Die Arbeitsbedingungen für Journalisten in Iran werden immer schlechter. Das iranische Regime verbot Reportern aus dem Ausland und den Korrespondenten in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder, über die Demonstrationen im Land zu berichten. So wurden Anfang Dezember für drei Tage lang alle Genehmigungen zur Berichterstattung ausländischer Medien in Teheran zurückgezogen. Auch in den vergangenen Tagen durften Korrespondenten ihre Büros nicht verlassen.

Dennoch ließen viele mutige Journalisten ihre Arbeit nicht ruhen. Bei den blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regimegegnern und Sicherheitskräften in dieser Woche wurde ein Fernsehreporter aus Dubai festgenommen. Der 27-jährige Syrer Resa al-Bacha arbeitet für die Dubai Media Corporation. Zwei Tage lang galt der Journalist als vermisst, bis iranische Behörden bestätigten, dass er inhaftiert wurde.

Al-Bacha ist einer von Hunderten Journalisten, die seit März in Iran eingesperrt wurden. Bei Trauermärschen und Demonstrationen nach dem Tod des Großajatollahs Hossein Ali Montazeri wurden Reporter festgenommen. "Wie bei allen Ereignissen in jüngster Zeit, die Potential für Demonstrationen boten, gingen die iranischen Behörden mit drakonischen Maßnahmen gegen Medien vor", kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen, die weltweit für Pressefreiheit und Menschenrechte kämpft. "Während die Bevölkerung trauert, zensieren die Behörden wieder einmal nationale und internationale Medien."

Das iranische Kulturministerium ordnete an, dass iranische Zeitungen nicht über Montazeri berichten dürfen, die Zeitung Andisheh-ye No, die Reformpolitikern nah steht, wurde erneut geschlossen. Die Ausstrahlung eines TV-Beitrag des britischen Senders BBC Persian über den Geistlichen, der den iranischen Präsidenten oft kritisiert hatte, wurde im Iran blockiert. Die Homepage Montazeris ließen die Zensoren bereits im vergangenen Jahr sperren – ein Redakteur der Website, Modschtaba Lotfi, wurde zu vier Jahren Gefängnis mit anschließendem Berufsverbot verurteilt, teilte Reporter ohne Grenzen (ROG) mit.

In der Rangliste der Pressefreiheit belegt Iran Platz 172. Nur in Turkmenistan, Nordkorea und Eritrea sei die Arbeit für Journalisten noch schwieriger und gefährlicher. Im Jahr 2009 starb nach Angaben von ROG ein Journalist in Iran. Der Blogger Omidreza Mirsayafi kam am 18. März in einem Gefängnis ums Leben. Die Zahl der verletzten Reporter liegt deutlich höher und nahm in diesem Jahr deutlich zu.

Damit liegt Iran im Trend. Weltweit stieg die Gewalt gegen Journalisten in diesem Jahr deutlich an: 2009 wurden mindestens 76 Journalisten getötet, 16 mehr als im Vorjahr. 167 Reporter sitzen momentan wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. 1456 Medienarbeiter wurden zudem angegriffen, verletzt oder mit Gewalt bedroht, 2008 waren es noch 929.

Vor allem in Diktaturen und autokratischen Staaten bezahlen immer wieder unbestechliche und mutige Journalisten mit ihrem Leben. Zwei Tage vor Heiligabend starb der kirgisische Journalist Gennadi Pawliuk in Kasachstan. Unbekannte hatten ihn am 16. Dezember aus dem sechsten Stock eines Hochhauses im Finanzzentrum der kasachischen Stadt Almaty gestoßen. Der 40-jährige Redakteur der Zeitung Bely Parus war an den Händen und Füßen gefesselt. Er wurde schwer verletzt und bewusstlos vor dem Gebäude gefunden.

Die meisten Reporter wurden in diesem Jahr auf den Philippinen getötet. 33 Journalisten kamen dort ums Leben – 29 Reporter davon bei einem bestialischen Massaker Ende November in der Provinz Maguindanao der Südinsel. Bewaffnete hatten einen Konvoi überfallen und rund 60 Menschen entführt. Sie vergewaltigten, folterten und enthaupteten die meisten ihrer Opfer. Zu den Tätern soll der Sohn eines Provinzgouverneurs gehören.

Lebensgefährlich ist die Berichterstattung vor allem in Konfliktgebieten. "Über einen bewaffneten Konflikt zu schreiben erweist sich als immer gefährlicher für Journalisten: Sie geraten in die Schusslinie, werden gezielt ermordet oder entführt. Aber auch die Berichterstattung während Wahlperioden ist in einigen Ländern eine riskante Arbeit, die im Gefängnis oder im Krankenhaus enden kann", sagte ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard.

Zwar hat der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen Ende 2006 eine Resolution zum Schutz von Journalisten in Krisengebieten verabschiedet, doch auch 2009 hielten sich viele Kriegsparteien nicht daran. Im Bürgerkriegsland Somalia starben neun Berichterstatter, im Irak vier, in Afghanistan, auf Sri Lanka und in den Palästinensergebieten jeweils zwei.

Auch in Pakistan verübten Extremisten Anschläge auf Journalisten. Am 22. Dezember sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor dem Presse-Club in der nordwestpakistanischen Stadt Peshawar in die Luft. Drei Menschen starben, 15 wurden verletzt – darunter viele Reporter. Weltweit sind radikale Islamisten-Gruppen für den Tod von 15 Medienmitarbeitern verantwortlich. Reporter ohne Grenzen zählt die Taliban in Afghanistan und Pakistan und die Al-Shabaab-Milizen in Somalia deswegen zu den größten Feinden der Pressefreiheit.

Auch die Berichterstattung über Wahlen sei in zahlreichen Regionen gefährlich. So wurde in Tunesien der kritische Redakteur Taouflik Ben Brik wenige Tage nach der Präsidentenwahl verhaftet, sein Kollege Slim Boukhdir wurde von Unbekannten zusammengeschlagen.

"Unsere größte Sorge ist in diesem Jahr der massive Exodus von Journalisten aus repressiven Staaten wie Iran oder Sri Lanka. Die Behörden in diesen Ländern fördern häufig bewusst eine Flucht von Journalisten und Bloggern, um damit den Pluralismus der Meinungen und Kritik zu unterdrücken", sagte Jean-François Julliard. 157 Journalisten flohen aus ihren Heimatländern.

Die Zahl der Festnahmen von Journalisten ist hingegen um ein Siebtel zurückgegangen. "Dafür hat sich die Zahl der Festnahmen von Bloggern und Internetnutzern fast verdreifacht", teilte Reporter ohne Grenzen mit. "Viele autoritäre Regierungen wie die chinesische, die iranische oder aserbaidschanische befürworten harte Strafen für Internetnutzer, weil sich das World Wide Web zu einem Motor demokratischer Proteste entwickelt hat."