Haiti Tausende Kinder irren durch Port-au-PrinceSeite 2/2

 Das Nadelöhr für die Hilfe bleiben der Flughafen und die Zugangsstraßen zur Hauptstadt. Sie sind nach Angaben des UN-Koordinationsbüros für humanitäre Hilfe (OCHA) weiter völlig überlastet. In den nächsten 48 Stunden könnten keine neuen Hilfslieferungen nach Haiti geflogen werden. Für neue Güter gebe es keine Lagermöglichkeiten mehr. Auch auf dem Landweg ist der Transport von Hilfsgütern schwierig: Die rund 300 Kilometer lange Fahrt vom Nachbarland Dominikanische Republik in Haitis Hauptstadt dauert mehr als 18 Stunden. Grund seien Staus.

Kritik wurde an den USA laut. Nach Angaben der BBC forderten Vertreter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen die US-Kommandierenden auf, die Landemöglichkeiten der Flugzeuge zu verbessern. Ein aufblasbares Krankenhaus der Organisation ist noch nicht vollständig eingetroffen, da eines der Transportflugzeuge keine Landegenehmigung erhalten hatte. Die Mitarbeiter der Organisation operierten nun pausenlos im wieder einsatzfähigen OP-Trakt des Carrefour- sowie des Choscal-Hospitals. Der Bedarf an chirurgischen Eingriffen für die Schwerverletzten sei "immens". Der Verantwortliche für die US-Operationen am Flughafen, Colonel Buck Elton, hielt dem entgegen, dass bereits 600 Starts und Landungen seit der Übernahme des Flughafens durch US-Truppen am Mittwoch möglich gewesen seien. Nur 50 Flüge seien umgeleitet worden.

Die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten stellen mehr als 400 Millionen Euro Hilfe für den Karibikstaat bereit. Die Soforthilfe der 27 EU-Staaten belaufe sich auf 20 Millionen Euro, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton in Brüssel. Tschechien, Großbritannien, Südkorea und andere Länder stockten ihre Hilfe auf.

Außerdem wollen die EU-Staaten Sicherheitskräfte nach Haiti entsenden. "Wir hoffen, dass wir in Kürze Gendarmerie in Marsch setzen können, um auf eine entsprechende Anforderung der Vereinten Nationen zu reagieren", sagte Spaniens Außenminister Miguel Angel Moratinos nach einer Krisensitzung des EU-Ministerrates. Vor allem Frankreich, Spanien und Italien haben paramilitärische Polizeieinheiten. Sie sollen helfen, die Sicherheit von Rettern und Bewohnern zu gewährleisten.

Voraussichtlich am 25. Januar werde sich die Weltgemeinschaft auf einer Konferenz in Montréal über den Wiederaufbau Haitis abstimmen. Bei einem Sondergipfel am 11. Februar werden sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) mit der Lage des bitterarmen Landes befassen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den UN-Sicherheitsrat um die Entsendung von 3500 zusätzlichen Blauhelmen in den Karibikstaat gebeten. Er habe empfohlen, die Zahl der Polizisten für eine Dauer von sechs Monaten um 1500 und die der Soldaten um 2000 aufzustocken, sagte Ban nach einem Treffen mit dem UN-Sicherheitsrat in New York. Der UN-Generalsekretär unterrichtete dabei die 15 Sicherheitsratsmitglieder über seinen Besuch in Haiti. Derzeit sind im Zuge der UN-Mission MINUSTAH rund 11.000 Soldaten und Polizisten in Haiti stationiert. Mindestens 46 Mitarbeiter der Vereinten Nationen wurden nach UN-Angaben bei dem Beben getötet, der Verbleib von über 500 weiteren war demnach weiter unklar.    

Venezuelas Präsident Hugo Chavez äußerte Kritik am Engagement von US-Soldaten in Haiti. Unter dem Vorwand der Erdbebenhilfe wollten die USA das Land besetzen. Er wolle die humanitäre Hilfe der USA nicht in Abrede stellen, sagte er. Er frage sich nur, wozu so viele Soldaten gebraucht würden.

 
Leser-Kommentare
  1. ok, jetzt reichts aber mal. die berichterstattung über diese katastrophe geht mir mittlerweile bis oberkante unterlippe. soll ich sagen warum? wegen der penetranz, mit der von seiten der medien auch noch der letzte tropfen nachrichtenwert aus der sache gepresst wird.

    auf diese weise verdeckt nämlich die fassungslosigkeit, mit der wir menschen dieser katastrophe gegenüberstehen, die handlungsmöglichkeiten, die wir gegenüber katastrophen hätten, die durchaus ein ähnliches ausmaß haben. die aber nicht naturgegeben sind, sondern passieren, weil menschen dies so wollen.

    ist klar - ein erdbeben ist nicht systemgefährdend, es lässt sich ohne weiteres kapitalistisch verwerten. sogar fluggesellschaften dürfen mit ihrem engagement werben.

    eine flächendeckende medizinische basisversorgung für die länder des südens....ist eher schwer zu vermitteln.

  2. 2. und.

    und wehe, jemand unterstellt mir kaltherzigkeit. die kaltherzigsten menschen sind nämlich jene, die ihr engagement für die menschheit als ware verkaufen.

    und ware, mehr als das ist das doch in 90% der fälle nicht. mit dem hubschrauber herumfliegen und softdrinks und reissäcke schmeißen?

    gibt gute bilder, mehr nicht.

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