Afghanistan und Pakistan Die Afpak-Zone

Was unterscheidet Taliban und al-Qaida? Gegen wen kämpft die Nato? Wie gefährlich ist al-Qaida? Fragen und Antworten zum Konflikt um Afghanistan und Pakistan.

Zerak in der Provinz Paktia: US-Soldaten werden hier für die Unterbrechung der Taliban-Verbindungen zwischen Afghanistan und dem benachbarten Pakistan eingesetzt

Zerak in der Provinz Paktia: US-Soldaten werden hier für die Unterbrechung der Taliban-Verbindungen zwischen Afghanistan und dem benachbarten Pakistan eingesetzt

Unter der US-Regierung von Präsident Obama wurden Afghanistan und Pakistan erstmals als zusammenhängende "Afpak"-Konfliktzone erfasst. Was bedeutet das? Fragen und Antworten zu den wichtigsten Hintergründen und Akteuren.

Wie frei sind die Frauen und Mädchen Afghanistans seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001? Haben sie Zugang zu Bildung, Arbeit, etc.?

Seit 2001 können Mädchen wieder zur Schule gehen, Frauen dürfen wieder arbeiten. Ob sie es dann auch wirklich tun können, ist eine andere Frage. Auf dem Land haben viele Mädchen keinen Zugang zu Schulen, und die meisten Frauen so gut wie keinen Zugang zur Arbeit außerhalb des eigenen Hauses. Verantwortlich dafür sind nicht nur die Taliban, sondern sehr konservative gesellschaftliche Strukturen, oder schlicht der Mangel an Möglichkeiten.

Wie lebt die Jugend Afghanistans, eher traditionell oder westlich?

Traditionell. Eine westlich orientierte Jugend gibt es nur in den Großstädten. Sie bildet dort eine dünne gesellschaftliche Schicht.

Anzeige

Was sind die Taliban?

Die Taliban sind in ihrer Mehrheit Paschtunen. Ihr Herzland ist die Region um Kandahar. Ihr historischer Führer ist Mullah Omar. Die Schura - der oberste Rat der Taliban - sitzt angeblich in der pakistanischen Grenzstadt Quetta. Es gibt afghanische und pakistanische Taliban. Sie verfolgen ähnliche Ziele und unterstützen sich grenzüberschreitend.

Was ist der Unterschied zwischen Taliban und al-Qaida?

Die Taliban sind eine paschtunische, nationale Gruppe. Sie haben noch nie Anschläge im Westen verübt. Ihr Ziel ist es, Afghanistan von ausländischen Besatzern zu befreien. Al-Qaida ist eine transnational organisierte und agierende Terrorgruppe. Al-Qaida verübte zahlreiche Anschläge im Westen. Ihr Ziel ist es, das Herrscherhaus in Saudi Arabien zu stürzen, die USA zu besiegen, Israel zu vernichten und ein Kalifat zu errichten.

Ist al-Qaida eine Gefahr für Afghanistan?

Es war eine Gefahr für Afghanistan. Ob es heute noch eine ist, wird man erst nach dem Abzug der westlichen Truppen aus Afghanistan sagen können. Letzte Stellungnahmen der Taliban lassen vermuten, dass sie zu al-Qaida auf Distanz gegangen sind.

Wie viel Rückhalt haben die Taliban unter den Afghanen?

Unter den Paschtunen im Süden und Ostens des Landes viel, im Norden, wo weniger Paschtunen leben, ist der Rückhalt geringer.

Wie viel Rückhalt haben die Taliban in den paschtunischen Stammesgebieten im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet?

Unter den Bedingungen des Krieges haben sie im Grenzgebiet viel Unterstützung erfahren und wo dies nicht geschah, diese mit Terror erzwungen.

Wie viel Rückhalt haben die Taliban unter den Pakistanern?

Sehr sehr wenig. Die große Mehrheit der 190 Millionen Pakistaner betrachten die Taliban als eine Gruppe von Extremisten aus den bergigen Grenzregionen zu Afghanistan. In Pakistan leben mehr Paschtunen (27 Millionen) als in Afghanistan (ca. 12 Millionen)!

Gegen welche verschiedenen Gruppen kämpfen die Nato/Isaf-Truppen in Afghanistan?

- Die Taliban;
- die Islamisten von Gulbuddin Hekmatyar;
- das Netzwerk von Jalaluddin Haqqani;
- al-Qaida.

Mit welchen wesentlichen militanten Konflikten ist die pakistanische Regierung konfrontiert?

- Der Talibanisierung in den Stammesgebieten im Nordwesten;
- den Rebellengruppen in Belutschistan;
- den islamistischen Extremisten im Kernland des Punjab.

Welche Rolle spielt der pakistanische Geheimdienst im Konflikt mit Afghanistan?

Pakistan möchte ein "befreundetes" Afghanistan, ganz einfach aus Sicherheitsgründen. Es will auf jeden Fall verhindern, dass Afghanistan sich auf irgendeine Weise mit dem Erzfeind Indien verbündet. Traditionell unterstützte Pakistan die Paschtunen Afghanistans, während die Inder dem Volk der Tadschiken am Hindukusch beistehen. Pakistan unterstützt folglich die Taliban, wenn auch auf verborgene Weise. Das scheint für Islamabad der einzige Weg zu sein, um seine Interessen wahrnehmen zu können.

Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?

Nein.

Welche Rolle spielen Indien, Iran und Russland im afghanisch-pakistanischen Spannungsfeld?

Sie alle unterhalten dort enge Beziehungen zu ausgewählten Gruppen und geben diesen Unterstützung jeder Art. Afghanistan ist das Feld, auf dem diese Mächte ihre Stellvertreterkriege ausfechten - einschließlich der USA.

 
Leser-Kommentare
  1. obwohl älter: Jean-Christophe Victor 'Mit offenen Karten'
    über Afghanistan:
    http://www.youtube.com/wa...
    http://www.youtube.com/wa...
    Waziristan:
    http://www.youtube.com/wa...
    Belutschistan:
    http://www.youtube.com/wa...

  2. wer stellt die fragen? wer antwortet?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es handelt sich nicht um ein "echtes" Interview sondern um "Frequently asked Questions", bei der einfach ein Frage- und Antwortkatalog zusammengestellt, wobei es keinen echten Interviewpartner gibt sondern allgemeine Antworten.

    Wobe die vorletzte Antwort doch etwas kurz ist:

    Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?

    Nein.

    Nein? Einfach so? Frage abgehakt, Begründung wird nicht benötigt...
    Auch wenn die Fakten für diese Antwort sprechen hätte man wenigstens die Fakten in die Antwort einbauen sollen. Da dies aber schon in den anderen Antworten geschehen ist, ist die Frage & Antwort eigentlich überflüssig den die hätte man einfach mit einer anderen Frage zusammenlegen können. Und das Argument, dass man einfach alle häufig gestellten Fragen wie "Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?" nimmt, passt nicht zur Komplexität des Themas. Zumindest ist das meine Meinung, dass sich FAQs zwar für technische oder sonstige Dinge eignet, aber eher nicht um eine politische Frage zu erläutern. Vielleicht wollte die Zeit aber einfach wieder kreativ sein...

    Es handelt sich nicht um ein "echtes" Interview sondern um "Frequently asked Questions", bei der einfach ein Frage- und Antwortkatalog zusammengestellt, wobei es keinen echten Interviewpartner gibt sondern allgemeine Antworten.

    Wobe die vorletzte Antwort doch etwas kurz ist:

    Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?

    Nein.

    Nein? Einfach so? Frage abgehakt, Begründung wird nicht benötigt...
    Auch wenn die Fakten für diese Antwort sprechen hätte man wenigstens die Fakten in die Antwort einbauen sollen. Da dies aber schon in den anderen Antworten geschehen ist, ist die Frage & Antwort eigentlich überflüssig den die hätte man einfach mit einer anderen Frage zusammenlegen können. Und das Argument, dass man einfach alle häufig gestellten Fragen wie "Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?" nimmt, passt nicht zur Komplexität des Themas. Zumindest ist das meine Meinung, dass sich FAQs zwar für technische oder sonstige Dinge eignet, aber eher nicht um eine politische Frage zu erläutern. Vielleicht wollte die Zeit aber einfach wieder kreativ sein...

    • LJA
    • 28.01.2010 um 19:07 Uhr
    3. Vieles

    von dem was hier als Gewissheit dargestellt wird, sind doch eher Vermutungen. So hat die Taliban-Bewegung erst von Afghanistan aus auf Pakistan über gegriffen. Auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens hatte sie vor 2001 bereits Ableger gebildet. Viele Taliban geben auch an, dass sie sich als Verbreiter des radikalen Islam betrachten, ohne dabei auf ein Staatsgebiet fixiert zu sein. Die Taliban jetzt als Widerstandskämpfer dar zu stellen, denen es nur um die Befreiung Afghanistans gehe, übernimmt dabei weitgehend kritiklos deren Propaganda. Dabei geht es diesen Leuten doch wohl zunächst darum, ihr steinzeitliches Terrorregime wieder errichten zu können.

    Umgekehrt wird Al Quaida heutzutage schon eher als Ideologie denn als physische Organisation wahr genommen. Die zahlreichen Ableger, die in den letzten Jahren entstanden sind, von Indien über Thailand bis nach Malaysia und vom Magreb bis an das Horn von Afrika, haben sich an Bin Ladens Idee eines weltweiten Kalifats orientiert.

    Grundsätzlich ist es müßig, hier eine genaue Zurodnung oder Abgrenzung treffen zu wollen, da alle diese Bombenleger und Kalshnikovträger ihre Motivation aus den gleichen Quellen schöpfen.

  3. Apropos Gulbuddin Hekmatyar:
    "Hekmatyar received the largest share of the hundreds of millions of dollars of aid and arms supplied by the US and Saudi Arabia and funnelled through Pakistan."
    Aktuell knüpfen die USA bzw.Karzai offensichtlich Kontakte zu ihm :
    http://www.telegraph.co.u...
    http://www.timesonline.co...
    Soviel zum Krieg gegen den Terrorismus.Leider blendet Ihr Fragenkatalog die Fundamentalisten in Karzai's Regierung und
    wichtigen politischen Positionen aus. Auch die Unterstützung
    von Fundamentalisten und Terroristen durch westliche Geheimdienste bleibt unerwähnt:
    http://www.newint.org/fea...
    Dabei ist dies mit ursächlich für diesen furchtbaren Krieg.

  4. 5. FAQ

    Es handelt sich nicht um ein "echtes" Interview sondern um "Frequently asked Questions", bei der einfach ein Frage- und Antwortkatalog zusammengestellt, wobei es keinen echten Interviewpartner gibt sondern allgemeine Antworten.

    Wobe die vorletzte Antwort doch etwas kurz ist:

    Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?

    Nein.

    Nein? Einfach so? Frage abgehakt, Begründung wird nicht benötigt...
    Auch wenn die Fakten für diese Antwort sprechen hätte man wenigstens die Fakten in die Antwort einbauen sollen. Da dies aber schon in den anderen Antworten geschehen ist, ist die Frage & Antwort eigentlich überflüssig den die hätte man einfach mit einer anderen Frage zusammenlegen können. Und das Argument, dass man einfach alle häufig gestellten Fragen wie "Ist al-Qaida eine Gefahr für Pakistan?" nimmt, passt nicht zur Komplexität des Themas. Zumindest ist das meine Meinung, dass sich FAQs zwar für technische oder sonstige Dinge eignet, aber eher nicht um eine politische Frage zu erläutern. Vielleicht wollte die Zeit aber einfach wieder kreativ sein...

    Antwort auf "Interview?"
  5. Nachdem der Krieg nicht gewinnbar ist, werden nun allerorten die "Feinde" in Kategorien eingeteilt, in gut und schlechte Taliban, andere Islamisten, al Quaida usw.
    Ob die Afghanen das alles wohl auch so sehen?

  6. ist bitte mein Kommentar von heute Nachmittag geblieben????

    • gw-hh
    • 03.02.2010 um 14:10 Uhr

    Wer glaubt, die Erklärungen von Zbigniew Brzezinsky, der die US-Strategie zu Afghanistan vor über 30 Jahren konzipierte und auch heute als Berater Obamas fungiert, ignorieren zu können, kann nur als Blindfisch qualifiziert werden (gut: Ignoranz gegenüber realen Hintergründen gilt heute vielfach als Qualifikationsmerkmal des Journalismus, aber ich setze doch eher auf Erkenntnis).

    Ursprung der Taliban (=Schüler) waren doch die Medressas, die Koranschulen in Pakistan, die vor 30 Jahren mit Finanzierung der Saudis und Förderung der CIA und des pakistanischen Geheimdienstes ISI aufgebaut wurden und den wahhabitischen Brutal-Islam in die Köpfe so etlicher Paschtunen hämmerten, um auf dieser ideologischen Basis die Russen vertreiben zu können.

    Der Sinn der Kontrolle der "Afpak-Zone" heute liegt schlicht darin, dass sich die NATO-Staaten durch die Wirtschaftskonkurrenz der süd- und ostasiatischen Länder bedroht fühlen.
    Deren Achillesferse / der Punkt, an dem man sie strangulieren kann, ist die mangelnde Verfügung über Energiereserven: die liegen im Mittleren Osten.

    Der Seeweg dorthin wird kontrolliert durch die NATO-Flotten. Auf dem Landweg - etwa von Indien oder China zum Iran oder persischen Golf - trifft man auf die Afpak-Zone.
    Hier bemühen sich die Chinesen, die den Hafen Gwadar gebaut haben, oder die Inder, die mit einer Gaspipeline die großen iranischen Vorkommen anzapfen wollen.

    Deshalb sitzt die NATO dort.In Belutschistan z.b. hagelt es amerikanische Drohnen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service