Hindukusch-Strategie Obama schickt weitere 34.000 Soldaten nach Afghanistan

Stabilität in Afghanistan – und das möglichst schnell: Dafür will US-Präsident Obama die Truppen massiv aufstocken. Auch seine Verbündeten sollen mehr Soldaten schicken.

Monatelang hatte US-Präsident Barack Obama mit seinen wichtigsten Ministern und Beratern darüber debattiert, ob er die Forderungen seines Oberbefehlshabers in Afghanistan, General Stanley McCrystal, tatsächlich erfüllen soll. Der Isaf-Oberkommandierende hatte die Regierung schon vor Wochen aufgefordert, weitere 40.000 Soldaten an den Hindukusch zu entsenden. Nun ist Obama offenbar dazu bereit – allerdings will er, dass auch die Nato und die weiteren US-Verbündeten ihren Beitrag leisten.

Nach einem Bericht der Washington Post unter Berufung auf Regierungsbeamte und Diplomaten will das Weiße Haus 34.000 zusätzliche Soldaten an den Hindukusch schicken, um den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban zu gewinnen. Zudem werde Obama die Nato und die anderen Alliierten um die Entsendung von weiteren 5000 Mann bitten. Die Truppenaufstockung – die Zahl der amerikanischen Soldaten am Hindukusch würde dann auf mehr als 100.000 anschwellen – soll laut der Zeitung auf zwölf bis 18 Monate befristet sein.

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Bereits in den nächsten Wochen soll schrittweise mit der Truppenaufstockung begonnen werden, berichtete die Zeitung weiter. Abgesehen von Marineinfanteristen, die im Januar abreisen sollen, sei noch nicht festgelegt, welche Einheiten folgen sollen. Dies hängt offenbar auch vom Entgegenkommen der afghanischen Regierung ab. So denke Washington daran, abhängig von den Leistungen von Präsident Hamid Karsai die Entsendung der Truppen zu unterbrechen oder die Gesamtzahl zu verringern, schreibt die Post unter Berufung auf Beamte des Verteidigungsministeriums.

Obama werde in seiner Rede überdies einen Plan darlegen, der nach Einschätzung der Zeitung einer Abzugs-Strategie sehr nahe kommt. Im Zentrum stünden dabei Maßnahmen, die Regierung in Kabul zu stärken, sodass die afghanischen Sicherheitskräfte schrittweise die Kontrolle über ihr eigenes Land übernehmen können. Es sei zu erwarten, dass der Präsident auch spezifische Zielmarken nenne, die er politisch wie auch militärisch erreicht sehen wolle.

Allgemein wird angenommen, dass Obama in seiner Rede vor der Militärakademie West Point auch einen verstärkten Wiederaufbau ankündigen wird. Damit könnte eine von Vizepräsident Joe Biden befürwortete intensivierte Terrorbekämpfung etwa mithilfe unbemannter Drohnen einhergehen. Darüber hinaus erwägen die USA, die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte zu verbessern. Ihnen soll auf diese Weise möglichst rasch die Verantwortung für die Bekämpfung der Taliban und der Extremistengruppe al-Qaida übertragen werden.

Weitere Truppen und ein Zeitplan für den Abzug: Das ist also der Kern der neuen Afghanistan-Strategie des US-Präsidenten, die er am Dienstagabend (Ortszeit) vor Kadetten der traditionsreichen Militärakademie von West Point darlegen will. Die Rede wird zur besten Sendezeit im Fernsehen übertragen.

Marschieren, schießen, Häuser stürmen
Fotostrecke: Afghanische Sicherheitskräfte sollen bald allein gegen Taliban und Terroristen kämpfen. Ausländische Ausbilder zeigen ihnen, wie das geht. Ulrich Ladurner berichtet

Fotostrecke: Afghanische Sicherheitskräfte sollen bald allein gegen Taliban und Terroristen kämpfen. Ausländische Ausbilder zeigen ihnen, wie das geht. Ulrich Ladurner berichtet

Nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN hat Obama Verteidigungsminister Robert Gates und hohe Militärs bereits angewiesen, die neue Strategie umzusetzen. Zugleich informierte er mehrere europäische Staatschefs, darunter den russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi und den britischen Premier Gordon Brown.

Letzterer hatte bereits angekündigt, 500 weitere Soldaten an den Hindukusch zu schicken. Damit erhöhe sich die Zahl der Briten – inklusive Sondereinheiten – auf mehr als 10.000, sagte Brown vor dem Unterhaus in London. Die Soldaten sollten im Dezember zur Verfügung stehen, acht Nato-Staaten hätten bereits Zusagen über mehr Soldaten gemacht. Welche Staaten dies sind, sagte er aber nicht.

Die Frage eines stärkeren Engagements der Alliierten betrifft auch Deutschland. Berlin hat derzeit 4500 Soldaten am Hindukusch stationiert und stellt damit das drittgrößte Kontingent. Eine Entscheidung über eine Aufstockung liegt bisher nicht vor. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will die internationale Afghanistan-Konferenz Ende Januar abwarten.

Dennoch hatte US-Sicherheitsberater James Jones den außenpolitischen Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Christoph Heusgen, bereits am vergangenen Freitag über den Inhalt der geplanten Rede informiert. In Berlin heißt es, dass Obama nun auch die Kanzlerin in einem persönlichen Telefonat unterrichten will.

 
Leser-Kommentare
  1. Entsendung weitere Truppen, gepaart mit einem Wattebausch für die Kriegsgegner, genannt "Zeitplan für den Abzug"...

  2. Auch Obama faellt offenbar nichts besseres ein, als mehr Krieg. Scheinbar muss wohl jeder seine eigenen Fehler machen, nur nicht aus den eigenen Niederlagen und den anderer lernen. Schlieslich ist man ja die Grossmacht Amerika und es waere doch gelacht, wenn man dem Voelkchen am Hindukusch nicht zeigen koennte, was wir hier unter Demokratie verstehen. Zum Beispiel einem "Praesidenten" an die Macht zu hieven, der mehr das Problem, als die Loesung ist. Aber wie man liest, gibt es bereits Ausstiegsszenarien und das laesst hoffen.

    • joG
    • 01.12.2009 um 8:26 Uhr

    ... am Hindukusch stationiert und stellt damit das drittgrößte Kontingent."

    Wenn man bedenkt, dass das kleinere England 10.000 und berechnet auf 100.000 US Truppen eine angemessene (Handelsvolumen,Bevölkerung,BIP) deutsche Verantwortungsübernahme weit über 20.000 wären...

    Da würde ich nicht darauf hinweisen, wie man das hier tut, dass ich das "drittgrößte Kontingent" stelle. Es ist nämlich peinlich, wenn man so tut als würde man viel tun und damit enthüllt, das man nicht einmal Bedeutung noch Dimension verstanden hat.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...gute Forderung.

    Sie erinnern sich an meine Rechnung ?
    200000€/Jahr/Soldat (arme ostdeutsche Schlucker sind billiger als amerikanische arme Schlucker) ?
    2 Millarden Euro im Jahr für 10.000 Soldaten.
    Wenn es Ihnen denn Wert ist...

    Aber Sie wissen natürlich auch das das viel zu wenig Soldaten sind, WENN Sie denn erfolgreich sein wollen...

    ...gute Forderung.

    Sie erinnern sich an meine Rechnung ?
    200000€/Jahr/Soldat (arme ostdeutsche Schlucker sind billiger als amerikanische arme Schlucker) ?
    2 Millarden Euro im Jahr für 10.000 Soldaten.
    Wenn es Ihnen denn Wert ist...

    Aber Sie wissen natürlich auch das das viel zu wenig Soldaten sind, WENN Sie denn erfolgreich sein wollen...

  3. Es ist wirklich erstaunlcih wie wenig man lernen und die Wahrheit anerkennen kann. Einfach mehr Soldaten und die Polizei aufbauen, ist nicht wirklich was neues. Die Polizei ist korrupt, Taliban beherrschen ganze Gebiete, terroriesieren die Bevölkerung und Soldaten sind überfordert. Wie wäre es mal verstärkt mit der Zivilbevölkerung zu arbeiten und besonders den unterdrückten Frauen zu helfen. Eine Gesellschaft, die ihre weibliche Mehrheit so unterdrückt kann nur scheitern. Mehr zivile Hilfe! Persönlich bin ich mehr als enttäuscht von Herrn Obama! Ich hoffe das wenigstens deutsche Strategien sich weiterentwickeln und auf Friedens- und Konfliktlösungen setzen!

  4. Zivile Hilfe kann nur erfolgreich sein, wenn sie durch militaerische Truppen flankiert wird. Die taliban scheren sich nicht um die freiheit der Frauen und andere Prinzipien der westlichen Truppen.
    Sie verstehen nur die Sprache der Gewalt. Wenn man will, dass Afghanistan zu einem erfolg, d.h. dass man abziehen kann und dabei sein Gesicht wahren kann, werden soll, sind mehr Truppen unerlaesslich. Gerade weil viele Gebiete von der Taliban besetzt sind, muessen ja mehr Soldaten her. Obama hat richtig gehandelt. Von der Illusion, einen Umbruch in der afghanischen Gesellschaft zu erreichen, sollte man allerdings langsam Abstand nehmen.

  5. ...gute Forderung.

    Sie erinnern sich an meine Rechnung ?
    200000€/Jahr/Soldat (arme ostdeutsche Schlucker sind billiger als amerikanische arme Schlucker) ?
    2 Millarden Euro im Jahr für 10.000 Soldaten.
    Wenn es Ihnen denn Wert ist...

    Aber Sie wissen natürlich auch das das viel zu wenig Soldaten sind, WENN Sie denn erfolgreich sein wollen...

  6. http://gedichte-freude.bl...

    Soldat 2009

    Wenn ich zum Advent
    Den Taliban besiege
    Vielleicht bin ich zu Weihnachten
    Zu Hause

    Vielleicht vor dem Sandsturm
    Vielleicht vor der Kirchblüte
    Vielleicht vor der Sprengung

    Götter vor dem Einen
    Sparte die Kugel
    Kann ich nur eine halten

    Nach Hause kommen
    Zu Plätzen und Heim Zurück
    Zwischen vor und zurück Differenzen

    Vielleicht bin ich zu Weihnachten
    Zu Hause
    Make friends home
    Meinen Hals zu retten
    Mit einem Blumenstrauß
    Leben tötet den Frieden

    © Manfred H. Freude, Nr. von Manfred H. Freude
    Aachen, 2009-12-12

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