Afghanistan-Einsatz Die Türkei schickt keine weiteren Truppen
Der türkische Regierungschef Erdogan hat es abgelehnt, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken. Unterdessen bat Afghanistans Präsident Karsai die Alliierten um Geduld.
© Darren McCollester/Getty Images

1750 türkische Soldaten sind in Afghanistan im Einsatz. Hier ein türkischer Soldat in Kabul
Die Türkei will keine weiteren Truppen nach Afghanistan schicken. Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan sagte am Sonntag vor seiner Abreise in die USA, sein Land habe bereits unaufgefordert das Kontingent von 700 Mann auf 1750 Soldaten erhöht. Damit habe die Türkei das getan, was sie tun könne. Die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte werde aber fortgesetzt, sagte Erdogan, der zu Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama nach Washington reiste.
Obama hatte vergangene Woche die Entsendung von 30.000 zusätzlichen US-Soldaten nach Afghanistan angekündigt und von den Verbündeten ebenfalls eine Aufstockung ihrer Truppen gefordert. Die türkischen Soldaten sind in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen beteiligt.
Das Nato-Mitglied Türkei hat in jüngster Zeit seine Beziehungen zu islamischen Ländern vertieft und damit Befürchtungen vor einer Abkehr seiner westlich-orientierten Politik ausgelöst. Vorigen Monat war Erdogan in den Iran gereist, um Gas- und Handelsabkommen zu unterzeichnen. Zudem lud er den im Westen umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad zu einem Gipfel der islamischen Länder nach Istanbul ein. Die Türkei hat zudem die Beziehungen zum Nachbarland Syrien vertieft und gemeinsame Militärmanöver vereinbart.
Die Beziehungen zu Israel hingegen haben sich seit dem Gaza-Krieg deutlich verschlechtert. Erdogan hatte Israel für seine Rolle im Gaza-Krieg massiv kritisiert und dafür in seiner Heimat viel Beifall erhalten. Im Oktober lud die Türkei zudem die israelische Luftwaffe von einem gemeinsamen Manöver aus, was für Irritationen auf Seiten Israels sorgte.
Karsai bittet Alliierte um Geduld bei Abzugstermin
Afghanistans Präsident Hamid Karsai hat die Verbündeten bei ihren Abzugsplänen um Geduld gebeten. Zwar werde das afghanische Volk sein Bestes tun, um zum vorgesehenen Zeitpunkt die Verantwortung für die Sicherheit zu übernehmen, sagte er am Sonntag dem Sender CNN. "Aber die Staatengemeinschaft muss auch Geduld mit uns haben und sich die Realität in Afghanistan vor Augen halten. Wenn es länger dauert, dann müssen sie uns beistehen."
US-Präsident Barack Obama hat im Kampf gegen die Taliban eine Aufstockung der US- und Nato-Truppen angekündigt, jedoch auch einen Beginn des Abzugs für Juli 2011 angepeilt. Die Afghanen sollen dabei Schritt für Schritt die Verantwortung für die eigene Sicherheit übernehmen.
Die US-Regierung wies Kritik der oppositionellen Republikaner zurück, mit der Vorlage eines Zeitplans den Aufständischen in die Hände zu spielen. Von einem harten Termin für einen Abzug könne keine Rede sein, sagte Außenministerin Hillary Clinton dem Sender NBC. Auch Verteidigungsminister Robert Gates sagte dem Sender ABC, zwar würden die USA in 18 Monaten damit beginnen, ihre Truppenstärke zu verringern. Wie viele Soldaten wann und von wo abgezogen würden, werde jedoch entsprechend den Verhältnissen vor Ort entschieden.
- Datum 06.12.2009 - 19:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Wieso mehr Soldaten in einen nicht zu gewinnenden Krieg schicken? Zumal die Tuerkei immernoch massive Integrationsprobleme mit ihrer kurdischen Minderheit hat.
kann doch nur bedeuten, so schnell wie möglich sämtliche Truppen abzuziehen. Weder in 18 Monaten noch in 18 Jahren wird es in diesem Land eine funktionierende Zentralgewalt geben. Die Verantwortung für die Sicherheit im Lande lag schon immer bei ethnischen Zugehörigkeiten, Clanchefs und bezahlten Milizen. Daran werden weitere tote Nato-Soldaten und Milliarden für Infrastrukturmaßnahmen und "Aufbauhilfe" nichts ändern. Militärisch kann dieser "kriegsähnliche Zustand" nicht gewonnen werden.
Sicherlich ist es angenehmer das Opium nicht auf Ruckelstrecken gen Westen transportieren zu müssen, aber den Strassenausbau kann man dann auch aus den eigenen Cashflows finanzieren.
Türkei. Warum sollte sich ein islamisches Land nicht um gute Kontakte zu seinen islamischen Nachbarn bemühen? Es ist doch lobenswert, dass Ankara versucht, seine Beziehungen zu islamischen Ländern zu intensivieren. Gibt es da etwa nur ein "Entweder-Oder"?
Wer sollte denn Angst vor einer Abkehr der prowestlichen Politik haben? Der EU würde doch nur eine unangenehme Entscheidung abgenommen werden, die NATO hat in der Region bald so tolle Mitgliedstaaten wie Georgien und die Ukraine. Wo ist also das Problem?
Wenn man eine islamische Vergangenheit von mehreren hundert Jahren hat und den Islam sowohl in der Eigenschaft als Sultan als auch Kalif repraesentierte, so muss man verstaendlicherweise auch in der Gegenwart auf Balance bedacht sein: Westlich orientiert, jedoch gleichzeitig auf östliche Vergangenheit reflektierend, zumal die Türkei im Südosten von islamischen Nachbarn umgeben ist.
Dies trifft in erweitertem Sinne auch für Afghanistan zu, höchstens etwas komplizierter, gerade wenn zB bei einem (leider deutscherseits angeforderten) Luftangriff über hundert unschuldige Zivilisten getötet werden. So etwas möchte die Türkei ohne Zweifel nicht auf dem Gewissen haben.
Andererseits besteht zwischen den USA und der Türkei eine strategische Partnerschaft. Also müsste sich die Entscheidung der Türkei auch mit diesem Status vereinbaren. Allerdings kann die Türkei den Einsatz auch auf dem Wege einer friedlichen Kooperation unterstützen. Es bietet sich doch geradezu an, muslimische Soldaten auf diesem Gebiet einzusetzen, damit das afghanische Volk in seinem Glauben gestaerkt wird, dass es auch ihnen wohlgesinnte -aber trotzdem neutrale- Truppen gibt. Das ist und bleibt doch eine -dazu noch grössere- Chance für die USA und damit für den Westen.
Die Türkei scheint über weitaus klügere Politiker zu verfügen, als wir das tun.
Da ich zum Teil in der Türkei arbeite und deswegen viel herumreise, weiss ich, dass die Türkei eigene Probleme mit Gewalt hat. Terroristen gibt es in der Türkei auch genug. Wie Pilze schiessen sie aus dem Boden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren