Die Führer einer der größten paschtunischen Stämme haben sich bereit erklärt, gegen Taliban zu kämpfen und die Regierung von Präsident Hamid Karsai zu unterstützen. Die Ältesten des Shinwari-Stamms versprachen außerdem, aus jeder Familie mindestens einen wehrfähigen Mann zur afghanischen Armee zu schicken. Wie die New York Times berichtet, sagte im Gegenzug die US-Armee dem Stamm eine Million Euro an Entwicklungshilfe zu. Das Geld soll ihnen direkt zukommen, vorbei an der als korrupt eingeschätzten Regionalregierung.

Zum Stamm der Shinwari gehören etwa 400.000 Menschen in der ostafghanischen Provinz Dschalalabad, er siedelt im umkämpften Grenzgebiet zu Pakistan.

"Die Taliban haben versucht, unseren Stamm zu zerstören, sie nehmen unser Geld und sie zwingen unsere Söhne zum Kämpfen", zitiert die New York Times einen der Stammesältesten.

"Wenn sie uns jetzt herausfordern, werden wir sie vernichten."
Ein Führer des Shinwari-Stammes

Die USA haben bereits im Irak gute Erfahrungen mit solchen Geschäften gemacht. 2006 gelang es der US-Armee unter Federführung des Oberkommandierenden General Petraeus, sunnitische Stämme zum Kampf gegen die al-Qaida zu bewegen. Dies schwächte die Aufständischen, zugleich verstärkten die USA ihre Truppen. Es ist allerdings fraglich, wie stark die Loyalitäten innerhalb der Stämme nach dreißig Jahren Bürgerkrieg noch sind.

Andererseits hat die Auseinandersetzung der Shinwari mit den Taliban auch eine ökonomische Komponente. Der Stamm lebt vom Schmuggel über die nahegelegene pakistanische Grenze. Stammesführer sagten der Zeitung, dass die Radikal-Islamisten die Schmuggelrouten besetzt hielten, um das Geschäft der Shinwari zu übernehmen.

Die USA werden ihre Truppen in Afghanistan um 30.000 Soldaten aufstocken. Auf der internationalen Afghanistan-Konferenz in London will die Regierung in Washington erreichen, dass die Verbündeten 10.000 weitere Soldaten schicken. Die Bundesregierung will bis zu 850 zusätzliche Soldaten am Hindukusch einsetzen.