Venezuela Zwischen Sozialismus und Kriegsgetöse
Venezuelas Präsident Hugo Chávez polarisiert wie kaum ein anderer. Er unterdrückt die Opposition und beglückt die Armen. Unser Reporter reiste drei Wochen durch ein tief gespaltenes Land.
© Anne Grüttner

Karibikstrand in Venezuela
Hugo Chávez ist überall. Schon am Internationalen Flughafen Maiquetía, unweit der Hauptstadt Caracas, empfängt Venezuelas Staatschef die Touristen. Sein rundes, braunes Konterfei ziert ein riesiges Poster in der Empfangshalle. Der rechte Arm ist ausgestreckt. Der Zeigefinger zeigt stramm nach oben. Venezuela sei "frei für alle", steht da. Über der Gepäckausgabe, eine Halle weiter, wird diese Freiheit allerdings wieder eingeschränkt. "CONSTRUYENDO EL SOCIALISMO BOLIVARIANO", steht da in bronzenen Lettern. "Der bolivarische Sozialismus wird errichtet."
Eigentlich haben wir drei Wochen Urlaub, Verwandte haben uns eingeladen. Wir freuen uns aufs Planschen in der Karibik und aufs Wandern in den Anden. Aber um die Politik kommt man in Venezuela nicht herum.
Im Gegenteil. Chávez und sein eigenwilliges Modell des Sozialismus sind allgegenwärtig. Sein Bild hängt in allen staatlichen Gebäuden und in vielen Privathäusern. Manche Venezolaner verehren ihn wie einen Monarchen. Auf Straßen und Hauswände sind seine Parolen gesprüht: "Todos los motores a máxima revolución!" (Alle Motoren auf Revolution!) Oder: "Rumbo al socialismo!" (Voller Kurs auf den Sozialismus!"). In jedem Dorf, in jeder Stadt trifft man Menschen, die rote T-Shirts tragen oder rote Sterne an ihre Hauswand gesprüht haben – die Farben von Chávez' Bewegung.
Genauso präsent wie die Symbole und Losungen der sozialistischen Regierungspartei ist allerdings auch die Kritik an ihr und dem Präsidenten. Egal ob man Anhänger oder Feinde von Chávez trifft, das Bedürfnis, über ihn zu reden, ist ausgeprägt.
Pablo zum Beispiel schimpft ausführlich und aufs Heftigste über die Regierung. Er sitzt am Steuer eines alten Taxis, eine Bierflasche zwischen die Beine geklemmt, nicht die erste heute, und fährt im Schneckentempo durch den Stau, der Caracas und die meisten anderen Großstädte zu fast jeder Tageszeit beherrscht. Benzin ist in dem Ölland spottbillig. Eine Tankladung kostet nicht mal zwei Euro. Dafür sind die Straßen in einem schlechten Zustand: voller Schlaglöcher und heillos verstopft.
Anfangs hatte Pablo, der Taxifahrer, große Hoffnungen in Chávez gesetzt. Er habe an den "cambio", den Wechsel, ernsthaft geglaubt, sagt er. Ihm gefiel es, wie der 1999 erstmals gewählte Präsident, die alte Elite des Landes hinwegfegte. Dass er ankündigte, die grassierende Kriminalität und Korruption zu bekämpfen. Dass er versprach, den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" und "eine neue Gesellschaft" zu gründen.
Heute nennt Pablo Chávez bloß noch "el loco", den Verrückten. Seine Versprechungen hätten sich längst als "hohle Phrasen" entpuppt. Pablo schreit diesen Satz förmlich. Tatsächlich ist die Korruption unter der neuen Parteielite ebenfalls horrend. Und die Straßenkriminalität in den vergangenen zehn Jahren nicht gesunken, sondern noch gewaltig gestiegen. Caracas hat sich zur No-go-Area entwickelt, zur gefährlichsten Stadt Südamerikas. Fast alle Venezolaner raten Touristen von einem Besuch in der Landeshauptstadt ab. Jedes Wochenende werden hier zwischen 90 und 150 Menschen umgebracht.
- Datum 07.12.2009 - 16:54 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Gott...ist dat naiv!
Die "DDR" lebt! Zumindest bis alle Ressourcen und Reichtümer
des Landes verdummt sind.
"Seine Versprechungen hätten sich längst als "hohle Phrasen" entpuppt."
Ob das nicht auch für Obama, Merkel, Westerwelle oder wen auch immer gilt?
Chavez ist genau so wenig lupenreiner Demokrat wie der Ex-Mächtigste der Welt, Bush. Aber er hat seit Amtsantritt vor 10 Jahren stets demokratisch durchgeführte Wahlen mit absoluter Mehrheit gewonnen, trotz Propaganda der Oberen Zehntausend im eigenen Land und der abfälligen Berichterstattung der westlichen Medien.
Gelten demokratisch erreichte Wahlergebnisse nur dann, wenn sie den 1. Welt-Regierungen genehm sind?
gelten demokratische Wahlen unabhängig vom Ergebnis. Allerdings müssen sich auch demokratisch legitimierte Regierungen Kritik und Anfeindungen gefallen lassen.
Die Auswüchse des Systems Chavez genügen wenn auch vlt. demokratisch legitimiert zumindest nicht rechtsstaatlichen Standards.
gelten demokratische Wahlen unabhängig vom Ergebnis. Allerdings müssen sich auch demokratisch legitimierte Regierungen Kritik und Anfeindungen gefallen lassen.
Die Auswüchse des Systems Chavez genügen wenn auch vlt. demokratisch legitimiert zumindest nicht rechtsstaatlichen Standards.
gelten demokratische Wahlen unabhängig vom Ergebnis. Allerdings müssen sich auch demokratisch legitimierte Regierungen Kritik und Anfeindungen gefallen lassen.
Die Auswüchse des Systems Chavez genügen wenn auch vlt. demokratisch legitimiert zumindest nicht rechtsstaatlichen Standards.
Auf dem ersten Bild steht "Venezuela hat sich befreit und es hat sich für immer befreit." Auf dem vierten Bild heißt "Si, vamos con todo." "Ja, wir gehen mit voller Kraft (voran)" (bezieht sich garantiert auf eine der Volksabstimmungen). Bitte um Korrektur.
Mal ein Artikel über Venezuela, der beide Seiten anspricht (zumindest kurz auf Seite 3). Was ich jetzt mal interessant finden würde, wäre eine Auseinandersetzung mit der Zeit VOR Chavez. Dann wäre auch das eine oder andere handeln Chavezes vielleicht verständlicher.
Ich finde generell, dass die Aufklärung über Südamerika in unseren Medien viel zu kurz kommt. Warum sind die Menschen dort so sozialistisch...so amerikafeindlich? Könnte es vielleicht sein, dass Südamerika die hässliche Fratze des Kapitalismus schon viel füher und heftiger zu Gesicht bekommen hat?
Südamerika ist amerikafeindlich? Das bezog sich sicher auf die USA.
Ich kenn zwar nur das nördliche Lateinamerika, aber fast alle Lateinamerikastaaten hatten unter dem kolonialen Einfluß der USA zu leiden. Es wurden bestimmte Gruppen in einem Land unterstützt, die dann Chaos verursachten. Der frei gewählte Salvator Allende wurde mit Hilfe der USA weggeputscht, in Honduras wurden Verstaatlichungen von Grund und Boden verhindert um die eigene Bananenexporteure zu schützen. Es gibt noch eine Menge mehr solcher Beispiele, die dann zu Bürgerkriegen u.ä. im jeweiligen Land geführt haben. Das führt zuerst mal zu einer Wut auf die Nordamerikaner (USA) und auch derren System. Als Tourist merkt man einen Unterschied, ob man US Bürger oder Europäer ist.
Lateinamerika hat daneben auch eine andere Lebensphilosophie als wir "Westler". Es gab hier in der Zeit bereits Artikel von Constantin von Barloewen, der dies genauer erklärt. Das ist nach meinem Verständis auch ein Grund, warum die Leute sozialistischen Ideen eventuell offener gegenübertreten als wir.
Eine Kapitalismuskritik der Lateinamerikaner sehe ich weniger. Nach meinen eigenen Beobachtungen leiden die Leute weniger unter dem globalen Kapitalismus direkt, sondern vor allem an der Korruption der staatlichen Eliten. Die wiederum sind (in Venezuela waren) diejenigen mit Kapital und Macht.
Südamerika ist amerikafeindlich? Das bezog sich sicher auf die USA.
Ich kenn zwar nur das nördliche Lateinamerika, aber fast alle Lateinamerikastaaten hatten unter dem kolonialen Einfluß der USA zu leiden. Es wurden bestimmte Gruppen in einem Land unterstützt, die dann Chaos verursachten. Der frei gewählte Salvator Allende wurde mit Hilfe der USA weggeputscht, in Honduras wurden Verstaatlichungen von Grund und Boden verhindert um die eigene Bananenexporteure zu schützen. Es gibt noch eine Menge mehr solcher Beispiele, die dann zu Bürgerkriegen u.ä. im jeweiligen Land geführt haben. Das führt zuerst mal zu einer Wut auf die Nordamerikaner (USA) und auch derren System. Als Tourist merkt man einen Unterschied, ob man US Bürger oder Europäer ist.
Lateinamerika hat daneben auch eine andere Lebensphilosophie als wir "Westler". Es gab hier in der Zeit bereits Artikel von Constantin von Barloewen, der dies genauer erklärt. Das ist nach meinem Verständis auch ein Grund, warum die Leute sozialistischen Ideen eventuell offener gegenübertreten als wir.
Eine Kapitalismuskritik der Lateinamerikaner sehe ich weniger. Nach meinen eigenen Beobachtungen leiden die Leute weniger unter dem globalen Kapitalismus direkt, sondern vor allem an der Korruption der staatlichen Eliten. Die wiederum sind (in Venezuela waren) diejenigen mit Kapital und Macht.
Südamerika ist amerikafeindlich? Das bezog sich sicher auf die USA.
Ich kenn zwar nur das nördliche Lateinamerika, aber fast alle Lateinamerikastaaten hatten unter dem kolonialen Einfluß der USA zu leiden. Es wurden bestimmte Gruppen in einem Land unterstützt, die dann Chaos verursachten. Der frei gewählte Salvator Allende wurde mit Hilfe der USA weggeputscht, in Honduras wurden Verstaatlichungen von Grund und Boden verhindert um die eigene Bananenexporteure zu schützen. Es gibt noch eine Menge mehr solcher Beispiele, die dann zu Bürgerkriegen u.ä. im jeweiligen Land geführt haben. Das führt zuerst mal zu einer Wut auf die Nordamerikaner (USA) und auch derren System. Als Tourist merkt man einen Unterschied, ob man US Bürger oder Europäer ist.
Lateinamerika hat daneben auch eine andere Lebensphilosophie als wir "Westler". Es gab hier in der Zeit bereits Artikel von Constantin von Barloewen, der dies genauer erklärt. Das ist nach meinem Verständis auch ein Grund, warum die Leute sozialistischen Ideen eventuell offener gegenübertreten als wir.
Eine Kapitalismuskritik der Lateinamerikaner sehe ich weniger. Nach meinen eigenen Beobachtungen leiden die Leute weniger unter dem globalen Kapitalismus direkt, sondern vor allem an der Korruption der staatlichen Eliten. Die wiederum sind (in Venezuela waren) diejenigen mit Kapital und Macht.
gern geschehen.
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