Unruhen in Teheran Schwere Zusammenstöße bei Protesten in Iran
Die Protestwelle reißt nicht ab: Nach dem Tod des regimekritischen Großajatollah Hossein Ali Montazeri ist es in Teheran erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen.
© AFP/Getty Images

Schon am 21. Dezember kam es in Teheran zu Ausschreitungen, nachdem Großajatollah Hossein Ali Montazeri gestorben war
Nach Angaben der oppositionellen Internetseite Jaras gingen die Sicherheitskräfte in der Hauptstadt Teheran massiv gegen Demonstranten vor, die eine traditionelle Trauerkundgebung nutzten, um Präsident Mahmud Ahmadineschad und dessen umstrittene Wiederwahl im Juni erneut öffentlich zu kritisieren.
"Die Polizei setzt Tränengas ein, um die Menschenmenge auf dem Imam Hossein Platz aufzulösen", berichtete die Website. "Doch die Leute halten Stand und skandieren Parolen gegen die Regierung." Die Sicherheitskräfte würden auch Fensterscheiben von Fahrzeugen einschlagen, die an der Menschenmenge nur vorbeifahren wollten. Hunderte Sondereinsatzkräfte der Polizei seien vor Ort, um gegen die Anhänger der Opposition vorzugehen.
Dabei setzten die Sicherheitskräfte offenbar auch Schusswaffen ein. "Die Spezialeinsatzkräfte schießen auf dem Platz Enkelab in die Luft, um die Demonstranten mit ihren regierungskritischen Sprechchören zu vertreiben", berichtete die Seite Jaras weiter. Zudem hätten Polizisten das Büro der iranischen Nachrichtenagentur Isna angegriffen, nachdem mehrere Demonstranten in dem Gebäude Zuflucht gesucht hätten.
Die Angaben der regierungskritischen Internetseite konnten nicht von unabhängiger Seite überprüft werden, weil die iranischen Behörden ausländischen Journalisten die Berichterstattung über Kundgebungen verboten haben. Ein Augenzeuge berichtete, dass die Polizei an mehreren Orten in Teheran Demonstranten daran hindere, sich zu einer größeren Menschenmenge zusammenzuschließen. Per SMS forderte die Reformbewegung ihre Anhänger auf, auch am Sonntag auf die Straße zu gehen und dem verstorbenen Großajatollah Hossein Ali Montazeri zu gedenken.
In Iran haben sich die Spannungen zwischen Opposition und Regierung zuletzt wieder deutlich verschärft, nachdem am vergangenen Wochenende der regierungskritische Großajatollah Montazeri im Alter von 87 Jahren gestorben war. Der Geistliche war eine Art Mentor der Reformbewegung und galt als einer der schärfsten Kritiker Ahmadineschads. Die Gedenkfeiern könnten der Protestbewegung nun einen neuen Kristallisationspunkt verschaffen. Gemäß schiitischer Tradition dürften sie am Sonntag – dem siebten Tag nach dem Tod des Geistlichen – einen ersten Höhepunkt erreichen, der mit dem religiösen Feiertag Aschura zusammenfällt.
- Datum 26.12.2009 - 14:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
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