Gefangenenlager auf Kuba Jeder fünfte Ex-Guantánamo-Häftling wird zur Gefahr

Die USA befürchten, dass sich entlassene Guantánamo-Häftlinge dem bewaffneten Kampf anschließen. Einer Studie zufolge steht jeder fünfte Ex-Gefangene unter Terrorverdacht

Das Gefangenenlager auf Kuba möglichst bald zu schließen gestaltet sich für Barack Obama immer schwieriger

Das Gefangenenlager auf Kuba möglichst bald zu schließen gestaltet sich für Barack Obama immer schwieriger

Immer mehr ehemalige Guantánamo-Häftlinge schließen sich nach ihrer Entlassung aus dem Gefangenenlager dem bewaffneten Kampf an. Dies geht aus einer jüngsten Statistik der US-Regierung hervor. Mittlerweile stehe einer von fünf aus dem Lager auf Kuba entlassenen Häftlingen unter Terrorverdacht, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Beamte des US-Verteidigungsministeriums.

Den Angaben zufolge stieg die Quote der Ex-Häftlinge, die unter Terrorverdacht stehen auf 20 Prozent. In einem Regierungsbericht vom vergangenen April war noch einer Quote von 14 Prozent wie Rede gewesen. Der Anstieg wird darauf zurückgeführt, dass mehr Guantánamo-Häftlinge freigelassen und abgeschoben wurden. Ihnen konnte – zumindest nach rechtsstaatlichen Maßstäben – meist keine direkte Beteiligung an terroristischen Aktivitäten nachgewiesen werden. Die schwierige Beweislage ist einer der Hauptgründe dafür, warum sich die US-Regierung mit der Schließung des umstrittenen Lagers so schwer tut. Denn für ordentliche Gerichtsverfahren sind die Beweise zur Vergangenheit der Terrorverdächtigen häufig viel zu dünn.

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Die jüngsten Zahlen machen es für Präsident Barack Obama noch schwieriger, das Lager wie geplant zu schließen, sagte ein nationaler Sicherheitsberater. "Niemand möchte für die Freilassung von jemandem verantwortlich sein, der anschließend weiter Amerikaner tötet", sagte Dan Baman, der Direktor des Zentrums für Frieden und Sicherheitsstudien an der Georgetown Universität in Washington. Das ursprüngliche Vorhaben das Lager Ende des Monats zu schließen, ist für Obama wohl nicht mehr einzuhalten.

Der US-Präsident hatte die Überstellung von in Guantánamo einsitzenden Häftlingen aus dem Jemen in ihre Heimat gestoppt. Aus dem südarabischen Land stammt noch rund die Hälfte der noch etwa 200 Häftlinge in dem Gefangenenlager. Es wird befürchtet, dass sie bei ihrer Rückkehr im Jemen von Terrorgruppen angeheuert werden. Auch das versuchte Attentat am ersten Weihnachtsfeiertag auf ein Flugzeug, das sich auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit befand, soll unter Beteiligung jemenitischer Terrorgruppen vorbereitet worden sein. 

 
Leser-Kommentare
  1. ...wie kann man, wenn man in ein KZ eingesperrt wird, rückfällig werden ?

    Denn wenn man ohne Verfahren und ohne Rechte in ein gesetzloses Gefängnis geworfen wird, wo ist dann das Faktum auf das man zurückfällt ? Das man nochmal auf dem Radar der amerikanischen Geheimdienste aufgetaucht ist ?

    Selbst WENN man davon ausgeht, das Insassen von Guantánamo -rückblickend betrachtet- es verdient hätten bestraft zu werden, so kann man einfach niemandem der UNSCHULDIG dort war verdenken, wenn er in Zukunft Amerika bekämpft. Wenn er das NICHT tut und TROTZDEM friedlich beleibt, DANN ist das bemerkenswert.

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    So kritikwürdig und abscheulich Guantanamo auch ist, so hat es dennoch eine vollkommen andere Qualität als die industrielle Vernichtung von Menschen, wie sie von den Nazis betrieben wurde. Wenn Sie Guantanamo mit den Nazi-KZs gleichsetzen, möchten Sie sich bitte an § 130 S. 3 StGB erinnern: nicht nur die Leugnung, auch die Verharmlosung des nationalsozialistischen Völkermordes stellt eine Straftat dar.

    Ich sehe das ähnlich, wenngleich ich Ihren KZ-Vergleich für sehr fragwürdig halte.
    Tatsache dürfte sein, dass aus Guantanamo mehr (potentielle) Terroristen rauskommen als hineingekommen sind.

    So kritikwürdig und abscheulich Guantanamo auch ist, so hat es dennoch eine vollkommen andere Qualität als die industrielle Vernichtung von Menschen, wie sie von den Nazis betrieben wurde. Wenn Sie Guantanamo mit den Nazi-KZs gleichsetzen, möchten Sie sich bitte an § 130 S. 3 StGB erinnern: nicht nur die Leugnung, auch die Verharmlosung des nationalsozialistischen Völkermordes stellt eine Straftat dar.

    Ich sehe das ähnlich, wenngleich ich Ihren KZ-Vergleich für sehr fragwürdig halte.
    Tatsache dürfte sein, dass aus Guantanamo mehr (potentielle) Terroristen rauskommen als hineingekommen sind.

    • Atan
    • 07.01.2010 um 10:12 Uhr

    denn die Rückfallquote bei "normaler" Kriminalität liegt mindestens doppelt so hoch.
    Völlige Risikofreiheit gibt es nun mal nirgendwo, und ein paar dutzend Terroristen sind ein durchaus akzeptables Risiko für die amerikanische Öffentlichkeit, wenn man bedenkt, dass man in der US-Öffentlichkeit den Tod hundertausender Unschuldiger im Irak und in Afghanistan für ziemlich unproblematisch hielt, als Vergeltung für den Anschlag auf deas Wortl Trade Center.

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    im Irak werden von den irakischen Selbstmordattentätern getötet. Da kann man wohl kaum den Amerikanern eine Schuld anlasten.

    im Irak werden von den irakischen Selbstmordattentätern getötet. Da kann man wohl kaum den Amerikanern eine Schuld anlasten.

  2. Die Ausdrücke "rückfällig" und "entlassen" suggerieren, dass die betreffenen Personen Strafen im Rahmen des rechtsstaatlichen Strafvollzuges abgebüßt hätten, zu denen sie aufgrund rechtsstaatlicher Verfahren verurteilt worden wären. Wie wir alle wissen, ist ja genau dies bei Guantanamo nicht der Fall. In die gleiche verlogene Kerbe hauen Wörter wie "erneut", "weiter" und "wieder", da ja das "Verbrechen", wegen dessen sie angeblich eingesperrt wurden, keinem von ihnen nachgewiesen wurde.
    Es handelt sich vielmehr bei den bisher Entlassenen um Personen, denen unter vielfältigsten und häufig äußerst fragwürdigen Umständen für mehrere Jahre ihre Freiheit geraubt und die zumindest in der Anfangszeit von Guantanamo wie Tiere be- und misshandelt wurden. Von Rechtsstaatlichkeit haben sie in dieser Zeit herzlich wenig mitbekommen, dafür umso mehr Gelegenheit, einen im wahrsten Sinne des Wortes Mordshass auf die USA und alles, was mit ihnen zusammenhängt, aufzubauen.
    Der Schlusspunkt ist dann noch die Art, wie die Entlassung vor sich geht: man wird gezwungen, einen Waiver zu unterzeichnen, dass man die USA für die erlittene Freiheitsberaubung nicht rechtlich belangen werde. Haftentschädigung, Entschuldigung - alles Fehlanzeige.
    Da ist es eigentlich eher verwunderlich, dass es nur bisher 14%, jetzt also 20% der Entlassenen sind, die ihre Rachegelüste in die Tat umzusetzen vesuchen. Jeder frage sich ehrlich, was er nach solch einer Erfahrung fühlen und tun würde...

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    Redaktion

    Vielen Dank für Ihre kritischen Hinweise zu Ausdrücken wie "rückfällig" und "erneut". Wir hatten die missliche Wortwahl ebenfalls bemerkt und mittlerweile korrigiert. (Die Redaktion/sh)

    Redaktion

    Vielen Dank für Ihre kritischen Hinweise zu Ausdrücken wie "rückfällig" und "erneut". Wir hatten die missliche Wortwahl ebenfalls bemerkt und mittlerweile korrigiert. (Die Redaktion/sh)

  3. ... einer Regierung noch glauben, die die Welt mit Lügen manipuliert (Massenvernichtungswaffen im Irak etc.) und Mordkommandos unterhält (vgl. Seymour Hersh)

    Sie wird alles tun, um den GULAG, den sie unterhält, zu rechtfertigen.

  4. wird eine Entschuldigung an Ex-Präsident Bush fällig.

  5. im Irak werden von den irakischen Selbstmordattentätern getötet. Da kann man wohl kaum den Amerikanern eine Schuld anlasten.

    Antwort auf "Enormer Erfolg,"
  6. .. was die US-amerikanischen "Assassination Squads" alles durchführen. Selbst US-amerikanische Präsidenten bewunderten die Mudschaheddin als "beste Freiheitskämpfer" und bekannten sich öffentlich zum Terrorismus ("I'm a Contra", R. Reagan).

    • Fokko
    • 07.01.2010 um 10:52 Uhr

    ... dass Leute, die man jahrelang gequält und erniedrigt hat, zurückschlagen, so wie sie dazu in der Lage sind?

    Fokko vom Fantasy-Blog/Selbstversorger-Blog
    -------------------------------------------
    http://fokko.wordpress.com/
    http://selbstversorger-bl...

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