Präsidentenwahl in Chile Ein Milliardär als Staatspräsident
Sebastián Piñera, Diplomatensohn und geschäftstüchtiger Unternehmer, wird Präsident in Chile. Kritiker befürchten Interessenkonflikte, die Medien nennen ihn "Berlusconi".
© RODRIGO ARANGUA/AFP/Getty Images

Erst Milliardär, dann Staatspräsident: der Chilene Sebastián Piñera
So entspannt wie am Sonntag nach seinem Erdrutschsieg gegen die Concertación hat Sebastián Piñera schon lange nicht mehr gelächelt. Der Stress des Wahlkampfs, in dem der 60-Jährige oft distanziert und nervös wirkte, war von ihm abgefallen. Im dritten Anlauf glückte dem schlanken Milliardär mit dem silbernen Haarschopf der Husarenstreich, das seit 20 Jahren regierende Mitte-Links-Bündnis aus dem Präsidentenpalast Moneda zu vertreiben.
Nötig dafür war ein Rundum-Lifting – nicht nur der eigenen Krähenfüße, wie die chilenische Presse berichtete – sondern auch der chilenischen Rechten, der bis dahin noch immer der Tuff der Diktatur anhaftete. Piñera, der angibt, beim Referendum 1988 gegen den Amtsverbleib von Diktator Augusto Pinochet gestimmt zu haben, schmiedete die beiden rechten Traditionsparteien UDI und Renovación Nacional kurzerhand zur flotteren "Allianz für Chile" zusammen, verpasste ihr einen hübschen Stern im Regenbogenlook als Logo und begann, nicht nur von "Effizienz", sondern auch von Sozialpolitik zu reden.
"Wenig glaubwürdig" sei das, kritisierten seine Gegner und führten die drakonischen Bedingungen an, die in Piñeras Unternehmen herrschten. Bei einer Kongressanhörung vor einigen Jahren waren Mitarbeiter von Piñeras Fluglinie LAN, der Verstöße gegen Arbeitnehmerrechte vorgeworfen werden, vermummt vor den Parlamentariern erschienen – aus Angst vor Repressalien.
LAN, an der der künftige Präsident 26 Prozent der Anteile hält, gehört zu den ertragreichsten Fluglinien überhaupt. Wie Piñera zu den Anteilen kam, ist allerdings ein Kapitel, über das der künftige Staatschef nicht gerne spricht. Er wurde damals von der Börsenaufsicht wegen Insider-Handel zu einer Geldstrafe verurteilt.
Fakt ist, dass er einen Riecher für Geschäfte hat – etwas, was er in der Hoffnung vieler Chilenen nun auf das gesamte Land übertragen wird, in dem über eine halbe Million Menschen arbeitslos sind. Dass er den Grundstock für sein Vermögen als Bankier und Immobilienspekulant unter Pinochet legte, macht ihn in den Augen von Kritikern allerdings zu einem Nutznießer der Diktatur. Die meisten seiner Aufkäufe fallen aber in die Zeit der Demokratie.
Ihm gehören unter anderem der Fußballclub Colo Colo, das Bauunternehmen Salfacorp, der Sender Chilevision, die Klinik Las Condes, die Schuhfabrik Bata, das Technologieunternehmen Quitec, der Naturpark Tantauco, Apotheken und Supermärkte. Dass so jemand nach der Präsidentschaft strebe, sei wegen der Verquickung privater und öffentlicher Interessen bedenklich, hatte Präsidentin Michelle Bachelet kritisiert. Dass ihm die Medien deshalb den Beinamen "Berlusconi Chiles" gaben, passt ihm ganz und gar nicht.
In der Politik ist Piñera seit den achtziger Jahren aktiv, er war Wahlkampfmanager von Pinochets Präsidentschaftskandidat Hernán Büchi und später Senator und Vorsitzender der Partei Renovación Nacional. Mit der traditionell verbündeten UDI-Partei kam es immer wieder zu heftigen Diskussionen. Die pinochetistische UDI grollte ihm wegen seiner Haltung im Plebiszit 1988 und legte ihm wiederholt Steine in den Weg.
Der Zeitung Forbes zufolge gehört der Linkshänder zu den 700 reichsten Menschen der Erde und verfügt über 1,2 Milliarden Dollar. Forbes unterschätze ihn, kommentierte Piñera das. Solche Sätze haben ihm den Ruf eingebracht, arrogant zu sein. So viel über sein Geschäftsleben bekannt ist, so bedeckt hält er sein Privatleben. Der in Harvard studierte Ingenieur und gläubige Katholik ist seit 1973 verheiratet mit Cecilia Morel, mit der er vier Kinder hat. Sein Vater war ein christdemokratischer Diplomat. Übers Wochenende fliegt er gerne mit seinem Privathubschrauber in sein Ferienhaus im Süden Chiles, in das er manchmal enge Vertraute und Parteifreunde einlädt.
Er sei eher liberal als konservativ, hyperaktiv, intelligent, zielstrebig und neugierig, attestieren ihm Bekannte. Geschäftspartner beschreiben ihn als "berechnend", Mitarbeiter fürchten ihn als "aufbrausend und unhöflich". In der "Moneda", wo bisher die joviale, bodenständige Kinderärztin Bachelet das Sagen hatte, brechen neue Zeiten an.
- Datum 18.01.2010 - 10:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Das Land hat unter den Linken in den vergangenen zwei Jahrzehnte genug gelitten.
Bleibt zu hoffen, dass es auch anderen Völkern Südamerikas (Venezuela!) gelingt, sich von ihren linken Obergurus zu befreien!
"Das Land hat unter den Linken in den vergangenen zwei Jahrzehnte genug gelitten."
Da haben Sie irgendetwas falsch verstanden. Das Land hat keineswegs gelitten, es geht ihm sehr gut und ist erst neulich der OECD beigetreten. Ihr Venezuelavergleich ist absurd, die Mittelinkskoalition hat den neoliberalen Kurs von Pinochet fortgesetzt, aber das ist ja gerade das Problem.
Wie im Text anklingt erwarten sich viele der Wähler von Piñera einen Ausbau des nicht vorhandenen Wohlfahrtsstaates. Dass sie in dieser Hoffnung aller Wahrscheinlichkeit nach falsch liegen dürfte einleuchten.
Pinochets Terrorregime erhob den Kampf gegen echte und vermeintliche Kommunisten zur Staatsräson. Wer als Feind galt, war auch im Ausland nicht sicher: Allendes Außenminister Orlando Letelier und der Allende-treue General Carlos Prats wurden in Washington und Buenos Aires jeweils mit einer Autobombe getötet. In Chile durchkämmten die Sicherheitskräfte systematisch die Armenviertel der Millionenstadt Santiago, wo Allende die größte Unterstützung genoss. 3200 Menschen wurden hingerichtet oder verschwanden spurlos. Weitere 28.000 wurden verhaftet und gefoltert. "Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden, damit sie fortbestehen kann", verkündete Pinochet.
Knallharter Zyniker, gell?
"Das Land hat unter den Linken in den vergangenen zwei Jahrzehnte genug gelitten."
Da haben Sie irgendetwas falsch verstanden. Das Land hat keineswegs gelitten, es geht ihm sehr gut und ist erst neulich der OECD beigetreten. Ihr Venezuelavergleich ist absurd, die Mittelinkskoalition hat den neoliberalen Kurs von Pinochet fortgesetzt, aber das ist ja gerade das Problem.
Wie im Text anklingt erwarten sich viele der Wähler von Piñera einen Ausbau des nicht vorhandenen Wohlfahrtsstaates. Dass sie in dieser Hoffnung aller Wahrscheinlichkeit nach falsch liegen dürfte einleuchten.
Pinochets Terrorregime erhob den Kampf gegen echte und vermeintliche Kommunisten zur Staatsräson. Wer als Feind galt, war auch im Ausland nicht sicher: Allendes Außenminister Orlando Letelier und der Allende-treue General Carlos Prats wurden in Washington und Buenos Aires jeweils mit einer Autobombe getötet. In Chile durchkämmten die Sicherheitskräfte systematisch die Armenviertel der Millionenstadt Santiago, wo Allende die größte Unterstützung genoss. 3200 Menschen wurden hingerichtet oder verschwanden spurlos. Weitere 28.000 wurden verhaftet und gefoltert. "Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden, damit sie fortbestehen kann", verkündete Pinochet.
Knallharter Zyniker, gell?
Sinn von Neoliberalismus und Globalisierung ist, dass die Unternehmen das Sagen im Staat haben. Warum also nicht gleich einen Großunternehmer an die Spitze des Staates stellen?
Wahlen, die ja ja für das Volk sowieso nichts bewirken, wie man bei uns in den letzten Jahren gesehen hat, könnte man dann auch gleich abschaffen: Die Regierung wird ganz einfach aus den reichsten Unternehmern des Landes gebildet. Dann spart man auch noch das Geld für die Lobby-Arbeit ein.
Fokko vom Selbstversorger-Blog/Fantasy-Blog
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http://selbstversorger-bl...
http://fokko.wordpress.com
Neoliberalismus macht mir Angst. Ich hoffe, dass Grossunternehmer als Souveräne nicht zum Trend werden. Denn in der freien Marktwirtschaft ist kein Platz für die von mir geschätzte Kultur, Moral und Ethik.
Neoliberalismus macht mir Angst. Ich hoffe, dass Grossunternehmer als Souveräne nicht zum Trend werden. Denn in der freien Marktwirtschaft ist kein Platz für die von mir geschätzte Kultur, Moral und Ethik.
Sebastián Piñera gibt den Problemen Südamerikas ein Gesicht. In von Konzernen regierten Ländern gibt es keine Demokratie. Die Interessen der Armen werden geopfert für den Profit. Armes Chile, warum habt ihr das getan?
Neoliberalismus macht mir Angst. Ich hoffe, dass Grossunternehmer als Souveräne nicht zum Trend werden. Denn in der freien Marktwirtschaft ist kein Platz für die von mir geschätzte Kultur, Moral und Ethik.
-"einen Riecher für Geschäfte": das wird dem Land nicht schaden.
-"das seit 20 Jahren regierende Mitte-Links-Bündnis aus dem Präsidentenpalast Moneda zu vertreiben
": es kann nur gut sein, wenn nach 20 Jahren ein Wechsel kommt. Das Land hat z.B. Umweltprobleme ohne Ende!
-Schön, wenn man über seine Geschäfte viel und über sein Privatleben wenig weiß: das ist gute europäische Tradition!
-Unhöflich und aufbrausend: eben kein Langweiler.
-"Milliardär als Präsident": Wie war das noch in den USA, mit den Bushs? Die sind die Welt bisher deutlich teurer zu stehen gekommen, als Berlusconi!!! Oder betrachtet man diese Kriegverbrecher inzwischen auch als "lupenreine Demokraten"?
Was will die Zeit denn mit dem Geheule in diesem Artikel sagen? Freut euch: Er ist doch links! (-händer jedenfalls...)
1. ein Riecher für Geschäfte ist ja schön und gut, aber bei einem Kapitalisten bedeutet das auch schnell mal Korruption, also Vorsicht.
2. die linke Regierung der letzten 20 Jahren hat Chile ja zu einem enormen Wirtschaftswachstum verholfen. Vergleicht man nur mal mit den Nachbarländern. Und da ein Ökonom wie Sebastián Piñera Präsident ist, wird sicherlich nicht genug für die Umwelt investiert. (Umwelt rendiert nicht)
3. okey...
4. eben kein Langweiler? Man kann alles positiv drehen xD
Unhöfliche Menschen sind nicht sympathisch... Und eine Symphatie zwischen Souverän und Volk ist imho notwendig.
5. Schon mal die Verschuldung Italiens gesehen? Berlusconi war/ist für Italien nicht gerade ein Geldmagnet, obwohl auch er ein Riecher für Geschäfte hat.
Die Bushfamilie hat aus Komplizenschaft mit Nazi-Deutschland Kapital geschlagen. Dieses Bild passt wohl eher nach Rechts?
1. ein Riecher für Geschäfte ist ja schön und gut, aber bei einem Kapitalisten bedeutet das auch schnell mal Korruption, also Vorsicht.
2. die linke Regierung der letzten 20 Jahren hat Chile ja zu einem enormen Wirtschaftswachstum verholfen. Vergleicht man nur mal mit den Nachbarländern. Und da ein Ökonom wie Sebastián Piñera Präsident ist, wird sicherlich nicht genug für die Umwelt investiert. (Umwelt rendiert nicht)
3. okey...
4. eben kein Langweiler? Man kann alles positiv drehen xD
Unhöfliche Menschen sind nicht sympathisch... Und eine Symphatie zwischen Souverän und Volk ist imho notwendig.
5. Schon mal die Verschuldung Italiens gesehen? Berlusconi war/ist für Italien nicht gerade ein Geldmagnet, obwohl auch er ein Riecher für Geschäfte hat.
Die Bushfamilie hat aus Komplizenschaft mit Nazi-Deutschland Kapital geschlagen. Dieses Bild passt wohl eher nach Rechts?
"Das Land hat unter den Linken in den vergangenen zwei Jahrzehnte genug gelitten."
Da haben Sie irgendetwas falsch verstanden. Das Land hat keineswegs gelitten, es geht ihm sehr gut und ist erst neulich der OECD beigetreten. Ihr Venezuelavergleich ist absurd, die Mittelinkskoalition hat den neoliberalen Kurs von Pinochet fortgesetzt, aber das ist ja gerade das Problem.
Wie im Text anklingt erwarten sich viele der Wähler von Piñera einen Ausbau des nicht vorhandenen Wohlfahrtsstaates. Dass sie in dieser Hoffnung aller Wahrscheinlichkeit nach falsch liegen dürfte einleuchten.
1. ein Riecher für Geschäfte ist ja schön und gut, aber bei einem Kapitalisten bedeutet das auch schnell mal Korruption, also Vorsicht.
2. die linke Regierung der letzten 20 Jahren hat Chile ja zu einem enormen Wirtschaftswachstum verholfen. Vergleicht man nur mal mit den Nachbarländern. Und da ein Ökonom wie Sebastián Piñera Präsident ist, wird sicherlich nicht genug für die Umwelt investiert. (Umwelt rendiert nicht)
3. okey...
4. eben kein Langweiler? Man kann alles positiv drehen xD
Unhöfliche Menschen sind nicht sympathisch... Und eine Symphatie zwischen Souverän und Volk ist imho notwendig.
5. Schon mal die Verschuldung Italiens gesehen? Berlusconi war/ist für Italien nicht gerade ein Geldmagnet, obwohl auch er ein Riecher für Geschäfte hat.
Die Bushfamilie hat aus Komplizenschaft mit Nazi-Deutschland Kapital geschlagen. Dieses Bild passt wohl eher nach Rechts?
Pinochets Terrorregime erhob den Kampf gegen echte und vermeintliche Kommunisten zur Staatsräson. Wer als Feind galt, war auch im Ausland nicht sicher: Allendes Außenminister Orlando Letelier und der Allende-treue General Carlos Prats wurden in Washington und Buenos Aires jeweils mit einer Autobombe getötet. In Chile durchkämmten die Sicherheitskräfte systematisch die Armenviertel der Millionenstadt Santiago, wo Allende die größte Unterstützung genoss. 3200 Menschen wurden hingerichtet oder verschwanden spurlos. Weitere 28.000 wurden verhaftet und gefoltert. "Die Demokratie muss gelegentlich in Blut gebadet werden, damit sie fortbestehen kann", verkündete Pinochet.
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