Deutsch-israelisches Verhältnis Israels Kabinett zu Gast bei FreundenSeite 2/2

In Fragen der Sicherheitspolitik herrscht Übereinstimmung zwischen den Regierungen. Merkel und Westerwelle betonen stets, dass die Sicherheit Israels Teil der deutschen Staatsräson sei. So bekräftigte die Bundeskanzlerin, dass eine Bedrohung vom iranischen Nuklearprogramm ausgehe. Iran seien zahlreiche Angebote gemacht worden, Verhandlungen liefen noch. „Sollte das nicht möglich sein, wird Deutschland sich an Sanktionen beteiligen“, sagte Merkel. Leider sei der Iran bis heute nicht auf die Angebote der UN eingegangen. Auch Netanjahu sagte, dass in Iran ein schreckliches Regime herrsche. „Das ist ein Regime, das keine Atomwaffen haben darf“, sagte der Premier. Er forderte sofortige Sanktionen.

Trotz der betonten Freundschaft werden Merkel und Westerwelle ihre Gäste bei einem Wunsch vertrösten. Netanjahu und Barak sollen erneut gebeten haben, beim Werftenverbund ThyssenKrupp zwei Kriegsschiffe mit deutscher Unterstützung bestellen zu können. Die Korvetten sollen mit den neuesten Radaranlagen und Flugabwehrraketen ausgestatten werden, um Mittelstreckenraketen aus dem Iran abzuwehren.  Da israelische Kriegsschiffe aber im Gaza-Krieg im vergangenen Jahr Ziele im Hamas-Gebiet beschossen, reagiert die Bundesregierung bisher zögerlich auf die Bitte.

Unterschiedliche Ansichten gibt es auch zum Siedlungsbau im Westjordanland. Zwar kritisiert die Bundesregierung die israelische Politik selten öffentlich, hinter verschlossenen Türen wollen die deutschen Kabinettsmitglieder aber ihr Unbehagen über den fortschreitenden Siedlungsbau äußern. Außenminister Westerwelle hatte bereits im November bei seinem Besuch in Israel einen Baustopp und die Einhaltung internationaler Verträge durch Israel gefordert.

Da Netanjahu Ende November einen vorläufigen Baustopp für die Siedlungen in den umstrittenen Gebieten verkündete, werden Merkel und ihre Minister vermutlich keine harten Forderungen an die Gäste formuliert haben – wenngleich der Baustopp nur für Gebäude in den bereits bestehenden Siedlungen gilt und begonnene Bauten fortgesetzt werden dürfen. Schulen, Synagogen und Kindergärten sind von dem Verbot sowieso ausgenommen. Die orthodoxen Siedler geben allerdings sowieso wenig auf Anordnungen der Regierung. Sie sehen ihre Tätigkeit in den Palästinensergebieten als religiöse Pflicht. Die israelische Friedens- und Menschenrechtsorganisation Peace Now berichtete Ende 2009, dass Siedler noch schnell vor dem Erlass Netanjahus 800 Fundamente gegossen haben, um diese Häuser nun in diesem Jahr fertig zu bauen.

In Israel gibt es aber auch Kritik an der deutschen Außenpolitik. Die guten Außenhandelsbeziehungen zwischen Iran und Deutschland werden in Jerusalem sehr kritisch gesehen. Deutschland ist einer der wichtigsten Handelspartner des Iran. Israelische Abgeordnete kritisierten im November in einer Umfrage des Nachrichtenmagazins Spiegel, dass die Bundesregierung zu wenig tue, um das iranische Atomprogramm zu stoppen.

Trotz der Kritik ist das deutsch-israelische Verhältnis gut – nicht nur auf Regierungsebene. Vor allem viele junge Israelis schätzen Deutschland. Angela Merkel gilt als populärster europäischer Regierungschef in Israel. Eine Meinungsumfrage der Hebräischen Universität Jerusalem ergab, dass 52 Prozent der jüdischen Israelis die Rolle Deutschlands im Nahen Osten positiv sehen.

Wie gut das Verhältnis ist, zeigt auch, dass Israels Präsident in wenigen Tagen nach Berlin kommen wird. Schimon Peres will vom 25. bis zum 28. Januar in Berlin die deutschen Spitzenpolitiker treffen und eine Rede vor dem Bundestag halten.

 
Leser-Kommentare
    • phima
    • 18.01.2010 um 19:46 Uhr

    ... die ueblichen antisemitischen, verzeihung ich wollte sagen israelkritischen Kommentare unserer progressiven Mitbuerger?
    [Anmerkung: Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/vv]

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    Beim löcken immer schön gut festhalten am Rockzipfel und in Deckung bleiben hinter Mama Zensor.

    Ich denke mal die sind gerade ein paar Runden laufen, damit sie hier im Forum nicht explodieren und ihre verleumderische Gleichstellung von Konstruktivem und Destruktivem per simpelster Logik in Fetzen reißen.

    Und da ich gerade zurück bin, fang ich auch direkt mal an:
    Der Artikel ist schon darauf angelegt, im aufgeklärten Leser Wut zu erzeugen. "...nahm sie ihren Amtskollegen ganz vertraut am Arm...", "...scherzten und lachten gemeinsam..." und "war die Stimmung ausgezeichnet" sind nur Auszüge, die darauf hinweisen, wie toll ein Treffen sein kann, obwohl Israels Politik jegliches Fairnessgefühl mit Füßen tritt.
    Ich war vergangenes Jahr im nahen Osten und habe einen dänischen Aktivisten im Krankenhaus besucht, der von einer israelischen Tränengasgranate am Kopf getroffen wurde, weil er sich schützend vor einen Palästinenser stellte. Das Opfer liegt übrigens im Koma, weil die israelischen Soldaten ihre Geschosse nicht im hohen Bogen in die Menge schießen, sondern geradewegs und gezielt auf Menschen - einen Prozess oder wenigstens eine Entschuldigung hat es nicht gegeben.

    Mit Netanjahu zu scherzen, mag eine diplomatische Meisterleistung sein, aber moralisch ist das Verhalten kaum zu vertreten.

    Beim löcken immer schön gut festhalten am Rockzipfel und in Deckung bleiben hinter Mama Zensor.

    Ich denke mal die sind gerade ein paar Runden laufen, damit sie hier im Forum nicht explodieren und ihre verleumderische Gleichstellung von Konstruktivem und Destruktivem per simpelster Logik in Fetzen reißen.

    Und da ich gerade zurück bin, fang ich auch direkt mal an:
    Der Artikel ist schon darauf angelegt, im aufgeklärten Leser Wut zu erzeugen. "...nahm sie ihren Amtskollegen ganz vertraut am Arm...", "...scherzten und lachten gemeinsam..." und "war die Stimmung ausgezeichnet" sind nur Auszüge, die darauf hinweisen, wie toll ein Treffen sein kann, obwohl Israels Politik jegliches Fairnessgefühl mit Füßen tritt.
    Ich war vergangenes Jahr im nahen Osten und habe einen dänischen Aktivisten im Krankenhaus besucht, der von einer israelischen Tränengasgranate am Kopf getroffen wurde, weil er sich schützend vor einen Palästinenser stellte. Das Opfer liegt übrigens im Koma, weil die israelischen Soldaten ihre Geschosse nicht im hohen Bogen in die Menge schießen, sondern geradewegs und gezielt auf Menschen - einen Prozess oder wenigstens eine Entschuldigung hat es nicht gegeben.

    Mit Netanjahu zu scherzen, mag eine diplomatische Meisterleistung sein, aber moralisch ist das Verhalten kaum zu vertreten.

  1. Beim löcken immer schön gut festhalten am Rockzipfel und in Deckung bleiben hinter Mama Zensor.

    Antwort auf "Wo bleiben denn ..."
  2. Wenn die Beziehung zwischen Israel und Deutschland eine tiefe Freunschaft sein soll, dann muss ich mir Freunde wie Deutschland suchen. Freunde kriechen sich nicht in die Ärsche sondern sagen sich auch mal die Warheit. In diesem Fall, weit gefehlt.

  3. 4. Joggen

    Ich denke mal die sind gerade ein paar Runden laufen, damit sie hier im Forum nicht explodieren und ihre verleumderische Gleichstellung von Konstruktivem und Destruktivem per simpelster Logik in Fetzen reißen.

    Und da ich gerade zurück bin, fang ich auch direkt mal an:
    Der Artikel ist schon darauf angelegt, im aufgeklärten Leser Wut zu erzeugen. "...nahm sie ihren Amtskollegen ganz vertraut am Arm...", "...scherzten und lachten gemeinsam..." und "war die Stimmung ausgezeichnet" sind nur Auszüge, die darauf hinweisen, wie toll ein Treffen sein kann, obwohl Israels Politik jegliches Fairnessgefühl mit Füßen tritt.
    Ich war vergangenes Jahr im nahen Osten und habe einen dänischen Aktivisten im Krankenhaus besucht, der von einer israelischen Tränengasgranate am Kopf getroffen wurde, weil er sich schützend vor einen Palästinenser stellte. Das Opfer liegt übrigens im Koma, weil die israelischen Soldaten ihre Geschosse nicht im hohen Bogen in die Menge schießen, sondern geradewegs und gezielt auf Menschen - einen Prozess oder wenigstens eine Entschuldigung hat es nicht gegeben.

    Mit Netanjahu zu scherzen, mag eine diplomatische Meisterleistung sein, aber moralisch ist das Verhalten kaum zu vertreten.

    Antwort auf "Wo bleiben denn ..."
    • upcno
    • 18.01.2010 um 20:15 Uhr
    5. aha

    "Vor allem in den Bereichen Umweltschutz, Bewässerung und Entwicklungshilfe seien Kooperationen vereinbart worden."

    Wofür kriegen die bei so einer Militarisierungsrate bitte Entwicklungshilfe? Man sollte Israel und Palästina einfach komplett einmauern und sie sich solange die Schädel einhauen lassen bis sie friedlich sind. Das hat in Europa auch funktioniert, war aber nicht schön anzuschauen.

  4. Wow, Staatsräson ist generell schon ein Begriff, der so metaphysisch ist, dass sich damit schon wenig erklären lässt. Aber darauf eine "uneingeschränkte Solidarität" zu gründen, schießt den Vogel wirklich ab.

    Rein vom Muster her sanktionieren Staaten einander, weil irgendein Staat einen anderen bedroht oder Menschenrechte im eigenen Land missachtet. Trotz der mehr als berechtigten Kritik an Sanktionen, mag es ein Mittel sein, um die politische Führung eines Landes (z.B. Iran) zu zähmen. Aber wie kann man Israel waffenbrüderliche Sanktionen gegen einen Feind zusichern, obwohl im Gaza-Streifen unschuldige Kinder aufgrund mangelnder Versorgung sterben. Entweder fehlt mir das Gefühl für Relationen oder abstrakte und konkrete Gefahren stehen wirklich in einem sehr schlechten Vergleichsverhältnis.

    • tower
    • 18.01.2010 um 20:28 Uhr

    wieder nach einem flauen Pflichtprotest gegen den weiteren (Landraub) Siedlungsbau im Westjordanland aus.Auch die nachgewiesenen Kriegsverbrechen im Gazastreifen seiten -unserer Freunde-und die bis heute bestehende Einkesselung der gesammten Bevölkerung im Gaza,wird nicht in Frage gestellt,im Gegenteil ,als Belohnung gibt es 2 Korvetten zum Spottpreis.

  5. Das demokratische Parlament vertritt die Interessen des Volkes nur stellvertretend, idealdemokratisch sogar nur, weil es organisatiorisch nicht anders machbar ist.

    Ich will einen Bürger sehen (der nicht unter rechter Vernunftsabstumpfung leidet), der nach einer 3-4 stündigen Auseinandersetzung mit den Nahost-Fakten Israel noch Kriegsschiffe liefern würde.

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    zeile 1-3 ...

    doch, ist es ... die schweiz lebt es schon seit jahrhunderten vor und es wird immer behauptet, deutschland sei zu groß dafür.

    ist es aber nicht. es käme den "oberen" nur ganz einfach weniger gelegen, weil der mündige bürger dann auf einmal nooooch viel mehr mitzumischen hätte.

    stetes wasser höhlt den stein ...

    zeile 1-3 ...

    doch, ist es ... die schweiz lebt es schon seit jahrhunderten vor und es wird immer behauptet, deutschland sei zu groß dafür.

    ist es aber nicht. es käme den "oberen" nur ganz einfach weniger gelegen, weil der mündige bürger dann auf einmal nooooch viel mehr mitzumischen hätte.

    stetes wasser höhlt den stein ...

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