Klimakonferenz in Kopenhagen Tunesiens langer Weg zum Solar-Musterland

Tunesiens Herrscher will die Energiepolitik des Landes radikal ändern. Sonnenenergie soll den Staat unabhängig vom Ausland machen.

Solaranlagen haben in Tunesien Seltenheitswert. Ahmed Amouri, Hotelbesitzer in Hammamet, ist einer der wenigen Unternehmer, der auf Sonnenenergie setzt

Solaranlagen haben in Tunesien Seltenheitswert. Ahmed Amouri, Hotelbesitzer in Hammamet, ist einer der wenigen Unternehmer, der auf Sonnenenergie setzt

Die Sonne brennt auch im Dezember noch vom Himmel. In Hammamet, einem der wichtigsten Touristenzentren Tunesiens, zeigt der Unternehmer Ahmed Amouri dem Besucher die schwarz glitzernden Solarzellen, die auf dem Dach seines Hotels die Sonnenstrahlen einfangen. Das "Les Colombes" ist eines der ersten Hotels in Tunesien, das die Kraft der Sonne nutzt, um Energie zu sparen.

Amouris solarthermische Anlage erhitzt das Wasser für die Duschen, den Swimmingpool, für die Küche und die Wäscherei. Der Unternehmer hat sie erst kürzlich installieren lassen, ohne zu wissen, ob sie sich lohnt. Im Moment macht sein Hotel Winterpause. Erst im Sommer, wenn sein Haus ausgelastet ist, wird er wissen, wie viel Geld er durch die Solaranlage spart.

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Und doch geht es Amouri nicht nur um geringere Kosten. Der Strom ist in Tunesien extrem billig, weil er mithilfe von Erdgas produziert wird, das Algerien zum Freundschaftspreis liefert. Die Solartherme hat den Geschäftsmann 120.000 Euro gekostet, zehn Jahre wird es dauern, bis sie sich rentiert. Amouri aber denkt langfristiger. Er will, dass sein Hotel ein umweltfreundliches Image bekommt. "Wir alle müssen die Welt retten", sagt er. Die Botschaft vom Klimagipfel in Kopenhagen ist innerhalb der Elite des Landes angekommen. Anders als im großen Teil der Bevölkerung, die immer noch wenig von CO2-Emissionen, dem Ozonloch oder von Sonnenenergie weiß.

Tunesien, das von der Fläche kleinste Land Nordafrikas, gehört zu den ökonomisch erfolgreichsten Staaten des Kontinents. Nach Regierungsangaben wächst die Wirtschaft seit 1988 im Schnitt jährlich um drei bis fünf Prozent. Nun will Tunesiens autokratischer Präsident Ben Ali die Energiepolitik des Landes radikal verändern. Noch im Dezember will die Regierung einen „Solar-Plan“ vorstellen. Tunesien, so verkündete es der Präsident unlängst, solle ein Solar-Muster-Staat werden. Zwar soll das Monopol des Staates auf die Stromerzeugung erhalten bleiben. Doch die Energieagentur muss künftig auch grünen Strom von Privaten in ihr Netz aufnehmen – auch wenn noch ungeklärt ist, zu welchem Preis.

Tunesiens Herrscher will mit der eingeleiteten Energiewende das Land unabhängiger von ausländischen Einflüssen machen. Der Staat verfügt kaum über Rohstoffe oder fossile Energieträger und muss diese deshalb aus dem Ausland beziehen. Hinzu kommt, dass das Land dringend ein neues Wachstumsmodell braucht. Noch stützen der Tourismus und die Agrarbranche die Wirtschaft. Doch sinkende Grundwasservorräte stellen die Bauern zunehmend vor Probleme. Auch der Wettkampf um die Pauschaltouristen aus Europa wird immer härter: Tunesien verliert Tausende Besucher an Ägypten und die Türkei.

Mit Solaranlagen will der Staat vom Energieimporteur zu einem Exporteur grüner Energie aufsteigen. Allein mit Sonnenkollektoren könnte der Staat seinen gesamten Strombedarf decken. In der Sahara, der Wüste im Süden Tunesiens, scheint die Sonne rund drei Stunden länger als im spanischen Andalusien und mehr als doppelt so lang wie in Deutschland. Noch allerdings nutzt der Staat sein Potenzial kaum.

Desertec, das 400-Milliarden-Euro-Solar-Projekt aus Europa, nimmt der Staat deshalb als große Chance war. Bisher gibt es in Tunesien allerdings kaum Erfahrung mit der Solartechnik. "Die Behörden wollen die Stromerzeugung nicht aus der Hand geben und alles selber machen", sagt ein Insider. "Dafür fehlt den Beamten aber das Know-how." Um an dem Desertec-Projekt teilzunehmen, müsse sich in den Köpfen der politischen Entscheider etwas ändern.

Leser-Kommentare
    • lef
    • 10.12.2009 um 10:29 Uhr

    Auch ein Schreiberling sollte sich wenigstens etwas Allgemeinwissen verschaffen und den Unterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik begreifen - sio schwer ist das nicht!
    In diesem Artikel wird alles bunt vermischt, inklusive Strom aus Solarthermie.

    Ansonsten: Tunesien ist eine brutale Diktatur und sollte für deutsche Journalisten eigentlich ein rotes Tuch sein - deren tunesische Kollegen werden dort teilweise sehr brutal unterdrückt. Deswegen wundert mich dieses Loblied auf diesen Staat ein wenig.

    Aber es geht ja um viel Geld, und daa fällt auch für Schreiberlinge im Tross der eingeladenen Lobby etwas ab. Das Desertec-Projekt winkt mit etlichen Milliarden und da wäre Tunesiens Diktator gern auch mit bedacht.
    Dr hat nur noch nicht begriffen, dass "Desertec" eine Geldabsahne nur für deutsche Betrüger ist, in Afrika kommt da ganz sicher nichts an außer heißer Luft. Selbst eine Totgeburt hat mehr Substanz. [ Anmerkung: Bitte äußern Sie Ihre Kritik möglichst sachlich. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

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    Redaktion

    Sehr geehrter Lef,

    dass Tunesien eine Diktatur ist, habe ich selber geschrieben:

    http://www.zeit.de/politi...

    Ich war vor Ort und habe das Regime kennen gelernt.

    Viele Grüße

    Hauke Friederichs

    Redaktion

    Sehr geehrter Lef,

    dass Tunesien eine Diktatur ist, habe ich selber geschrieben:

    http://www.zeit.de/politi...

    Ich war vor Ort und habe das Regime kennen gelernt.

    Viele Grüße

    Hauke Friederichs

  1. Ein altes Projekt von Gaddhafi ist die Bewässerung der Wüste.
    Die Energie dafür könnte der Solarstrom sein.
    Es scheint gar nicht so schwer zu sein:
    http://www.klima-wandel.c...
    Wenn Wüsten zu Wäldern oder Savannen werden könnten,dann
    könnte viel CO2 dort verarbeitet werden.
    Dieses Projekt:
    http://www.spiegel.de/wis...
    ist schon etwas älter.Der Baumbestand als Klimaregulator
    wird viel zu wenig beachtet.
    Wenn die nie wieder gut gemachten Zerstörungen und Abholzungen
    der Römer in der Sahara wieder gut gemacht werden könnten,
    so wäre das toll.
    Doch die Sahara bleibt ein warnendes Bespiel für die
    über 2 Jahrtausende unwiderbringliche Zerstörung des Menschen.
    Auch der Karst am Balkan ist Folge der Abholzungen der Römer.
    Wald an Stelle von rationeller Zerstörung kann auch das
    Kleinklima deutlich verbessern.

  2. Sehr geehrter Herr Friedrichs,

    Es ist zwar lobenswert über das kleine land Tunesien zu sprechen,dennoch wäre es wünschenswert sich erst zu informieren und dann zu schreiben.
    Ihr Text ist so nicht ganz richtig.

    Erstens:

    Strom sei extrem billig - Das ist FALSCH!!!
    Der Strom ist super Teuer. Der durchschnittliche Tunesische Bürger fürchtet sich jedesmal vor der Stromrechnung!
    Im vergleich zu Ihren Geldbeutel mag der Strom günstig sein, aber in Tunesien ist der Strompreis auch in bezug zum lohn sehr sehr hoch.
    Wie sie schon sagten ist Tunesien ein Energieimporteur (vorallem gas aber natürlich auch Öl) und die Zeiten mit den Freundschaftspreisen sind schon längs vorbei.

    der 2.te Fehler im Text ist dass Sie denken dass die breite Bewölkerung nichts über Ozon oder CO2 wisse. Nein das stimmt nicht.
    Jeder Tunesier hat einen Fernseher zuhause und jeden Tag, vorallem zur Primetime, laufen spots der Umweltbehörde die die Bevölkerung zum guten Umgamg mit der Umwelt auffordern bzw. zum sparen des Wassers usw... (PS: Es gibt auch Schulen und andere Informationsmedien)

    Darüber hinaus ist Tunesien eh kein grosser Produzent von CO2 da Tunesien so gut wie keine Schwere Industrie hat!!! (Im gegensatz zu Europa zB)

    Der 3.te Fehler im Text.
    Die Tunesier nutzen noch nicht die Sonnenenergie bzw auf den Dächer sind zuwenig Solarzellen.

    Wenn Sie mal auf den Dächer von Tunis waren dann werden Sie genügend Solarthermische Anlagen sehen. Die die es noch nicht haben, haben kein Geld

    Danke

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    Redaktion

    Sehr geehrter Zeitreich,

    der Strom wird in Tunesien stark subventioniert. Das Gas aus Algerien kommt nicht zum Weltmarktpreis und ermöglicht eine günstige Stromerzeugung.

    Ich war vor Ort und Solarthermie und Solaranlagen sind sehr, sehr, sehr selten.

    Dass die Bevölkerung wenig über den Klimaschutz etc. weiss, bestätigt übrigens das tunesische Umweltministerium.

    Dass Tunesien ein großer Co2-Produzent ist, habe ich auch nicht behauptet - im Vergleich mit China, Indien oder den USA zumindest nicht.

    Redaktion

    Sehr geehrter Zeitreich,

    der Strom wird in Tunesien stark subventioniert. Das Gas aus Algerien kommt nicht zum Weltmarktpreis und ermöglicht eine günstige Stromerzeugung.

    Ich war vor Ort und Solarthermie und Solaranlagen sind sehr, sehr, sehr selten.

    Dass die Bevölkerung wenig über den Klimaschutz etc. weiss, bestätigt übrigens das tunesische Umweltministerium.

    Dass Tunesien ein großer Co2-Produzent ist, habe ich auch nicht behauptet - im Vergleich mit China, Indien oder den USA zumindest nicht.

  3. Habe ich etwas falsch gelesen, oder steht am Ende des Artikels **Er freut sich über die Aufmerksamkeit, die das "Les Colombes" durch die Solarzellen erfährt.** für ein Hotel, das Solarthermie hat?

    Schreibt die ZEIT bald Artikel über Zündkerzen in Dieselfahrzeugen?

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    Redaktion

    Sehr geehrter petiteplanete,

    vielen Dank für den Hinweis. Sie haben völlig Recht. Ich habe die Zellen korrigiert.

    Mit besten Grüßen

    Hauke Friederichs

    Redaktion

    Sehr geehrter petiteplanete,

    vielen Dank für den Hinweis. Sie haben völlig Recht. Ich habe die Zellen korrigiert.

    Mit besten Grüßen

    Hauke Friederichs

  4. Redaktion

    Sehr geehrter Lef,

    dass Tunesien eine Diktatur ist, habe ich selber geschrieben:

    http://www.zeit.de/politi...

    Ich war vor Ort und habe das Regime kennen gelernt.

    Viele Grüße

    Hauke Friederichs

  5. Redaktion

    Sehr geehrter petiteplanete,

    vielen Dank für den Hinweis. Sie haben völlig Recht. Ich habe die Zellen korrigiert.

    Mit besten Grüßen

    Hauke Friederichs

  6. Redaktion

    Sehr geehrter Zeitreich,

    der Strom wird in Tunesien stark subventioniert. Das Gas aus Algerien kommt nicht zum Weltmarktpreis und ermöglicht eine günstige Stromerzeugung.

    Ich war vor Ort und Solarthermie und Solaranlagen sind sehr, sehr, sehr selten.

    Dass die Bevölkerung wenig über den Klimaschutz etc. weiss, bestätigt übrigens das tunesische Umweltministerium.

    Dass Tunesien ein großer Co2-Produzent ist, habe ich auch nicht behauptet - im Vergleich mit China, Indien oder den USA zumindest nicht.

    Antwort auf "@ Hauke Friedrichs"
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    Sehr geehrter Herr Friederichs,

    Gas aus Algerien kommt nicht zum Weltmarktpreis. Das ist richtig, da die Pipeline nach Europa ja auch über tunesisches Gebiet laufen. Der Gaspreis ist in Tunesien daher auch relativ günstig.
    Aber zu sagen dass die Strompreise extrem günstig sein, ist extrem falsch.
    Wie gesagt sind die Strompreise für tunesische Durchschnittsbürger extrem teuer. Vorallem teuer zu den Preisen hier in Europa (Vergleichen sie doch mal Strompreise in Deutschland relativ mit dem durchnittseinkommen eines deutschen zu denen in Tunesien).
    Die Gründe für den teueren Strom sind einfach. Es gibt nur 2 alte Gaskraftwerke in Tunesien. Die arbeiten am Limit und werden den gestiegenen Energiehunger der Bewölkerung nicht gerecht.
    In Tunesien werden Sie, im gegensatz zu Frankreich wo Atomstrom billig ist, nie ein Haushalt finden das einen E-Herd, eine E-Boiler oder eine elektrische Heizung finden.

    Das Solaranlagen bzw Photovoltaikanlange selten stimme ich zu, dass aber Solarthermische Anlangen selten sind, stimmt nicht! Vorallem in der Hauptstadt werden Sie viele Boiler auf den Dächer finden die durch Solarenergie geheizt werden. Es wird sogar staatlich subvensioniert.

    Wie können Tunesier nichts über Klimaschutz wissen, wenn die doch selber sehr hart vom Klimawandel betroffen sind?

    Herr Friedrichs nehmen Sie diese Kritik nicht persönnlich sondern sachlich. Ich als Tunesier freue mich jedesmal wenn ich einen Artikel über mein Land lesen darf.
    Also weiter so :-)

    Sehr geehrter Herr Friederichs,

    Gas aus Algerien kommt nicht zum Weltmarktpreis. Das ist richtig, da die Pipeline nach Europa ja auch über tunesisches Gebiet laufen. Der Gaspreis ist in Tunesien daher auch relativ günstig.
    Aber zu sagen dass die Strompreise extrem günstig sein, ist extrem falsch.
    Wie gesagt sind die Strompreise für tunesische Durchschnittsbürger extrem teuer. Vorallem teuer zu den Preisen hier in Europa (Vergleichen sie doch mal Strompreise in Deutschland relativ mit dem durchnittseinkommen eines deutschen zu denen in Tunesien).
    Die Gründe für den teueren Strom sind einfach. Es gibt nur 2 alte Gaskraftwerke in Tunesien. Die arbeiten am Limit und werden den gestiegenen Energiehunger der Bewölkerung nicht gerecht.
    In Tunesien werden Sie, im gegensatz zu Frankreich wo Atomstrom billig ist, nie ein Haushalt finden das einen E-Herd, eine E-Boiler oder eine elektrische Heizung finden.

    Das Solaranlagen bzw Photovoltaikanlange selten stimme ich zu, dass aber Solarthermische Anlangen selten sind, stimmt nicht! Vorallem in der Hauptstadt werden Sie viele Boiler auf den Dächer finden die durch Solarenergie geheizt werden. Es wird sogar staatlich subvensioniert.

    Wie können Tunesier nichts über Klimaschutz wissen, wenn die doch selber sehr hart vom Klimawandel betroffen sind?

    Herr Friedrichs nehmen Sie diese Kritik nicht persönnlich sondern sachlich. Ich als Tunesier freue mich jedesmal wenn ich einen Artikel über mein Land lesen darf.
    Also weiter so :-)

  7. Sehr geehrter Herr Friederichs,

    Gas aus Algerien kommt nicht zum Weltmarktpreis. Das ist richtig, da die Pipeline nach Europa ja auch über tunesisches Gebiet laufen. Der Gaspreis ist in Tunesien daher auch relativ günstig.
    Aber zu sagen dass die Strompreise extrem günstig sein, ist extrem falsch.
    Wie gesagt sind die Strompreise für tunesische Durchschnittsbürger extrem teuer. Vorallem teuer zu den Preisen hier in Europa (Vergleichen sie doch mal Strompreise in Deutschland relativ mit dem durchnittseinkommen eines deutschen zu denen in Tunesien).
    Die Gründe für den teueren Strom sind einfach. Es gibt nur 2 alte Gaskraftwerke in Tunesien. Die arbeiten am Limit und werden den gestiegenen Energiehunger der Bewölkerung nicht gerecht.
    In Tunesien werden Sie, im gegensatz zu Frankreich wo Atomstrom billig ist, nie ein Haushalt finden das einen E-Herd, eine E-Boiler oder eine elektrische Heizung finden.

    Das Solaranlagen bzw Photovoltaikanlange selten stimme ich zu, dass aber Solarthermische Anlangen selten sind, stimmt nicht! Vorallem in der Hauptstadt werden Sie viele Boiler auf den Dächer finden die durch Solarenergie geheizt werden. Es wird sogar staatlich subvensioniert.

    Wie können Tunesier nichts über Klimaschutz wissen, wenn die doch selber sehr hart vom Klimawandel betroffen sind?

    Herr Friedrichs nehmen Sie diese Kritik nicht persönnlich sondern sachlich. Ich als Tunesier freue mich jedesmal wenn ich einen Artikel über mein Land lesen darf.
    Also weiter so :-)

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