Bürgerkrieg in Kolumbien Töten für einen Urlaubstag

Drei kolumbianische Jugendliche wurden als Rebellen verkleidet und dann ermordet; Motiv: Prämien für getötete Guerilleros. Die verdächtigen Militärs wurden freigelassen

Spuren des Bürgerkriegs: Ein Waffenfund der kolumbianischen Armee in Medellin. Die Mörsergranaten sollen von der FARC stammen.

Spuren des Bürgerkriegs: Ein Waffenfund der kolumbianischen Armee in Medellin. Die Mörsergranaten sollen von der FARC stammen.

Gelassen, geradezu unbeteiligt verfolgten die 17 Soldaten Ende vergangener Woche die Verhandlung im Gerichtssaal: Sie wissen, viel wird ihnen an diesem Tag nicht passieren, obwohl die Vorwürfe gegen die Angehörigen der kolumbianischen Armee ungeheuerlich sind. Nach ein paar Minuten verkündete der Richter seinen Spruch: Die des gemeinschaftlichen und vorsätzlichen Mordes verdächtigten Männer können das Gerichtsgebäude vorerst als freie Männer verlassen.

Der zugrunde liegende Vorfall, der Medien und Menschen in Kolumbien beschäftigt und die Justiz erschütterte, ist der vorläufige Höhepunkt einer an Menschenverachtung kaum zu überbietenden Geschichte: Drei Jugendliche aus der bettelarmen Ortschaft Soacha unweit der Hauptstadt Bogotá waren im August 2008 dem Angebot eines Unbekannten gefolgt, der ihnen Arbeit in einem anderen Teil des Landes versprach.

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Doch nur wenige Tage später wurden die drei ermordet in der nordöstlichen Provinz Norte de Santander aufgefunden. Was die Staatsanwaltschaft dann herausfand, sorgte in Kolumbien für ein politisches Erdbeben: Die 17 verdächtigten Militärs sollen die drei Ermordeten gemeinsam verschleppt, in eine Rebellenuniform gesteckt und dann umgebracht haben. Ziel war es, sie anschließend als angebliche Angehörige der marxistischen Rebellenorganisation Farc zu präsentieren.

Seit über 40 Jahren befindet sich der kolumbianische Staat im Krieg mit der Farc, die ihren Kampf gegen die Armee mit der Erpressung von Lösegeldern aus Entführungen und dem Drogenhandel finanziert. Erst vor Kurzem entführten die Rebellen einen lokalen Gouverneur, um ihn anschließend zu enthaupten. Beide Seiten gehen in dem Bürgerkrieg mit äußerster Brutalität vor, ein Krieg, den Politiker wie Diplomaten gerne als "bewaffneten Konflikt" verharmlosen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden Militärangehörige für im Kampf getötete Rebellen mit Sonderprämien oder Urlaubstagen belohnt, so belegen es zumindest Dokumente, die unlängst in die Hände von Friedensaktivisten gelangten.

Diese Praxis führte in der Vergangenheit immer wieder zu vermeintlichen Erfolgen der Armee, die unschuldige Zivilisten hinrichtete, um die ausgelobten Prämien zu erhalten. Auf dem Höhepunkt des Skandals der sogenannten "Falsos Positivos", der gefälschten Beweise, mussten im vergangenen Jahr ranghohe Militärs ihren Hut nehmen. Der Fall der 17 beschuldigten Soldaten avancierte in den kolumbianischen Medien nun zum stellvertretenden Beispiel für die Praxis der außergerichtlichen Hinrichtungen der kolumbianischen Armee. Es ist bei Weitem nicht der einzige Fall und er kratzt gewaltig an dem von Regierungsstellen so gerne zur Schau gestellten Heldenbild der Armee.

Im Falle der entlassenen Militärs musste das zuständige Gericht nach eigenen Angaben so entscheiden, nachdem die zulässige Höchstdauer für die Untersuchungshaft abgelaufen war, ohne dass die Staatsanwaltschaft es schaffte, einen Verhandlungstermin festzulegen. Eine Ohrfeige für die Angehörigen der Opfer. Sogar Staatspräsident Alvaro Uribe hatte sich am Montag persönlich eingeschaltet und ließ seinen Sprecher verkünden, man respektiere selbstverständlich die Unabhängigkeit der Justiz, aber dieses Urteil sei so nicht hinzunehmen. Verteidigungsminister Gabriel Silva und der Oberbefehlshaber der Armee, General Freddy Padilla de León, ahnten wohl schon am Wochenende, wie groß die Entrüstung im Land sein würde, und beorderten die Verdächtigen in einer Art Schutzhaft in eine Kaserne. In der Öffentlichkeit sollten sie jedenfalls nicht mehr auftauchen.

Leser-Kommentare
  1. Selten hat mich eine Nachricht so schockiert. Dass Kolumbien kein friedliches Land ist, wusste ich schon sehr lange. Aber 17 gegen 3, wegen kleiner Vergünstigungen, im vollen Bewusstsein und in der vollen Verantwortung dessen, was sie taten? Es macht mich fassungslos!
    Ich wünsche den Angehörigen der Opfer alles Gute. Und ich hoffe sehr, dass noch ein Gericht Recht spricht. Warum geht so etwas nicht automatisch an den internationalen Gerichtshof für Menschenrechte, wenn es kein nationales Gericht schafft? Aber das ist sicherlich von mir zu naiv gedacht...

  2. ein Freihandelsabkommen mit diesen netten Leuten und vorallem mit solchen Regierungen.
    Das ist traurig Geld ist wichtiger als Menschenrechte. Nur weil ein Präsident so tut als hätte er irgend etwas mit Demokratie am Hut hofieren wir ihn. Weil die USA ihn aus geopolitischen Gründen 100% Unterstütz bleibt trotzdem Drogenhandel, Paramiltärs, Menschenrechtsverletzungen überall. Das Problem keine will eine Lösung dort im Artikel wieder so ein Beispiel, warum weil alle profitieren. Die Regierung hat die Unterstützung der USA und bekommt viel viel Geld, die Wirtschaft hat das Drogengeld das ja irgendwie irgendwo hin muss. FARC und die Paramilitärs verdienen am Drogenhandel und den Schutzgeldern. Fazit alle profitieren warum also was ändern. Ach ja da gibt es ja noch das Volk vorallem das Arme. OK die haben nicht soviel davon aber wen stört das schon.
    EU und vorallem Deutschland viel Spass beim Freihandelsabkommen. Profit vor Menschlichkeit und Menschenrechte. Warum auch nicht weitermachen wie bisher. Gratulation

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