"Obama versucht, in Sachthemen krampfhaft souverän zu wirken"
ZEIT ONLINE: Liegt das nicht vielleicht einfach daran, dass konservative Ideen leichter zu transportieren sind?
Lakoff: Nein, das stimmt nicht. Die Konservativen haben einfach Jahrzehnte mehr Erfahrung, und sie haben herausgefunden wie Sprache funktioniert. Unser vermeintlich freies Denken wird durch diejenigen beeinflusst, die bewusst bestimmte Metaphern in die öffentliche Diskussion einführen. Und sie wieder und wieder verwenden, überall, jeden Tag, bis sich unsere Gedanken tatsächlich verändern.
ZEIT ONLINE: Trotzdem hat Obama die Menschen durch seine Sprache berührt. Und Jon Favreau, der 28-jährige Redenschreiber Obamas, ist immer noch im Amt. Warum sollten seine Sätze an Magie verloren haben?
Lakoff: Jon Favreau ist begnadet, aber er kann nur das schreiben, was ihm gesagt wird. Im Wahlkampf gab es nur ein Ziel: Obama zum Präsidenten machen. Das hat sein Team gut gelöst. Aber jetzt gibt es viele Ziele. Und das sind keine Ideen mehr, sondern Politikdetails. Obama macht dabei denselben Fehler, den auch Hillary Clinton im Wahlkampf gemacht hat. Er versucht, in Sachthemen krampfhaft souverän zu wirken. Wenn es um die Krankenversicherung geht, listet er zwei Dutzend Gründe auf, warum sie sinnvoll ist. Aber sobald du eine Idee auf zwei Dutzend Gründe herunterbrichst, kann sie sich keiner mehr merken – und die Konservativen können jeden einzelnen Grund auseinander nehmen. Damit geht die Idee verloren. Die Konservativen haben die Ideale und Überzeugungen für sich gepachtet, die Demokraten denken zu praxisbezogen. Alle 80 konservativen Thinktanks entwickeln erst Ideen und setzen sie dann flächendeckend um. Die wenigen progressiven Thinktanks beginnen dagegen mit Sachthemen und nicht mit Ideen – und setzen sie nicht um.
ZEIT ONLINE: Sie schrieben einmal, dass Obama die patriotische Sprache wieder für die Demokraten gewonnen hat, nach Jahrzehnten konservativer Vorherrschaft.
Lakoff: Ja, im Wahlkampf. Aber er hat die Herrschaft wieder abgegeben, sobald er im Amt war. Hören Sie sich die Afghanistan-Rede an. Was Obama versucht hat, war seine Politik zu verteidigen, Stück für Stück, jeden zufriedenzustellen und einen politischen Kompromiss zu finden. Das ist tödlich für Ideen.
ZEIT ONLINE: Obama ist nicht der erste demokratische Präsident, der mit großen sozialen Ideen antritt, aber dann an bestimmten Institutionen scheitert. Auch Lyndon B. Johnson, John F. Kennedy und Bill Clinton ging es ähnlich. Was fehlt Ihnen?
Lakoff: Die Meinungsmaschine. Die Demokraten brauchen reiche Privatleute, die sich in die Medien einkaufen, genauso wie es die Konservativen machen. Progressive Millionäre wie George Soros hätten das machen können - haben sie aber nicht. Die Konservativen organisieren Sommercamps für 15-Jährige, in denen Trainer Rhetorik schulen; sie finanzieren Agenturen, die Talkshowgäste in jedem Bezirk buchen können; sie versenden täglich Millionen von Nachrichten über Twitter, Blogs und Facebook. Sie benutzen sogar ein eigenes System von Protestgruppen, die sogenannten "Tea-Party-People", die sie auch jetzt gegen die Gesundheitsreform auf die Straße schicken. Progressive haben das nicht – bräuchten es aber mehr denn je.
Die Fragen stellte Jonathan Stock.
- Datum 10.12.2009 - 14:54 Uhr
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bei bush war es einfach, der hat das gesagt was er dann auch getan hat, auch wenn es irre war
der obama sagt vernünftiges, handelt aber im endeffekt wie bush
"yes we can" sind seine worte, er hat bis jetzt nur bewiesen er kann es nicht
so einen "umfallerkaiser" wie den habe ich selten gesehen
Haetten Sie das Interview, das Sie komentieren, gelesen, wuerde Ihnen eine differenzierte Begruendung fuer Obamas Schwierigkeiten bewusst.
Es ist ein generelles Problem, dass diejenigen, die mit Ehrlichkeit sachlich, differenziert und diplomatisch vorgehen wollen, immer einen Nachteil gegenueber denen haben, die die Mittel durch den Zweck rechtfertigen, wenn die Zielgruppe den Unterschied nicht durchschaut.
Reiche Progressive sollen sich in die Medien einkaufen, um die Presse nach ihren Vorstellungen tanzen zu lassen? Das steht diametral zur Pressefreiheit und Aufklaerung, aber die Republikaner interessiert das nicht und haben auch noch Erfolg damit.
Wie soll eine Bevoelkerung, die nicht begreift, dass sie sich selbst zu dem Zustand, den sie beklagt, hat ueberreden lassen, verstehen, dass der Wandel ebenfalls aus ihnen heraus kommen muss?
Barack Obama laeuft Gefahr, an der Rueckstaendigkeit der amerikanischen Gesellschaft zu scheitern. Die Menschheit sind noch nicht bereit fuer einen solchen Praesidenten, und Obama hat ihre Bereitschaft vielleicht ueberschaetzt.
Man kann nur hoffen, dass es sich doch noch zum Guten wendet. Obamas Faehigkeit zur Selbstkritik laesst diese Moeglichkeit durchaus noch realistisch erscheinen.
Haetten Sie das Interview, das Sie komentieren, gelesen, wuerde Ihnen eine differenzierte Begruendung fuer Obamas Schwierigkeiten bewusst.
Es ist ein generelles Problem, dass diejenigen, die mit Ehrlichkeit sachlich, differenziert und diplomatisch vorgehen wollen, immer einen Nachteil gegenueber denen haben, die die Mittel durch den Zweck rechtfertigen, wenn die Zielgruppe den Unterschied nicht durchschaut.
Reiche Progressive sollen sich in die Medien einkaufen, um die Presse nach ihren Vorstellungen tanzen zu lassen? Das steht diametral zur Pressefreiheit und Aufklaerung, aber die Republikaner interessiert das nicht und haben auch noch Erfolg damit.
Wie soll eine Bevoelkerung, die nicht begreift, dass sie sich selbst zu dem Zustand, den sie beklagt, hat ueberreden lassen, verstehen, dass der Wandel ebenfalls aus ihnen heraus kommen muss?
Barack Obama laeuft Gefahr, an der Rueckstaendigkeit der amerikanischen Gesellschaft zu scheitern. Die Menschheit sind noch nicht bereit fuer einen solchen Praesidenten, und Obama hat ihre Bereitschaft vielleicht ueberschaetzt.
Man kann nur hoffen, dass es sich doch noch zum Guten wendet. Obamas Faehigkeit zur Selbstkritik laesst diese Moeglichkeit durchaus noch realistisch erscheinen.
Zumindest kann heute eines von O. behauptet werden:
Man weiß nicht genau, woran man bei ihm und seinen schönen Worten ist.
diese meinungsmaschine der konservativen nennt sich übrigens fox. und diese meinungsmaschine beeinflusst die zuschauer in einer art und weise, dass sie die falsche politik für die richtige halten - und umgekehrt. ich bin fassungslos.
sehr gutes interview, vor allem diese antwort:
"Change" kann nur durch euch kommen. In jedem einzelnen Punkt. Die Veränderung muss vom amerikanischen Volk kommen, indem es sie von seinen Repräsentanten fordert und darauf besteht.
DAS ist der springende punkt.
und das gilt auch für D-Land.
Ein winziges Beispiel:
Die Lebensmittelampel wurde erwartungsgemäß in die Tonne getreten. Und nun? Wir kaufen einfach bevorzugt Waren, die sie freiwillig aufweisen, oder dem zumindest nahe kommen.
step for step
und das gilt auch für D-Land.
Ein winziges Beispiel:
Die Lebensmittelampel wurde erwartungsgemäß in die Tonne getreten. Und nun? Wir kaufen einfach bevorzugt Waren, die sie freiwillig aufweisen, oder dem zumindest nahe kommen.
step for step
Die Analyse von Lakoff trifft's 100%.
Obama hatte nur eine Chance: Sofort, vom ersten Amtstag an seine Politik umzusetzen. Damit hätte er dem gesamten "System Amerika" - vom Militär über Geheimdienste usw. - kräftig gegen den Strich gebürstet.
Aber seine Wähler wären noch mobil gewesen und hätten ihn, auch auf der Straße, unterstützt.
Anstatt dessen hat wurde er vom System gefressen. Aus der Traum.
Man sieht überdeutlich, welche enormen Schäden die andauernden Kriege, die Amerika führt, auch im Inneren verursacht haben.
Wie Krank Amerika geworden ist.
Unfassbar. Was bilden eigentlich die Meckle unter euch und ZEIT ein?
Dass Obama nach fast einem Jahr die Welt in ein Paradies verwandeln hätte können?
Für mich geht es auch schleppend voran. Aber vill liegt es daran, dass er kein Diktator oder desgleichen ist und die Menschen weiterhin machen können, was sie wollen. siehe Israel.
ihr solltet euch mal schämen.^^
Die Analyse Lakoffs erscheint mir nachvollziehbar. Die Beschreibung der konservativen Meinungsmaschine ist erschreckend, zumal wenn man Lakoff folgt, man sich vorstellen kann, dass Obama weiterhin große Schwierigkeiten haben wird, wenn er im kommunikativen Bereich keine Änderungen vornimmt.
Lakoff sollte sein Berater werden.
Möglicherweise war das ja wirklich ein Bewerbungsschreiben, dann aber ein recht überzeugendes.
"Die Beschreibung der konservativen Meinungsmaschine ist erschreckend...", das kennen wir in D-Land, nix Neues also.
Also alles was verfügbar ist nutzen:
Flugblätter, Flyer, e-mails, sms, blogs, twitter, es gibt sogar mainstreamferne Magazine, und und und...
Man kann sogar mit ganz real wirklichen Menschen reden.
Und wenn wir dann noch den Fernseher ausmachen, ist die Propagandamaschine immerhin schon leicht in´s Stolpern geraten.
Möglicherweise war das ja wirklich ein Bewerbungsschreiben, dann aber ein recht überzeugendes.
"Die Beschreibung der konservativen Meinungsmaschine ist erschreckend...", das kennen wir in D-Land, nix Neues also.
Also alles was verfügbar ist nutzen:
Flugblätter, Flyer, e-mails, sms, blogs, twitter, es gibt sogar mainstreamferne Magazine, und und und...
Man kann sogar mit ganz real wirklichen Menschen reden.
Und wenn wir dann noch den Fernseher ausmachen, ist die Propagandamaschine immerhin schon leicht in´s Stolpern geraten.
Haetten Sie das Interview, das Sie komentieren, gelesen, wuerde Ihnen eine differenzierte Begruendung fuer Obamas Schwierigkeiten bewusst.
Es ist ein generelles Problem, dass diejenigen, die mit Ehrlichkeit sachlich, differenziert und diplomatisch vorgehen wollen, immer einen Nachteil gegenueber denen haben, die die Mittel durch den Zweck rechtfertigen, wenn die Zielgruppe den Unterschied nicht durchschaut.
Reiche Progressive sollen sich in die Medien einkaufen, um die Presse nach ihren Vorstellungen tanzen zu lassen? Das steht diametral zur Pressefreiheit und Aufklaerung, aber die Republikaner interessiert das nicht und haben auch noch Erfolg damit.
Wie soll eine Bevoelkerung, die nicht begreift, dass sie sich selbst zu dem Zustand, den sie beklagt, hat ueberreden lassen, verstehen, dass der Wandel ebenfalls aus ihnen heraus kommen muss?
Barack Obama laeuft Gefahr, an der Rueckstaendigkeit der amerikanischen Gesellschaft zu scheitern. Die Menschheit sind noch nicht bereit fuer einen solchen Praesidenten, und Obama hat ihre Bereitschaft vielleicht ueberschaetzt.
Man kann nur hoffen, dass es sich doch noch zum Guten wendet. Obamas Faehigkeit zur Selbstkritik laesst diese Moeglichkeit durchaus noch realistisch erscheinen.
Im ersten Teil des Interviews klagt Lakoff die Obama-Administration leide darunter das sie die Ideen des Wahlkampfes nun zu sachbezogen behandeln würde und im zweiten Teil behauptet er die Stärke der Konservativen wäre es mit Ideen anzufangen und diese dann im Nachhinein sachpolitisch aufzudröseln. Verstehe ich den Herren falsch oder ist das nicht genau das Selbe?
Ansonsten ist es doch nicht verwunderlich das die Medien hinter den Konservativen stehen. Die Medien werden von der superreichen Geldelite geführt, natürlich sind diese konservativ, schliesslich sind sie die Gewinner des Systems. Die Demokraten mögen für soziale Gerechtigkeit oder 'den kleinen Mann' einstehen, aber es ist eben nicht 'der kleine Mann' welcher die Medien kontrolliert.
Obama zu einem Menschen zu machen der bewusst seine Ideale aufgibt halte ich für etwas überzogen. Aber wer geglaubt hat, seine Wahlversprechen würden sich alle eins zu eins in die Tat umsetzen lassen, der ist nicht nur naiv sondern ermangelt jeglichen Verständnisses von politischer Machtbildung. Es war doch von vornherein glasklar das sich seine Versprechen nicht in die Tat umsetzen lassen würden, dazu waren sie einfach zu gut. Aber man muss ihm zugute halten dass seit seines Amtantritts die arrogante Selbstgefälligkeit der Bush-Administration verschwunden ist. Und dies allein ist Grund genug zur Freude...
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