Obamas Osloer Rede Ein Mutmacher, den die Welt braucht

Obama agierte geschickt: In seiner Rede stilisierte er sich nicht als Friedensstifter. Damit bewies er: Er hat den Friedensnobelpreis verdient. G. Appenzeller kommentiert

Warum wird der Mann mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet? Diese Frage haben nicht nur amerikanische Kritiker des Präsidenten der USA gestellt. Noch kein Jahr ist Obama im Amt. Vieles hat er begonnen, bisher nichts davon erfolgreich zu Ende geführt. Von seinem Vorgänger übernahm er die Verantwortung für zwei Kriege. Bei beiden ist ein gesichtwahrendes Ende allein absehbar für den, der an Wunder glaubt. Und dafür den Friedensnobelpreis?

Seit der Verleihung kann man besser verstehen, warum die Entscheidung des Komitees für Barack Obama wohl doch nicht so falsch gewesen ist. Denn der amerikanische Präsident versuchte gar nicht erst, sich als Friedenstifter zu präsentieren.

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Nein, er erklärte seinem Publikum – und damit war natürlich auch die Weltöffentlichkeit gemeint, vorneweg die amerikanische – warum Kriege manchmal unausweichlich sind, um Gerechtigkeit herzustellen oder zumindest eine schreiende Ungerechtigkeit zu beenden. Die Vision vom "gerechten Krieg" als ethische Rechtfertigung militärischer Gewalt beschäftigt Philosophen, Herrscher und Herrschende seit der Antike. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur ein als legitim angesehenes Ziel die Anwendung von Gewalt rechtfertigt – und die bittere Erkenntnis, dass das Böse in dieser Welt eben nicht immer mit friedlichen Mitteln zu besiegen ist.

Barack Obama, der nicht hätte Präsident werden können ohne den waffenlosen Kampf Martin Luther Kings gegen den Rassismus und für die gleichen Rechte aller Amerikaner, berief sich auf eben diesen schwarzen Prediger, berief sich auf Mahatma Gandhi und Albert Schweitzer, als er die alle menschlichen Niederungen überwölbende Kraft der Idee vom Frieden pries. Und er blickte eben doch auch in die Abgründe dieser Welt, als er erinnerte, dass Hitler nicht ohne die Anwendung von Gewalt hätte besiegt werden können. Das knüpft, in einigen Passagen fast wörtlich, an einen transatlantischen Briefwechsel an, in dem sich 2002 auch in dieser Zeitung amerikanische Intellektuelle mit der Kritik am Krieg in Afghanistan auseinandersetzten und deutsche Publizisten und Wissenschaftler darauf antworteten.

Obama hat zwar beide Kriege von Bush in einem sein Land furchtbar belastenden Sinn als Erbe übernommen. Aber gleichzeitig ist er auch dabei, sich von diesem Erbe zu lösen. Das wird immer dann deutlich, wenn er, wie jetzt wieder in Oslo, beschwört, dass "wir uns selbst verlieren, wenn wir die Ideale verraten, die zu verteidigen wir in den Kampf gezogen sind".

Man kann es illusionär nennen, wenn Barack Obama von dem göttlichen Funken spricht, der "in jedem von uns glimmt". Aber es ist genau dieser Glaube an das Gute im Menschen, an die letztlich immer siegende Kraft der Wahrheit und an die Überlegenheit der Freiheit und der Menschenrechte, die Obama in sein Amt gebracht haben und die ihn zum Hoffnungsträger für Menschen auf der ganzen Welt machten.

Ja, dieser Friedensnobelpreis ist auch ein Wechsel auf die Zukunft. Aber wenn es keine Menschen gibt, die an die überragende Kraft der Ideen der Aufklärung und der Gerechtigkeit glauben, wird es diese Zukunft auch nicht geben.

Martin Luther Kings bekannteste, in ein Bild gekleidete Prophezeiung eines Landes der Gleichen beginnt mit den Worten: "I have a dream". Obamas Traum von einer besseren Welt ist jetzt ausgezeichnet worden. Die Welt hat nicht zu viel, sie hat viel zu wenig solcher Mutmacher.

Erschienen in Der Tagesspiegel.

 
Leser-Kommentare
  1. ...Logik: "In seiner Rede stilisierte er sich nicht als Friedensstifter. Damit bewies er: Er hat den Friedensnobelpreis verdient."

    Wenn es danach ginge, wäre ich der ideale Anwärter auf den Physik-Preis, ich habe auch keine Ahnung davon und behaupte dies auch nicht.

    Mann o Mann!

    • luccas
    • 10.12.2009 um 19:48 Uhr
    2. So so.

    Man hat also einen Friedensnobelpreis verdient, weil man gute Redenschreiber hat, ansonsten aber nur rumkruschtet.
    Auf so einen Schmarren muss man erst mal kommen.

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    • joG
    • 11.12.2009 um 6:18 Uhr

    ...gewählt und schön waren, könnte er den Preis verdient haben sondern, weil die Worte eine den Gutmenschen unbequeme Wahrheit an einer Heiligenstätte des Gutmenschentum aussprach. Militär und dessen Einsatz ist manchmal notwendig und in Afghanistan handelt es um einen solchen Fall.

    • joG
    • 11.12.2009 um 6:18 Uhr

    ...gewählt und schön waren, könnte er den Preis verdient haben sondern, weil die Worte eine den Gutmenschen unbequeme Wahrheit an einer Heiligenstätte des Gutmenschentum aussprach. Militär und dessen Einsatz ist manchmal notwendig und in Afghanistan handelt es um einen solchen Fall.

  2. in Kommentar 1 und 2 (und sicherlich noch viele weitere, nachfolgende) fragen, wem sie an Stelle von Obama den Friedensnobelpreis verliehen hätten?

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    ..."Verleihzwang", lieber Freund, man kann auch auf die Vergabe verzichten, wenn es kein lohnendes "Opfer" gibt.

    • iDog
    • 10.12.2009 um 23:15 Uhr

    hallo man - wie waers mit ihnen - sie tun doch wirklich keiner fliege was zuleide - und ich sags mal so - fast jeder waere besser gewesen als obama . zmindest waer die liste mit den schlechteren kandidaten sehr sehr kurz.

    • iDog
    • 10.12.2009 um 23:16 Uhr

    geht dieses jahr an die ZEIT!

    vieleicht eionem neugeborenen, der kann nichts schlimmes gemacht haben

    aber mit sicherheit keinem amerikaner, so militant wie die auftreten, wie durch ihren einfluss menschnerechte, freiheit und frieden verloren gehen ist mit einem friedensnobelpreis nicht vereinbar - hätte obama rückgrat hätte er dankend abgelehnt

    niemand verkauft mehr waffen an verfeindete staaten, regime und despoten als amerika, egal wer, wenn der rubel rollt, dann wird von den amis geliefert und auch ausgebildet, niemand entwickelt schrecklichere waffensysteme als amerika, sowohl chemische, biologische als auch atomare

    würden die chinesen so auftreten wie die amis, dann hätten wir schon lange den dritten weltkrieg, na dann müsste man sich auch keine gedanken mehr um friedensnobelpreisvergaben machen, denn menschen gäbe es dann nicht mehr

    im übrigen sollte man keinem regierungsmitglied auf dieser welt einen friedensnobelpreis verleihen

    ..."Verleihzwang", lieber Freund, man kann auch auf die Vergabe verzichten, wenn es kein lohnendes "Opfer" gibt.

    • iDog
    • 10.12.2009 um 23:15 Uhr

    hallo man - wie waers mit ihnen - sie tun doch wirklich keiner fliege was zuleide - und ich sags mal so - fast jeder waere besser gewesen als obama . zmindest waer die liste mit den schlechteren kandidaten sehr sehr kurz.

    • iDog
    • 10.12.2009 um 23:16 Uhr

    geht dieses jahr an die ZEIT!

    vieleicht eionem neugeborenen, der kann nichts schlimmes gemacht haben

    aber mit sicherheit keinem amerikaner, so militant wie die auftreten, wie durch ihren einfluss menschnerechte, freiheit und frieden verloren gehen ist mit einem friedensnobelpreis nicht vereinbar - hätte obama rückgrat hätte er dankend abgelehnt

    niemand verkauft mehr waffen an verfeindete staaten, regime und despoten als amerika, egal wer, wenn der rubel rollt, dann wird von den amis geliefert und auch ausgebildet, niemand entwickelt schrecklichere waffensysteme als amerika, sowohl chemische, biologische als auch atomare

    würden die chinesen so auftreten wie die amis, dann hätten wir schon lange den dritten weltkrieg, na dann müsste man sich auch keine gedanken mehr um friedensnobelpreisvergaben machen, denn menschen gäbe es dann nicht mehr

    im übrigen sollte man keinem regierungsmitglied auf dieser welt einen friedensnobelpreis verleihen

  3. ..."Verleihzwang", lieber Freund, man kann auch auf die Vergabe verzichten, wenn es kein lohnendes "Opfer" gibt.

    Antwort auf "Darf ich die Kritiker"
  4. So darf man wohl die Demut des US-Praesidenten nennen, der sonst keine Worte gefunden haette, für den Friedens-Nobelpreis zu danken.

    Aber brillant ist ja schon, was die Jury geleistet hat: Einem Staatsmann den Friedenspreis zu verleihen, der noch gar nichts für den Frieden, für den er sich einsetzte, getan hat. Vorschuss gewissermassen.

    Alles schön und gut - aber was dann, wenn er diesen Vorschuss nicht zurück zahlt?

  5. meines Kommentar 3

    "3. Darf ich die Kritiker

    in Kommentar 4 und 5 (und sicherlich noch viele weitere, nachfolgende) fragen, wem sie an Stelle von Obama den Friedensnobelpreis verliehen hätten?

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    George W. Bush natürlich.

    Wenn "Kriege manchmal unausweichlich sind, um Gerechtigkeit herzustellen oder zumindest eine schreiende Ungerechtigkeit zu beenden.." dann gebührt doch wohl dem Expräsidenten das Lob diesen friedensstiftenden Prozess begonnen zu haben.

    George W. Bush natürlich.

    Wenn "Kriege manchmal unausweichlich sind, um Gerechtigkeit herzustellen oder zumindest eine schreiende Ungerechtigkeit zu beenden.." dann gebührt doch wohl dem Expräsidenten das Lob diesen friedensstiftenden Prozess begonnen zu haben.

    • xpol
    • 10.12.2009 um 20:30 Uhr

    ... kann sich mitfreuen.
    Es ist ja seine Politik, für die Obama den Friedensnobelpreis bekommt.
    Auch Obama reduziert weltpolitische Probleme letztendlich auf eine Frage der zur Verfügung stehenden Feuerkraft - und die hat er gerade durch Rekordrüstungsausgaben wieder erheblich gesteigert.

  6. Wenn sich keiner findet, dann eben keinem. Wenn es die Nobel-Ordnung unbedingt vorschreibt, dann lieber einer ehrlichen Putzfrau, die einen Briefumschlag mit 10 Mio Euro beim Fundbüro abgeliefert hat. (Denn sie gehörten einem friedliebenden Mann...)

    Sorry

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