden
Der Westen hat sich in Afghanistan in eine Sackgasse manövriert. Wie könnte eine Lösung der verfahrenen Situation aussehen? Ulrich Ladurner hat sieben Thesen formuliert.
© Tauseef Mustafa/AFP/Getty Images

Afghanistan sollte dem Westen zu Herzen gehen: Ein Soldat in der Provinz Nuristan
1) Das Ziel definieren
Auch acht Jahre nach Beginn des Krieges gibt es noch immer kein klares Ziel für den Einsatz der Nato in Afghanistan. Wann zum Beispiel ließe sich sagen, dass dieser Krieg zu Ende ist? Wenn Osama bin Laden geschnappt wird? Oder wenn auch der letzte Talib zur Strecke gebracht ist? Oder wenn Afghanistan ein demokratischer Rechtsstaat ist, der die Menschenrechte einhält und von Politikern geführt wird, die nicht korrupt sind?
Eine klare Antwort tut Not. Aber schon die Fragen zeigen das Grundproblem: Das Ende dieses Krieges ist nicht definierbar, weil er per definitionem endlos ist.
2) Ausstieg aus dem Krieg gegen den Terror
Die Nato wird sich früher oder später aus Afghanistan zurückziehen müssen. Das ist die Gelegenheit, endlich mit dem Kardinalfehler ein Ende zu machen, den der Westen in den vergangenen zehn Jahren gemacht hat: dem Krieg gegen den Terror. Der Preis, den wir im Westen (Einschränkung der Bürgerrechte, Militarisierung der Außenpolitik) und vor allem die Menschen im Nahen und Mittleren Osten (zwei Kriege, Hunderttausende Tote) dafür zahlen, ist zu hoch.
Der Westen muss aus diesem Krieg aussteigen und den Terror mit Mitteln der Diplomatie und internationaler Polizeiarbeit bekämpfen.
3) Neudefinition der Sicherheitspolitik
Wer bedroht uns mehr? Die schattenhafte Terrororganisation al-Qaida oder die dramatischen Folgen des Klimawandels? Die Antwort ist klar: Der Klimawandel. Und warum nimmt al-Qaida dann einen so großen Stellenwert in unserer Gefahrenanalyse ein? Warum gibt der Westen Trillionen Dollar für den Kampf gegen ein paar hundert Terroristen aus und bietet gleichzeitig den Entwicklungsländern gerade mal 100 Milliarden an, um die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen? Die Prioritäten sind falsch gesetzt.
Eine Neubewertung der Gefahren wird ergeben, dass Afghanistan gewiss nicht die größte Gefahr für den Westen darstellt.
4) Die Macht des Militärs begrenzen
Mit dem Krieg gegen den Terror hat das Militär in den letzten Jahren an Macht gewonnen, vor allem in den USA. 600 Milliarden Dollar beträgt der US-Verteidigungshaushalt. Hunderte Milliarden verschlingen die Kriege im Irak und in Afghanistan. Wie mächtig die Militärs geworden sind, ist bei der Entscheidung von Barack Obama klar geworden, noch mehr Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Er wurde von seinen Generälen öffentlich dazu gedrängt. Und es schien so, als hätte er keine andere Wahl, als ihren Willen zu folgen.
Das ist ein bedenklicher Vorgang. Dabei hat das Militär versagt. Es hat Afghanistan nicht stabilisiert und schon gar nicht befriedet.
5) Neudefinition der Nato
Die Nato hat in Afghanistan als "Nation Builder" und Stabilisator keinen Erfolg. Das wirft die Frage auf: Wozu brauchen wir das Militärbündnis, wenn es eine Aufgabe, die als zentral definiert wird, nicht lösen kann? Afghanistan geht jedenfalls ein (Alb-)Traum zu Ende: Die Nato ist zu einer globalen Interventionsmacht geworden.
Doch welche Nato brauchen wir? Brauchen wir sie überhaupt? Auf diese Fragen brauchen wir dringend eine Antwort.
6) Einsicht in die Grenzen westlicher Macht
Was in der Finanzkrise schnell Konsens wurde, sollte sich auch in Bezug auf Afghanistan durchsetzen: Der Westen kann das Problem allein nicht lösen. Doch weil – im Unterschied zur Finanzkrise – niemand zusammen mit dem Westen die Probleme am Hindukusch lösen will – jedenfalls nicht derart, wie es sich der Westen vorstellt –, ist Afghanistan nicht zu "gewinnen".
In Afghanistan kann der Westen keinen Sieg davontragen – es kann nur einen Modus Vivendi geben.
7) Mit Afghanistan leben
Afghanistan stellt nicht die größte Gefahr für den Westen dar, es ist eine – kleinere – unter vielen anderen, viel größeren Gefahren. Darum ist der Abzug der Nato sinnvoll. Das Engagement in Afghanistan sollte jedoch weitergehen. Nicht so sehr wegen einer möglichen Rückkehr al-Qaidas oder der Taliban, sondern weil sich in diesem Land jetzt schon ereignet, was in Zukunft vielen anderen Regionen droht: Ressourcenknappheit, Überbevölkerung, Klimawandel, Krieg.
Afghanistan ist ein Lehrbeispiel, das man sich zu Herzen nehmen sollte.
- Datum 28.12.2009 - 11:48 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Was macht die ZEIT aus?
Dass einmal in der Woche intelligente und gut recherchierte Artikel veröffentlicht werden. Es muß nicht wie in anderen Blättern jeden Tag eine neue Wahrheit verkündet werden.
[entfernt, bitte bleiben Sie höflich/ Redakrion; svb]
Wenn, dann heißt das "Terrorismus"!!! - was soll da bekämpft werden, eine Emotion???
wieder hat dieser Mann einen Bericht vorgelegt in welchem keine seiner Gedanken viel Sinn machen.
Wenn er etwas in Afghanistan erreichen wollte, dann koennte man ihm empfehlen sich zu unterrichten, wie die Taliban am Anfang des Krieges gestuerzt wurde: In nur ein paar Wochen, ohne das Militaer.
Dann koennte man (ihn und andere) fragen: Warum versucht man nicht dieses erfolgreiches Rezept zu wiederholen an der Grenze mit Pakistan, in Pakistan, in Somalia und vielleicht sogar in Iran.
Wenn ihm die NATO nicht gefaellt, dann sollte er doch versuchen, die Zeit Leser zu ueberzeugen, Berlin zu zwingen, aus der NATO auszusteigen.
Die Amerikaner brauchen unzuverlaessige Verbuendete nicht. Deutschland kann sich Putin's Russland anschliessen fuer Verteidigung. Die Russen sind in der Lage, dieselben Dienste zu leisten, die man heutzutage von NATO erwartet.
Nein?
Warum will Laduner alles immer mehr kompleziert vorstellen als es ist? Zwingt die Redaktion ihn dazu?
Vielleicht versuchen Sie es fürs erste einmal mit etwas mehr sprachlichem Respekt hier im Threat und mit vor allem mit einigen Sachargumenten.
Ich habe ebenfalls massive Probleme z.B. mit der US-Hegemonie in der NATO und finde viele der Ansätze von Herrn Ladurner sehr erwägenswert.
Mich würde jedenfalls mal das von Ihnen angeführte erfolgreiche Anti-Taliban-Rezept interessieren. Könnten Sie uns das bitte näher erläutern?
Vielleicht versuchen Sie es fürs erste einmal mit etwas mehr sprachlichem Respekt hier im Threat und mit vor allem mit einigen Sachargumenten.
Ich habe ebenfalls massive Probleme z.B. mit der US-Hegemonie in der NATO und finde viele der Ansätze von Herrn Ladurner sehr erwägenswert.
Mich würde jedenfalls mal das von Ihnen angeführte erfolgreiche Anti-Taliban-Rezept interessieren. Könnten Sie uns das bitte näher erläutern?
Hallo
1) Die Antwort auf diese Frage können nur die Politiker geben, aber solange die sich nicht einigen, bleibt der Punkt halt offen.
2) Wer Terror nachgibt, der füttert ihn. Und wer sich einbildet mit Terroristen verhandeln zu können, der ist schlicht naiv. Hier wird Polizei und Militär unter konsequenter Führung benötigt.
3) Merkwürdige Zusammenstellung.
Btw. Die Braunkohle in der Lausitz ist aus subtropischen Regenwäldern entstanden und es gab Zeiten da war Europa bis weit unterhalb von Berlin mit kilometerdickem Eis bedeckt.
5) Die NATO wird gebraucht, auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen. Die eigentliche Crux ist, das in der NATO zu viele Köche am Werk sind und somit keine einheitliche Richtung besteht, was unklare Entscheidungen provoziert.
6) Auch hier wird zusammen geworfen was nicht zusammen gehört. Mit wem bitte soll der Westen zusammenarbeiten wenn es um Afghanistan geht?
Das Ding muss er schon alleine lösen, helfen können hier nur die Afghanen selber.
7) Afghanistan ist in der Tat nicht das grösste Problem, kann aber jederzeit eines werden und der Grund heisst Pakistan.
Wenn es nicht gelingt Afghanistan zu stabilisieren dann reist es Pakistan mit in den Abgrund.
Gruss
Rene
Das liest man immer wieder, aber immer ohne Aussagen WOFUER.
- Helfen Sie mir.
Das liest man immer wieder, aber immer ohne Aussagen WOFUER.
- Helfen Sie mir.
Die Feststellung, dass die Lage in Afghanistan für die dort militärisch engagierten Nationen unbefriedigend und unübersichtlich ist, wird man wohl kaum bestreiten können.
Wenn nicht bald die Politik bessere und treffendere Fragen stellt und diese mit mehr Plausibilität beantwortet, als es die im Terrorismuskampf engagierten Militärs es tun, wird die Seuche des Terrorismus sich noch ausweiten und die NATO auch weiterhin in teuere Fallen hineintappen und sich die Bewegung zum totalen Überwachungsstaat hin noch beschleunigen. Es darf nicht sein, dass wir wegen den Talibans am Ende an jeder Ecke einen Nacktscanner haben.
Die Thesen von Ladurner sind ein Versuch die überfällige Diskussion über die Ursachen und die bedenklichen Ausbreitung des Terrorismus - vor dem Hintergrund klarer Aufgabenstellungen für die NATO und der Ziele der Sicherheitspolitik - in Gang zu bringen. Thesenpapiere sollen Diskussionen anstossen. Deshalb sollte man an dem Papier nicht viel herummeckern (@1-3). Die Gegenthesen (@4) sollte man natürlich genauso diskutieren, auch wenn deren Darstellung präzisieren sollte.
Am Artikel ist überhaupt nichts auszusetzen.
Machen Sie weiter so Herr Ladurner.
Man muss sich zudem mal einem anderen Thema annehmen, und
zwar nicht immer nur Folgen beleuchten sondern mehr nach
Urachen fragen.
Warum gibt es eigentlich terrorische Organisationen ?
Was sind die Gründe warum sie kein Problem damit haben Andere zu terrorisieren ?
Als die Taliban jedenfalls gegen die Russen kämpften waren sie noch keine Terroristen.
Ein Hinweis sei gestattet: Die westliche Politik hat einen großen Teil dazu beigetragen dass in dieser Region so viele Kriege passieren bzw. noch passieren werden (siehe z. B. die nach Interessen gezogenen Grenzen der Länder in Afrika und Teilen Asiens, Initiierung eines zionistischen Staates usw. und so fort)
Noch eine Anmerkung zum Ausgang des Krieges in Afghanistan:
Je früher man geht desto besser. Alles nur Geldverschwendung, von Leben und Tod gar nicht zu sprechen...Die eigenen Grenzen sollen geschützt werden, was ist das für eine kranke Logik ein Land zu bekriegen weil aus ihm Attentäter stammen. Da müsste ich auch neuerdings in Nigeria ein Krieg anzetteln...Alles nur falsche Interessen.
Darüber sollte auch mal nachgedacht werden: Was ist in unserem Interesse bzw. müssen wir die Interessen von gestern nicht heute über Bord werfen wenn heute ganz anders ist als gestern ?
"Warum gibt es eigentlich terroristische Organisationen?" Es hat sich eingebürgert, Fragen zu stellen und das war es dann auch. Was interessiert sind Inhalte, auch von denjenigen, die ständig nur Fragen an stellen. An wen richtet sich also eine solche Frage - vermutlich doch an Politik und Nato. Nur - heutzutage leben die Menschen in Mitteleuropa nicht sorgsam nach Völkern oder Religionen oder Sonstigem getrennt, sondern in engster Verzahnung mit völlig konträren Gruppen und Personen. Wer die Nato fragt, fragt auch die Taliban selber und wer den Politiker vor Ort fragt, könnte auch fragen, wie sein Preis für den Verkauf von BTM (Betäubungsmittel=Rauschgift) gerade ist. Insofern sind inhaltliche Aussagen bezüglich der Lösung oder zumindest Entschärfung einer komplexen Situation notwendig. An dieser Stelle wird man die anthropologische Komponente, die Situation des Menschseins, nicht völlig außen vor lassen können, d.h. ein System von Normen und Regeln muss vorhanden sein, sonst ist die Spezies in einer Region bedroht und diese Gesetze müssen diskutierbar und im Konsens veränderbar sein, was gegenseitigen Respekt, Akzeptanz und Grundkonsens voraus setzt. An dieser Stelle wird es Leute geben, die meinen, sie könnten bei vollem Willenseinsatz und existenziellem Handeln die gesellschaftlichen Verhältnisse einfach umkrempeln und sich von den bisherigen Normen verabschieden. Dies löst dann eine Spirale der Gewalt aus, die sich vorhersehbar zu Militäreinsätzen steigert.
"Warum gibt es eigentlich terroristische Organisationen?" Es hat sich eingebürgert, Fragen zu stellen und das war es dann auch. Was interessiert sind Inhalte, auch von denjenigen, die ständig nur Fragen an stellen. An wen richtet sich also eine solche Frage - vermutlich doch an Politik und Nato. Nur - heutzutage leben die Menschen in Mitteleuropa nicht sorgsam nach Völkern oder Religionen oder Sonstigem getrennt, sondern in engster Verzahnung mit völlig konträren Gruppen und Personen. Wer die Nato fragt, fragt auch die Taliban selber und wer den Politiker vor Ort fragt, könnte auch fragen, wie sein Preis für den Verkauf von BTM (Betäubungsmittel=Rauschgift) gerade ist. Insofern sind inhaltliche Aussagen bezüglich der Lösung oder zumindest Entschärfung einer komplexen Situation notwendig. An dieser Stelle wird man die anthropologische Komponente, die Situation des Menschseins, nicht völlig außen vor lassen können, d.h. ein System von Normen und Regeln muss vorhanden sein, sonst ist die Spezies in einer Region bedroht und diese Gesetze müssen diskutierbar und im Konsens veränderbar sein, was gegenseitigen Respekt, Akzeptanz und Grundkonsens voraus setzt. An dieser Stelle wird es Leute geben, die meinen, sie könnten bei vollem Willenseinsatz und existenziellem Handeln die gesellschaftlichen Verhältnisse einfach umkrempeln und sich von den bisherigen Normen verabschieden. Dies löst dann eine Spirale der Gewalt aus, die sich vorhersehbar zu Militäreinsätzen steigert.
Vielleicht versuchen Sie es fürs erste einmal mit etwas mehr sprachlichem Respekt hier im Threat und mit vor allem mit einigen Sachargumenten.
Ich habe ebenfalls massive Probleme z.B. mit der US-Hegemonie in der NATO und finde viele der Ansätze von Herrn Ladurner sehr erwägenswert.
Mich würde jedenfalls mal das von Ihnen angeführte erfolgreiche Anti-Taliban-Rezept interessieren. Könnten Sie uns das bitte näher erläutern?
.
ausschütten. Die NATO hat uns (und anderen Völkern)Jahrzehnte des Friedens beschert und muss dies auch weiterhin tun. (Nation-Building ist nicht die Kernaufgabe).
Sie hat auch nicht das Ziel, uns gegen den Klimawandel zu verteidigen.
Der Einsatz gegen den Terror muss jedoch genau analysiert und begrenzt werden.
Zudem ist die NATO die einzige Möglichkeit der Europäer im strategischen Wettstreit zwischen USA und China ein Wort mitzureden. Noch eine höhere Bedeutung hat sie für das Verhälnis zu Russland.
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