Friedensnobelpreis für Barack Obama Von Krieg und Frieden
Obama überrascht die Welt mit einer Friedensrede, die den Krieg verteidigt: Das Übel existiere eben; doch dort, wo es bekämpft wird, müssten die Regeln dazu klar sein.
© SCANPIX NORWAY/Getty Images

Ehrung und Bürde zugleich: Obama mit seiner Frau Michelle nach der Nobelzeremonie in Oslo
Er hat selbst nicht verstanden, warum er diesen Preis bekommt. Es war nie sein Ziel, er hat ihn nie verlangt und nie darum gekämpft. Und jetzt muss er sich trotzdem dafür bedanken. "The glory is yours", ruft ihm der norwegische König Harald V. im Rathaus von Oslo zu - die Ehre gebühre Barack Obama. Ob der nun will oder nicht.
Wie bei einer Krönung schreitet er in den berühmtesten Saal Norwegens, dort, wo auf den Tag genau 45 Jahre vor ihm Martin Luther King redete, vor 30 Jahren Mutter Teresa und vor 16 Jahren Nelson Mandela. An seiner Seite Michelle Obama im gelbem Kostüm. Vier Fanfarenbläser spielten dem US-Präsidenten zu Ehren. Und erst hinter ihm tritt der wirkliche König durch die Tür. Obama schmunzelt, blickt zu Boden, Michelle schaut ihn an.
Will Smith sitzt im Publikum, über dem Rathaus kreisen Helikopter, Scharfschützen bewachen die Innenstadt - und drinnen soll ein Kriegspräsident zum Frieden sprechen. Und wieder einmal überrascht er Anhänger und Feinde. Er verweigert sich den Erwartungen. Und spricht zum Krieg.
Nicht ohne sich vorher ganz winzig zu machen - in tiefer Dankbarkeit und großer Demut nehme er die Auszeichnung an. Im Gegensatz zu manchen "Giganten der Geschichte" wie Nelson Mandela und Martin Luther King seien seine Errungenschaften eher klein. Auch die "unerkannten Millionen", die Männer und Frauen weltweit, die für mehr Gerechtigkeit streben, die geschlagen werden und im Gefängnis sitzen: "Alle haben diese Ehrung mehr verdient als ich."
Danach erklärt er, als wer er dort steht, nicht als Heilsbringer und Hoffnungsfigur wie Mahatma Gandhi oder Martin Luther King, sondern als "Oberbefehlshaber einer Nation mitten in zwei Kriegen". Er habe in dieser Funktion geschworen, sein Land zu beschützen und zu verteidigen, deshalb könne er sich nicht nur von Beispielen der Gewaltlosigkeit leiten lassen - so sehr er dieses Ideal auch schätze. Und wie in West Point, bei der Rede zu seinen Soldaten, verteidigt er den Krieg in Afghanistan: "Es ist ein Krieg, den Amerika nicht gesucht hat." Er habe die Verantwortung dafür, dass Menschen töten und Menschen getötet werden. Das werde auch so bleiben: "Es gibt eine harte Wahrheit: Bewaffnete Konflikte werden wir zu unseren Lebzeiten nicht auslöschen können." Sie seien sogar nötig um Schlimmeres zu verhindern. "Das Übel existiert in der Welt – und ohne Gewalt hätten Hitlers Armeen nicht aufgehalten werden können." Gewalt erklärt Obama nicht als Zynismus, sondern als Notwendigkeit der Geschichte.
Das Konzept eines "gerechten Krieges" sei scheinbar unvereinbar mit dem Leid, das er anrichte. Und doch will Obama gerade diesen fundamentalen Widerspruch auflösen. "Wir können verstehen, dass es Krieg geben wird, und nach Frieden streben. Wir können das tun - das ist die Geschichte des menschlichen Fortschritts, das ist die Hoffnung der gesamten Welt. Dies ist der Moment der Herausforderung, den wir auf dieser Welt bewältigen müssen."
Seine Rede ist auch ein Abarbeiten am größten Idol seines Wahlkampfes, an Martin Luther King und der Gewaltlosigkeit als moralische Kraft, die er gepredigt hat. "Zivilisation und Gewalt sind gegensätzliche Konzepte", rief Martin Luther King bei seiner Verleihung des Friedensnobelpreises in den Saal. Obama zitiert diesen Satz nicht, aber nimmt mit seiner Rede darauf Bezug. Er anerkenne und schätze zwar Kings Weltbild, kann es als Präsident aber nicht übernehmen. Stattdessen sieht er sich als Pragmatiker, als jemand, der, wie Kennedy, versuche, "Gewalt schrittweise durch Institutionen einzudämmen".
Drei Dinge seien dafür laut Obama notwendig: Klare Konsequenzen für ungerechte Gewalt, politische und zivile Bürgerrechte sowie wirtschaftliche Sicherheit und Wohlstand.
Er verweist auf den ersten Friedensnobelpreisträger Henry Dunant, im Jahr 1901. Auch dieser habe durch die Initiierung der Genfer Konventionen und des Roten Kreuzes nicht den Krieg verhindern, sondern ihn lediglich humaner machen wollen.
Was Obama nicht sagt, ist, dass auch dieser erste Nobelpreisträger schon umstritten war. Damals setzte sich das Komitee mit der Frage auseinander, ob man dem Krieg nicht eine moralische Legitimierung gebe, wenn man ihm seinen Schrecken nehme. Mehr als 100 Jahre später beantwortet Obama diese Frage für sich positiv.
Es ist der Kern von Obamas Rede: Krieg ist nicht glorreich, aber notwendig – doch "dort, wo Gewalt notwendig ist, brauchen wir Regeln". Genau das mache den Unterschied zwischen einem gerechten und einem ungerechten Krieg, wie dem Heiligen Krieg al-Qaidas, aus. Deshalb habe er Folter verboten, befohlen, Guantánamo zu schließen, und folge weiterhin den Genfer Konventionen.
Moral spielt eine untergeordnete Rolle in Obamas Rede – solange dem Frieden gedient ist. Diplomatie kann eben manchmal ein dreckiges Geschäft sein. "Das Treffen zwischen Mao und Nixon war unentschuldbar, und doch hat China einen neuen Weg eingeschlagen und sich geöffnet", nennt Obama als Beispiel. Der Besuch 1972 des US-Präsidenten bei dem chinesischen Diktator gilt bis heute in Amerika als das Symbol einer unerwarteten Handlung eines Politikers – und als Höhepunkt einer Politik, in der der Zweck die Mittel heilige. "Es gibt keine einfache Formel", sagt Obama.
Und doch geht am Ende Obama noch einmal über die simple Realpolitik hinaus. Wieder weist er auf Gandhi und King hin, und dessen Glauben an die moralische Weiterentwicklung des Menschen. "Wenn wir diesen Glauben, diese Liebe, die sie uns gepredigt haben, als dumm abtun, dann verlieren wir das, was am Besten ist. Wir verlieren den Sinn für die Möglichkeiten, wir verlieren unseren moralischen Kompass."
- Datum 10.12.2009 - 19:33 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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...auch: "Es war nie sein Ziel, er hat ihn nie verlangt und nie darum gekämpft. Und jetzt muss sich er trotzdem dafür bedanken."
Leider hat er auch nicht die Größe den Preis einfach nicht anzunehmen.
Die Rechtfertigung für Krieg hätte er sich bei dieser Gelegenheit jedenfalls sparen können, weder Irak noch Afghanistan haben jemals die USA angegriffen.
Wenn es gegen Terroristen ginge, müßten die USA auch in Italien einmarschieren, um die Mafia auszulöschen.
... auch nicht die Größe den Preis einfach nicht anzunehmen."
Wieso das? Er hat die Chance genutzt, um einige Wahrheiten auszusprechen, die Viele gerne verdrängen, um selbst die Kosten der internationalen Sicherheit zu umgehen.
Der Gutmensch weiss ja, ein Anderer wird das schon machen.
.....den Preis einfach nicht anzunehmen."
Wieso das? Er hat doch den Preis verwendet deutlich auf die der Bevölkerung weitgehend unklaren und daher unbequemen Wahrheit aufmerksam zu machen. Es gibt nirgends Sicherheit für die Menschen ohne Gewalt. Militärische Einsätze sind manchmal notwendig. Jeder Erwachsene müßte das wissen. Da ist es doch gut, dass er keine Gutmenschenrede hielt. Finden Sie nicht?
... auch nicht die Größe den Preis einfach nicht anzunehmen."
Wieso das? Er hat die Chance genutzt, um einige Wahrheiten auszusprechen, die Viele gerne verdrängen, um selbst die Kosten der internationalen Sicherheit zu umgehen.
Der Gutmensch weiss ja, ein Anderer wird das schon machen.
.....den Preis einfach nicht anzunehmen."
Wieso das? Er hat doch den Preis verwendet deutlich auf die der Bevölkerung weitgehend unklaren und daher unbequemen Wahrheit aufmerksam zu machen. Es gibt nirgends Sicherheit für die Menschen ohne Gewalt. Militärische Einsätze sind manchmal notwendig. Jeder Erwachsene müßte das wissen. Da ist es doch gut, dass er keine Gutmenschenrede hielt. Finden Sie nicht?
Der Kommentar 1 sagt das meiste, was dieser Kommentator auch sagen würde.
Was hat der zB Irak verschuldet, dass er mit Krieg überzogen wurde und hunderttausende von unschuldigen Menschen -vor allem Frauen und Kindern- getötet worden sind und auch heute gnadenlos getötet werden? Denn im Endeffekt sagt man sich: Die Schuld von Saddam war nicht erwiesen - wollten die USA ihr Mütchen an der irakischen Bevölkerung kühlen, um ihre nach dem letzten Schrei der technologie gefertigten Waffen aus zu probieren?
Ich habe Obama schon von aller Anfang an bewundert, weil ich in ihm einen Idealisten zu erkennen glaubte, aber das, was er gesagt hat bei der Entgegennahme des Nobel-Preises klingt wenig überzeugend. Es erinnert an die Maxime: Willst du Frieden und Ruhe -so zieh in den Krieg.
Böses mit Bösem auszumerzen ist alles andere als ein Verdienst.
Aber Obamas Rede beweist, dass ein US-Praesident Werkzeug einer Grossmacht sein muss. Er kann und darf nicht sagen, dass sein(e) Vorgaenger unmenschlich gehandelt hat oder haben. Denn in diesem Falle verstösst er gegen das Gesetz der Macht, das so alt ist wie die Menschheit.
Demnach überreicht er als Gegenleistung für die ihm zuteil gewordene Ehrung die Entschuldigung und Rechtfertigung für alle Massaker der Weltgeschichte.
Um es kürzer zu sagen: Der Zweck heiligt die Mittel.
Und dafür soll man den Friedens-Nobelpreis erhalten??
"Was hat der zB Irak verschuldet, dass er mit Krieg überzogen wurde und hunderttausende von unschuldigen Menschen -vor allem Frauen und Kindern- getötet worden sind und auch heute gnadenlos getötet werden?"
Hätten Sie mal eine Quelle? Nicht dass Ihnen da wer Leugnen nach Gutdünken vorwerfen könnte!
... auch nicht die Größe den Preis einfach nicht anzunehmen."
Wieso das? Er hat die Chance genutzt, um einige Wahrheiten auszusprechen, die Viele gerne verdrängen, um selbst die Kosten der internationalen Sicherheit zu umgehen.
Der Gutmensch weiss ja, ein Anderer wird das schon machen.
...und jetzt? Jetzt haben wir keinen Erlöser, keinen Spiderman und keinen Superman. In Norwegen wurde doch ein Ufo gesichtet, vielleicht bringt uns das endlich unseren Superhelden, der die Welt von ihrem Übel befreit.
Wie wir von so vielen Kommentatoren der großen Zeitungen lesen können, bringts ja Obama wohl kaum zum Heilsbringer. Unser kindliches Weltbild können wir damit wohl endgültig vergessen. Aber die Journalisten haben doch alle studiert, sind Meister ihres Fachs und dennoch bleiben sie auf einem Niveau eines Grundschülers. Ich hoffe der Friedensnobelpreis wird beim nächsten Mal einem Systemtheoretiker verliehen, der kann uns dann erklären, wie die Welt funktioniert.
Für alle anderen: entweder in die Bibel vertiefen und schön viel beten oder ab ins Kino, da gibt es Helden, die alles können, alles retten, das Böse zerstören, die schönste Frau küssen...
.....den Preis einfach nicht anzunehmen."
Wieso das? Er hat doch den Preis verwendet deutlich auf die der Bevölkerung weitgehend unklaren und daher unbequemen Wahrheit aufmerksam zu machen. Es gibt nirgends Sicherheit für die Menschen ohne Gewalt. Militärische Einsätze sind manchmal notwendig. Jeder Erwachsene müßte das wissen. Da ist es doch gut, dass er keine Gutmenschenrede hielt. Finden Sie nicht?
ist so abgrundtief zynisch und menschenverachtend, dass Alfred Nobel im Grabe rotiert.
Er legitimiert mit seiner Rede das Töten von unschuldigen Zivilisten, darunter Frauen und Kinder als probates Mittel zur Profitmaximierung der amerikanischen Rüstungswirtschaft.
Wäre Obama Busch jr., dann würde ich ihm abnehmen, dass er glaubt was er da sagt. Obama ist aber intelligent. Er weiß es besser denke ich, was es eher noch schlimmer macht.
MfG
AoM
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