Afghanistan-Strategie Nato will mehr als 7000 Soldaten schicken

Nicht nur die USA, sondern auch ihre Nato-Partner wollen die Truppenpräsenz am Hindukusch verstärken. Deutschland allerdings zögert – zum Ärger einiger Verbündeter.

Zögerlicher Gesprächspartner: Außenminister Westerwelle auf dem Nato-Treffen in Brüssel

Zögerlicher Gesprächspartner: Außenminister Westerwelle auf dem Nato-Treffen in Brüssel

30.000 Soldaten aus den USA, mehr als 7000 von den Verbündeten: Die von der Nato geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf wird massiv aufgestockt. Wie Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen mitteilte, wollen "mindestens 25 Länder" zusätzliche Soldaten schicken. "Sie haben 7000 angeboten und es werden noch mehr kommen", sagte er in Brüssel nach Beratungen der Nato-Außenminister. Rasmussen wollte nicht sagen, wie viele dieser Länder Mitglieder des Verteidigungsbündnisses sind.

Die USA zeigten sich zufrieden mit der Reaktion der Partner. "Die Antwort war positiv", sagte US-Außenministerin Hillary Clinton. Dabei betonte sie, dass es dabei um das ganze Spektrum gehe, also um "mehr Kampftruppen und um mehr Ausbilder". Überhaupt gebe es keine "eindeutige Unterscheidung zwischen den beiden, so wie manche unrealistischerweise behaupten", fügte sie hinzu. "Denn die beste Art, eine Kampfeinheit zu schaffen, liegt in der Ausbildung während eines Kampfes."

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Auch Rasmussen betonte, dass die Nato alles tun müsse, um die Ausbildung von Soldaten und Polizisten voranzutreiben. Nur dann sei es möglich, die Verantwortung für die Sicherheit in Teilen des Landes bereits im kommenden Jahr an die afghanischen Sicherheitskräfte zu übertragen. "Übergabe bedeutet nicht Abzug", sagte er. "Wir werden die Afghanen nicht alleine lassen, damit sie wieder in die Hände von Terroristen und Extremisten fallen. Das wird nicht passieren." Rasmussen fügte hinzu: "Es gibt keinen Zweifel, dass es schwierig wird. Niemand sollte sofortige Ergebnisse erwartet. Aber mit dem richtigen Herangehen und den richtigen Ressourcen können wir Erfolg haben."

Beide Politiker zielten damit vor allem auf die Position der Bundesregierung, die sich bei den Beratungen in Brüssel zurückhielt. Vor dem Hintergrund der internationalen Afghanistan-Konferenz am 28. Januar forderte Außenminister Guido Westerwelle eine strategische Debatte über die Ziele des Afghanistan-Einsatzes. "Aber eine Debatte, die sich lediglich auf die Frage verkürzt, wie viel Soldaten mehr oder nicht – das ist aus unserer Sicht weder zielführend noch angemessen", fügte er hinzu.

Westerwelle bekräftigte aber, dass Deutschland sich stärker am zivilen Aufbau des Landes beteiligen wolle. "Wir sind bereit, mehr zu tun, insbesondere beim Aufbau der Polizei, der Schulung der Polizei." Es müsse "eine selbst tragende Sicherheit in Afghanistan durch die Afghanen selbst geben".

Dennoch geraten die Deutschen zusehends unter Zugzwang. Der britische Außenminister David Miliband verlangte mehr Engagement von denjenigen, die sich mit Angeboten zusätzlicher Truppen bisher zurückhielten. "Ich glaube, jeder Außenminister bei diesem Treffen und jede Regierung muss sich fragen, ob sie alles tun, was möglich ist, auf der militärischen und der zivilen Seite, um einen Erfolg in Afghanistan zu sichern." Der Einsatz sei in einer entscheidenden Phase. "Wir wissen alle, dass Afghanistan in den neunziger Jahren der Brutkasten des internationalen Terrorismus und für den weltweiten Dschihad war. Deshalb ist sehr wichtig, dass wir jetzt vorankommen."

Am kommenden Montag hält die militärische Führung der Nato eine Truppenstellerkonferenz für den Isaf-Einsatz ab. Bisher machten Italien mit 1000 Soldaten zusätzlich und das Nicht-Nato-Mitglied Georgien mit 900 Einsatzkräften die größten Angebote. Großbritannien will seine Truppenstärke um 500 auf 10.000 erhöhen. Polen schickt 600 Soldaten mehr. Auch die Slowakei, Portugal und Albanien legten sich bereits fest.

Hinter den Kulissen wächst auch der Druck auf die Niederlande und Kanada, ihre Pläne für einen Abzug aus Afghanistan bis 2011 aufzugeben. Davon wären fast 5000 Soldaten betroffen.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 04.12.2009 um 13:44 Uhr

    ...zum Ärger einiger Verbündeter."

    Das ist den Hiesigen noch recht unklar, aber Deutschland wird in wichtigen Kreisen alliierter und befreundeter Regierungen und Medien zunehmend als unzuverlässig, falsch und Einer der von Anderen schmarotzt gesehen. Als die Kanadier, Holländer oder Australier die deutsche Feigheit und Pflicht Vernachlässigung in Afghanistan monierten letztes Jahr, wurde das hier kaum in den Medien und fast gar nicht von der Politik erwähnt und überhaupt nicht diskutiert.
    Es passt ja auch nicht zum Image, das man nach Aussen gerne verkauft und nach Innen öffentlich feiert. Man ignoriert die Ausländer da lieber und sitzt es aus. Das ist nicht sehr klug. Früher ging das, weil die Amerikaner recht langmütig waren und es einfacher war Dinge selbst zu tun als langwierig mit Beamten zu labern. Die Holländer und Kanadier sehen das enger, mit ihren toten Soldaten bspw. Die finden es schäbig, wie die Deutschen sich verkrochen haben, um Anderer Soldaten für sie sterben zu lassen. Selbst um die afghanischen Polizisten anständig auszubilden, wie Berlin das versprochen hatte, hatten die Deutschen zu viel Angst.
    Und jeder weiss, Deutschland ist Exportweltmeister und lebt von der internationalen Sicherheit und lässt andere bezahlen und dafür sterben. Das ist nicht cool.

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    Nicht cool ist es aber auch, einen sinnlosen Krieg, der Deutschland/Österreich/die Niederlande/Frankreich/etc. nichts angeht, künstlich weiterzuführen und dafür eigene Soldaten zu opfern. Abgesehen davon, dass der 'Krieg gegen den Terror' nicht funktioniert, da man Terror nicht an ein Land oder eine Organisation festmachen kann und 'Terror' somit nicht bombardieren kann.
    Ich hoffe, dass sowohl Deutschland als auch die Niederlande und Kanada konsequent bleiben und Rückgrat zeigen!

    Nicht cool ist es aber auch, einen sinnlosen Krieg, der Deutschland/Österreich/die Niederlande/Frankreich/etc. nichts angeht, künstlich weiterzuführen und dafür eigene Soldaten zu opfern. Abgesehen davon, dass der 'Krieg gegen den Terror' nicht funktioniert, da man Terror nicht an ein Land oder eine Organisation festmachen kann und 'Terror' somit nicht bombardieren kann.
    Ich hoffe, dass sowohl Deutschland als auch die Niederlande und Kanada konsequent bleiben und Rückgrat zeigen!

  1. Nicht cool ist es aber auch, einen sinnlosen Krieg, der Deutschland/Österreich/die Niederlande/Frankreich/etc. nichts angeht, künstlich weiterzuführen und dafür eigene Soldaten zu opfern. Abgesehen davon, dass der 'Krieg gegen den Terror' nicht funktioniert, da man Terror nicht an ein Land oder eine Organisation festmachen kann und 'Terror' somit nicht bombardieren kann.
    Ich hoffe, dass sowohl Deutschland als auch die Niederlande und Kanada konsequent bleiben und Rückgrat zeigen!

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    • joG
    • 04.12.2009 um 17:46 Uhr

    ...internationale Sicherheit nichts an, müsste substantialisiert werden, widerspricht sie doch jeglicher Theorie von öffentlichen Gütern. Auch die Frage nach den Mitteln, die man einsetzen kann bzw muss ist etwas wenig gut ausgebaut und hypothtisch in Ihrem Beitrag. Wo sich tausende Verbrecher in Waffen organisieren, scheinen auch militärische Mittel angezeigt.
    Dass man nie derjenige sein will, der ein öffentliches Gut bezahlt, ist klar. Und diese Free Rider Mentalität scheinen Ihre Argumente alleine bedienen zu wollen.

    • joG
    • 04.12.2009 um 17:46 Uhr

    ...internationale Sicherheit nichts an, müsste substantialisiert werden, widerspricht sie doch jeglicher Theorie von öffentlichen Gütern. Auch die Frage nach den Mitteln, die man einsetzen kann bzw muss ist etwas wenig gut ausgebaut und hypothtisch in Ihrem Beitrag. Wo sich tausende Verbrecher in Waffen organisieren, scheinen auch militärische Mittel angezeigt.
    Dass man nie derjenige sein will, der ein öffentliches Gut bezahlt, ist klar. Und diese Free Rider Mentalität scheinen Ihre Argumente alleine bedienen zu wollen.

  2. Deusche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt!

    Reicht doch aus oder? Müßen da dann auch noch deutsche ganz praktisch mitmorden?

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    • joG
    • 04.12.2009 um 17:55 Uhr

    ...anderen auch durch Aufbauleistungen und Polizeiausbildung für die Afghanen überzeugen, würden sie die versprochenen Leistungen erbracht haben oder zumindest erbringen würden. Das tut man aber in keiner Weise. Rechnen Sie einfach überschlägig durch, was Andere finanziell und menschlich einsetzen und vergleichen Sie das mit den deutschen Leistungen.

    • joG
    • 04.12.2009 um 17:55 Uhr

    ...anderen auch durch Aufbauleistungen und Polizeiausbildung für die Afghanen überzeugen, würden sie die versprochenen Leistungen erbracht haben oder zumindest erbringen würden. Das tut man aber in keiner Weise. Rechnen Sie einfach überschlägig durch, was Andere finanziell und menschlich einsetzen und vergleichen Sie das mit den deutschen Leistungen.

  3. Wie wäre es, wenn wir unsere armen Bundeswehrsoldaten am Hindukusch durch Landesbanker ersetzen und das Ganze fortan als "Die afghanische Finanzkrise" bezeichnen ?

    • TeMu
    • 04.12.2009 um 16:22 Uhr

    Egal ob cool oder uncool,
    eine gewählte deutsche Regierung ist mit riesiger öffentlicher Unterstützung nach Afghanistan gegangen (nachdem hauptsächlich die USA die militärische Vorarbeit geleistet hat) bis heute hat man sehr Vieles ausprobiert. Und jetzt gibt es seit Jahren die erste große Möglichkeit eines gemeinsamen (hoffentlich sehr gut koordinierten [militärisch, wie entwicklungtechnischen])Vorgehens. Sollte es (aus der Vielzahl seit Jahren bekannter Gründe) scheitern, können weder weitere Jahre des Stationiert-bleibens, noch eine weitere Aufstockung der Soldaten helfen. Dann wäre der Moment für den Abzug gekommen vorher sollten die derzeitigen Möglichkeiten genutzt werden, sich der eigenen VERANTWORTUNG zu stellen - denn man ist nicht nur als "Mitläufer" mit nach Afghanistan gegangen - gesucht wurde eine neue außenpolitische Rolle für die BRD - die man bis heute nicht gefunden hat. (Die daraus resultierende Vorsicht wird im Ausland zunehmend als Feigheit und "New German Angst" erkannt). Und man ist es der afghanischen Bevölkerung schuldig, sein Bestes zu versuchen, nachdem man ihnen seit Jahren Mut gemacht hat und sie dann denen überlässt, gegen die sie mit dem Westen kooperiert haben. Wer so etwas im Namen des Pazifismus fordert, sollte seine eigenen moralischen Maßstäbe der Realität anpassen.

    • TeMu
    • 04.12.2009 um 16:22 Uhr

    Dies scheint die letzte große Chance zu sein, die die Alliierten (und v.a. Obama) in Afghanistan haben werden. Ein Abzug ohne das Äußerste (die verschiedenen sich verschlechternden Afghanistan-Umfragen der beteiligten [auch Ex-] Alliierten beweisen, dass der Punkt erreicht ist) versucht zu haben, wäre ein weiterer großer Schritt hin zum Ende des "Westens".

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    • wlfbt
    • 04.12.2009 um 17:01 Uhr

    platzte mit der Entfernung der Mauer.

    deVillepin, Schroeder und Rumsfeld haben dafuer gesorgt, dass es nie wieder zusammen gehoert.

    Ob die EU ein Spaltung Deutschland's von Frankreich (wie jetzt von England) ueberlebt, muss man der Zukunft ueberlassen. Viel wird wohl davon abhaengen, was aus der Einwanderungsflut aus den musliminischen Gebieten wird.

    • wlfbt
    • 04.12.2009 um 17:01 Uhr

    platzte mit der Entfernung der Mauer.

    deVillepin, Schroeder und Rumsfeld haben dafuer gesorgt, dass es nie wieder zusammen gehoert.

    Ob die EU ein Spaltung Deutschland's von Frankreich (wie jetzt von England) ueberlebt, muss man der Zukunft ueberlassen. Viel wird wohl davon abhaengen, was aus der Einwanderungsflut aus den musliminischen Gebieten wird.

    • wlfbt
    • 04.12.2009 um 16:55 Uhr

    zu den Verbuendeten der USA? Wer glaubt das denn? Die Amerikaner haben es sich abgewoehnt.

    • wlfbt
    • 04.12.2009 um 17:01 Uhr

    platzte mit der Entfernung der Mauer.

    deVillepin, Schroeder und Rumsfeld haben dafuer gesorgt, dass es nie wieder zusammen gehoert.

    Ob die EU ein Spaltung Deutschland's von Frankreich (wie jetzt von England) ueberlebt, muss man der Zukunft ueberlassen. Viel wird wohl davon abhaengen, was aus der Einwanderungsflut aus den musliminischen Gebieten wird.

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