Mit der Bestätigung des US-Notenbankchefs Ben Bernanke ist Präsident Barack Obama nach dem Verlust der 60-Stimmen-Mehrheit im Senat um eine weitere politische Niederlage herumgekommen. Der Republikaner, der noch unter dem vormaligen Präsidenten Bush nominiert wurde, erhielt bei der Abstimmung im Senat 70 Ja- und 30 Nein-Stimmen. Dies ist das schlechteste Ergebnis, mit dem der Kongress jemals einen Chef der Federal Reserve Bank wählte. Doch Bernanke bleibt im Amt. Obama gratulierte: Bernanke habe in der Krise mit "Weisheit und beständiger Führungskraft" agiert.

Sicher war das Votum nicht gewesen. Beobachter hatten vor der Abstimmung an der Mehrheit für Obamas Mann gezweifelt. Die Lager teilten sich bei der Abstimmung über Bernanke nicht entlang der Parteigrenzen. Sowohl Demokraten als auch Republikaner kritisierten den Notenbankchef teils harsch. 18 Republikaner, 11 Demokraten und ein Unabhängiger stimmten gegen ihn.

Bernanke spielte herum, während unsere Märkte brannten.
Richard Shelby, republikanischer Senator

"Bernanke spielte herum, während unsere Märkte brannten", sagte der republikanische Senator Richard Shelby kurz vor der Abstimmung. Der Demokrat Ross Feingold warf Bernanke vor, die Politik von Ex-Präsident George W. Bush mitgetragen zu haben, die für die aktuelle Wirtschaftskrise mitverantwortlich sei. Der republikanische Senator Jon Kyl, der für Bernanke gestimmt hatte, tat dies nur, weil er Obama nicht zutraute, einen besseren Ersatz zu finden, berichtet das Onlinemagazin politico.com.

"Die Führung von Ben Bernanke ist in nicht geringem Maße dafür verantwortlich, dass eine Katastrophe vom Ausmaß der Großen Depression vermieden wurde", hielt der Chef des einflussreichen Bankenausschusses des Senats, Christopher Dodd, dagegen.

Kritiker werfen der Federal Reserve außerdem vor, ihre Aufgaben der Bankenaufsicht vernachlässigt zu haben. Gleichzeitig habe sie Finanzinstitutionen wie den Versicherungsriesen AIG, die durch eigenes Verschulden an den Rand des Abgrunds geraten waren, mit gigantischen Summen gerettet.

Unter der Führung Bernankes drückte die Fed als Reaktion auf die schwerste Finanzkrise seit der Großen Depression vor 80 Jahren nicht nur den Leitzins auf ein historisches Tief von knapp über null Prozent. Die Notenbank stützte zudem mit Hunderten von Milliarden Dollar das Finanzsystem, legte zahlreiche Darlehensprogramme auf und versuchte mit allen Mitteln, den Kreditfluss wieder in Gang zu bekommen.

Bernanke hat es damit geschafft, das Finanzsystem stabil zu halten. Allerdings zum Preis Hunderter Milliarden Dollar, was bei den Bürgern in Zeiten knapper Kassen und steigender Arbeitslosigkeit Unmut hervorrief, den viele Senatoren an den Fed-Chef weitergaben.

Ein weiterer Vorwurf lautet, auch vor der Krise der laxen Geldpolitik seines Vorgängers Alan Greenspan nicht energisch entgegen getreten zu sein. Dessen niedrige Zinsen hält inzwischen auch das Gros der Experten für eine der Ursachen der jüngsten Krise, weil sich dank des billigen Zentralbankgeldes die Blase am Häusermarkt prall füllen konnte und schließlich platzte. "Wir sollten den Chef der Notenbank nicht dafür bezahlen, den Job erst während der Amtszeit zu lernen", sagte der republikanische Senator Jim Bunning, der als Einziger bereits 2005 gegen Bernanke gestimmt hatte.
 

Ohne Ben Bernanke wäre alles viel schlimmer gekommen.
TIME-Magazin über Bernankes Reaktion auf die Finanzkrise

 Die Zentralbank steht nun vor immensen Aufgaben: Nach mehreren geldpolitischen Interventionen muss sie ihre Einflussnahme nun reduzieren, um die Wirtschaft wieder zu eigener Kraft zurückfinden zu lassen. Ansonsten droht eine Inflation, die erneut jene treffen könnte, die während der Krise ihre Jobs und Häuser verloren haben.

In der Fachwelt ist Bernanke wegen seiner Forschungsarbeit über die Ursachen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre hoch angesehen. Das Nachrichtenmagazin TIME hatte den Fed-Chef im Dezember zur Person des Jahres 2009 gekürt. "Die Rezession war die Story des Jahres. Ohne Ben Bernanke wäre alles viel schlimmer gekommen", führte das Magazin dazu aus.